NecroSlaughter.de https://necroslaughter.de Webzine für Death Metal, Grindcore, Crust, Black Metal und sonstigen Krach. Seit 2003. Mon, 05 Feb 2018 20:37:59 +0000 de-DE hourly 1 https://necroslaughter.de/wp-content/uploads/2016/07/apple-touch-icon.png NecroSlaughter.de https://necroslaughter.de 32 32 14472857 CRYPTAE – Heißt das im Wechselschluss, dass wir verstörende und unbequeme Menschen sind? https://necroslaughter.de/2018/02/cryptae-heisst-das-im-wechselschluss-dass-wir-verstoerende-und-unbequeme-menschen-sind/ Mon, 05 Feb 2018 20:37:59 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16599 Read more »]]>

Das niederländische Duo CRYPTAE erschafft auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP eine einzigartige Herangehensweise an den Death Metal. Irgendwie abstrakt, aber dennoch roh und minimalistisch, düster und verstörend. Ich habe mich natürlich sofort verliebt in diese unbequeme Mischung aus Portal, Conqueror und Sunn O))).


1. Halo René, hallo Kees, vielen Dank für eure Zeit und Antworten. Es ist mir eine Freude, eine so einzigartige Band wie CRYPTAE in meinem Webzine zu haben. Da mittlerweile alle physischen Kopien eurer selbstbetitelten EP verkauft sind, wie zufrieden seid ihr denn mit der bisherigen Resonanz? Ich hoffe die digitalen Verkäufe laufen ähnlich gut?

Hi Chris! Danke für dieses Interview, wir sind sehr glücklich deine Fragen zu beantworten. Es ist verdammt unglaublich, dass die EP bereist ausverkauft ist. Nur ein paar Distros haben noch ein paar Demos, beispielsweise Season Of Mist USA und Dead Tank.

2. Nun, da CRYPTAE noch eine junge und unbekannte Band ist, müssen wir leider durch ein paar langweilige Standardfragen. Ich hoffe, ihr habt ein schönes kaltes Bier parat und seid bereit durch diese Pflichtübung zu gehen… Los geht’s: Erzählt uns wer ihr seid! Wie hat CRYPTAE angefangen? Wo kommt ihr überhaupt her? – Ich weiß, ihr kommt aus den Niederlanden, aber das weiß scheinbar metal-archives.com noch nicht.

Wir haben uns vor ein paar Jahren auf einem Musik-Festival in Amsterdam kennengelernt und Musik/Kunst getauscht. Ein paar Jahre später zog ich (Kees) in die gleiche Stadt wie René und wir haben angefangen gemeinsam rumzuhängen und Musik zu machen.

3. Warum habt ihr CRYPTAE als Namen gewählt? Ich nehme an, es ist der Plural des lateinischen Worts Crypta / Gruft?

Es klang halt einfach super… mehr ist es eigentlich nicht, wenn wir ehrlich sein sollen. Wir finden aber, dass es auch ganz gut zur Musik passt. Das Wort selber erscheint aber auch einen unheimlichen Einfluss auf unsere Musik und unsere Themen zu haben.

4. CRYPTAE besteht aus René Aquarius am Schlagzeug und Kees Peerdeman an Gitarre, Bass und Gesang. Habt hr keine anderen Musiker gefunden, die eurem unbequemen Weg folgen wollten? Oder wollt ihr alles eher klein halten, damit ihr eure einzigartigen Ideen auch so umsetzen könnt, wie ihr es geplant habt? Zu viele Köche verderben den Brei…

Eigentlich ist es Kees an der Gitarre und René übernimmt Drums und Gesang. Wir haben eigentlich mehr so spontan aus der Situation angefangen. René hat ein paar Drum-Tracks eingespielt und an Kees geschickt, der seine Gitarren dann daheim eingespielt hat. Marlon Wolterink vom White Noise Studio hat dann alles gemischt. Insgesamt hat es ungefähr eine Woche gedauert, entsprechend haben wir nicht darüber nachgedacht, ob wir weitere Mitglieder hinzufügen. Wir konnten einfach alles alleine machen, nur wir zwei.

5. Ich mag wirklich eure visuelle Komponente. Euer Band-Bild ist wirklich brillant. So simpel, düster und irgendwie unbequem. Es erinnert mich an die absurde Ästhetik von den australischen Portal, wie auch den Film Begotten. Für euer Logo habt ihr eine total verzerrte Typografie gewählt und für eure EP ein sehr abstraktes Artwork. Besonders der weiße Hintergrund ist irgendwie ein großer Kontrast zu eurer düsteren Musik. Sehr gut gemacht. Gibt es da ein tieferes Konzept hinter eurer visuellen Seite? Wer ist für die Umsetzung verantwortlich?

Kees macht alle Artworks. Die meisten Bilder stammen aus seinen Träumen. Da ist dieses immer wiederkehrende Thema, gefangen in geometrischen Beton-Formen zu sein. Das Weiß passt ebenfalls zu dieser Traumlandschaft, spielt aber auch gut mit unserem minimalistischen Herangehen an die Musik zusammen.

