Eastwood – DIY-Grindcore aus der Eifel


Eastwood - Logo

Wer es gerne dreckig, schnell und vor allem räudig, muffig mag, zudem ein Faible für noisigen Grindcore (auch als Lärm bekannt) mitbringt, der sollte mal EASTWOOD antesten und vormerken. Auf ihrer Split mit den Brasilianern Entendeu knüppeln die Jungs 10x volle Lotte derben Grindcore durch die Boxen, dass es nicht mehr feierlich ist. Fakt ist aber auch, wer auf ausgetüftelten Sound steht oder gar Melodien bevorzugt, ist hier definitiv auf dem Holzweg. Deshalb heißt es, Vorhang auf für diese chaotische Grindcore Truppe, die allen Spießern, Wichtigtuern und Trendaffen den ausgestreckten Mittelfinger entgegen streckt. Auf die Plätze, fertig… Grindcore…


Hi und hallo ins Eastwood Lager. Ich hoffe bei euch ist alles fit im Holzfällerhemd. Was treibt man gerade in der finsteren Eifel? Ich hoffe, ihr habt heute den Tag mit einer guten Grindcoreplatte begonnen oder zu mindestens ein paar Metalcorefans vermöbelt!?

Eastwood: Mit denen legt man sich besser nicht an, die können Karate!

Ihr habt mich positiv überrascht, hätte gar nicht erwartet, dass in der Eifel eine chaotische Grindcore/Power(Bauern) Violence Band entstehen kann. Aus wem setzt sich momentan die Eastwood-Familie zusammen und wer ist eigentlich der Oberindianer in der Band, der aufpasst, dass am Ende nicht zu viel an Ideenhaushalt durcheinander kommt?

Eastwood: Wir sind aktuell und waren schon immer Simon, André, Sebastian und Dominik. Sowas wie nen Bandmacker gibt’s bei uns in dem Sinne nicht. Simon kommt mit der Gitarre in der Hand zum Proberaum, wo wir anderen schon sehnsüchtig warten, und zeigt uns, was ihm auf der Fahrt eingefallen ist. Im besten Fall werden daraus Lieder, fast immer wird daraus zumindest Lärm. Die organisatorischen Dinge (Gigs klarmachen, Merch ordern, Auto fahren) übernimmt größtenteils Dominik. André und Sebastian trinken dafür am meisten.

Wenn ich mich nicht täusche, dann seid ihr ein Haufen junger Typen, die allesamt schon in den verschiedensten Bands ihr Unwesen trieben bzw. immer noch aktiv sind. Was von den ganzen Sachen ist jetzt noch aktuell?

Eastwood: Simon und Dominik hatten vorher schon zusammen Mucke gemacht, André und Sebastian ebenso. Daher kannte man sich dann auch schon länger, so wahnsinnig viele Musiker in der Richtung gibt’s in der Eifel ja nicht. Die Bands sind jedoch inzwischen alle Geschichte, zum Teil ist das auch besser so. Bis auf Simon machen wir anderen drei aktuell noch Doomcore oder so in einer Band namens KRIM.

Eastwood - Band

Der Anfang eures Demos, sprich das Tenor-mäßige Intro, ist echt lässig und cool, aber der Rest ist einfach nur Lärm. War das verdammt noch mal so gewollt, oder ist es sozusagen eure Abrechnung mit unserer heutigen „ach sooo tollen“ Gesellschaft? Nee, mal im Ernst, mir gefallen eure ersten abartigen Auswüchse, und es freut mich tierisch, dass die ungezügelte, rabiate Grindcore-Tradition zum einen weiterhin am Leben erhalten, aber auch verstanden wird! Von welchen Bands seht ihr euch maßgeblich beeinflusst, dass am Ende dieser irre Cocktail an wütenden Energien herauskommt?

