NecroSlaughter.de https://necroslaughter.de Webzine für Death Metal, Grindcore, Crust, Black Metal und sonstigen Krach. Seit 2003. Sun, 15 Oct 2017 20:12:51 +0000 de-DE hourly 1 https://necroslaughter.de/wp-content/uploads/2016/07/apple-touch-icon.png NecroSlaughter.de https://necroslaughter.de 32 32 14472857 Myteri – Ruiner https://necroslaughter.de/2017/10/myteri-ruiner/ Sun, 15 Oct 2017 20:12:51 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16475 Read more »]]> Windrauschen, Donnergrollen. Eine melancholische, getragene Gitarre kündigt einen schwermütigen Auftakt an. Ein leichtes Aufbegehren – und dann die Explosion. Nach knapp zwei Minuten sind MYTERI der Lethargie überdrüssig und lassen all ihrer Wut und Hoffnungslosigkeit freien lauf, brettern konsequent im schnellen D-Beat durch die restlichen 35 Minuten von „Ruiner“. Immer ungezügelt und ungehobelt. Aber zu jeder Sekunde melodisch und melancholisch.

Es ist das zweite Album der schwedischen Crust-Band und schlichtweg grandios. Bereits das extrem gut gemachte Artwork mit den brennenden Kirchhöfen, und der Kapuzengestalt, präsentiert in sehr geschickten Kontrasten ist wunderschön. Und es zeigt MYTERIs Verständnis von Qualität. Entsprechend sind auch die Lieder alle auf einem erstklassigen Niveau. Wo andere Bands schnell in die Gefahr laufen, dass die Songs auf einem Album recht gleichförmig klingen, gibt es hier immer wieder spannende Wendungen, die „Ruiner“ abwechslungsreich und spannend gestalten.

Seien es bewusst langsamere Momente, die der dystopischen Atmosphäre mehr Raum verleihen, etwas von frühen Fall Of Efrafa in den Sound bringen. Oder die immer wieder auftauchenden polyphonen Harmonien. Oder gar treibendere, fast tribale Rhythmen, wie im Breakdown von „Hatets Fanbärare“ oder „Dädens Hav“.
Oder gar das Sahnestück auf „Ruiner“: „Lida I Tysthet“ erweitert das Klangbild zusätzlich durch Piano und Violinen – was wiederum Parallelen zu Morrow erschafft. Auch „Justitiemord“ wird mit der Violine hervorrangend erweitert und markiert eines der großen Highlights des Albums.

Aber wenn ich ehrlich bin, gibt es fast nur Hits auf „Ruiner“, kein einziger Song fällt unter das Niveau der anderen. MYTERI holzen zwar konsequent und rücksichtslos nach vorne, haben aber dennoch ein großartiges Feingefühl für spannenden Songstrukturen und – noch wichtiger – hervorragende Melodien.

Da wundert es mich auch gar nicht, dass das abschließende „Urholkningsprocessen“ plötzlich auf alle Crust- Hardcore- oder D-Beat-Elemnte verzichtet und eine epische, verspielte Post-Rock-Nummer ist. MYTERI wissen ganz genau was sie tun, beherrschen ihre Instrumente und wissen, was sie wollen. Darum konnten sie „Ruiner“ erst zu diesem beeindruckenden Album machen.

Wer Alpinist, Mässmörd oder Fall Of Efrafa hinterher trauert, seit Jahren auf neues Material von Tragedy wartet und wem Wolfbrigade doch etwas zu sehr Metal ist, wer Livstid und Unkind mag, der wird MYTERI lieben. Für mich das beste Neo-Crust-Album des Jahres!

Veröffentlicht wird die Scheibe am 20.10.2017 als Kooperation zwischen Alerta Antifascista (hier in Deutschland) und anderen Labels. Die insgesammt 1000 gepressten Platten sind dann 200 mal weiß-schwarz marmoriert, 300 mal grau-schwarz marmoriert und die restlichen Scheiben sind schwarz. Dazu gibt es einen Download-Code und ein Poster, verpackt im schweren Gatefold. Natürlich gibt es das Album auch als Download auf Bandcamp, wo man bereits heute die Lieder anhören kann.


12 Lieder / 38:07 Min.
20.10.2017 / Alerta Antifascista Records / Chaos Rural Records / Halvfabrikat Records / Phobia Records / Replenish Records / Svoboda Records

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Exhumed – Death Revenge https://necroslaughter.de/2017/10/exhumed-death-revenge/ Tue, 10 Oct 2017 20:08:26 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16470 Read more »]]> Mit ihrem sechsten Album versuchen sich EXHUMED an einem Konzeptwerk. „Death Revenge“ handelt um die Grabräuber aus Edinburgh, Schottland, die in den 1820ern Leichen plünderten und für medizinische Zwecke verhökerten. Eine makabere Epoche, die auch andere Künstler zuvor fasziniert und beeinflusst hat. Doch so morbid kauzig, wie beispielsweise Strange Facts In The Scalpel Case werden die Leute um Matt Harvey keineswegs. Wollen sie auch gar nicht. Vielmehr ist „Death Revenge“ ein logischer Showcase der typischen Bandmerkmale. Das hat seine Stärken, aber leider auch seine Schwächen.

Insgesamt wird das Album akustisch in drei Kapitel eingeteilt, jeweils eingeleitet durch ein instrumentales Interlude. Wo „Death Revenge Overture“ oder „Gravemakers Of Edinburgh“ mit ihren synthetischen Orchestern etwas deplaziert wirken, ist „The Anatomy Act Of 1832“ ein richtig episches Zwischenspiel. Das Hauptthema aus der orchestralen Einleitung wird von den Gitarren aufgegriffen und spielerisch entwickelt sich der Song immer weiter und nimmt coole Wendungen. Echt sehr fein gemacht, wenngleich es schon etwas konträr zu einigen doch eher punkigen anderen Songs auf dem Album steht.

Doch da ist für mich auch schon der Knackpunkt: Die starken Songs verstecken sich eher in der zweiten Albumhälfte. Der Auftakt in „Death Revenge“ ist durchaus gut gemacht, man bekommt die typischen EXHUMED-Trademarks locker aus der Hüfte entgegen geschossen. Carcass-Melodien, schöner Wechselgesang zwischen Schreien und kernigen Growls, etwas alte Death und schon laufen „Defenders Of The Grave“ oder „Lifeless“ gut durch. Doch trotz gelegentlicher Ausbrüche in schnelle Blastbeats fehlt irgendwie der typische Biss, das wunderschöne Chaos, was „Slaughtercult„, „Gore Metal“ oder auch „All Guts, No Glory“ so atemberaubend gemacht hat. Ja, „Nightwork“ klingt nach seinem Slayer-artigen Intro fast schon unspepktakulär für die Band.

Da ist „Dead End“ schon eher die klassische Nummer mit entsprechenden Riffs, fein ineinander gekotzten Vocals und dissonanter Stimmung. Hier passen die „Leprosy„-mäßigen Gitarren auch wunderbar rein und formen das erste Highlight des Albums. „Unspeakable“ nimmt dann eine überraschende Wendung und mischt die „Heartwork“ mit Ghoul, Gangshouts und haktisches Geballer inklusive. Hat hier der wieder zugekommene Ross Sewage vielleicht seinen Einfluss gehabt?
Wäre da nicht die Zäsur durch das Instrumental „Gravemakers Of Edinburgh„, käme nun endlich richtig Fahrt auf. Denn „The Harrowing“ drischt wieder richtig furios raus, haut locker coole Gitarrenläufe und Wechselgesänge zu furiosem Gebretter. Dass „A Funeral Party“ oder „Death Revenge“ schon EXHUMED-Prototypen sind, stört eigentlich nicht, im Gegenteil! So will ich EXHUMED hören! Und auch das eher melodische „Incarnadined Hands“ zeigt, dass sich Verspieltheit und Experimentierfreude nicht mit Gore Metal beißen müssen. Der Song hätte locker auch auf „Anatomy Is Destiny“ gepasst, was ich seinerzeit sträflich unterbewertet habe.

Somit ist „Death Revenge“ zwar ein gutes, insgesamt aber dennoch durchwachsenes Album. Klar, EXHUMED ballern auf hohem Niveau, haben ihren deutlichen Trademark-Sound und klingen immer nach EXHUMED. Doch mir persönlich ist die erste Hälfte der Scheibe irgendwie zu routiniert. Dafür befriedet mich dann die zweite Hälfte deutlich und birgt sogar einige richtig gute Hits. Nur die Zwischenspiele stören nach wie vor den Albenfluss deutlich.

Damit noch etwas Verwirrung und Sammelwut aufkommt, gibt es zwei Bonus-Tracks: „Death Revenge Underture“ (vermutlich wieder ein Instrumentales Outro) und „A Lesson In Violence„. Diese sind allerdings nicht auf CD oder LP enthalten, sondern nur im Download über Bandcamp. Vielleicht sind diese aber im beiliegenden Download-Code inkludiert, dass man als Vinyl-Fan doch in den Genuss der Lieder kommen kann.
Dann steht man allerdings vor der Entscheidung: In welcher Farbe will man seine Platte haben? Die schwarze LP ist auf 1200 Einheiten limitiert. Dann wird es immer rarer. Bei Relapse bekommt man die Aquq Blue („inside Clear with Red, Blood Red and Oxblood Splatter“, 400 Stück) oder die streng limitierte Picture (100 Stück). Bei dem schicken Artwork, das in klassischer Horrorfilm-Plakat gestaltet ist, sieht das vielleicht sogar ganz nett aus. Über Indie-Retailer wird dann exklusiv die „Beer with Red and Bone White Splatter“ verkauft, die auf 300 Exemplare begrenzt ist.


12 Lieder / 44.31 Min.
13.10.2017 / Relapse Records (CD/LP/Download)

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Haemorrhage – We Are The Gore https://necroslaughter.de/2017/10/haemorrhage-we-are-the-gore/ Mon, 09 Oct 2017 20:51:24 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16466 Read more »]]> HAEMORRHAGE melden sich mit ihrem siebten Album zurück. Nachdem „Hospital Carnage“ eher einen fahlen Beigeschmack hatte, zu sehr nach Selbstwiederholung und Handbremse geklungen hat, war ich nicht gerade gespannt auf „We Are The Gore„. Dazu ein Cover-Artwork, dass deutlich an die „Severed Survival“ von Autopsy erinnert, und ich war zusätzlich skeptisch. Teilweise sollten meine Zweifel bestätigt werden. Doch gleichzeitig überraschten die spanischen Pathologen doch wieder.

Der Auftakt in das neue Album ist eher belanglos. Goregrind mit deutlichem Death Metal-Einschlag. Das steht HAEMORRHAGE nicht sonderlich gut. Zugegeben, „Nauseating Employments“ oder „Gore Gourmet“ sind keine shlechten Songs, doch hätten sie einer Band wie Gorerotted besser gestanden. Auch wenn sich hin und wieder Slayer– oder Carcass-mäßige Soli auf der Platte finden, einige Riffs weiterhin näher am Metal denn Grindcore sind, läutet der Titeltrack doch eine kleine Wendung ein.

We Are The Gore“ ist ein reduzierte Punk-Nummer, Motorhead-artiger Refrain inklusive. Ein leichte Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln? Die – mir leider unbekannte – EP „Punk Carnage“ hat dieses Bewusstsein ja in jüngster Vergangenheit nochmal bestätigt. So finden sich auch in „C.S.C“ oder „Prosector’s Revenge“ ebenfalls deutliche Bezüge auf das Genre. Dabei ist der Titel-Song aber nicht mal sonderlich spektakulär.

Erst ab „Transporting The Cadavers“ kommt wieder das klassische HAEMORRHAGE-Feeling auf. Nette Ausbrüche in Blastbeats, wütender Doppelgesang. genau so geht es mit „Bathed On Bile“ weiter, was allerdings auch direkt einen Ausblick auf einen weiter ausgeprägten Einfluss gibt: stumpfer Goregrind. In diesem Song noch durchaus gut verträglich aber in „Gynecrologist“ einfach nur langweilig und so klischee-mäßig, dass es fast jedwedes Profil der Band vermissen lässt.

Ein Glück war es dass aber dann auch schon mit den unpassenden Sperrenzchen. HAEMORRHAGE sind einfach keine Death Metal-, Punk- oder proto-prollo Goregrind-Band. HAEMORRHAGE funktionieren einfach am besten, wenn sie die Frühwerke von Carcass nehmen und ihren eigenen kauzigen Charme aufdrücken. Wenn sie eben Leichenhallen-Riffs mit ungezügeltem Geballer vermengen. Wenn sie Kotzen, Würgen, Keifen, alles zusammen, alles abwechselnd. Wenn sie eben genau wissen, wann der Pathologe auch mal um den Kadaver tanzen will und wann er den gesamten Kladderadatsch schlicht in die Abfalltonne brettern muss.

Und in dieser Mélange zeigt „We Are The Gore“ dann doch noch eine Reihe guter Songs, die alle Arthritis aus dem Vorgänger „Hospital Carnage“ rausprügeln. „Medical Maniacs„, „Miss Phlebotomy„, „C.S.C„, „Prosector’s Revenge“ oder „Organ Trader“ sind allesamt klassische Hits, die an „Grume„, „Morgue Sweet Home“ oder „Anatomical Inferno“ anknüpfen können.

Dennoch sei erwähnt: Auf diesem Album findet sich vergleichsweise selten der typische Gesang von Lugubrious. Schade! Denn dieses markante Geknarze hat immer viel zum Gesamtcharme der Band beigetragen. Nun wird es eher homöopathisch eingesetzt. Dafür wird nicht mit Soli gespart. Gelegentlich ist das zwar ganz nett und passend, an anderen Stellen hätte ich mir die Lieder mehr auf den Punkt gewünscht.

Ach. So ein durchwachsenes Bild. Wie ein Melanom, das sich fröhlich durch die Eingeweide frisst. Ein paar leckere Innereien findet man immer wieder. Doch an manchen Stellen ist die Sache einfach faulig. Doch ganz zum alten Eisen, wie ich es zur „Hospital Carnage“ getan habe, sollte man HAEMORRHAGE wohl doch noch nicht.