6. War eure selbstbetitelte EP eigentlich als Mini-Album konzipiert? Oder sollte es eigentlich mal eine Demo werden?

Eigentlich war es mal als Demo geplant. Wir hatten keine großen Pläne oder so was, sondern wollten es einfach nur raus hauen. Einfach ein Tape machen und es dann in unserem eigenen Netzwerk aus Bekannten und Freunden verteilen.

7. Wie seid ihr dann mit Sentient Ruin Laboratories in Kontakt gekommen, damit euer Tape dort erscheint? War das Kassettenformat eure erste Wahl oder gibt es vielleicht noch andere Formate irgendwann?

Mattia von SR hat irgendwie unsere Musik auf Bandcamp gehört und uns angeschrieben. Wir hatten eigentlich schon unsere eigenen Kassetten für einen DIY-Release bestellt, haben dann aber direkt storniert, als ein Label an uns interessiert war.

8. Wie ich in meinem Review erwähnte, höre ich da so einige Einflüsse aus eurer Musik heraus. Drones und Collagen-artiges Arbeiten, wie bei Sunn O))), die reduzierten Riffs wie bei Conqueror, Beherit oder Blasphemy, die Abschäulichkeit von Pissgrave und denn abgrundtiefen Horror, wie bei Portal. Alles zusammen formt irgend eine Form des Death Metals. Aber mit einigen Einflüssen aus Drone/Doom. Und irgendwie sehr abstrakt. Was sind eure Einflüsse und Inspirationen, die diesen sehr individuellen Stil formen? und wie würdet ihr selber eure Musik beschreiben?

Um ehrlich zu sein, wissen wir das gar nicht so recht. Wir haben einfach gespielt, was am besten für die Songs gepasst hat. Wir wollten nicht wirklich old-school oder zeitgenössischen Death Metal oder irgendwas machen. Wir wollten schlicht was rohes und chaotisches machen. Der abstrakte Ansatz kommt vielleicht von unseren anderen, experimentelleren Bands und Solo-Projekten wie Kees Peerdeman, René Aquarius, Dead Neanderthals und Celestial Bodies.

9. Mit euren minimalistischen und repetitiven Arrangements, wohl platzierten Stop’n Go-Momenten, einem ganzheitlich verzerrten Sound, sogar am Schlagzeug, erschafft ihr eine unbequeme, verstörende und albtraumhafte Klanglandschaft. Eine bösartige und unheilvolle Atmosphäre. War das eure Intention, euer primäres Ziel, als ihr CRYPTAE gegründet habt? Wie weit hatte das Einfluss auf das Resultat eurer EP?

Wie bereits erwähnt, ging alles ziemlich schnell. Wir haben definitiv nicht jeden Schritt in diesem Prozess geplant. Heißt das im Wechselschluss, dass wir verstörende und unbequeme Menschen sind? Wir wissen es ehrlich nicht…

10. Komprimiert auf eine viertel Stunde, ist eure EP sowohl abschreckend wie auch faszinierend. Abseits der reduzierten Elemente, hält sie mich interessiert, unterhalten und neugierig. Sie erfüllt mich mit Unbehagen und einer verstörenden Freude. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass euer Sound deutliche Abnutzungserscheinungen bei einem Album mit voller Spielzeit bekommen könnte. Was sagt ihr zu dieser Vermutung? Wollt ihr in Zukunft überhaupt so was wie ein Album raus bringen oder seht ihr CRYPTAE eher als eine Band für EPs und Splits? Oder ist die Band vielleicht nur ein abstraktes Experiment, ein Projekt, das gar nicht designt wurde, um lange zu leben und Alben zu veröffentlichen?

Wir nehmen die Dinge, wie sie kommen. Wir versuchen da offen für alles zu sein. Das wichtigste für uns ist immer noch die Passion die wir fühlen, wenn wir Musik machen. Das nächste Album mag dann zwei Sunden dauern oder auch nur zwei Minuten. Was auch immer in jenem spezifischen Moment am besten passt.

11. Denkt ihr, dass euer eigensinniger Stil viele Fans in der Death Metal Szene finden wird? Für mich ist eure Musik zu abstrakt und häßlich für den üblichen Metal Blade oder Nuclear Blast-Kunden. Ja, wahrscheinlich auch zu dreckig für Fans von eher traditionellem Rotten Death Metal im Stil von Autopsy, Incantation oder Immolation. Wie war denn bisher das Feedback von Fans und Medien – so abseits von den Verkaufszahlen?