Eastwood: Natürlich werden wir beim Songwriting von irgendwas beeinflusst, da wir aber nicht bewusst versuchen, dieser oder jener Band nachzueifern, ist es schwer, die Einflüsse so genau zu benennen. Die müssen auch gar nicht stilistisch so genau passen, oft ist es eher ein Gefühl oder eine Einstellung zur Musik. Insofern ist Simon in seinem Ansatz stark von dem Grind völlig fernen Bands wie King Crimson oder Joy Division beeinflusst, während Dominik seine Inspiration häufig im Acid-Folk der späten Sechziger findet. André hingegen schwört bei seiner Interpretation des Bassspiels auf Richard Wagner und Sebastian spielt einfach alles, was sein Kurzzeitgedächtnis zulässt. Wie und wieso da dann am Ende Musik herauskommt, die so klingt wie unsere, müssten wir noch genauer erforschen. Vielleicht können wir dir das beim nächsten Interview erklären.

Hey, stimmt es, dass ihr euch anfangs tatsächlich CLIT EASTWOOD genannt habt? Mit Verlaub, Jungs, aber das ist ein reichlich dämlicher Name gewesen, zumal ihr aufgrund eures Grindcorestils überhaupt nicht in die debile Pornoecke hineinpasst. Waren das noch jugendliche Ausreißer in die weite Welt der Feuchtgebiete? Wie kam es schlussendlich zum sinnvollen Bandnamen Happy End?

Eastwood: Ja, so hießen wir tatsächlich mal. Als wir angefangen haben, war auch alles andere als klar, dass aus dieser Sache jemals eine ernsthafte Band würde. Da haben wir uns einfach mal im Proberaum einer der inzwischen dahingeschiedenen Bands getroffen und ein bisschen Krach gemacht. Als Name für das Projekt wurde in Anlehnung an Charles Bronson und Co. der Kollege Eastwood als Pate auserkoren und da wir es zu diesem Zeitpunkt eher als Spaßprojekt gesehen haben, wurde in einem Anfall pubertären Humors aus dem Clint eine Clit. Mehr steckt da nicht dahinter. Als wir die Band dann langsam aber sicher etwas ernster zu nehmen begannen, bekamen wir natürlich – nicht ganz unverständlich – Probleme mit Veranstaltern und Bands, die darin sexistische Tendenzen gesehen oder uns gleich für eine Porngrindband gehalten haben. Um uns von beidem zu distanzieren, haben wir uns dann zusammen dazu entschieden, den Namen auf Eastwood zu verkürzen, womit wir auch sehr zufrieden sind.

Eastwood - Eastwood GrindEuer Bandname verrät es ja schon von alleine, dass ihr bzw. einer von euch auf die Clint Eastwood Filme steht. Obwohl ich Clint Eastwood als coolen und guten Schauspieler schätze, wundere ich mich ein wenig über diese, sagen wir mal, etwas einfallslose Namensgebung für eine Grindcore-Band. Ist das Ganze bei einer geselligen Bierlaune entstanden? Jungs, ich brauche mehr Details…

Eastwood: Wie gesagt, Eastwood ist ja nur der Rest vom albernen Anfang. Es gibt unendlich viele Bands aus allen Genres, die sich nach einem (mehr oder minder) prominenten Schauspieler benannt haben. Bei uns war’s halt Mr. Eastwood und zumindest ist der Name kurz, prägnant und irgendwie auch einfach passend. Außerdem haben wir so mehr Argumente in der Hinterhand, wenn wir Charles Bronson zu einem Gig mit Burt, Henry Fonda und uns überreden wollen. In Hollywood wäre das eine Sensation!

So, nachdem wir jetzt mal die ganze olle Namensgeschichte hinter uns haben, kommen wir mal zum angenehmen und eigentlichen Teil der Sprechstunde. Zuallererst möchte ich euch bescheinigen, dass euch ein durchaus herrlich rohes und grobes Stück Grindcore gelungen ist, dem es an Potential nicht mangelt, auch wenn natürlich noch Luft nach oben ist (gerade was die muffige Produktion angeht), is klar, oder???? Wird es da in Zukunft Verbesserungen geben, oder werden EASTWOOD einfach an ihrer alten „Bauernregel“ festhalten, haha?