PS: Am Ende wartet noch ein kleines Easteregg als Hiddentrack.


14 Lieder / 35:11 Min.
06.10.2017 – Relapse Records (CD, LP, Download)

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Gravesite – Neverending Trail Of Skulls https://necroslaughter.de/2017/10/gravesite-neverending-trail-of-skulls/ Thu, 05 Oct 2017 19:44:45 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16458 Read more »]]> Eigentlich klingt das doch ganz spannend: „Horror Death Metal“ mit Mitgliedern von Undead Creep, Assumption, Haemophagus oder Morbo. Alles Bands, die mich durchaus überzeugen konnten. Warum sollte GRAVESITE da nicht auf meinen Geschmack treffen? In einer klassischen Mischung aus Exhumed/Carcass, Autopsy, Death und etwas Slayer, ist „Neverending Trails Of Skulls“ auch ein durchaus nettes Album geworden. Doch leider fehlt es etwas an der eigenständigen Schrulligkeit von Haemophagus oder dem eigenen Profil von Assumption, alsdass diese italienische Kombo mich vollends begeistern kann.

Dabei ist gerade der Opener und gleichzeitig namensgebende Song durchaus ein cooler Auftakt in die gut 40 Minuten des Albums. Exhumed-artiger Death-Grind mit schön rausgewürgten, aber dennoch tiefen Vocals. Furioses Geballer nimmt auf einmal eine überraschende Wendung in einen Autopsy-mäßigen Doom-Part.
An sich kann „Postmortem Fetal Extrusion“ mit dem verstärkten Thrash-Einschlag und klassischen Death Metal-Riffs alter amerikansicher Schule sogar noch einen drauflegen. Doch damit haben GRAVESITE schnell auch das meiste gesagt. Gelegentlich kommen die Doom-Death Metal-Momente stärker hervor, mal stehen eher die Slayer-Zitate im Vordergrund; gelegentlich sogar mit gedoppelten Gitarrenläufen, die jeweils an die großen Vorbilder angelehnt sind. Macht alles Spaß, ist alles gut gemacht. Aber es fehlt irgendwie am eigenen Profil der Band.

Da ist „Sewer Freaks“ schon eher eine herausragende Hit-Nummer. Auch wenn die Zutaten nicht sonderlich vom restlichen Album abweichen, ist es doch diese geradlinige Direktheit, die den Song besonders mitreißend machen.

In der Umsetzung vielleicht nicht so catchy, dafür aber mit angenehmen Ecken und Kanten, sind hingegen die abschließenden „Town Of The Re-Animated„, das einen schön vertrakten Rhythmus-Part einbaut, oder das leicht progressive „Swallowed In Darkness„. Hier werden mittlere Death und auch etwas Slayer schön herausgearbeitet und geben dem Ende von „Neverending Trail Of Skulls“ eine angenehme eigene Note.

Am Ende bleibt aber leider nur ein gutes, wenngleich verzichtbares Album.


8 Lieder / 40:05
01.08.2017 / Xtreem Music (CD, Download)

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Dråp – Rotten Till Allt Ont https://necroslaughter.de/2017/09/drap-rotten-till-allt-ont/ Sat, 30 Sep 2017 20:59:02 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16454 Read more »]]> DRÅP hauen mit ihrem zweiten Album „Rotten Till Allt Ont“ ein überraschendes Brett heraus. Es ist intensiv, es ist direkt, es ist extrem vielseitig. Und es ist verdammt gut!

Das Cover ist zum einen bereits ein erster Hinweis auf die Musik. Doch wird es gleichzeitig dem Gesamtbild nur annähernd gerecht. Die schwarz-weiße Collage huldigt definitiv dem Grindcore der frühen Tage. Das ist durchaus auch ein essentieller Bestandteil auf dem Album. Aber gleichzeitig auch nur ein Teil von vielen. Denn DRÅP bedienen sich aus skandinavischem Grindcore der Marke Nasum oder früher Afgrund, schwedischem Death Metal, Crust im Stil von Tragedy, Hardcore und einer Priese Neurosis. Das zusammengeworfen und astrein umgesetzt, macht aus „Rotten Till Allt Ont“ einen furiosen Hassklumpen!

So direkt viele Riffs auf Anhieb scheinen, so intelligent sind die Songs doch insgesamt strukturiert. Wenn beispielsweise in „Ärrvävnad“ plötzlich cool Harmonielinien über das derbe Geschnetzel gelegt werden. Oder wenn „Hat för en Livstid“ sich in einen wunderschön dissonanten Part auflöst, mit Doppelgesang fast angeschwärzt ist.
Eben diese dystopischen Dissonanzen durchziehen das Album immer und immer wieder. Auch in „Yttersta Domen„, das direkter mit diesem Neurosis-Vibe spielt. Oder auch dem epischen Schluss „Nederlag„, das wohl am eindrucksvollsten Nasum, Tragedy und die atmosphärischen Harmonieteppiche verschmilzt.
Ja, selbst das instrumentale Zwischenspiel „Eremit“ kann mit intensiver Entwicklung und düsterer Stimmung überzeugen.

Dabei müssen DRÅP nicht mal unbedingt immer nur im D- oder Blastbeat drauf losholzen. „Övervåld“ oder der Titteltrack funktionieren auch wunderbar mit treibendem Midtempo, spielen hier immer noch die hasserfüllte Garstigkeit der Band voll aus. Nur um schlussendlich wieder mit furiosem Grindcore einen Konterpunkt zu setzen.

Schlussendlich und trotz aller intelligenter Vermengung unterschiedlicher Bestandteile bedarf es eigentlich keiner weiteren Umschreibung. DRÅP sind angepisst und hoffnungslos. Und ihrer Wut lassen sie mit allen Mitteln einfach freien Lauf. Dabei klingen sie schlicht erfrischend. Ohne monoton in einer Genre-Schublade zu denken, vermischen sie die wütendsten Elemente aus diversen Stilistiken. Und das macht die gut 33 Minuten intensiver Musik abermals eindrucksvoll.


8 Lieder / 33:54 Min.
01.06.2017 – Xtreem Music (CD, LP, Download)

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Blackevil – The Ceremonial Fire https://necroslaughter.de/2017/09/blackevil-the-ceremonial-fire/ Tue, 12 Sep 2017 08:17:27 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16443 Read more »]]> BLACKEVIL sind ein Anachronismus; aber ein wunderbarer. Wo unter dem Deckmantel der „old school“ heute viele Generika agieren, ist die Band mit ehemaligen Mitgliedern aus Under That Spell und Nocturnal mitreißend anders. Nicht zu räudiger, wilder und wunderbar erfrischend abwechslungsreicher Black/Thrash zwischen traditionellen Heavy-Metal-Harmonien und angeschwärzter Raserei ist auf „The Cermeonial Fire“ Programm. Für die Spikes-&-Leather-&-Dosenbier-Fraktion unverzichtbar!

Klar, dieses Debüt tropft nur so vor Klischees. Alleine Bandname und Logo sprechen deutliche Sprache. Da ist das grandios-epische Artwork von Paolo Girardi fast schon eine spöttische Konterkarikatur. Aber auch nur fast, denn musikalische Finesse darf man der augenscheinlich direkten Mixtur aus Speed, Thrash und Black Metal durchaus nicht absprechen. Zu häufig finden sich geschickte Polyphonien und Variationen auf „The Ceremonial Fire“, alsdass man BLACKEVIL rein stumpfes Geholze vorhalten könnte oder gar dürfte.

Vielmehr ist es so, dass den klassischen Helden gehuldigt wird. Aus einer Zeit, in der die Genre-Grenzen noch nicht akribisch (durch den Musik-Journalismus) abgesteckt wurden, als die ersten Wellen aus Black Metal oder Thrash Metal einfach nur unter dem Banner „Heavy Metal“ liefen. Vielleicht in den Bausteinen nicht sonderlich originell. Aber in der Mischung, im Endergebnis über die komplette Spieldauer von fast einer dreiviertel Stunde extrem unterhaltsam und mit fetten Songs. Gar Hits, die man mit erhobener Faus mitbrüllen mag, muss. Egal ob man nun eher Priest, Sodom, Destruction oder Bathory als großen Backpatch auf seiner miefigen Kutte trägt, BLACKEVIL vereinen die größten Stärken in ihrem Sound.

Gelegentliche Ausbrüche in Blastbeats tragen zum Gesamt-Feeling genau so bei, wie das vornehmlich zähe Tempo von „Seven Bridges Seven Gates“ oder die eher punkigen Einschläge im Intro von „Bethlehemian Blasphemies“ oder dem Uptempo aus „Under The Black Sail Of The Burning Cross“. All diese Elemente fügen sich so harmonisch in das Gesamtbild, wie de Bathory-artige Epik aus zuletzt genanntem Song, polternder Rotzigkeit oder dem furiosem Speed/Thrash Metal Uptempo, das meist „The Ceremonial Fire“ dominiert. Dazu – wie gesagt – immer wieder packende polyphone Harmonien, griffige Melodien und mächtige Riffs. Das Album strotzt nur so vor mitreißenden Hooklines, sowohl an den Gitarren, wie auch den mitsingbaren Refrains.

Klar, „The Ceremonial Fire“ ist kein wegweisender Meilenstein. Dafür haben alle Einflüsse von BLACKEVIL im Vorfeld bereits alles wichtige zuvor gesagt. Dennoch ist es ein erfrischender Bastard. Furios, ungeschliffen, mal roh und brutal, an den richtigen Stellen aber auch verspielt und ausgelassen. Da sind Spielzeiten von jenseits der 4 Minuten absolut kein Manko für die einzelnen Songs. Vielmehr hat die Band verstanden, wie man aus dem klassischen Pop-Schema wunderbare Heavy Metal Hits machen kann. Abseits von spezifischen Schubladen wie Speed, Thrash oder Black. Wer sich hingegen mit den liebevollen Details nicht weiter auseinander setzen mag, bekommt dennoch seine Dosis Spikes, Beer’n Leather. Das macht „The Ceremonial Fire“ wiederum noch einmal so eindrucksvoll.


9 Lieder / 43:27 Min.
CD / LP / Download – 07 Juli 2017 // FDA Records

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From Beyond… – Ein Gespräch mit Ipp https://necroslaughter.de/2017/08/from-beyond-ein-gespraech-mit-ipp/ Tue, 29 Aug 2017 08:09:38 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16411 Read more »]]>

Das From Beyond… war neben dem Soleil Tryste eines der schönsten Fanzines aus Deutschland. Wunderschöne Ästhetik, eigenständige Ideen und fantastische Gespräche. Leider zieht Herausgeber Ipp nach der sechsten Ausgabe nun einen Schlussstrich. Über die Hintergründe und sein beeindruckendes Werk wollte ich natürlich mehr wissen. Und so bekam ich die Ehre eines Gesprächs mit dem sympathisch-naiven Optimisten, der mich selber mit einigen Fragen aus der Reserve gelockt hat. Das Ergebnis ist eine tiefgehende und persönliche Unterhaltung, die ein paar interessante Einblicke gewährt und zum Nachdenken anregt.


Ahoi Ipp. Vielen Dank, dass Du mir noch dieses quasi posthume Gespräch zu Deinem „From Beyond“ gewährst. Beginnen wir vorweg doch erst mal gemütlich: Bist Du bisher zufrieden mit der Resonanz auf Deine finale Ausgabe?

Shalom Chris, vorab: Ich bin gespannt, wie es ist, auf der anderen Seite vom Fragenkatalog zu stehen – vielen Dank für diese Möglichkeit. Da ich das Heft immer nur für mich gemacht habe, waren Beurteilungen/Bewertungen von Dritten nur das Sahnehäubchen nach jeweils gut einem Jahr Arbeit. Aber Zuspruch suchte ich nie, eher konstruktive Kritik. Natürlich habe ich dennoch alle Reviews gelesen, die ich in die Finger bekam. Wichtiger war es aber hin und wieder einen anderen Blickwinkel aufgezeigt zu bekommen, den ich vorher gar nicht bedacht habe und so etwas bekommt man meistens nicht mit positiven Worten aufgezeigt.
Im Groß war es wie immer, den Kritikern gefiel das Heft und meine Stammleser nahmen das Heft dankbar an.

Was motivierte Dich seinerzeit, ein eigenes Magazin zu veröffentlichen? Wenn ich das richtig recherchiert habe, hattest Du ursprünglich für Leo und sein Fatal Underground geschrieben und von dort sogar vier Interviews in Deine erste Ausgabe „The Tombstone“ übernommen. Was hat Dich dazu bewogen, Dein eigenes Ding durchzuziehen?

Ich bin ein alter Bücherwurm und somit auch dem Papier verpflichtet. Schon während der Schulzeit riss ich mir jedes gedruckte Wort unter den Nagel und verschlang es – unabhängig ob Horror-Klassiker, Krimi oder Shampoo-Werbung. Als ich dann um die Jahrhundertwende den Metal lieben und schätzen lernte, führte zwangsläufig auch kein Weg an Fanzines vorbei. Eins führt zum anderen und schön während der Abiturzeit hatte ich Pläne ein eigenes Fanzine zu machen. Ein Name stand auch schon fest, erste Reviews waren geschrieben und – das war es. Eine Totgeburt, nur eine Idee. Es dauerte dann noch einige Jahre bis mir die Ausbildung die entsprechenden Werkzeuge zur Hand gab und ich das Thema neu aufgreifen konnte. Ich schrieb zunächst für ein regionales Heft, aber die Grenzen waren zu eng gesteckt und es machte keinen Spaß. Bei Leo war alles freier, unkomplizierter, aber ich wollte mehr machen als nur zu schreiben. Ich wollte gestalten und meine Idee der Musik und des Gesprächs visuell umsetzen. Text und Bild sollten eine Einheit bilden und die Gestaltung sollte indirekt einige Ideen der Musik bzw. Themen der Gespräche aufgreifen.
Das ich vier bereits veröffentlichte Interviews (namentlich Dead Congregation, Immolation, Drowned, Necros Christos) mit in die erste Ausgabe nahm, war meiner Ungeduld geschuldet. Diese Interviews waren nämlich schon allesamt in verschiedenen Ausgaben vom Fatal Underground erschienen, aber ich dachte, es wäre ein guter Aufhänger für den Start und ich wusste auf der anderen Seite nicht, wie lange es dauern würde, bis ich genug Bands für ein eigenständiges Heft haben würde.