Die Schublade „Death Metal“ ist eigentlich nur ein Werkzeug, damit Leute einfacher über unsere Musik sprechen können. Ich hoffe, die Leute kaufen unser Tape, weil sie eine aufrichtige Passion für extreme Musik haben, wie wir sie machen. Wir wissen nicht viel über die Hintergründe unserer Hörer, aber „extreme Musik“ ist ein weites Feld. Entsprechend können wir uns auch vorstellen, dass Leute aus allen Ausrichtungen irgendetwas in unserer Musik finden, was sie mögen. Wenn die Leute die Kassette aber nur kaufen, um trendy und edgy zu sein, ist das natürlich auch in Ordnung. Soweit waren die Rückmeldungen aber überraschend gut.

12. In einem anderen Interview sagtet ihr, dass CRYPTE zu beschäftigt für Shows sei, weil andere Bands, Familien Arbeit und Freizeit zu viel Zeit beanspruchen. Interessiert wärt ihr aber dennoch? Was ist notwendig, um euch doch mal auf die Bühne zu bekommen? Vielleicht für so eine einmalige Show?

Sag niemals nie. Aber eigentlich hatten wir Auftritte gar nicht im Sinn, als wir die Band gestartet hatten. Wir müssten wahrscheinlich jemanden finden, der live den Gesang übernimmt, weil René sich vollständig auf sein Schlagzeug konzentrieren will.

13. Da ihr nun euren ersten Eindruck in der Szene hinterlassen habt, was sind eure weiteren Ziele für 2018? Wollt ihr euren Sound weiter entwickeln oder erst mal beim aktuellen Status bleiben?

Wir arbeiten bereits an neuem Material. Doch zuvor müssen wir erst mal andere Projekte von uns zu ende bringen.

14. René, Kees, vielen Dank nochmal für eure Zeit und Antworten. Da dies das Ende des Interviews ist, lasst doch bitte die abschließenden Worte an meine Leser und vielleicht auch eure Fans.

Danke Dir für das Interview. Wir lassen euch alle mit diesem Zitat des Autoren J.G. Ballard zurück:
„Memories have huge staying power, but like dreams, they thrive in the dark, surviving for decades in the deep waters of our minds like shipwrecks on the sea bed.“


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Cryptae – Cryptae https://necroslaughter.de/2018/01/cryptae-cryptae/ Wed, 17 Jan 2018 21:36:37 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16594 Read more »]]> What the Fuck? Das wird wohl das abgefuckteste Stück Death Metal sein, was 2018 hervorbringen wird. In knapp 15 Minuten zerkloppen CRYPTAE mal eben sämtliche Normen, Konventionen und Strukturen – und in einem auch ordentlich das Hirn des Zuhörers.

Dabei präsentieren die beiden Niederländer keinen ordinären Death Metal. Es ist viel mehr eine abstrakte Herangehensweise, experimentell und mit einigen Bezügen zum Drone/Doom. Das Ergebnis ist eine widerwärtige Lärmwand, die definitiv nicht jedem schmecken wird. Man kann es sich irgendwie vorstellen wie eine Mischung aus der Abscheulichkeit von Pissgrave gemischt mit dem Horror von Portal, reduziert und eingekocht auf Beherit, Blasphemy, Conqueror und gestreckt mit Sunn O))) auf Koks. Abartig, verstörend, beklemmend und dennoch faszinierend. Wie ein Blick in den Abgrund, der eindringlich zurück starrt.

Alles klingt irgendwie verzerrt, wie ein surreales Bild durch weißes Rauschen. Selbst die Drum-Fills zerren und tragen zur abstrakten Atmosphäre bei. Die Riffs mag man häufig gar nicht als solche bezeichnen. Manche Stakkatos sind schlicht eine dichte Wand aus Krach, repetitiv, mürbend. Dazu tiefe, teilweise gezogene Vocals. Immer wieder im hypnotischen Stop’n Go, meist im ruppigen Geschepper, gelegentlich in fiesen und unheilvollen Slowdowns. Dazu ganz selten noch schwerer greifbare Leads, schwammig im Hintergrund. Nie so wirklich präsent, außer im abschließenden „Maze“, das durchaus auch so was wie prägnante Gitarrenlinien offenbart. Zumindest im Gesamtkonzept der selbstbetitelter betrachtet.

So ungewöhnlich und entrückt CRYPTAE agieren, so unbequem und verstörend ihre EP auch ist, irgendwie sind so Songs wie „Ventrum“ oder „Maze“ doch interessant, faszinierend und irgendwie ergreifend. Es ist eine abgefuckte, nihilistische und finstere Scheiße, die Sentient Ruin Laboratories uns hier um die Ohren haut. Die meisten Leute werden dahinter wohl kaum Musikalität erkennen. Doch wie sagten bereits Dissection? „For only a black heart will find beauty in darkness“…


4 Lieder / 14:25 Min.
Sentient Ruin Laboratories (Tape) – 2017

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Pig’s Blood – Pig’s Blood https://necroslaughter.de/2018/01/pigs-blood-pigs-blood/ Tue, 16 Jan 2018 09:05:47 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16589 Read more »]]> Rabiat, grobschlächtig und garstig. So kann man wohl am besten das Debütalbum von PIG’S BLOOD umschreiben. Mit einer fast schon stumpfen Eindimensionalität von Archgoat, hätte dieser grobe Knüppel durchaus auch auf Iron Bonehead erscheinen können und wäre bei den Fans des Labels wohl eingeschlagen wie eine Bombe. So kommt es auf dem wohl eher unbekannteren Godz Ov War aus Polen heraus, dürfte aber dennoch die gleiche Zielgruppe ansprechen und durchaus auch glücklich machen.