Eastwood: Danke erst einmal für das Lob. Tatsächlich stammen die meisten Lieder auf dem Split-Tape ja sogar noch aus unseren blutigen Anfängen, insofern kann man wohl jetzt schon sagen, dass wir uns seitdem um einiges weiterentwickelt haben. Und wir haben auch nicht vor, damit aufzuhören, Bauernregel gibt’s hier keine.

So, zur Auflockerung schleudere ich euch jetzt einfach mal ein paar Stichworte vor die Füße, und ihr sagt mir, was euch spontan dazu einfällt:

Blastbeat: Sollte nicht zur Gewohnheit werden.

Metal: Other Bands play, Manowar kill!

Gesellschaft: Definiert sich durch die Menschen, aus denen sie besteht, was auch uns mit einschließt. Der Hauptgrund dafür, dass es mit ihr so beschissen aussieht, ist, dass so viele genau das vergessen und ihre Rolle in ihr sowie ihren Einfluss auf sie unterschätzen.

Western (Hoppelwestern gelten nicht): Hoppeln passt auch besser zu Ostern als zu Western (HAHAHAHA, WIR SIND JA SOOOOOO WITZIG!!!!).

Eifel: Eine schöne Gegend mit seltsamen Einwohnern.

Eastwood (soll angeblich eine Grindcore Band sein): Wir dachten eigentlich, das wäre ein Schauspieler.

Da die Entstehung der Songs schon ein paar Tage her ist, wie sieht es eigentlich mit Nachschub aus, und werden EASTWOOD weiterhin ihrem Namen als Grindcore-Band gerecht?

Eastwood: Aktuell sind eine 7″, eine 12″ und ein Live-Tape geplant, wozu die Aufnahmen jeweils bereits im Kasten sind. Sicher wird’s auch in Zukunft immer mal wieder kleinere Experimente in irgendwelche Richtungen geben, das ist ja auch auf dem Split-Tape schon so, aber im Kern wird es wohl immer bei schnellem und räudigem Hard-/Grindcore bleiben.

Ich bin ein Freund und großer Verfechter von klassischen Tonträgerveröffentlichungen, sprich, Schallplatten und Kassetten. Ich finde es äußerst positiv, wenn sich eine Band dem Underground verbunden fühlt, und der Kram dann auch als MC herauskommt. Aber leider geht dieser Gedanke aufgrund der nicht aufzuhaltenden Multimediatechnik immer mehr den Bach runter, so dass die meisten Hörer gar kein Kassettendeck mehr besitzen. Werdet ihr bei der 2. Attacke ebenfalls an der Kassettenform festhalten, oder schwenkt ihr gleich auf EP um?

Eastwood: Für DIY-Releases unserer Größenordnung sind Tapes schlicht und einfach das naheliegendste Format. Vinyl ist halt leider in kleinen Auflagen ziemlich teuer, ist für unsere kommenden Releases ja aber wie gesagt fest eingeplant. CDs auf der anderen Seite sind uns da ziemlich egal. Wir würden nicht ausschließen, dass wir auch einmal was auf solchen Silberlingen veröffentlichen, geplant ist da aber nichts. Analog geht definitiv vor.

Wie groß, oder besser gesagt wie klein war die Auflage der Kassette? Könnt ihr als Band mit der Nachfrage nach eurem Demo soweit zufrieden sein?

Eastwood: Die erste Auflage umfasste 70 Tapes, wovon wir allein bei der Release-Show über die Hälfte losgeworden sind. Konnte ja kein Mensch mit rechnen, dass sich an einem Abend fast 40 KASSETTEN (!!!) verkaufen! Insofern sind wir wohl doch ziemlich zufrieden mit der Nachfrage, inzwischen gibt’s eine zweite Auflage, die wieder aus 70 Tapes besteht. Wer noch eins haben will, sollte jedenfalls nicht zu lange zögern.