Als Bücherwurm und mit dem Namen „From Beyond…“, welchen Einfluss hat Lovecraft auf Dich gehabt?

Gar keinen. Ich habe früher versucht einen Zugang zu seinen Werken zu finden, aber abgesehen von seinem Talent Ungesehenes unserem Geist zu überlassen, fand ich für mich nur wenig interessantes auf seinen Seiten. Es ist einfach nicht meines. Genau wie E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und wie sie alle heißen.

Schade, dass Du nie einen Zugang zu Lovecraft, Hoffman, Poe oder Howard bekommen hast. Gerade Lovecraft hat mich mit seinen Visionen stark geprägt, nicht zuletzt deswegen ziert er auch in bereits 2 Tätowierungen meinen Körper und bekommt noch ein Portrait im Oktober spendiert. Sein Schreibstil ist etwas archaisch, pseudointellektuell und viele Geschichten sind nach einer ähnlichen Blaupause aufgebaut – wie beispielsweise auch bei Stephen King. Doch sind es gerade die unpopulären Kurzgeschichten, die anthropologisch durchaus interessant sind. Wenn ich Dir eine Geschichte empfehlen dürfte, so ist es „Der Außenseiter“, oder besser im Original „The Outsider“, die unter anderem auch frei verfügbar ist, da die Urheberrechte mittlerweile ausgelaufen sind.
Poe war durchaus elloquenter und poetischer, was mitunter auch zu wunderschöner Atmosphäre geführt hat. Doch alles Schwärmen von meiner Seite bringt nichts, wenn Dir persönlich der Zugang fehlt.

Ich habe von Poe einige Bücher hier – aber nur wegen der Bedeutung, die der Name innerhalb der Szene hat und weil eines davon sehr schön aussieht. Also wenn du deine Sammlung noch aufplustern willst, gib Bescheid, ich trauer den Büchern nicht nach, ha.
Bei Lovecraft gefiel mir sehr gut, das er nicht (!) beschrieben hat und das er somit alles dem Leser überlassen hast. Das war seine größte Stärke in meinen Augen, aber ich will bei Büchern etwas lernen und nicht abtauchen und mich von dieser Welt abkapseln. Vielleicht kommt das ja noch mit den Jahren, aber zur Zeit will ich mir nur bilden, bilden, bilden und nochmals bilden.
Aber ich notiere mir – ich kann persönlichen Empfehlungen selten nein sagen – „The Outsider“. Ich bin halt ein naiver Optimist.

Als Du Dich für den Namen „From Beyond“ entschieden hast, war Dir da die Existenz des norwegischen Fanzins gleichen Namens bewusst?
Auch gab es eine Zeit lang mal einen Blog mit dem gleichen Namen, der mir aber lediglich bei Recherchen zu Deinem Heft mal untergekommen ist… War es dieses Bewusstsein um die Gewöhnlichkeit der Phrase, die durchaus auch in Film und Literatur fußt, dass Du Dich für Beinamen zu Deinen jeweiligen Ausgaben entschieden hast?

Vergiss ja nicht das niederländische Label „From Beyond Productions“ oder das gleichnamige Album von Massacre oder die unzähligen Alben, die mein Heft bereits Jahre vor der Drucklegung mit mindestens einer Zeile in ihren Lyrics erwähnten. Unkreativ par excellence. Aber ja, ich kannte das norwegische Zine und hatte sogar die Möglichkeit mir Ausgabe 2 durchzulesen. Der Grund für den Zusatz war aber nicht, das ich einer Verwechslung vorbeugen wollte, nein, er sollte die ungefähre Richtung für das Heft vorgeben und mir weiteren Spielraum geben. Ich kann dir auch gar nicht mehr genau sagen, weshalb ich diesen Titel genommen habe – er liegt einfach gut auf der Zunge, finde ich. From beyond… das sagt alles und nichts.

„The Tombstone“, „The Gloom“, „The Cerecloth“, „The Devils Tongue“, „The Coffinlid“ und „The Deathbed“, das sind eben die erwähnten Beinamen. Und so wie ich Deine Arbeiten kennengelernt habe, vermute ich dahinter doch eher ein ausgeklügeltes Konzept denn willkürlicher Nomenklatur…

Es war kein Konzept. Das Wort hat im Laufe der Zeit einen faden Beigeschmack bekommen. Es klingt so gewollt hochtrabend und wichtigtuerisch. Bei mir entstand vieles aus dem Bauch heraus und war nicht durchdacht. Es hat sich glücklicherweise häufig aber zu einem Ganzem zusammengefügt. Die Zusätze im Titel schlagen in genau die gleiche Kerbe. Sie sollten schon im Titel eine grobe Marschrichtung dazulegen oder auch nur eine Motivation für mich ein, aber kein tief ergreifendes „Konzept“ darstellen. Im Detail sieht es wie folgt aus:

#1… the tombstone
Der Anfang, klischeehaft. Metal und Friedhof. Das passte. Plump und direkt. Es waren die ersten Schritte.
#2… the gloom
Ein Wortspiel. Die erste Seite bei dieser Ausgabe war ein Bogen Transparent-Papier auf dem „from beyond…“ stand, dahinter das Deckblatt mit „the gloom“. Ich mag solche Spielereien und ich hätte damit mehr experimentieren sollen.
#3… the devils tonque
Der Titel sollte eine Mahnung an mich selber sein – sei die Zunge vom Teufel. Sei unnachgiebig. Frag nach – bohr nach – sei kritisch – lass dich nicht abwimmeln – sei ein Arsch. Es war also eine Aufforderung an mich selber. Vom Klang her übrigens für mich immer noch der beste Titel. Mit dieser Ausgabe wurden auch sämtliche Fotos von Dritten aus dem „from beyond…“ verbannt.
#4… the cerecloth
Der Hinweis auf das baldige Ende. Bereits hier habe ich schon etwas mit mir gehadert. Durch die Blume wurde es also bereits angekündigt.
#5… the coffinlid
Eine dezente Hommage an Denial of God und ihr großartiges zweites Album „Death and the Beyond“.
#6… the deathbed
Der Titel sollte zu verstehen geben, das es definitiv keine Rückkehr mehr gibt.
Das „from beyond…“ ist tot.

Leider durfte ich Dein Magazin erst mit „The Coffinlid“ kennenlernen (auch wenn ich mir posthum noch weitere Ausgaben zulegen konnte). Doch meine Recherchen brachten hervor, dass Du mit diversen Größen und Formaten experimentiert hast. War das auch ein Teil Deines Konzepts, dass Du Dich nicht selber wiederholen wolltest, vielleicht sogar geplant, dass jede Ausgabe individuell ist, oder eben schlicht ein Experiment, was wohl für „From Beyond“ am besten funktioniert?

Das Heft sollte von Anfang an, „anders“ sein und das nicht nur inhaltlich. Der einfachste Weg war daher, mit dem Format zu spielen. Da ich mir meine beruflichen Sporen in einem Copyshop verdient habe, konnte ich mich dahingehend austoben und viel herum experimentieren. Das hatte Vor-, aber auch Nachteile. Frag mich zum Beispiel nicht, warum ich bei Ausgabe #3 die untere rechte Kante im ganzen Heft abgeschnitten habe (wie früher beim Hausaufgabenheft) – ich konnte es einfach. Das ganze Heft war streckenweise mein großes eigenes Versuchslabor. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man im DIN A4 Querformat zwar gut gestalten kann, aber es ist gleichzeitig äußerst schwer zu lesen ist, weil es arg durchhängt auf Grund seiner Gesamtlänge, Beweis: Ausgabe #2.
Oder das man besser aufpassen muss und den Druckdatenguide richtig lesen sollte, bevor man zum ersten Mal etwas in eine professionelle Offsetdruckerei gibt, Beweis: Ausgabe #4

Meine Leser kenne vielleicht das „The Cerecloth“ nicht. Welche Fehler hast Du gemacht, als Du die Druckanweisungen ignoriert hast und in wie fern sieht man das im fertigen Heft?

Gestalterische Kleinigkeiten, die mich stören, aber kein Beinbruch darstellen. Schau dir beispielsweise das Helheim-Interview und den dort platzierten Rahmen an. Links und rechts ist er angeschnitten, oben und hinten schwankt er arg. Nicht schön, aber höchstwahrscheinlich sieht man es nicht, wenn man nicht weiß, wie es hätte aussehen können. Das zieht sich halt durch das ganze Heft. Auch ist das Papier an sich viel zu dick. Die oberen und unteren Kanten beim Umschlag haben beim Zuschnitt auf das Endformat sehr gelitten und sind eingerissen und schagen zu sehr auf, wenn das Heft plan liegen sollte.

Wenn ich älteren Kritiken glauben darf, haftete dem „From Beyond“ seit Anbeginn diese besondere Ästhetik an. Professionelles und aufgeräumtes Layout, qualitativ hochwertige Darstellung des Memento Mori und diese gewisse Individualität. Da stellt sich zunächst die Frage: Machst Du beruflich was mit Design oder Layout? Oder hast Du Dir das alles selber angeeignet, um „From Beyond“ exakt so zu präsentieren, wie Du es Dir vorgestellt hast?

Yeap, ich habe den wunderbaren Beruf des „Gestaltungstechnischen Assistenten“ gelernt und mich danach als Mediengestalter unter Lohn und Brot gestellt. Ein Beruf der nicht viel abwirft, aber Spaß macht – auch wenn es mir nicht im Blut liegt. Meine Verlobte meinte mal, meine Hochzeitskarten sehen aus wie Trauerkarten – vermutlich ist das einer der Gründe, warum ich mittlerweile Digitaldrucker in der brandenburgischen Pampa bin. Natürlich wäre es klasse sagen zu können, das ich mir alles autodidaktisch beigebracht habe, nur um meine Vision vom eigenen Fanzine zu realisieren, aber dem ist nicht so. Das schöne ist aber, das jedes Heft für sich genommen anders aussieht und man meine Weiterentwicklung sehr gut verfolgen kann.

Vielfach wurde Dein kleiner Clou angesprochen: Das Cutout in der letzten Ausgabe, wo ein Loch im Cover den Einblick auf den Fanzine-Namen auf der hinter liegenden Seite offenbart. Wie bist Du auf diese Idee gekommen? Wolltest Du Dein letztes Heft noch mal zu was Besonderem machen?

Von allen Seiten heißt es immer, Metal muss dreckig sein, schmutzig und laut, Ecken und Kanten haben. Warum sollte ein Heft da nicht unangenehm in der Hand liegen, gar störend sein?
Außerdem ist es mal wieder ein schönes Spiel mit dem Titel. Gut ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung spukte mir der Gedanke bereits durch den Kopf und ab der gleichen Sekunde hatte ich etwas Bammel, das mir jemand anderes zuvor kommt und die Idee anderweitig umsetzt.
Kleine Nebenanekdote: Überraschend viele Leser haben sich bei mir beschwert, weil ihr Postbote das Heft kaputt gemacht hat.

Es müsste an ein Wunder grenzen, wenn der Postbote ausgerechnet an so einer neuralgischen Stelle einen Defekt im Heft hinterlässt… Da muss ich natürlich direkt mal nachfragen: Wie viel Zeit musstest Du in Layout und Design für „The Deathbed“ stecken? Hattest Du mittlerweile nach fünf vorherigen Ausgaben eine gewisse Routine, oder gab es immer noch Raum für Verbesserung, den Du nutzen wolltest?

Nach Ausgabe #4 war ich ehrlich gesagt ausgelaugt und brauchte eine Pause. Ich hatte arg zu kämpfen mit mir um ein anständiges Layout auf die Reihe zu bekommen. Deswegen hat Nici die komplette gestalterische Arbeit für die Folgeausgabe übernommen und ich konnte mich vollends auf den Inhalt konzentrieren und sie hat den visuellen Aspekt ausgearbeitet. Bei Ausgabe #6 wiederum gab es Zeitprobleme bei ihr und ich musste mir in den Hintern treten. Insgesamt hat es rund 3 Monate gedauert, bis ich diesen Aspekt ausgearbeitet habe. Und nein, Routine war nicht dabei. Ich habe immer wieder die gleichen, aber auch viele neue Fehler gemacht.

Wo wir gerade bei der Zeitfrage sind: All Deine Interviews sind immer über einen längeren Zeitraum entstanden. Das merkt man den Gesprächen auch an. Es ist nicht einfach der generische Fragenkatalog, der auf der einen Seite kompiliert und auf der anderen abgearbeitet wird. Vielmehr sind Deine Interviews immer fließende Dialoge. Wie bist Du an die Fragen ran gegangen? Hast Du immer eine Frage nach der nächsten an Deine Gäste geschickt und bist dynamisch auf die Antworten eingegangen? Oder hattest Du bereits im Vorfeld ein festes Skelett an Fragen, die Du bei Bedarf erweitert hast?

Zuerst kam die Frage. Wenn ich genug gute Fragen für eine Band hatte – in der Regel waren es fünf bis acht -, schrieb ich die Band an, ob sie überhaupt Interesse an einem Gespräch hätte. Falls nein, werden die Fragen verworfen, falls ja, werden die Fragen ggf. übersetzt. Die ersten Antworten warfen dann normalerweise weitere Fragen auf und so entwickelte sich mit der Zeit ein Word-Dokument, das wie ein normales Gespräch aussah, wenn man nötige Fingerspitzengefühl an den Tag legte. Bei einer Band habe ich versuchsweise probiert das Interview Frage für Frage per eMail zu stellen, aber das zog sich unangenehm in die Länge und ich war zu sehr fokussiert auf die bestehende Frage. Es hat keinen Spaß gemacht.