Mit ihrer Holzhammer-Methode ist die Band aus Milwaukee, Wisconsin allerdings nichts für Jedermann. Dafür sind weite Teile des gleichnamigen Albums doch recht ähnlich, viele Details gehen einfach im Feuersturm aus tiefergestimmten Gitarren, tief röchelnd und blubbernden Vocals und permantentem Geschepper von den Drums schlichtweg unter. So brettern die gut 36 Minuten der Scheibe fast schon monoton am Hörer vorbei, oder vielmehr: Durch ihn hindurch.

Aber auch nur fast. Denn PIG’S BLOOD haben doch zuweilen ein paar sehr nette Details versteckt. Manche Riffs erinnern durchaus in ihrer Boshaftigkeit an frühe Morbid Angel, hört alleine mal „There Will Be No Law“. Und wenn das Tempo mal kurzzeitig ordentlich gedrosselt wird, darf man auch gerne mal an Incantation denken. Oder artverwandte Bands in Richtung Grave Ritual, Encoffination, Father Befouled. Doch passiert diese finstere Drosselung lediglich in „Taste The Fucking Posion“. Das ist genau so ein seltener Moment der Eingängigkeit, wie der dicke Black Metal-Einschlag in „The Age Of Endless War“ oder die kurze Reminiszenz an frühen Grindcore aus dem eröffnendem „Misanthrope Absulute“.

Doch meinst sind PIG’S BLOOD einfach nur eine Abartigkeit aus tiefen, fast schon stumpfen Riffs, konsequent hohem Tempo mit ordentlichem Chaos-Potential und einem Wechselbad aus unterschiedlichen Röchel- und Grunzgeräuschen. Mal zwischen moderaten, aber dennoch fiesen Schreien und Keuchen, tiefem Bellen und oftmals auch mit Harmonizer, in noch tiefer gedrücktes Blubber – was durchaus wieder den anfänglichen Archgoat-Vergleich legitimiert.

Und dennoch ist diese Mischung aus fast repetitiver Stumpfheit und überraschenden Details ein durchaus gelungener Einstand geworden. Pur, dreckig, komprimiert auf die animalischste und archaichste Form des Death Metals holzen PIG’S BLOOD alles nieder und lassen so manche Frickelband doch eher wie ein Kasperle-Theater aussehen. Dass sie damit jedweden Freund der trendy Old School Revival Welle mit netten Melodien und eingängigen Riffs abschrecken werden, steht hingegen außer Frage.


10 Lieder / 36:16 Min.
Godz Ov War Productions – Digipak-CD / 30.06.2017

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Revolting – Monolith Of Madness https://necroslaughter.de/2018/01/revolting-monolith-of-madness/ Thu, 11 Jan 2018 21:29:56 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16585 Read more »]]> Bereits mit dem Vorgänger „Visages Of The Unspeakable“ haben sich REVOLTING etwas von ihrem überambitioniertem Veröffentlichungszyklus gelöst und hauen uns nicht mehr jedes Jahr ein neues Album um die Ohren. Vielleicht ist Mastermind Rogga Johansson mit seinen gefühlt 500 Projekten langsam aber sicher doch ausgelastet? Auf jeden Fall hat seinerzeit der Abstand von drei Jahren zwischen „Hymns Of Ghastly Horror“ und dem Nachfolger der Band sehr gut getan. Weitere drei Jahre später zeigt sich erneut: Die längere Reifezeit kam auch „Monolith Of Madness“ zu Gute!

Wo die die ersten Alben auf FDA Rekotz (damals noch nicht Records) seinerzeit visuell stark an Horrorfilme der 80er angelehnt waren, und „Visages Of The Unspeakable“ dem fleischlichen Fantasien von Clive Barker entsprungen sein mag, ziert das aktuelle Album eine Hommage an H.P. Lovecraft und seinem maritim-kosmischen Horror. Kultisten, die einen Monolithen anbeten, ein riesiges Tentakelmonster, das aus dem Meer emporsteigt. Und klein im Himmel fliegen kleine Hexen auf ihren Besen umher, was der Szenerie fast schon ein komisches Element hinzufügt.

Musikalisch sollen REVOLTING auf „Monolith Of Madness“ rauer als jemals zuvor sein. Klingt nach einem typischen Superlativ aus dem Beipackzettel für Werbezwecke. Doch irgendwie kann man das sogar fast unterschreiben. Klar, so richtig ruppig und dreckig werden REVOLTING wohl nie werden. Dafür ist alleine der Melodie-Anteil zu wichtig und zu hoch. Und auch die Produktion insgesamt zu „glatt“. Man merkt aber, dass deutlich mehr D-Beats und schnelle Skankbeats auf dem Album sind, immer wieder nahe an die Grenze zum Crust treten. Die meist sehr simplen und geradlinigen Riffs spielen dem natürlich auch zu.