Eastwood - Entendeu - Split-TapeDie Kassette teilt ihr euch mit dem Brasilianos Entendeu. Wer kam auf wen zu? War es eine gute Idee, gleich mit einer Split ins Rennen zu gehen, weil so Hörer auf EASTWOOD aufmerksam gemacht werden, die man sonst nicht erreichen würde? Ich denke, somit gelangt die Kassette auch nach Brasilien, einem Land, wo Underground seit jeher stark ist und im Bereich der Grind-, HC-, und Metal-Szene gut was geht.

Eastwood: Das war eher ein Zufall. Als wir nach unserer ungefähr vierten Probe einfach mal unsere ersten Songs mit einem Kassettenrecorder aufgenommen und hochgeladen hatten, hat uns jemand, der auf diese gestoßen und anscheinend ziemlich begeistert war, mit dem Entendeu Sänger verkuppelt und so kam dann eins zum anderen. Die Jungs wollen Anfang 2014 ein Album rausbringen, da bekomm‘ ich jetzt schon ganz schwitzige Hände.

Wie ist das Interesse, konzerttechnisch EASTWOOD zu buchen? Schweres Terrain oder alles Quatsch? Ich denke, in den alten Bundesländern sollte live mehr gehen, oder?

Eastwood: Eigentlich können wir uns nicht beschweren. Wir haben ziemlich schnell nette Bands und Veranstalter kennen und lieben gelernt, mit denen man immer was starten kann. Was das angeht, ist die Szene für solche Musik in Deutschland (und auch darüber hinaus) ziemlich cool. Bei jedem Konzert lernt man wieder nette Leute und geile Bands kennen und hat vor und neben der Bühne viel Spaß.

Ihr habt im Sommer beim coolen Grind the Nazi Scum gespielt. Konntet ihr eure schwachen Sächsisch-Kenntnisse auffrischen?

Eastwood: Haha, leider nein. Da sind überwiegend Wessis und Franzosen rumgeflogen. Außerdem waren eh alle viel zu betrunken, das war ne Sprache, die jeder verstehen konnte. Oder keiner, aber das war dann in dem Fall auch egal.

Da ich leider nicht vor Ort war, würde mich interessieren, wie war das Festival generell besucht und war ein gewisses Interesse am EASTWOOD Sound vorhanden? Ich hoffe, dass die Besucher nicht nur mit verschränkten (beschränkten) Armen vor der Bühne standen.

Eastwood: Im Gegenteil, Torgau ging steil. Für uns war’s in jeder Hinsicht ein super Erlebnis: die Orga war top, alle Anwesenden in Feierlaune und die Jungs von LOVGUN haben mit uns den Bad-Hair-Day zelebriert. Es wurde viel gelacht mit vielen Leuten aus vielen Ländern und der Pfalz. Netterweise durften wir wegen einer kurzfristigen Absage auch noch an beiden Festivaltagen auf die Bühne. In unseren alkoholgetrübten Erinnerungen verschwimmt das allerdings zu einem einzigen großartigen Auftritt. Wir sind auf jeden Fall nächstes Jahr wieder da!

Kocht EASTWOOD im Grunde genommen ihr eigenes Süppchen, indem sie im Endeffekt einfach nur live spielen und in ihrem stinkenden Proberaum, Songs schreiben und ansonsten auf das ganze Drumherum bzw. Szenegeschwätz einen Scheiß geben? Oder interessiert euch schon, was momentan im Underground so abgeht?