Hast Du für Deine Fragen eine gewisse Blaupause gehabt, die Du für jedes Gespräch eingehalten hast? Insgesamt wirken Deine Interviews sehr stringent…

Nein, aber im Kern wiederholt sich vieles, wenn man es genauer betrachtet. Auch einer der Gründe, warum das Heft das zeitliche segnen musste. Die Kernthemen war die Musik an sich, der visuelle Aspekt und hin und wieder das Auftreten der Band. Um diese Kernthemen habe ich dann meine Frage gebaut und versucht alles zu strukturieren.

Fürwahr. Aber: Ist heute nicht Vieles leider nur noch eine Kopie einer Kopie einer Kopie? Auf der anderen Seite sagte bereits Picasso: „good artists copy great artists steal“. Und so sehe ich gerade beim From Beyond keine Stagnation oder Gleichförmigkeit, sondern eine Variation um ein tieferliegendes Konzept. Ob nun bewusst oder unbewusst.

Beim visuellen Aspekt lief einiges bewusst, der Rest kam von woanders her – das kann ich dir nicht mehr genau erklären.

Ich habe es leider nur in den letzten zwei Ausgaben mitbekommen. Aber Deine doch eher energische und unkonventionelle Art der Fragestellung trifft nicht immer auf Gegenliebe. Bestes Beispiel dafür ist wohl das ALTARAGE-Interview im „The Deathbed“. Und ich kenne das leider auch selber zu gut. Man steckt eine Menge Arbeit in ein Interview und am Ende wird es gar nicht, oder so unbefriedigend beantwortet. Das frustriert. Dennoch hast Du – meiner Meinung nach – das Beste aus dem Gespräch mit ALTARAGE raus geholt und es visuell zu einem echten Leckerbissen verwandelt. Chapeau!
Wie geht es Dir dabei, wenn Deine Mühe so im Sande verläuft? Welches war das für Dich persönlich entäuschendste Interview?

Das Album verkaufen und mit der Schulter zucken. Da war ich bockig wie ein Kleinkind und bereue meinen Schritt auch nicht.
Altarage würde ich im Nachhinein nicht zwingend als Enttäuschung bezeichnen. Es war eine andere Art von Interview: Ablehnung zu erfahren und falsch verstanden zu werden.

Altarage hast Du nicht als Enttäuschung empfunden und dennoch bockig reagiert?

Yeap, ich wollte das letzte Wort haben, ha. Man muss nicht alle Handlungen verstehen.

Wie bist Du auf die Idee mit der anatomischen Beschriftung als visuelle Untermalung für dieses Desaster gekommen? Aus antiquarischer Literatur um Skolopender zieren einige solche Darstellungen mein Interieuer. Entsprechend war ich gänzlich verzückt von Deiner Präsentation und musste sie direkt meiner Frau unter die Nase reiben, die Design studiert hat und ebenfalls hell auf begeistert war.

Die Idee habe ich indirekt dem Cover der 2015’ner Demo „MMXV“ entliehen. Da sah man auch nur einen Knochen – ich vermute ein Wirbel. Ich wollte aber einen Schritt weiter gehen, da ich es etwas mau fand, nur die Dachsschädel abzulichten und die Fragen daneben zu stellen. Ich hatte eh das Gefühl, das die Band sehr analytisch beim komponieren vorgeht, quasi alles am Schreibtisch entsteht – vom Gegenteil werde ich wohl nie überzeugt werden – und so führte eins zum anderen.
Mir war es immer wichtig, das jedes Interview anders aussieht und nicht immer nur nach Schema F aufgebaut wird. Die Gestaltung sollte genauso in Erinnerung bleiben, wie das geschriebene Wort.

Dich haben die ruppigen Antworten von ALTARAGE nicht davon überzeugen können, dass sie nicht analytisch arbeiten? Oder klingt da wieder diese kindliche Bockigkeit durch?

Ich kann nur spekulieren. Erstaunlicherweise hat die Band übrigens sogar einen Hinweis für das Heft auf ihre Facebook-Seite gestellt.

Wir Menschen sind gewohnt, uns an das schlechte zu Erinnern. Dabei gibt es auch so viel Gutes, was uns widerfährt, obgleich es scheinbar nicht immer so präsent ist. So rekapituliere doch bitte nochmal Dein Schaffen bisher und sag mir: Was waren deine persönlichen Highlights für das „From Beyond…“? Ich las, Du hättest in Ausgabe 1 die mächtigen IMMOLATION gehabt, was für mich ein kleiner Traum gewesen wäre…

Schreib Ross Dolan doch einfach mal an. Ich habe auch nichts anderes gemacht. Man muss es einfach machen, um herauszufinden, ob es funktioniert oder nicht.
Persönliche Highlights, nun ja, jedes Heft war ein Highlight für mich, wie du dir sicherlich denken kannst. Der ganze Entstehungsprozess an sich war toll und war ausreichend Motivation für mich in der Vergangenheit. Ganz klar sticht das Gespräch mit Kaamos hervor, aber eher weil die Band für mich recht nahe an die Definition von Death Metal kommt, wie ich sie zu deuten versucht habe. Aber ansonsten, beinahe jede Band war ein Höhepunkt für mich, weil ich fast alle aus persönlichem Interesse angeschrieben habe – auch Immolation, ha.

KAAMOS kommen also an Deine Definition von Death Metal ran? Wie definierst Du denn Death Metal?

Falls dir die „Curse of Aeon“-EP kein Begriff ist, solltest du das schleunigst ändern. Kaamos hatten das Talent, das sie nicht nur vordergründig laut und brutal waren, sondern viel mehr in den leisen Tönen. Du spürst direkt, das die Lieder nicht eindimensional aufgebaut wurden, also Abschnitt für Abschnitt aneinander gereiht sind, sondern organisch zusammenwuchsen. Der innere Fluss war immer fordernd und mitreißend.
Dazu dieser großartige Schriftzug, die Gestaltung der Alben und Eps und das Sahnehäubchen: Man zog mehrmals den Hut vor dem großen Gustave Doré. Und ganz einfach: Ich glaube der Band.

Meine Recherchen sagen: Du hast immer den Fokus auf eher wenige Bands gelegt. Im Maximum hattest Du acht Bands in einer Ausgabe. War die Qualität der Gespräche für Dich wichtiger als die Masse an Interviewpartnern? Nun, so wie ich das „From Beyond…“ kennengelernt habe, ist dies mehr oder minder eine obsolete Frage. Dennoch hast Du ja auch mit dem Umfang deines Magazins experimentiert…

Ich würde es nicht experimentieren nennen, denn die Anzahl an Gesprächspartner war immer dem Zufall geschuldet. Wenn ich genug Fragen hatte, ging eine Interviewanfrage raus, wenn nicht, dann nicht. Gerne hätte ich bei einigen Heften mehr Bands präsentiert, aber zum jeweiligen Zeitpunkt war nicht mehr möglich. Aber Qualität stand dennoch stets vor Quantität. Und wie gesagt, ich habe das Heft für mich gemacht, mit Fragen die mich interessiert haben und nicht mit dem Hintergedanken Band X zu befragen, nur damit der Name im Zusammenhang mit dem Heft erscheint.

Zum Umfang Deines Heftest gehörte für zwei Ausgaben auch ein separates Fotobuch mit Bildern von Nicole Dau, die gleichsam auch für die Bebilderung des regulären Magazins zuständig war und auch für das wunderschöne Soleil Tryste Fotos beigesteuert hat. Wenn ich meinen Recherchen glauben darf, ist Nici Deine Frau. War eine Zusammenarbeit da von Anfang an selbstverständlich? Haben die Fotobände nicht vielleicht den ein oder anderen Metalhead, der sich lediglich für die Musik interessiert überfordert? Ist dieses Konzept deswegen nicht weiter fortgeführt worden?

Der Vollständigkeitshalber: Bei Ausgabe #3 vom Soleil Tryste gab Nici den beiden Herren auch ein kurzes Interview. Nici und ich sind verlobt, aber noch nicht verheiratet. Und ja, die Zusammenarbeit war eine Selbstverständlichkeit für mich. Nicht weil wir uns eine Wohnung teilen, sondern weil ich finde, dass sie eine talentierte und ehrgeizige Fotografien ist und ihre Bilder sehr gut die Grundstimmung vom Heft wiedergeben – auch wenn es dem ein oder anderen zu klischeehaft erscheinen mag. Die Idee des Fotobüchlein haben wir für Ausgabe #5 ein wenig abgewandelt und Nici hat das komplette Heft gestalten. Das bedeutet mehr Platz und somit größere Fotos. Diese Arbeitsweise würde ich jederzeit wieder anvisieren – wenn die Zeit da ist.

Heißt das, dass Du noch nicht komplett mit dem Thema „Fanzine“ abgeschlossen hast?

Vielleicht, reden wir in zwei, drei oder acht Jahren noch einmal darüber.

Neben den Fotografien aus dem Memento Mori hast Du auch diverse Essays in Dein Heft aufgenommen. Von der Entwicklung von Friedhöfen zu Teufelssichtungen zu Totenleuchten oder der Totenkrone. Ich fand diese Aufklärung über Mythen und Brauchtümer extrem interessant, hatte mich zuvor doch nie genau mit eben solchen beschäftigt. Wie kam Dir die Idee für eben diese Geschichten im „From Beyond“? Klar, es passt gänzlich zur nekromantischen Attitüde des Magazins, ist gleichsam für die typische Metal-Gazette eher ungewöhnlich…

Die Sepulkralkultur interessiert mich persönlich sehr stark und dieses Wissen, wollte ich teilen und nicht nur für mich selber behalten. Ich lese sehr viel, allen voran Sachbücher aus verschiedenen Fachbüchern, da mir ausgedachte Geschichten, egal wie gut sie sein mögen, nicht so viel geben. Wenn ich etwas mache, will ich dadurch etwas lernen und nicht nur Zeit totschlagen und „entspannen“. Übrigens wäre so etwas wohl in den frühen 90igern in jedem Fanzine unter der Rubrik „Studium der okkulten Künste“ gelaufen.
Dazu kommt noch das ich nicht gerne Musik-Kritiken schreibe bzw. denke, das ich nicht sonderlich gut darin bin. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt brauchte das Heft eine Auflockerung von seinem strengen Interview-Verlauf. Reviews sind eine leichte Alternative, aber liegt mir nicht. Somit führte eines zum anderen. Klar, es ist nicht typisch, nichts was man erwarten würde, aber gerade das macht es spannend und passte zur Ausrichtung des Heftes.

Reviews mögen oftmals beliebig sein. Das nervt mich auch häufig am Metal-„Journalismus“. Aber wird daraus nicht auch das Interesse geboren, es anders zu machen? Die Analyse eines Albums in Gänze kann durchaus auch poetisch, synästhetisch, intelligent sein, ohne in die Klischees abzudriften…

Ja, natürlich kann man es als Ansporn nehmen, einen anderen Weg einzuschlagen. Aber mein persönliches Hauptaugenmerk lag immer bei einem guten und vorallem informativen Gespräch.
Ich hatte auch nie das Gefühl, sonderlich gut darin zu sein Kritiken zu schreiben. Auch einer der Gründe warum ich viele Promo-Anfrage von Labels und Bands abgelehnt habe, war das mir oftmals nie die passenden Worte zur Musik einfallen wollten und ich nicht über „Standard“ schreiben wollte. Wie machst du das bei deinem Webzine, beurteilst du alles, was bei dir eintrifft oder bist du wählerisch?

Puh, das ist eine sehr gute Frage. Anfangs habe ich alles besprochen. Teilweise auch zu Gutwillig. Mittlerweile bin ich aber ziemlich abgestumpft. Beim NecroSlaughter mache ich noch vieles aus reinem Gefallen, kurzweilige Unterhaltung, Freundschaftsdienste an bekannte Bands und Labels. Teilweise auch kritischer, aber durchaus immer noch wohlwollend, dass die Kritik immer konstruktiv bleibt. Hingegen auf TheNocturnalSilence herrscht Enthusiasmus und Begeisterung. Da kommt keine eingesandte Promo zum Tragen, sondern lediglich die Musik, die mich absolut mitreißen kann. Egal aus welchem Genre, Black, Death, Doom, IDM, Synthwave. Das ist eben mein Eskapismus aus der Gebetsmühle von fast 15 Jahren Webzine.
Dennoch ändert das nichts daran, dass der Promoverteiler für mich beinahe jede Woche wächst. In Zeiten von MP3 kostet eine PR-Agentur nichts weiter, als einen Mailverteiler. Und entsprechend wird der mit Adressen gefüttert um „Coverage“ zu erzeugen. Man wird zugemüllt mit allem möglichen Schrott, hat auf einmal Punkrock und Indie-Alben physisch im Briefkasten und wird 7 Mal gefragt, wann denn endlich das Review kommt und ob ich denn auch ein Interview mache. Da muss man selektieren. Ob man will oder nicht. Doch der Wille wird eigentlich täglich größer (;

Gutwilliges Besprechen von Veröffentlichungen – genau um diesen Punkt habe ich mich persönlich immer gedrückt. Ich halte Kontakt mit einigen befreundete Bands, deren Musik mir aber nicht zusagt – da ist mir der Mensch wichtiger. Ich will ihnen auch nicht zwingend vor de Kopf stoßen und eine miese Kritik verfassen, nur weil sie mir was gegeben hat. Dafür ist Musik auch zu emotional. Nur weil ich es nicht mag, musst du es ja nicht auch bescheiden finden. So kann ich jeden unbefangen mit der Musik arbeiten lassen.
Bekommst du auch regelmäßig Promo-Mails von Iron Bonehead, WTC, Blood Harvest, Svart und Co.? Ich weiß nicht, wer mich auf deren Verteiler gesetzt hat, aber täglich muss ich meinen Spam-Ordner leeren, weil wieder was von deren PR-Heinis eingetrudelt ist. Selten ist da was gutes dabei, ich höre es mir gar nicht mehr an, weil viele Bands ja nach einem Augenzwinkern schon wieder verschwunden sind.