Weiterhin sind Edge Of Sanity immer noch deutlich als Haupteinfluss für REVOLTING hörbar. Mehr als einmal hört man deutlich ein ähnliches Harmonie-Verständnis, gerade im melancholischen Anfang von „A Wedding For The Dead“. Und natürlich auch in vielen anderen Führungsmelodien. Doch an manchen Stellen erinnern mich Songstrukturen, Breaks und auch Gesangsphrasierungen deutlich an Fleshcrawl, durch den hohen Melodie-Anteil auch an die tschechische Version von Brutally Deceased. Oder in „Broomstick Legions“ durchaus auch Dawn Of Dreams. Klar, dass im schweren Stampfer „March Of The Revolter“ dann auch Bezüge zu mittleren Dismember auffallen könnten.

„Monolith Of Madness“ erfindet nichts neu. Es definiert nichtmal REVOLTING neu oder gar überraschend anders. Es sind immer noch simple, geradlinie Riffs, viele Leads und Soli. Diesmal vielleicht etwas zackiger und rotziger, gelegentlich sogar mit Blastbeats. An einigen Stellen vielleicht auch nicht zu 100% auf den Punkt (etwas weniger Wiederholung hätte dem ein oder anderen Song gut getan). Doch sind die Leads und die daraus resultierende Stimmung packend. Und so findet sich doch ein Haufen kurzweiliger und durchaus guter Songs auf dem Album.


10 Lieder / 36:35 Min.
FDA Records (CD, Download) – 19.01.2018

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Crypts Of Despair – The Stench Of The Earth https://necroslaughter.de/2018/01/crypts-of-despair-the-stench-of-the-earth/ Sun, 07 Jan 2018 20:17:27 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16574 Read more »]]> „The Stench Of The Earth“ ist das Debütalbum von CRYPTS OF DESPAIR, dem neuesten Pferd im Stall von Testimony Records. Ganz perfekt ist dieser Einstand zwar noch nicht, beinhaltet aber doch ein paar sehr coole Songs, die im EP-Format sicher wie eine Bombe eingeschlagen wären.

Zunächst ist „The Stench Of The Earth“ eines: Gewaltig! Der Sound ist unglaublich dicht und voluminös. Ja, zuweilen mag man fast das Attribut „überladen“ verwenden. Donnernde Doublebass, drückender Bass, dicke Riffs, dazu Lead-Gitarren, die stellenweise leider etwas im Gesamtbild untergehen, und zwei Sänger, die abwechselnd und auch schon mal gemeinsam ihre Textzeilen der Welt entgegenschmettern. Benton-Effekt lässt grüßen. Akustisch liefern CRYPTS OF DESPAIR auf jeden Fall ein dichtes Brett ab.

Diese Klangwand übertragen die Litauer durchaus auch häufig in ihre Songs. Gerade mit der häufig bretternden Doublebass und den zuweilen recht reduzierten Rhythmusgitarren sind die Songs meist sehr treibend. Leider gibt dies dem Album auch eine gewisse Gleichförmigkeit. Ebenso wie manch furioser Ausbruch in das gehobene Uptempo oder gar Blastbeats, das gelegentlich ein Schablonen-artiges Arbeiten vermuten lässt. Und so technisch anspruchsvoll saubere Ryhtmus-Arbeit auch sein mag, so sehr sind einige Riffs doch eher zu sehr auf Schlagzahl und zu wenig auf griffige Melodien geschrieben.

Doch retten CRYPTS OF DESPAIR sehr viel auf „The Stench Of The Earth“ mit intelligenten Details und einem finnischen Harmonie-Verständnis. Beispielsweise dem coolen Drumming in „77“, was leider in der Klangwand etwas untergeht oder dem feschen Rhythmus-Wechsel in „Fleshless Eternity“. Und auch in so einigen anderen Kleinigkeiten, die durchaus aufhorchen lassen.

Am beeindruckendsten finde ich allerdings die Leads, die den Songs eine richtig düstere, unheilvolle Stimmung verleihen. Diese Atmosphäre zieht sich zwar komplett durch die knapp vierzig Minuten Spielzeit des Albums, findet aber in der zweiten Albumhälfte eine wesentlich größere Dichte. Gerade „Ravage The Earth“ ist ein so wunderschön düsteres und brutales Lied. Die folgenden „Possessed By Astral Parasites“ oder „Monuments Of Fear“ stehen dem in der Intensität kaum nach. Auch wenn es letzterem Song gut getan hätte, wäre die Band etwas mehr auf den Punkt gekommen.
Ja, selbst das abschließende „Dead Light“, was zu beginn doch etwas zu sehr nach Selbstkopie klang, entwickelt sich in den langsameren Passagen und haut noch mal eine der coolsten Melodien des Albums heraus.