Eastwood: Klar, Szene-Gossip is das Beste! Hier haben sich mal bei nem Konzert Sänger und Gitarrist die Fressen poliert, weil irgendein Part verkackt wurde, das war vom Feinsten. Ansonsten gibt die Eifel-„Szene“ nicht viel her. Es wird von allen Seiten gejammert, dass es keine Konzerte gibt, und wenn man dann mal was startet, kommt keiner hin. Vielleicht mag uns aber auch einfach nur keiner. Wenn man es nicht nur lokal betrachtet, interessiert uns der Grind-Underground aber natürlich sehr und es ist wie gesagt bei jedem Konzert wieder geil, neue Leute und Bands zu treffen.

Eastwood - Pull The PlugEin Blick auf eure Songtitel zeigt, dass ihr genügend Humor mit einbringt, ohne aber in die vollkommen dämliche Fungrind Ecke zu driften, was ich neben Porngrind sowieso das letzte finde. Erzählt mir mal ein wenig über den Inhalt von „Intjehirnjeschiss“, „Go-Go Bauer Ranger“ bzw. „Lokusuicide“. Jetzt bin ich gespannt, ha.

Eastwood: Auf die Frage warten wir seit Jahren, endlich traut sich mal jemand, sie zu stellen! „Intjehirnjeschiss“ und „Bauer Ranger“ sind unsere Abrechnung mit der Eifler Macho-Kultur: In der Muckibude aufgepumpte Egos vollziehen den Schwanzvergleich, wenn sie mit ihrem von Papa bezahlten getunten Golf nach einer Ehrenrunde im McDrive bei der Dorfdisse vorfahren und stolz ihre neuen Felgen und ihre von dieser geballten Klischeemännlichkeit geradezu eingeschüchterte Beifahrerin präsentieren – euch hamse int Jehirn jeschiss!!! OK, nun zu Lokusuicide, wie soll man das am besten beschreiben… Warst du schon mal fünf Tage auf nem Festival, aber hast dich trotz Mutantrinken nicht auf die Dixis getraut? Komm dann nochmal nach Hause, haha… Wie du schon richtig bemerkst, sehen wir uns aber definitiv nicht in der Fungrind-Ecke. Die alberneren Ergüsse stammen eher aus unserer Anfangsphase und auch wenn wir den Humor und die Ironie nicht ganz weglassen wollen, sind die neueren Texte tendenziell etwas ernster.

Mit „I want to kill the President“ habt ihr noch ein cooles Municipal Waste Cover im Angebot, was ihr ganz ordentlich vergrindet und somit gut hinbekommen habt. Wird dieser Coversong auch live gespielt oder bleibt ihr live lieber im Grindcore Gefilde? Was für Coversongs stehen noch so auf der Agenda?

Eastwood: Klar wird das auch live gespielt, irgendwie müssen wir die 20 Minuten ja vollkriegen. Aktuell covern wir außerdem noch je einen Song von Dropdead und Mindflair. Es macht halt einfach Spaß, zwischendurch Lieder anderer Bands zu spielen, die wir und häufig auch unser Publikum mögen. Für weitere Coverstücke ist im Moment so direkt noch nix geplant, aber Namen wie Assück oder Cambodia sind schon gefallen. Wer weiß…

Erzählt mir mal die ganze Geschichte, dass eigentlich 2 kleine Labels Bock hatten, von euch was herauszubringen, es aber am Ende dann doch scheiterte. War dies dann der Grund, Hackebeil Records ins Leben zu rufen, um eure Sachen selber zu veröffentlichen?

Eastwood: Das war noch in grauer Vorzeit und es ging um die besagte Proberaum-Demo, die aber zur richtigen Veröffentlichung dann doch ne Nummer zu asozial klang. Bis wir es dann endlich mal auf die Reihe bekommen haben, uns ins Studio zu bequemen, hatten wir uns in der Zwischenzeit eben für die DIY-Variante entschieden, was dann ja letztlich zur Gründung von Hackebeil Records geführt hat. Wenn Dominik sich eh schon Tapedecks zum Überspielen zulegt, kann man dem Kind auch nen Namen geben und ein funky Logo mit aufs Release drucken. So gesehen wurde Hackebeil nicht gegründet, weil die Zusammenarbeit mit anderen Labels gescheitert ist, sondern andersherum.