Naja, es ist wohl keine persönliche Anschrift, sondern wohl er durch den Verteiler, wo das Rückantwortfeld noch nicht ausgefüllt ist. Business, nicht mehr und nicht weniger…
Aber kommen wir zurück zum From Beyond. Ein ebenfalls eher ungewöhnlicher Aspekt ist Dein synästhetischer Ansatz. Du beschreibst sehr stark Assoziationen, Bilder und Gefühle, die Du beim Musikkonsum wahrnimmst. Bist Du wirklich einer der wenigen Synästhetiker, oder resultiert Deine Wahrnehmung mehr aus dem intensiven und bewussten Auseinandersetzen mit der Musik?

Letzteres, vermutlich. In meinem Kopf stelle ich Assoziationen her, sei es durch Farbe, durch ein Wort, durch ein Klang, aber ich sehe keine Farben beim hören. Ich versuche ständig (unterbewusst) einen Moment zu visualisieren, vielem ein Bild zu geben. Manchmal funktioniert es, aber nicht immer. Ich denke aber auch, das man Musik besser mit Bildern beschreiben kann, also mit „Das knallt, Alter!“. Die Atmosphäre war und ist der Schlüssel für mich.

Und wenn wir schon mal in der Kategorie „Was macht das From Beyond anders“ sind, müssen wir auch auf die anthropologischen und philosophischen Aspekte Deiner Gespräche eingehen. Hattest Du etwas in der Art studiert, oder woher rührt Dein Interesse für diese Themenbereiche? In manchen Interviews macht es den Anschein, als ob Du zuweilen etwas zu viel Gehalt in manchen Texten und zierenden Elementen aus Booklet und visueller Ästhetik hinein interpretiert hast. Ja, gelegentlich erscheint Deine Herangehensweise erfrischen – verzeih mir die pejorative Vokabel – naiv, als ob jede Metalband wirklich etwas durchdachtes zu sagen hätte. Dabei habe ich eher den Anschein, dass viele Bands doch geradliniger und impulsiver agieren, als man es selber vermutet…

Ich habe die Gespräche immer nur für mich selber geführt und da mich weder die aktuellen Top-5 eines Musikers interessieren oder wo und wie ein Album eingespielt wurde, sondern eher solche „Nebensächlichkeiten“, die dem großen Ganzen dienen. Deshalb frage ich auch danach. Ich will verstehen, was der Musiker zu sagen versuchte. Zwangsläufig kommt man da auch ins philosophieren. Ich habe mittlerweile ein Problem erkannt, nämlich das nicht alle Bands einer tiefgründigen Idee folgen sondern einfach nur Symbole wie Accessoires tragen. Dadurch wird man pessimistisch und eher ablehnend was der Musik abträglich ist – „Naiv“ verstehe ich übrigens als Kompliment. Ich bin in vielen Punkten sehr unbefangen, bis ich eines besseren belehrt werde.

Für Dich ist also etwas mehr Substanz notwendig, um das Bild für Dich komplett zu machen? Darf eine Band für Dich nicht mit okkulten Symbolen kokettieren, wenn sie deren Bedeutung nicht verstehen oder verinnerlicht haben? Musik als reine Unterhaltung hat einen anderen Stellenwert?

Naja, es kommt drauf an. Eine Band sollte den Arsch in der Hose haben und dazu stehen, wenn sie einfach nur ein Image bedienen wollen. Aber sie sollten sich dann nicht verstecken. Das ist ja nichts schlimmes. Musik ist Unterhaltung und das sollte einfach deutlich ausgesprochen werden. Musik ist Unterhaltung. Es ist kein magisches Ritual. Du beschwörst mit einem Live-Gig vor 10 leicht angesäuselten Männern keine blasphemische Stimmung und ehrst schon gar keinen namenlosen Dämonen. Du unterhälst 10 leicht angesäuselte Männer. Wenn eine Band aber einer Idee hat und diese sinnvoll umsetzt und nicht nur ein gewisses Symbol trägt, damit sie es ihrem Idol gleich tun, es gerade angesagt ist oder es einfach schick ist, wenn man sich sinnvoll Gedanken gemacht hat (ich bin der letzte, der das beurteilen wird) und etwas besonderes hat, dann ist das zu begrüßen. Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, eine Band sollte sich nicht mit okkulten Symbolen schmücken, wenn sie deren Bedeutung nicht versteht. Das verbietet allein der Anstand, man schmückt sich nicht mit fremden Federn.
Es gibt einige Bands, die ich nur der Musik wegen höre. Aber ich möchte gerne immer etwas mehr haben.

Ich mag Deinen Ansatz, dass Du Musik sowohl als Unterhaltung genießen kannst, aber durchaus das größere Interesse an etwas Substanziellerem hast. Ähnlich sehe ich das auch. Mal kann ein Burger den kleinen Hunger befriedigen, doch kulinarische Genüsse sind eben anders – wobei sich das heute durchaus auch vereinen lässt, auch musikalisch.

Genau richtig, man muss es trennen können. Unterhaltung und Mehrwert. Aber man soll nicht so tun als ob. Das ist falsch sich selbst gegenüber und seinen Zuhörern.

Wo Deine Gespräche sehr philosophisch sind, nach einer Bestätigung Deiner Wahrnehmung streben und des Pudels Kern einer Band abtasten, quasi zentraler Bestandteil des „From Beyond“s sind, scheinen Kritiken für Dich eher von niederem Interesse. „The Coffinlid“ entbehrt sich jener gänzlich und im Schwanengesang „The Deathbed“ finden sich auch nur „Musik-Tipps“. Welchen Stellenwert haben Reviews für Dich in der heutigen Zeit? Wo sich doch eigentlich jeder selber ein Bild über Bandcamp, Spotify und notfalls Youtube bilden kann…

Reviews haben keine Bedeutung für mich. Allerdings, gibt es Bands und Alben, die meiner Meinung nach eine größere Aufmerksamkeit verdient hätten, weil sie mich begeistern können, aber der springende Funke für ein Interview fehlt. Versuch mal rund um eine einzige Frage ein interessantes Gespräch aufzubauen. Da fragt man zwangsläufig nach Sachen, die sich quasi im FAQ, der Band befinden und macht die Band selber uninteressant.
Für diesen Fall sind Reviews eine gute Alternative. Ich habe aber bewusst versucht diese Rubrik so kurz wie möglich zu halten. Liest wer all die detaillierten Texte, die der Musik die Magie nehmen? Hin und wieder (…) tendiere ich ja auch dazu Musik bis ins Detail zu seziere, aber eine schriftliche Analyse, wo Musik mit banalen Worten auseinander gepflückt wird (flottes Intro, gefolgt von Gitarrengeschredder, Chorus, Bridge etc.) habe ich früher schon nicht lesen wollen.

Ich schätze mal, dass Du jemand bist, der das große Ganze haben mag. Musik mit einem schönen Artwork, ein Booklet mit Texten und Linernotes, Bandbilder und Symbole, Zitate und Referenzen zu großen Gedanken. Entsprechend vermute ich ach einfach mal, dass eine rein digitale Kopie für Dich nicht in Frage kommt?

Yeap, richtig erkannt. Musik ist nicht nur Musik. Musik ist Wort, Bild und Ton, Luft und Atem. Ein gutes Album kann durch ein grausiges Artwork ruiniert werden. Andersrum geht es natürlich auch, ein mitreißendes Bild kann schlechte Musik auch nicht retten. Obwohl sicherlich auch hier ein paar Alben im Regel stehen, die ich nur behalte, weil mir das Artwork gefällt.
Früher lag unweit meiner Schule ein wunderbarer Second-Hand-Laden, der diesen Namen noch verdient hat. Dort habe ich auch meine erste LP gekauft, lange bevor ich einen Plattenspieler hatte – nur wegen dem Cover.

Stilistisch war das „From Beyond“ meist in einer Schnittmenge aus düsterem Death Metal, Black Metal und Doom. Doch es gab auch immer wieder Ausflüge, wie beispielsweise das Tusen Ar Under Jord-Gespräch. Wie würdest Du Deinen persönlichen Geschmack verorten? Bist Du nur im Metal zu Hause, oder magst Du auch Musik über die Genre-Grenzen hinaus?

Ich würde gerne sagen, das ich fern ab von Schubladen agiere, aber ich bevorzuge ganz klar Death- und Doom-Metal. Alles was mich dennoch begeistert, nehme ich ohne Scheuklappen an und halte es fest. Schau dir beispielsweise das aktuelle Album von Dan Terminus an. Das ist ein vor Farben strotzendes Cover, direkt aus einem Regenbogen geschnitten und es klingt wie der Soundtrack zu einem unveröffentlichten Anime-Weltraum-Film aus den 80igern. Nicht alles ist gelungen auf der CD, aber es hat mich in seinen Bann gezogen. Oder „Black Mountain Transmitter“, die es geschafft haben, das Bäume zu zittern begannen – zumindest vor meinem Auge.
Ach und, ich finde nicht, das ich sonderlich viele Black-Metal-Bands im Heft hatte.

Sechs Ausgaben „From Beyond…“. Und nun ist leider Schluss. Warum? Lohnt sich die ganze Arbeit für Dich nicht mehr? War die unheilige Zahl 6 von Anbeginn das Konzept für Dich? Oder bist Du einfach der Meinung, dass Du nichts mehr sagen kannst?

Ich hatte meinen Spaß, also hat es sich immer gelohnt für mich oder wie würdest du herausfinden, ob es sich „gelohnt“ hat? Das es sechs Ausgaben wurde, ist letztlich auch nur dem Zufall geschuldet. Du darfst da nicht zu viel herein interpretieren.

Wenn Dich heute jemand fragen würde, würdest Du ihm raten selber ein Magazin zu machen? Egal ob nun gedruckt oder als Webzine? Ist für Dich die Zeit der Fanzines vorüber? Oder siehst Du den Markt generell an Publikationen – auch im Internet – als übersättigt, belanglos, beliebig?

Mach ein Fanzine, aber mach es mit Herz. Alles andere spürt man und es ist Zeitverschwendung – für beide Seite. Einst hatte ich ein Zine aus Malaysia in der Hand, die Bandauswahl lass sich vielversprechend, der optische Eindruck war es ebenfalls, aber, herrje, die „Gespräche“ waren eine Katastrophe. Lobeshymnen ohne Inhalt. Man merkte, das der Macher einfach nur Band XYZ auf seiner Liste abhaken wollte und dann zur nächsten weiterging. Getreu dem Motto, „Ich habe ein Interview gemacht mit (beliebigen Namen einfügen)“.
Die Zeit für gedruckte Fanzines neigt sich mal wieder dem Ende entgegen, aber sie wird wieder kommen und danach flaut es wieder ab und danach kommt wieder ein Schwung und dann folgt wieder das Absterben – es wiederholt sich alles, beginnt von vorne und endet. Einfach zurücklehnen und entspannen. Das würde ich eh den meisten raten: Einfach zurücklehnen, das Ego zurückstellen und einmal tief durchatmen.

Wie bereits gesagt: Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie. Und gerade im aktuellen Retro-Hype sollten doch Fanzines begehrt sein wie nie, oder? Ich meine, viel gedrucktes gibt es im Moment eh nicht…. Und es gibt immer noch die Alternative in diesem Internet. Selbst da kann man Qualität veröffentlichen, wenn man nicht der tausendste langweilige Blogspot-Kandidat oder NecroSlaughter-Klon wird…

Zwangsläufig wird alles eine Kopie sein, weil vieles (alles?) schon gesagt und getan wurde.
Der Retro-Hype bezieht sich nur auf die Musik und nicht auf das geschriebene Wort. Ich kann es verstehen, weil vielen offensichtlich der reine Unterhaltungswert der Musik genügt.
Ich verteufel nicht das Internet, wichtig ist nur das Herzblut. Und das will ich spüren.

Ich sehe das etwas anders. Natürlich sind gerade Leseenthusiasten nie vom gedruckten Wort abgekommen, doch in der Musik gibt es die deutliche Tendenz zum Anachronismus. Siehe alleine die Renaissance von Tapes. Ich mag das Format, aber primär aus meiner Sicht als Musiker. Es ist billig in der Herstellung, kann leicht limitiert werden, damit man nicht auf 500 gepressten CDs sitzen bleibt, und sieht dennoch besser aus als eine schlecht gebrannte CDr. Als Konsument mag die Haptik zwar schön sein, aber die Tonqualität ist eher miserabel. Dennoch gibt es da die ganzen 19-jährigen Metalheads, die so tun, als ob sie selber das Tapetrading in den 80ern erfunden hätten und begeistert Fanzines lesen. Gerade so Obskuritäten aus Malaysien, Indonesien und Südamerika, wo man kaum eine der War/Beast Metal Bands auch nur ansatzweise hier in Zentraleuropa mal gehört hat. Trveneß und so.

Ehrlich gesagt habe ich mich vom Tape-Wahn auch etwas anfixen lassen. Ich mag Tapes, sie sind klein und handlich und eine Herausforderung für gute Gestaltung. Ganz allgemein: Ein Demo sollte auf Tape erscheinen, da bin ich irgendwie stur. Ich bin zwar nicht so alt, aber damals begann auch vieles mit Tapes bei mir bzw. hat sich daraus entwickelt. Knackige 20 Minuten auf Tape sind mir lieber als 60 Minuten die sich hinziehen auf CD.

Ipp, ich kann nur wiederholen: Es war mir eine Ehre, Dich mit unserem Gespräch im NecroSlaughter zu haben. Ich habe immensen Respekt vor Deinem Schaffen, Deiner Arbeit und Deiner Einzigartigkeit. Ich hoffe, ich höre in Zukunft noch mal was von Dir. Am liebsten mit einem neuen Konzept von Dir. Anderenfalls stehen Dir auch immer meine Pforten bei NecroSlaughter.de und TheNocturnalSilence.de offen, wenn Du mal einen Gastbeitrag digital verbreiten magst. Doch egal, wie es kommt: Ich wünsche Dir nur das Beste für Deine Zukunft. Da dieses Interview nun an Ende ist, gehören die letzten Worte Dir…

Danke, aber ich sehe das „from beyond…“ weiterhin in einem anderen Licht. Ich denke, jeder kann ein gutes Fanzine veröffentlichen, wenn er sich intensiv mit seinem Gegenüber auseinandersetzt und die Standard-Fragen vermeidet.

Sei unbequem.