„The Stench Of The Earth“ ist im Gesamtbild ein gutes Album geworden. Nicht herausragend, mitnichten eine Pflichtveranstaltung. Aber durchaus gut produziert mit coolen Ideen, finsterer Atmosphäre und ein paar richtig packenden Melodien. Hätte man es auf eine EP mit den letzten fünf Songs reduziert, wäre CRYPTS OF DESPAIR ein grandioser Einstand gelungen. So hinterlässt die zweite Albumhälfte aber immer noch ein großes Interesse am zukünftigen Treiben der Band.


10 Lieder / 39:23 Min.
Testimony Records (CD, LP) / 24.11.2017

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Under The Church – Supernatural Punishment https://necroslaughter.de/2018/01/under-the-church-supernatural-punishment/ Tue, 02 Jan 2018 21:37:20 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16568 Read more »]]> UNDER THE CHURCH sind im Underground durchaus keine Unbekannten mehr. Zum einen tobt die schwedische Band bereits seit 2013 durch die Szene, hat mit Demo, EP oder dem letzten Album ordentlich Rabbatz gemacht. Und zum anderen dürfte auch die alte Band der beiden Hauptmitglieder Lars Henriksson und Eric Qvick für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt haben: Beide waren zuvor bei Nirvana 2002, die wohl auch zu den Vorreitern des berühmten schwedischen Death Metals zählen.
Dennoch sind UNDER THE CHURCH bisher mehr oder minder an mir vorbeigegangen. Klar, man hat hier und dort mal reingehört, aber so richtig mitgerissen hat mich bisher nichts. Nun kommt allerdings „Supernatural Punishment“, das zweite Album der Band und haut mich total um.

Das neue Line-Up trägt vielleicht zu der überwältigenden Wirkung der neuen Scheibe bei. Mit im Boot sind diesmal Eric Wallin, der auch bei Nirvana 2002 dabei war und auch bei Merciless spielt, Marcus Klack von Morbid und Eric Sahlström von General Surgery oder Crucifyre. Und gerade der markante Eindruck von Sahlströms Gesang erlaubt nun massive Vergleiche zu Crucifyre, zwängt sie förmlich auf. Das ist an dieser Stelle jedoch ein Pluspunkt. Zumindest für mich, liebe ich diese Band doch sehr. „Supernatural Punishment“ aber nur als Kopie von „Infernal Earthly Divine“ oder „Black Magic Fire“ zu bezeichnen, wäre eine infame Falschaussage. Denn trotz der gleichen Ausrichtung, klassischer Death Metal mit deutlichen Wurzeln im Thrash Metal und Bezügen zur ersten Welle des Black Metals, agieren beide Bands doch latent unterschiedlich.

Dazu darf man auch gerne dem Promo-Zettel glauben: „‚Supernatural Punishment‘ is undoubtedly the most diverse UNDER THE CHURCH record to date, but still keeping that razor-sharp Swedish Death Metal attack done the right way.“
Auch wenn mir vielleicht die Kompetenz fehlt, um diese Aussage gegen die Diskografie von UNDER THE CHURCH zu untermauern, kann ich nur bestätigen: Es ist ein verdammt abwechslungsreiches Album geworden. Von schnellen und grobschlächtigen Death Metal-Brechern wie dem ungehobelten „Vitalizing Funeral“ oder dem dreckigen „Staircase To Hell“ zu deutlich punk-angehauchten Skank-Beats mit entsprechenden Lead-Gitarren in „Ancient Ritual“ zu morbidem, fast schon melancholischem Death/Doom im abschließenden „Silence Of The Shadows“, passiert eine Menge auf „Supernatural Punishment“. Immer wieder finden sich Zitate an frühe Slayer, Hooklines, wie sie Venom durchaus gebracht hätten, Riffs, wie man sie von Carnage, Nirvana 2002, frühen Dismember oder Entombed durchaus erwartet hätte. Alles gut transponiert in das Hier und Jetzt. Ohne zu irgendeiner Sekunde stumpf auf dieser Swedeath-Rip-Off-Geschichte zu reiten. Sondern immer authentisch und auf den Punkt.

Dazu kommt, wie schon gesagt, der Gesang von Sahlström, der immer wieder griffige und mitsingbare Refrains raushaut, den Hörer unweigerlich zwingt die Faust zu recken und mitzubrüllen. Immer wieder hauen die Gitarren mörderische Grooves raus und laden nicht selten zum morbiden Boogie-Woogie ein, ohne dabei aber an Glaubhaftigkeit und Attitüde zu verlieren. Naja, bis auf die kurze Eröffnung von „Ancient Ritual“. Doch dieser kleine Ausrutscher ist spätestens mit dem Solo am Anfang von „Crypt Of Pelvises“ wieder vergessen. Denn hier fällt gleichzeitig auch auf: „Supernatural Punishment“ beginnt als gutes Album. Aber es steigert sich nochmals in der zweiten Hälfte.