Ihr seid mit jeweils einem Song auf den Sampler „There is no way out, Vol. 3“ und „Fast & Loud“ vertreten. Da ich die 2 VÖ selber nicht habe, was für Material ist noch auf den Samplern vertreten? Was kam zuerst heraus, euer Demo oder die 2 Beiträge? Und im Nachhinein betrachtet, ist man auf euch aufmerksam geworden?

Eastwood: Das ist beides über Wayne von Puzzle Records gelaufen. Über ihn und Knochentapes kam „There Is No Way Out“ raus, wo wir mit einem Song vertreten sind, der in dieser Form nur dort zu finden ist. „Fast//Loud“ kam über Epileptic Media raus, aber auch da hat Wayne uns ins Spiel gebracht. Dort findet man drei Songs aus unserer letzten Studiosession, wovon einer auch auf der Split mit Entendeu gelandet ist. Diese haben übrigens auch an dem Sampler teilgenommen, genau wie Burt, Constant Vulse und noch viele andere. Sind beides super Tapes, hört sie euch auf jeden Fall an! Keine Ahnung, ob irgendjemand dadurch auf uns aufmerksam geworden ist. Du vielleicht?

Dominik, neben dem Gesang, den du bei EASTWOOD verbrichst, hast du, wie oben kurz erwähnt, dein eigenes kleines Label, was sich, wenn ich richtig liege, den reinen Kassettenveröffentlichungen verschrieben hat, oder? Wie läuft es damit und was kann man demnächst von Hackebeil Rec. erwarten? Wird ja wohl nicht nur für die eigenen Sachen zum Vertrieb gedacht sein, oder doch?

Dominik: Nein, sicher nicht nur für die eigenen Sachen. Ich mache das zusammen mit Chris, ein einsamer Platten-Nerd aus Trier. Wir hatten da schon mehrmals drüber gesprochen und als wir dann für unser Eastwood Tape acht bis zwölf Tapedecks brauchten, haben wir eben in die Zukunft gedacht, haha. Wie schon erwähnt, man kann sich nicht immer beschweren, es würde keiner was für die Szene tun, und selber schaut man auch nur zu – wir wollten was tun! Zwar alles nur im kleinen Rahmen und bisher auch „nur“ Tapes, aber der Kontakt mit den Bands macht halt viel Freude. Als dann durch das Eastwood Tape alles für Tapeveröffentlichungen in meiner Bude lag, konnte man es auch noch für weitere Bands nutzen. So haben wir dann bisher Sachen für Mind Plague, Constant Vulse, Terraformer und Depress veröffentlicht. Drei weitere Tapes und eine 7″ sind aktuell in Planung, aber das plaudere ich noch nicht alles aus. Als Erstes steht unser Live-Split-Tape mit Lovgun an, auf welchem sich die jeweiligen Auftritte vom Grind the Nazi Scum finden, und wozu wir am 20.12. in Lyon zur Release-Show antreten.

Eastwood - Lovgun - Split-TapeMit öfters Proben dürfte es ja bei euch als reine Patchworkfamilie etwas schwierig sein, denn immerhin wohnt ihr recht verstreut. Wie funktioniert das bei euch? Ich will jetzt aber nicht hören, dass EASTWOOD nur ein reines Nebenprojekt oder gar eine Studenten-/Beziehungs-Bewältigungstherapie für euch ist? Bring mal Licht in den vermoderten Hörsaal.