Die letzten Worte waren eigentlich Dein. Doch wirfst Du abschließend noch eine Frage auf: In welchem Licht siehst Du das From Beyond? Ein Licht abseits der Trivialität des Internets? Oder gar Gehaltvoller als der olle NecroSlaughter? – Was ich durchaus verstehen kann, haha! Was ist aber nun Deine Wahrnehmung vom „From Beyond“?

Die vielleicht letzten Worten von mir: Es ist schwierig seine eigene Arbeit zu beurteilen. In meinen Augen war das „from beyond…“ ein Fanzine. Es war nicht überragend, aber es hatte ein paar gute Ideen, aber auch seine Fehler. Als „Schöpfer“ beurteilst du deine Arbeit anders, da müsstest du mir zustimmen.
Natürlich war die Freude groß, als das erste gedruckte Heft in der Hand lag, aber das Gefühl musste bald der Ernüchterung weichen. Unterm Strich war es ein Fanzine mit einigen – ja, gut, soviel gestehe ich mir ein – guten Fragen. Aber es war nie, wie manche meinten, das am besten aussehenste Zine der Welt oder die Speerspitze der deutsche Fanzine-Zunft. Das konnte ich nicht nachvollziehen und fand es übertrieben. Es war mein Hobby, das mir Spaß bereitete.

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Khmer – Larga Sombra https://necroslaughter.de/2017/08/khmer-larga-sombra/ Wed, 23 Aug 2017 20:20:27 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16405 Read more »]]> „Larga Sombra“ ist das Debüt-Album von KHMER, die bereits seit 2012 im Untergrund rumlärmen. Faul waren die Spanier in den letzten fünf Jahren allerdings nicht! Seit Bandgründung gab es bereits ein Demo, eine EP und zwei Splits, eine davon mit den wunderbaren Crust-Punks von Livstid. Dennoch ist mir die Band bisher nicht aufgefallen. Und wer sie auf der kürzlich absolvierten Tour mit den ebenfalls großartigen Teething nicht bereits kennengelernt hat, sollte sich schleunigst das erste Full-Length zulegen.

Zugegeben, die Bezeichnung „Langspielplatte“ ist für knapp 25 Minuten vielleicht ein wenig euphemistisch. Das ändert aber nichts daran, dass „Larga Sombra“ eine furiose Fahrt durch so viele Stilbrüche ist, die gerade in dieser Laufzeit perfekt funktioniert. Hier so furioser Hardcore wie Loma Prieta und Punch ihn spielen. Dort eine Mischung zwischen kalten und düsterem Black Metals und Metalcore, wie sie Ancst nicht unähnlich ist. Und dann kommt plötzlich Neo-Crust auf Speed dazu, Riffs, wie sie At The Gates durchaus auch hätten schreiben können, Post-Punk-artige Momente, und und und… Basses, unter einer halben Stunde feuern KHMER aus allen Rohren und haben einen extrem eigenständigen und erfrischenden Bastard rausgerotzt.

Dabei ist der Einstieg in „Larga Sombra“ vergleichsweise zahm. Im gleichnamigen Song wird erst mal über sechs Minuten das grobe Repertoir vorgestellt. D-Beats, Crust und ein gutes Händchen für griffige Harmonie-Linien an den Riffs, das ist schon mal ordentlich und spielt auch schon mit ein paar netten Wendungen innerhalb der Songstruktur. Doch erst mit „Perdiste El Filo“ legen KHMER dann so richtig los! Blastbeats, mehr Rotz, mehr Punk und dann plötzlich Ausbrüche in noch schnelleres Tempo und massiven Black Metal-Einschlag – nur um Sekunden später in progressive Momente aufzulösen.
„El Ardor De La Crueldad“ ist nicht weniger wahnwitzig. Fastcore-artiger Auftakt, At The Gates-Tribut und ein flüssiger Übergang in klassischen Black Metal. Alles so stimmig arrangiert und dennoch wird der Hörer fast überfahren. Weiter gibt es noch Reminiszenzen an Coverge oder Wolfbrigade, ohne dass KHMER jemals direkt nach den Bands klingen, sondern viel mehr Vibe und Spirit geschickt in ihre brodelnde Mixtur aufnehmen.
Da ist das eher kunstvolle und dem Post-Punk nahe „A Este Lado De La Luna“ nur eine weitere Überraschung auf dem Album, die aber nicht minder von dem konsequenten Stilmix hinter „Larga Sombra“ zeugt.

Viele Eruptionen, abrupte Wendungen, überraschende Twists, dabei aber immer grandiose Harmonien und griffige Melodien, die immer wieder aufgegriffen werden und konsequente Leitplanken innerhalb der Songs sind. Und am Ende löst sich das Outro „… Para Ver El Mundo Arder“ genau so kalkuliert auf, wie „Larga Sombra“ zuvor scheinbar willkürlich explodiert ist. Aber nur scheinbar. KHMER haben mächtig Feuer, verbrennen aber nicht ziellos, sondern kalkuliert. Das zeigen auch die gezielten Intermezzi auf dem Album.

Ich bin begeistert. KHMER sind durchaus unkonventionell und brechen bewusst mit den Genre-Grenzen. Und das macht sie interessant. Wer gerne mal über den Tellerrand schaut, findet hier ein hervorragendes Debüt-Album.


8 Lieder / 27:15 Min.
August 2017 / Woooaargh (CD, LP, Tape)

https://www.facebook.com/khmer.band/
https://khmer.bandcamp.com/

https://www.facebook.com/WOOAAARGH/
http://www.wooaaargh.com/
https://wooaaargh.bandcamp.com/

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Casket – Ghouls Of Filth https://necroslaughter.de/2017/08/casket-ghouls-of-filth/ Wed, 16 Aug 2017 21:07:03 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16396 Read more »]]> CASKET. Was ein schöner Klischee-Name. Deswegen sollte man diese hier nicht mit der gleichnamigen Band aus Reutlingen verwechseln, die gerade im süddeutschen Raum schon mal Konzerte geben und seit 1990 bereits ihr Unwesen treiben. Nein, hier handelt es sich um das erste Lebenszeichen von Marco Brinkmann, der seine CASKET seit 2016 komplett im Alleingang betreibt. Gut, für das Einspielen der Drums bekam er Unterstützung von S. Genözider, den man vielleicht von Quintessenz, Bulldozing Bastards oder Vulture kennt. Doch im Endeffekt sind diese CASKET ein Ein-Mann-Ding aus Detmold, Nordrhein-Westfalen.

Geboten werden auf „Ghouls Of Filth“ vier Songs mit knapp siebzehn Minuten Spielzeit. Klassischer Death Metal. Nichts sonderlich originelles, aber durchaus sehr gut umgesetzt. Die Grundzutaten sind frühe Death und Autopsy. Dazu gibt es hier und dort leichte Einflüsse aus anderen Bands, die aber im Gesamtbild nicht sonderlich heraus stechen, sondern das große Ganze eher stimmig erweitern.

Entsprechend mag man eigentlich nur brüllen: „Scream, Bloody, Gore!!!!“. Besonders im eröffnenden „Flesh Winter“. Doch spätestens „Ghouls Of Filth“ fordert dann selber das „Mental Funeral“. Dreckig, rotzig, und definitiv interessant für Leute, denen Chapel Of Disease mit dem zweiten Album zu progressiv geworden, oder denen Morfin, Skelethal Remains und Rude nicht dreckig genug sind.

„Sadistic“ bringt dann aber doch ein paar interessante neue Aspekte auf das Tape. Treibende rhythmische Spielereien und richtig schön morbide Harmonien.
Und so fordert „Covered In Guts“ mehrfach zum Mitsingen auf und explodiert förmlich in furiose Soli. So richtig schön ranzig und angepisst. Ohne dass CASKET jemals in Blastbeats oder sonstige Extrema ausbrechen müssen. Mid- und Umptempo beherrschen „Ghouls Of Filth“, durchzogen von ein paar schönen Breakdowns in zähes und schleppendes Downtempo. Immer untermalt von einem hervorragenden Bass. Knarzig, scheppernd und gut hörbar. Ach, warum wird dieses Instrument im Metal nur immer so stiefmütterlich behandelt? Meinen Dank an dieser Stelle.

Wie bereits angedeutet: Essenzielles machen CASKET nicht. Oder besser: Macht der Marco nicht. Es ist stumpfer, direkter Death Metal. Anachronistisch. Aber auf sehr gutem Niveau dargeboten und mit ordentlichem Unterhaltungsfaktor. Und da braucht sich diese Demo durchaus nicht vor manchen FDA-Releases zu verstecken. Hier hat Steffen von Lycanthropic Chants mal wieder ein gutes Händchen bewiesen. Denn dort erschien „Ghouls Of Filth“. Klassisch auf Kassette. Ein weißes Tape, limitiert auf 100 Einheiten. Das J-Card mit Flap offenbart leider nur auf einer Seite die grundsätzlichsten Informationen wie Kontakt, Tracklist und Danksagungen. Dafür gibt es – wie immer – einen Download-Code, damit man die Musik auch in der Moderne genießen kann.

Also: Rundum-Paket durchaus gelungen. Anachronistischer, roher Death Metal auf einem Medium, was zwischen Nostalgie und Hipstertum verklärt wird, mit der Brücke in die heutige Zeit. Klingt vielleicht gerade etwas nüchtern, ist aber eigentlich ein sehr stimmiges Gesamtbild, was durchaus Spaß macht. Support the underground!


4 Lieder / 17:02 Min.
2017 – Lycanthropic Chants (Tape)

https://www.facebook.com/RancidCasket/

http://lycanthropic.de/
https://www.facebook.com/lycanthropic.de/

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The Trollmusic Herald No.3 – A Friendzine https://necroslaughter.de/2017/08/the-trollmusic-herald-no-3-a-fanzine/ Wed, 16 Aug 2017 19:50:11 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16392 Read more »]]> Da musste Thor mit der heißen Nadel stricken, wollte er seinen Trollmusic Herald doch noch rechtzeitig zum Prophecyfest fertig bekommen. Als Ergebnis ist ein vergleichsweise dünnes Heft zum vergleichsweise hohen Preis entstanden. Gerade mal vierzig Seiten, Cover und zwei ganzseitige Flyer inklusive. Für sechs Euro inklusive Porto innerhalb der BRD. Dies ist alleine den Herstellungskosten von 4,50 pro Ausgabe geschuldet. Denn, wie gesagt, das Heft musste rechtzeitig zum Prophecyfest in Kleinauflage manuell in einem Copyshop hergestellt werden. Da sieht man mal über das vermeintlich geringe Preis-Leistungs-Verhältnis hinweg; denn der Inhalt ist sein Geld durchaus wert – sofern man sich in der fokussierten Stilrichtung wiederfindet.

Denn für den typischen NecroSlaughter-Leser bietet der Trollmusic Herald eher weniger. Kein Death Metal, kein Grindcore. Eigentlich kein Wunder, kennt man den Musikgeschmack des Herausgebers bereits von seinen anderen schreiberischen Baustellen: Dem verblichen Hammerheart, Musikreviews.de oder dem Waldhalla Fanzine. Darüber hinaus betreibt er noch sein eigenes kleines Label Trollmusic und ist A+R für Prophecy Records. Schnell ist klar: Der alte Natur-Romantiker interessiert sich eher für Pagan/Viking Metal, Folk und Wald-Und-Wiesen Black Metal. Auch wenn in dieser Ausgabe die Rocker von Mangrove oder die die Doom-Band Troll vertreten sind.

Entsprechend liest sich auch die Inhaltsangabe der aktuellen Ausgabe: Vinsta, Mangrove, Alvenrad, Byrdi, Fornhem, Kings Of Asgard, Fellwarden, Winterfylleth und Troll – wie sollte es auch anders sein…
Dazu gibt es noch einen sehr persönlichen Nachruf auf Gabriel „Negru“ Mafa von Negura Bungent und ein handschriftlich verfasstes Vorwort im schönsten Lettering.

Die Gespräche wurden nicht alleine von Thor geführt. Byrdi wurden von Richard Klasen ursprünglich für das Miroque Magazine interviewt und Jonathan Jancsary hat mit Kings Of Asgard für das Legacy geplauscht. Manche Gespräche wurden entsprechend bereits zuvor woanders veröffentlicht, so beispielsweise auch Fellwarden bei Musikreviews.de. Im Trollmusic Herald finden sich allerdings die Geschichten in der englischen Originalfassung.

Auch soll erwähnt sein, dass der Herald zu Teilen auch die Hauszeitschrift des gleichnamigen Plattenverlages von Thor ist. Fornhem, Vinsta, Kings Of Asgard, Alvenrad sowie Byrdi befinden sich bei Trollmusic unter Vertrag. Dennoch ist das Magazin keine Werbebroschüre, sondern zeugt lediglich vom überschäumenden Enthuisasmus des Herausgebers, der so eine Begeisterung für die Bands verspürt, dass er es eben nicht bloß bei einfachen Gesprächen belässt, sondern den Bands darüber hinaus noch eine Plattform bietet.

Die entsprechende Leidenschaft liest man auch deutlich aus dem Herald heraus. Die Gespräche sind detailverliebt, gehen auf Kleinigkeiten ein, werden zuweilen sehr persönlich Angekündigt und zeugen immer von tiefstem Verständnis von Musik, Band und der dahinter liegenden Philosophie.

So macht das Lesen dieser dritten Ausgabe selbst mit mangelnder Identifikation zu Bands und Stilrichtungen Spaß, reißt den Leser mit und weckt Interesse. So, wie es sich für ein gutes Fanzine gehört.

In Unkenntnis der ersten beiden Ausgaben, kann ich allerdings nicht sagen, in wie fern die zuvor erwähnte heiße Nadel dem Layout ihren Tribut gefordert hat. Denn das Magazin ist sehr aufgeräumt. Einspaltige Einführung, zweispaltige Gespräche. Dazu sauber platzierte Bandlogos und Bilder. Kein Hintergrundrauschen, keine exotischen Schriftarten. Der Fokus liegt mehr auf dem Inhalt denn der Präsentation. Das macht das Lesen angenehm. Und ich muss gestehen, dass ich diese eher puristische Aufmachung nicht mal sonderlich langweilig finde. Vielleicht, weil der Inhalt doch sehr für sich alleine spricht.