Dazu ein richtig gutes Cover von Mattias Frisk, das in Anlehnung an die Hochzeiten des Genres schön morbide Organik mit Übernatürlichkeit und Friedhofsromantik kreuzt. Ein perfektes Titelbild für dieses ranzige, rohe und dennoch griffige Stück Death Metal. Ein großartiges Album – das durchaus auch ohne das anfänglich genannte Namedropping und Vergleiche zu anderen Bands hervorragend funktioniert.


9 Lieder / 30:02 Min.
Pulverised Records (CD, Download) – 10.11.2017

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Im Interview: das Krachmanifest https://necroslaughter.de/2018/01/im-interview-das-krachmanifest/ Mon, 01 Jan 2018 21:40:26 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16547 Read more »]]>

Katja und Rayk sind keine unbekannten in der Szene. Mit dem Krachmanifest haben sie nun endlich ihr eigenes Fanzine am Start und uns in 2017 sogar bereits mit zwei Ausgaben beglückt. Das soll aber auch schon genug der Vorworte sein, den Rest gibt es im ausführlichen und intensiven Gespräch mit den beiden.


1. Ahoi Katja, ahoi Rayk! Willkommen zurück beim NecroSlaughter. An dieser Stelle mag ich vielleicht einfach mal eine Klarstellung an meine Leser hinterlassen: Wir sind schon länger in Kontakt und ihr beide habt bereits den ein oder anderen Artikel bei mir publiziert. Sozusagen betreiben wir gerade ordentlichen Underground-Inzest. Doch geht es hier nicht um Eigenwerbung, sondern dediziert um euer ganz eigenes Unterfangen, das Krachmanifest. Nachdem die großen Spieler in der Szene mittlerweile das Segel gestrichen haben, seit ihr für mich die großen Hoffnungsträger – neben dem etwas Genre-übergreifenden Newcomern vom Trvefrykt. Und das meine ich an dieser Stelle ganz objektiv – wenngleich unser Geklöngel da etwas anderes vermuten lässt. Aber genug der Stellungnahme. Kommen wir zum unterhaltsamen Teil. Nehmt euch ein kaltes Bier, legt euch eine gute Scheibe auf den Plattenspieler und wir können loslegen! Ihr habt gerade eure zweite Ausgabe frisch veröffentlicht. Wie war denn bisher die Resonanz?

Katja: Hallo Chris, zuerst mal vielen Dank an dich für die Einladung zum Interview! Wir haben uns riesig gefreut, und es ist uns eine Ehre, deine (nebenbei bemerkt verdammt interessanten) Fragen zu beantworten. Anstatt Bier steht hier ein italienischer Rotwein bereit, ich hoffe, das ist jetzt nicht rufschädigend, hehe… Als Beschallung läuft im Moment Antlers, das passt immer! Und was das Thema Eigenwerbung und Klüngelei angeht: Was wäre der Underground ohne Inzest und Vetternwirtschaft?! Der Kreis der wirklich aktiven Leute ist doch eher begrenzt, so dass man irgendwann zwangsläufig übereinander stolpert, und da finde ich gegenseitige Unterstützung eine ganz natürliche Sache.

Rayk: Salute Chris, da klinke ich mich doch gleich mal mit ein. Coole Sache, dass wir beide jetzt mal auf der anderen Seite sitzen dürfen, und wir schauen mal, was du für uns Schönes vorbereitet hast. Um auf deine Frage zurückzukommen, wie es um die Resonanz zu unserem Heft bestellt ist, könnten wir ehrlich gesagt nicht glücklicher sein, denn schon bei der ersten Ausgabe haben wir wirklich verdammt gute Reaktionen erhalten, was sich jetzt noch mal mit der aktuellen Ausgabe Nr. 2 ein ganzes Stück verstärkt hat. Und das, obwohl wir in diesen ach so tollen, angesagten, „hochnotwendigen“ sozialen Medien, die heutzutage so lebenswichtig (hüstel, hüstel) sind, nicht mit von der Partie sind. Wir mögen diese gewisse Abgeschiedenheit und dieses hinterwäldlerische „offline sein“ einfach.

Katja: Wir haben viele Leser, die uns ein Feedback zum Heft geben, was wir schon mal prinzipiell klasse finden, denn so ein persönlicher Kontakt ist einfach unheimlich viel wert. Die ersten Reviews sind auch schon da, und wir sind schon fast ein bisschen rot geworden, als wir die gelesen haben, hehe. Auch der Verkauf läuft sehr gut an, man kann also sagen, wir sind rundum zufrieden.