Eastwood: Als wir Eastwood zur ersten Probe brachten, waren wir noch allein in anderen Bands aktiv, also DOCH, Nebenprojekt. Mittlerweile ist es jedoch alles, was wir noch haben, haha. Geprobt wird, wenn alle aus irgendwelchen Gründen gleichzeitig in der Eifel sind. Und manchmal auch vor Shows nochmal im Backstageraum ohne Amps und mit den Drumsticks auf den Schenkeln. In den kreativen Phasen haben wir auch schon dreimal in der Woche geprobt, dafür dann leider auch immer mal wieder zwei Monate gar nicht. Geht halt leider nicht anders, dafür ist die Entfernung Freiburg-Mainz-Koblenz doch etwas stramm und die Bahnverbindung zu bescheiden.

Was treibt ihr neben euren ganzen musikalischen Aktivitäten? Macht ihr auch was Anständiges, oder führt ihr ein gutbürgerliches Spießerleben fernab von rebellischem Verhalten?

Eastwood: Was man in der Eifel so macht: Komasaufen, Kühe schubsen, Kneipenschlägerei. Und natürlich die CDU wählen. Da sind wir ganz klassisch. Nicht.

Ihr seid alle noch recht jung, von daher würde mich interessieren, auf welche Weise ihr euch neue Musik zulegt. Gehört ihr zur Download-Generation, die sich alles auf den Rechner schmeißt, oder kauft ihr das, was euch interessiert, im Original? Und wo wir gerade beim Thema sind, was läuft bei euch in letzter Zeit so in der Anlage?

Eastwood: Echte Tonträger sind das einzig Wahre und davon kommen so viele ins Haus, wie das Budget zulässt. Bei uns laufen ziemlich verschiedene Sachen, je nachdem, wen von uns du fragst. Dominik hört diesen ganzen Szene-Scheiß, André mag’s lieber von hinten, Simon hört seine Depri-Kacke und Sebastian hat schon seit Jahren kein anderes Lied mehr gehört als die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf.

Eastwood - Free Download

Warum müssen heutzutage selbst kleine Demo Bands so einen Mist wie eine Facebook Seite besitzen? Meiner Meinung nach kann man auch anders auf sich aufmerksam machen. Wenn ihr mich fragt, ist das ein Thema, was ich gerade im Underground ganz und gar nicht nachvollziehen kann, weil sich dies eben absolut widerspricht. Nennt mir mal einen vernünftigen Grund (neben Werbung!), was Facebook für eine Band rechtfertigt. Ich versteh’s nicht!!

Eastwood: Um die NSA auf die falsche Fährte zu locken. Ganz einfach. Nein, im Ernst, du hast da schon ein wenig Recht. Leider ist Facebook (so wie vor einigen Jahren Myspace) aber fast schon unersetzlich geworden, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen mit anderen Musikern und Veranstaltern. Den Werbeaspekt wolltest du zwar ausblenden, aber auch was die Werbung für kleine Konzerte angeht, kann man übers Internet allgemein und über Facebook speziell halt doch erheblich mehr Leute erreichen als nur über klassische Flyer. So etwas kann leider den Unterschied machen zwischen einer gut besuchten Show und einem finanziellen Fiasko.

So, ihr Burschen, jetzt ist Schluss mit der fröhlichen Sprechstunde. Nachdem ich euch so eloquente Fragen gestellt habe, ist natürlich klar, dass ihr in Zukunft noch ein paar EASTWOOD Veröffentlichungen vom Stapel lassen müsst. Leuchtet ein, oder?

Eastwood: Dürfte machbar sein, wir arbeiten unter Hochdruck daran!

Also, besten Dank fürs Beantworten und euer Interesse am Zustandekommen dieses bescheuerten Interviews. Haut rein, und bleibt dem alten Grindcore Sound treu. Ich hoffe, man sieht sich mal auf ein paar Alkohol Proben.

Eastwood: Kannst uns ja mal auf deinen Geburtstag einladen! ;-) Wir danken für dein Interesse und hoffen, den ein oder anderen Leser bald einmal vor der Bühne treffen zu dürfen!

https://www.facebook.com/eastwoodgrind
http://eastwoodgrind.bandcamp.com/



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