Leider kann ich weder sagen, in welcher Auflage diese Ausgabe angefertigt wurde, noch ob der werte Thor einen Restbestand hat.Und eigentlich ist das Magazin auch eher ein „Friendzine“. Also für die Bands und Freunde von Trollmusic. Vielleicht macht der Thor für euch aber auch eine Ausnahme und verkauft den Herald auch an euch. Wer von meinen Lesern interessiert ist, sollte am besten einfach mal nachfragen. Und im Zweifelsfall ein Auge auf die nächste Ausgabe haben.


40 Seiten, 1-Farbiges Cover, s/w, 9 Interviews, ein Nachruf

http://www.trollmusic.net
https://www.facebook.com/infamoustrollmusic/
Mail: mailto:thor@trollmusic.net

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Possession – Exorkizein https://necroslaughter.de/2017/08/possession-exorkizein/ Sun, 13 Aug 2017 19:54:03 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16387 Read more »]]> Nachdem POSSESSION bereits mit ihrem Demo und der „Anneliese“-EP im Untergrund ordentlich auf sich aufmerksam gemacht haben, und seit Bandgründung jedes Jahr kontinuierlich kleine Appetithappen unter’s Volk geworfen haben, wurde es letztes Jahr vergleichsweise Still. Der Grund war scheinbar die Arbeiten am ersten Full-Length „Exorkizein“, das im April diese Jahres veröffentlicht wurde. Und Die Belgier setzten konsequent den bisher eingeschlagenen Weg fort.

An nicht wenigen Stellen wird die Band ihrem Namen mehr als Gerecht! Nicht zuletzt klingt der Gesang wie besessen, wahnsinnig, schlichtweg furios. Die Unterlegung mit Hall trägt zu dieser markerschütternden Wahrnehmung deutlich und positiv bei.
Doch sind es nicht alleine die herausgewürgten Texte, die gar dämonisch anmuten. Auch musikalisch sind POSSESSION häufig fuchsteufels wild. Gerade im zügellosen Geschrote, irgendwo zwischen Black und Death Metal oder auch im Solo von „Infestation – Manifestation – Possession“, das klingt wie der Pazuzu.

Aber wenngleich diese dämonische Bessessenheit ein wichtiger Aspekt an POSSESSION ist, kalkulieren sie dennoch sehr geschickt deren Darbietung. Selten ist eine wilde Raserei blankes Chaos. Vielmehr ist das derbe Gepolter die energetische Entladung, kanalisiert auf einen Fixpunkt in der Songstruktur. Alsbald kommt immer die richtige Auflösung. In bewussten Minimalismus, wie in „Sacerdotium“. In ein richtig griffiges Riff, wie in „Infestation…“. Oder gar wieder in dreckigsten Rock, wie im grandiosen „Take The Oath“.

Zwischen scheinbar haltlosem Chaos und direkter Eingängigkeit erschaffen POSSESSION immer eine bedrohliche Atmosphäre. Selbst so thrashige Momente, wie inmitten von „Beast Of Prey“, haben einen echt spooky Vibe.

Soweit hat die Band auf ihrem ersten Album schon mal alles richtig gemacht. Sie verschmelzen gekonnt Wildheit mit dreckigstem Rock’n Roll, bleiben aber Konsequent ihrer Besessenheit treu. Doch erst zum Schluss haut „Exorkizein“ den größten Hit heraus: „Preacher’s Death“ kombiniert diese Rockigkeit mit absolut finsterer Atmosphäre, spielt etwas mit Post-Punk und blendet den Hörer mit psychedelischen Passagen. Dennoch ist es nur ein weiteres dreckiges Biest, das einen beeindruckenden Blick auf zukünftige dämonische Inkarnationen der Band gewährt. Boogie Woogie!


7 Lieder / 41:25 Min.
2017 – Invictus Productions (CD) / Iron Bonehead Productions (LP/Tape)

http://www.ironbonehead.de/
https://www.facebook.com/IronBoneheadProductions
https://ironboneheadproductions.bandcamp.com/

https://invictusproductions.net/
https://invictusproductions666.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/InvictusProductions/

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Hyperdontia – Abhorrence Veil https://necroslaughter.de/2017/08/hyperdontia-abhorrence-veil/ Sun, 13 Aug 2017 16:59:54 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16382 Read more »]]> Da muss man doch einfach hellhörig werden! Eine dänisch-türkische Kollaboration. Aus (ehemaligen) Mitgliedern von Burial Invocation, Engulfed, Sulphurous, Phrenelith, Mold oder Undergang. Nur um ein paar zu nennen. Dieser Zusammenschluss nennt sich HYPERDONTIA und hat mit „Abhorrence Veil“ nun sein erstes Lebenszeichen veröffentlicht.

Bei allen involvierten Musikern ist eigentlich direkt von Anfang an klar: Hier gibt es klassischen Death Metal. Abseits von Trends, griffigen Melodien oder sonstigen massenkompatiblen Sperenzchen. HYPERDONTIA sind roh und so verrottet, wie es bereits das Artwork von „Abhorrence Veil“ andeutet.

Ja, an manchen Stellen ist das Liedgut etwas sperrig, nimmt abrupte Wendungen und geht schlicht mit dem blutverschmutzten Holzhammer auf den Hörer los. So erinnert das eröffnende „Stapled Down“ in seiner Grobschlächtigkeit nicht selten an die Frühwerke von Cannibal Corpse. Nur noch dreckiger. Doch schnell werden die Spannungsbögen angezogen und tendieren dann schon deutlicher in Richtung Incantation, was mit „Internal Incineration“ sogar noch stärker ausgebaut wird.
Hier kommt dann auch zum ersten und einzigen Mal ein richtig finsteres Lead/Solo zum Einsatz, welches das große Potential von HYPERDONTIA schön ins rechte Licht stellt. Da bin ich schon auf das kommende Material gespannt!

Diese zwei Songs markieren sowohl den Download über Bandcamp, wie auch die 7″ EP, die über Night Shroud Records veröffentlicht wurde. Wer bei Undergangs-Heimlabel Extremly Rotten Productions die Kassette abgegriffen hat, bekommt noch den Bonus-Track „Malicious Concept“, der düster wie Sau ist, und das bisher mächtigste Material von HYPERDONTIA darstellt. Schade, dass dieser Song nur als Zusatz auf der Kassette enthalten war…


2 Songs / 08:02 Min // 3 Songs / 11:57 Min.
2017 – Night Shroud Records (7″) / Extremely Rotten Productions (Tape)

https://www.facebook.com/hyperdontia/
https://hyperdontiaofficial.bandcamp.com/

http://night-shroud.blogspot.de/
http://nightshroud.bigcartel.com/

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Engulfed – Pure, unholy, anti-human and obsure death metal https://necroslaughter.de/2017/08/engulfed-pure-unholy-anti-human-and-obsure-death-metal/ Wed, 09 Aug 2017 08:47:14 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16363 Read more »]]>

ENGULFED schaffen den schwierigen Spagat zwischen Ruppigkeit, Chaos, furiosen Ausbrüchen, unheilvoller Atmosphäre und geschickt kalkulierten Details. Immer wieder durchziehen zähe, langsame Passagen ihre Songs, verbreiten einen schleimigen Vibe und bedrohliche Stimmung. Nur um dann fließend in ungezügelte Wut und rasende Blastbeats auszubrechen. Manche Gitarrenlinien sind obskur und extrem finster, derweil schon der nächste Track ein unglaublich griffiges Riff raushaut, dass es umgehend im Ohr stecken bleibt und auch Tage lang nicht mehr aus dem Kopf raus will.
Das Debüt „Engulfed In Obscurity“ ist ein extrem gutes Death Metal Album geworden. Düster, unheilvoll, wütend und rasend. Und dennoch mit intelligenten Details und abwechslungsreichen Wendungen. Dazu stechen einige Nummern noch positiv aus dem Gesamtbild herahttps://www.facebook.com/engulfedtr/
https://engulfed.bandcamp.com/album/engulfed-in-obscurityus und sind echte Hits!

Grund genug, um mit Sänger und Bassist Serkan ein paar Worte zu wechseln…


1. Hey Serkan, danke für deine Zeit und Antworten für mein bescheidenes Webzine. Mach es Dir bequem, schnappe Dir ein Bier und leg Dir eine gute Scheibe auf, dann können wir mit unserem kleinen Gespräch loslegen. Zunächst aber: Bitte stell Dich meinen Lesern vor und sag uns, was Du als Hintergrundbeschallung laufen hast. Welche Alben haben Dich in letzter Zeit so richtig umgehauen?

Hallo Chris und vielen Dank. Hier ist Serkan von Engulfed. Gerade höre ich das neue Hate Manifesto-Album und es ist wie Heroin. Man kann einfach nicht mehr damit aufhören. Hail to Greece!

2. Nun, jetzt kommt leider eine langweilige Standardfrage, aber da „Engulfed In Obscurity“ euer erstes Full-Length ist, kennen euch vielleicht einige Leute noch nicht. Also kommen wir wohl nicht drum: Wer ist ENGULFED und wie hat alles angefangen? Wenn ich Metal-Archives.com glauben darf, seit ihr keine Anfänger, sondern habt bereits in einigen Bands zuvor gespielt. Die bekanntesten dürften wohl Burial Invocation und Hellsodomy sein…

Alles begann 2010. Wir wollten obskuren Death Metal spielen und so ging es auch schon los. Wir haben zuvor bereits in Bands wie Decaying Purity, Deggial, Burial Invocation oder Hellsodomy gespielt, wie du bereits sagst. Yunus spielt immer noch bei Hellsodomy, Aberrant ist immer noch in Burial Invocation und Mustafa gleichermaßen bei Decaying Purity und Diabolizer.

3. In einem Interview mit VoicesFromTheDarkSide.de sagte Mustafa: „a 3-piece is more than enough“. Heute seit ihr aber zu viert unterwegs. Siehst Du also doch einen Vorteil darin, einen zweiten Gitarristen zu haben, damit ihr eure schönen Teppiche von düsteren Harmonien richtig knüpfen könnt? Auf der anderen Seite war Kasil aber auch nur kurzzeitig raus aus der Band – wenn ich Metal-Archives.com ein weiteres Mal glauben darf…

Ja, Du hast Recht. Kasil ist eines der Gründungsmitglieder von Engulfed. Und wie Du vom Album weißt, sind zwei Gitarren einfach besser für all die mehrstimmigen Riffs und Harmonien. Das wollten wir auch auf der Bühne wiedergeben, denn es ist uns sehr wichtig, dass wird dort die gleiche Atmosphäre wie auf dem Album einfangen.

4. Da alle Mitglieder noch in anderen Bands aktiv sind, was war eure Motivation ENGULFED zu gründen? Wie denkst Du unterscheidet sich diese Band von euren anderen?

Engulfed sind düsterer, schneller, aber auch mit langsamen Momenten. Die Texte, das Konzept und der Stil ist ziemlich anders als bei den anderen Bands. Ich denke, wir alle brauchten diese Band um der Welt zu sagen, dass nur Tod und Dunkelheit real ist.

5. Wie bereits zuvor erwähnt, sind alle Mitglieder auch in anderen Bands. Welche Band hat da für euch Priorität? Siehst Du ENGULFED als vollwertige Band, oder eher als Projekt oder Kollaboration der beteiligten Musiker? Ist es nicht schwer die Verpflichtungen aller Bands irgendwie unter einen Hut zu bekommen? Proben, Auftritte, etc.? Ich habe gesehen, dass ihr häufig die Bühne mit Hellsodomy geteilt habt…

Ja, wir haben gerade unsere erste EU-Tour mit Hellsodomy hinter uns und Kasil (Ich dachte Yunus sei noch bei Hellsodomy? – Anm. d. Verf) hat jeden Abend mit beiden Bands gespielt. Aber er hat nicht seine Energie verloren, sondern das Beste bei beiden gegeben. Für mich hat Engulfed die einzige Priorität, da es gerade meine einzige Band ist. Ich habe vor ein paar Jahren extra bei Decaying Purity aufgehört, damit ich mich voll und ganz auf Engulfed konzentrieren kann.

6. Für mich ist „Engulfed In Obscurity“ ein sehr intensives Album. Es hat eine bösartige Atmosphäre, ein paar richtig griffige Riffs und so viele Details, dass es mich einfach nur umhaut. Es ist weder stumpfer und geradliniger Death Metal noch komplexe und technische Musik. Es ist einer perfekten Balance zwischen direkter und kompromissloser Furiosität und intelligentem Songwriting. Daher muss ich mal nachfragen: Was ist für Dich die Definition von „Death Metal“? Welche Aspekte waren für Dich wichtig, als ihr dieses Album geformt habt?

Eigentlich haben wir keine Regeln wenn wir etwas schreiben. Bisher haben wir einfach alles gemischt, was wir persönlich mögen. Und ich denke, das wird auch in Zukunft so bleiben. Wir hören alle eine Menge Death Metal und nach all den Jahren findet man überall gute Riffs, egal ob im Studio, vorm Schlafen gehen oder im Badezimmer, haha! Wenn wir etwas schreiben, dann ist es einfach Engulfed. Pur, unheilig, anti-mensch und obskurer Death Metal.

7. Für mich sind besonders die Gitarrenarbeiten herausragend. Ihr verbindet sowohl polyphone Harmonien mit großartigen Arrangements für Lead- und Rhythmusgitarren und haut dazu exzellente Soli heraus, die ihre ganz eigen Geschichte erzählen. Wie schreibt ihr eure Songs? Trefft ihr euch alle zusammen im Proberaum und arbeitet gemeinsam an neuem Material, oder gibt es da einen Komponisten, der seine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt?

Die Songs werden von mir und Mustafa geschrieben. Aber schlussendlich gibt Mustafa ihnen den finalen Schliff. Er hat es einfach drauf. Ich schreibe ein paar Riffs und Songs, sende sie ihm rüber und er mischt diese Riffs und Songs mit eigenen Ideen. Wenn wir dann alle mit der Idee einverstanden sind, arbeiten wir sie gemeinsam aus.

8. Wie wichtig sind diese unglaublich düsteren Lead-Gitarren und Geschichten-erzählenden Soli für Dich? Sie klingen so, als ob sie als zentraler Bestandteil in den Liedern fungieren und nicht einfach nur als Selbstdarstellung genutzt werden…

Da liegst Du ganz richtig. Du kannst Texte voller Hass schreiben, Schlagzeug spielen wie ein Panzer oder eine Gitarre wie eine Kettensäge haben, aber diese Soli erzählen Dir, dass Du stirbst und dass Leben nichts bedeutet. Totale Finsternis und nichts kommt danach.

9. Neben den hervorragenden Gitarren ergänzt auch das Artwork hervorragend eure Musik. Es ist irgendwie abstrakt, aber gleichzeitig auch düster, bösartig und unheilvoll. Was war eure Intention, als ihr diesen riesigen Vogel auf das Cover gebannt habt. War das Motiv eure Idee, oder der Input von Künstler Nick Keller? Aber um ehrlich zu sein, so sehr ich das Bild selber mag, finde ich, dass die Schrift für den Albumtitel nicht ganz der Atmosphäre von Kunst und Musik gerecht wird…

Eigentlich hatte ich eine völlig andere Idee für das Cover, aber als wir nach einem Künstler gesucht haben, und dieses Motiv sahen, waren wir direkt verliebt. Dieser riesige, zerstörerische Vogel, der das Land zerschmettert und alles zerstört. Ich wusste: „Ja, das ist genau das Bild, was unsere Texter vermitteln sollen!“. Aber die ursprüngliche Idee ist immer noch in meinem Hinterkopf und wird für das zweite Album verwendet.

10. Um eure Musik unter die Leute zu bringen, habt ihr Hellthrasher und Blood Harvest an eurer Seite. Beide sind im Untergrund gut bekannt und stehen für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen. Seid ihr denn bisher zufrieden mit eurer Zusammenarbeit? Wie waren denn bisher die Rückmeldungen? Ich kann mir vorstellen, dass „Engulfed In Chaos“ einige Aufmerksamkeit aus der Szene einbringt…

Ja, wir sind sehr zufrieden mit beiden Labeln. Die Rückmeldungen waren bisher großartig. Es sind hervorragende Partner, die hart für unsere Promotion arbeiten.

11. Eigentlich versuche ich Politik weitestgehend aus meinem Magazin zu halten. Aber ist es für eine Band, die extreme Musik spielt, nicht schwer in der Türkei? Habt ihr die Möglichkeit eure Kunst irgendwo Öffentlich darzubieten, oder hattet ihr jemals Probleme auf Grund eurer extremen und düsteren Musik?

Weißt Du, wir haben eine Menge Idioten und verdammte Hardcore-Moslems in unserem Land. Das ist leider erst so, seitdem diese islamistische Regierung vor 15 Jahren an die Macht kam. Ich kann nicht sagen, dass wir bisher irgendwelche Probleme hatten, aber wir können unsere Musik auch nicht öffentlich präsentieren. Die Leute würden einfach nicht verstehen was wir da überhaupt spielen.

12. Gibt es noch andere Bands aus der Türkei – abseits von Hellsodomy oder Burial Invocation – die Du mir und meinen Lesern empfehlen würdest?

Hör Dir Diabolizer und Decying Purity an. Du wirst beide mögen. Und Throncraft, richtig guter, wenn nicht sogar der einzige Black Metal von hier im Moment.

13. Es lagen gut fünf Jahre zwischen eurem ersten Demo „Through The Eternal Damnation“ und eurem aktuellen Album. Ich verstehe, dass es seine Zeit braucht, um so ein gutes Album zu formen. Aber denkst Du, dass ihr weitere fünf Jahre für die nächste Scheibe brauchen werdet?

Hahah, natürlich nicht! Wir haben bereits eine Menge neues Material und im Frühjahr 2018 kannst Du bereits neues Zeug von uns hören.

14. Denkst Du, dass ihr bereits „euren“ Sound gefunden habt? Oder entwickelt ihr euch immer noch weiter und das nächste Album klingt vielleicht schon anders? Ich kenne das ja selber, als Musiker ist man eigentlich nie zufrieden mit seinem aktuellen Zustand und will immer irgendwie wachsen und weiterkommen…

Ja, da hast Du recht. Wir hören unsere Songs immer wieder und jedes Mal finden wir Dinge im Sound, die wir gerne verbessern würden. Aber auf dem nächsten Album werden die Songs und der Sound auf einem anderen Level sein.

15. Serkan, ich danke Dir für deine Zeit und Deine Antworten. Wir haben das Ende des Interviews erreicht. Nimm die Chance und lass ein paar letzte Worte an eure Fans in Deutschland und meine Leser.

Danke Dir Chris. Wir sehen unsere deutschen Unterstützer auf dem NRW Death Fest Ende September. Und auch im nächsten Jahr. Da kann ich noch keine Informationen rausgeben, aber 2018 gibt es Engulfed auf einer sehr großen Bühne. Cheers! Keep supporting Engulfed! 666!


https://www.facebook.com/engulfedtr/
https://engulfed.bandcamp.com/album/engulfed-in-obscurity

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From Beyond… The Deathbed – Ausgabe #6 https://necroslaughter.de/2017/08/from-beyond-the-deathbed-ausgabe-6/ Thu, 03 Aug 2017 08:19:15 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16357 Read more »]]> Da ist er auch leider schon. Der Schwanengesang des wunderschönen From Beyond… Fanzines. Es ist die sechste Ausgabe vom Ipp. Und leider auch die letzte. Eine Schande, denn es ist fürwahr wohl eines der eigenwilligsten Magazine in der deutschen Szene. Liebevoll, ästhetisch, intensiv und detailverliebt.

Das fängt direkt schon an, wenn man das Heft aus dem Versandumschlag zieht. Das Cover wurde an einer bestimmten Stelle so aufgerissen, dass der Namensschriftzug von der hinterliegenden Seite durchblickt. Memento Mori-Ästhetik ist im Metal zwar durchaus nicht fremd, allerdings bieten die Fotos von Nici, die zum wiederholten Male Verwendung im From Beyond… finden, ihren eigenen Charme. Von romantisch verträumten Friedhofsstatuen, wie beispielsweise dem Engel auf dem aufgerissenen Cover, bis hin zu Impressionen aus Gebeinhäusern fügt sich die Optik immer passend zu Ipps Gesprächspartnern.
Gelegentlich finden sich schon mal die Bandlogos in den Interviews. Mal prominent, quasi als Einleitung. Oft aber auch subtiler im Layout versteckt. In den Luxus von Bandbildern kommen hingegen ausschließlich die Dänen Undergang.

Konzeptionell ist „The Deathbed“ in 15 Kapitel aufgeteilt. Dreizehn Gespräche, zwei Kolumnen und eine Hand voll Musik-Tipps, derer sich die fünfte Ausgabe noch entbehrte. Konsequenterweise ist dann das erste Gespräch mit Atlantean Kodex Auch wiederum in Prolog, Epilog und diverse Kapitel aufgeteilt. Hier machte es auch durchaus Sinn und musste entsprechend nicht aufgezwungen auf die übrigen Geschichten übernommen werden.

Wiederholt sind die Gespräche kein plumper Fragenkatalog, der einfach von beiden Seiten abgearbeitet wurde. Vielmehr fand der Gedankenaustausch immer über einen längern Zeitraum statt und erlaubt so einen stimmigen Fluss durch immer weiter verästelte Aspekte der Interviewpartner. Denn für Ipp ist nicht nur der musikalische Aspekt einer Band interessant. Vielmehr beschäftigt er sich auch mit visueller Ästhetik der Interpreten, der Aufmachung ihrer Veröffentlichungen, den Texten und entsprechend weiterführend mit anthropologischen und philosophischen Aspekten hinter den Konzepten. Ja, an mancher Stelle wirken Ipps Bemühungen fast schon überambitioniert und werden nicht selten durch die Antworten der Bands etwas entkräftigt.

Wo die meisten Gesprächspartner sich über die Interpretationen und Wahrnehmungen des Fragestellers freuen, gar eigene Denkansätze liefern, trifft Ipp hingegen bei Altarage nicht sonderlich auf Gegenliebe. Diese sehen in den Fragen wohl eher eine Kritik, wenn nicht sogar einen persönlichen Angriff und brechen das Gespäch ziemlich rüde ab. Sympatisch macht sich die Band damit nicht unbedingt. Doch hier nutzt der Verfasser die Umstände und präsentiert den Gesprächsverlauf optisch auf eine erfrischend eigene Art. Chapeau!
Ebenso interessant ist das Gespräch mit dem Künstler Daniel Desecrator. Denn Ipp führt hier eine dreiseitige Analyse einzig über das Artwork zu _Cruciamentum_s „Charnel Passages“ und liefert einen beeindruckenden Tiefgang, diverse Entstehungsskizzen des Bildes inklusive.

Dadurch, dass die Interviews nicht nicht konventionellen Konzepten erfolgen, enden manche Gespräche relativ abrupt. Wie ein gutes Buch, hinterlassen sie den Leser in einem offenen Zustand. So lässt das Ende des letzte Gesprächs mit Tusen Ar Under Jord einen gar doppelt hängen. Im offenen Dialog ohne Abschluss – und eben dem bewussten Abschluss des Magazins selber. Eine Ausgabe 7 wird es leider nicht geben…

Der Vollständigkeit halber die Auflistung aller beteiligten Künstler: Atlantean Kodex, Vircolac, Undergang, Crom Dubh, Horns Of Damnation, Verheerer, Abythic, Dautha und Tusen Ar Under Jord. Ach, und eben dieser Altarage-Ausfall.

Wie bereits zuvor gibt es auch wieder zwei Kolumnen. Einen Fachartikel über die Totenleuchte im Mittelalter und den Artikel über Sichtungen des Teufels auf der weltlichen Erde. Unterhaltsam und erfrischende Zwischenspiele.

Anstatt des üblichen Bergs an Rezensionen gibt es ganz zum Schluss noch 19 Musik-Tipps. Dabei reichen die Veröffentlichung von 2002 bis heute, umfassen sowohl kleine Demos wie auch große Label-Veröffentlichungen. So als ob Ipp wirklich noch mal ein paar letzte Tipps geben wollte. Allerdings passt da die doch eher negative Kritik zu „My Scourge, My Plague“ von Graveyard Dirt nicht so recht in das Bild…

Ipp hat mal wieder ein einzigartiges, intensives und äußerst kompetentes Magazin veröffentlicht, das in seiner intelligenten und philosophischen Betrachtung weit über den ordinären Standard hinausgeht. Er hat wahrlich was Besonderes erschaffen. Und die Lücke, die er hinterlässt, wird wohl nur schwer zu füllen sein. Schade.

Wer ein Stück dieses beeindruckenden Stücks Herzblut haben mag, kann hoffentlich noch ein Exemplar direkt beim Herausgeber bestellen. Innerhalb der BRD kostet das deutschsprachige Fanzine 6 Euro inklusive Porto. Ob wohl noch viele Hefte aktuell verfügbar sind, vermag ich an dieser Stelle leider nicht zu sagen…


Ausgabe 6 // 04/2017
68 Seiten // 13 Interviews // 19 Musik-Tipps // 2 Kolumnen
Kontakt: frombeyondipp@gmx.de

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Ancst – Furnace https://necroslaughter.de/2017/07/ancst-furnace/ Mon, 31 Jul 2017 21:05:53 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16352 Read more »]]> ANCST bleiben sich nach ihrem Album „Moloch“ treu, setzten allerdings wieder auf ein kürzeres Format. Wie bereis bei ersten Full-Length angemerkt, ist eine kürzere Spieldauer für das Black Metal/Crust/Hardcore-Kollektiv durchaus dankbarer und so finden sich auf „Furnace“ durchaus wieder alle Trademarks der Band und entbehrt sich der scheinbaren Schwächen des Langspielers.

So ist auf dem neuesten Output durchaus wieder ein gewisser Haven Shall Burn-Touch im Track mit dem Stereotypen-Titel „Broken Oath“ erkenntlich. Auch finden sich genau so häufig wieder die Einflüsse aus dem Melodic Punk in „Chronicles Of The Emptiness“ oder „Cadence“. Doch das sind nur Bausteine, ebenso wie die typischen Black Metal-Momente aus „In Stone“ oder dem bereits genanntem „Cadence“, das quasi als Aushängeschild für den aktuellen ANCST-Sound herhalten mag.

Also alles beim Alten bei ANCST. Immer wieder finden sich Ausbrüche und Vermengungen vom Black Metal Gerüst und den Hardcore-Wurzeln. Und immer wieder gibt es diese total griffigen Lead-Gitarre und Harmonien, die die Band seit jeher ausmachen. Ja, es finden sich sogar wieder ein paar richtige Hits auf „Furnace“: „Chronicles Of The Emptiness“, „Cadence“ und das eher Metalcore-mäßige „Broken Oath“ inklusive.

Wer also bisher Gefallen an der der Band gefunden hat, wird diese Veröffentlichung ohne Zweifel abfeiern wie Bolle. So finde auch ich diese EP durchaus passend im Band-Kontext und mag diese ungezwungene Mischung aus diversen Genren. Gleichermaßen mag man aber ANCST auch zusprechen, dass sie mittlerweile sehr auf Nummer-Sicher gehen und eben nicht mehr so furios den Stilbruch begehen, wie es auf der „In Humane Condition“ vermeintlich der Fall war, Die Gefahr ist große, dass der Trademark-Sound von ANCST – den sie ohne Zweifel haben – in nicht ferner Zukunft zu einer Kopie ihrer Selbst wird. Das fände ich schade! Hat die Band doch zuvor mit ihrer unkonventionellen Art echte Akzente in der aktuellen RABM-Bewegung gesetzt.


6 Lieder / 22 Min.
CD (vendetta Records) / Download

http://www.ancstcollective.com/
https://angstnoise.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/angstnoise

https://vendettarecords.wordpress.com
https://vendetta-records.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Vendetta-Records-113775778703319/

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