2. Der ein oder andere weiß es bereits: Ihr seit nicht unbeleckt, was journalistische Arbeit angeht. Zuvor habt ihr gemeinsam seit anbeginn beim Hammerheart geschrieben, Rayk hat mitunter beim Campaign For Musical Destruction den werten Gerste unterstützt, der nun wiederum bei euch auch dabei ist. Doch zu diesem Thema später mehr. Und ja, selbst den Ausflug in die Digitale habe ihr beide bei mir geleistet. Rayk mit vielen Reviews, zusammen mit Konzert- und Festival-Berichten und einzeln auch mit ein paar Interviews. Teilweise geschah das noch zu Lebzeiten des Hammerhearts. Aber ein großer Teil geschah auch nach dem Ableben der Fanzine-Institution. Was hat euch schlussendlich dazu bewogen, etwas eigenes zu starten? Ein paar Alternativen im gedruckten Sektor gibt es ja immer noch, und auch die Möglichkeit im Internet ein weiteres Webzine zu eröffnen wäre durchaus gegeben gewesen. Doch es wurde das Krachmanifest.

Rayk: Wie du schon richtig erkannt hast und weißt, schreiben wir schon eine ganze Weile über Musik. Mit dem Hammerheart fing eigentlich alles erst so RICHTIG an, denn da waren wir immerhin vom Anfang bis zum Finale mit dabei. Und das war schon mal ein guter Punkt, tiefer in diese Materie einzutauchen. Denn für uns war es immer wichtig, dass wir mehr als nur reine Konsumenten von Musik sein wollen. Und da wir es nun mal niemandem zumuten wollen, wie wir an Instrumenten klingen würden, da wir keinerlei Rhythmusgefühl besitzen, haben wir gedacht, versuchen wir es mal mit Schreiben. Ich lese schon seit was weiß ich wie vielen Jahren DIY-Zines, und das eben nun mal in gedruckter Form weitaus lieber als online. Ich glaube, das ist einfach so eine Macke, die man als Lese-Freak, der auch Bücher liest, so mitbringt. Denn mal ehrlich, kaufst du dir Schallplatten, dann hast du ja im Endeffekt auch irgendwie ein Beiblatt dabei zum Lesen, und das hinterlässt bei mir weitaus mehr Eindruck als ein Online-Zine oder eine digitale Kopie. Natürlich liegen die Vorteile eines Online-Zines klar auf der Hand. Allerdings musst du dann wiederum permanent am Ball bleiben und stetig was Neues präsentieren, und das ist ja bei einem gedruckten Heft eben nicht ganz so wichtig bzw. fast unmöglich. Und somit schließt sich auch der Kreis mit dieser Frage, denn genau das war uns beiden von vornherein klar: Wenn wir überhaupt irgendwas machen wollen, dann sollte es etwas sein, was wir in den Händen halten können. Und außerdem haben Zines in der heutigen Zeit auch eine gewisse Art von Kauzigkeit und Trotzigkeit, was ich durchaus sehr mag. Und somit stand ein eigenes Webzine zu machen nie zur Debatte.

Katja: Zu Lebzeiten des Hammerhearts wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, ein eigenes Zine auf die Beine zu stellen. Ich habe mich als Mitschreiberin beim Hammerheart immer sehr wohlgefühlt, es war einfach ein geiles Heft, mit dem ich mich identifizieren konnte. Und von Anfang an mit von der Partie zu sein ist natürlich was anderes, als irgendwann irgendwo als Gastschreiber einzusteigen… Als Herausgeber Chris uns verkündete, dass er das Hammerheart endgültig beerdigen will, war das erst mal ein kleiner Schock, da ich gerade in dieser Phase mit vollem Enthusiasmus schreiberisch bei der Sache war. Mein erster Gedanke war dann auch, bei irgendwelchen anderen, bereits bestehenden Zines mitzumachen und meine Beiträge unterzubringen, Möglichkeiten hätte es auf jeden Fall gegeben. Aber irgendwie wäre das eben nicht das gleiche gewesen. Trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Mir war bewusst, dass da neben der reinen Textarbeit noch ein ganzer zusätzlicher Berg an Aufgaben auf uns zukommt – das Layout muss gemacht werden, man muss schauen, wie und wo man die Sache druckt oder kopiert, es muss ein Cover her, die fertigen Hefte müssen an die Leute gebracht werden…. Das sah erst mal nach einer riesigen Herausforderung aus. Schließlich konnte mich aber Rayk mit seinem Enthusiasmus anstecken. Außerdem haben uns auch viele Freunde und Bekannte in diesem Vorhaben ermutigt. Letzten Endes bin ich verdammt froh, dass wir einfach mal den Sprung ins kalte Wasser gewagt haben!

Rayk: All die Zeit und auch das Geld, was man in dieses Projekt, ein eigenes Heft zu kreieren, reinsteckt, sind es wert – jedenfalls für uns. Es macht wirklich verdammt viel Spaß, sich nach einem stressigen Arbeitstag dennoch hinter die Flimmerkiste zu hocken und noch etwas für sich sinnvolles und positives zu tun. Und ja, als Hammerheart-Chris nach zehn Ausgaben aufhörte und uns mitteilte, dass definitiv Schluss ist, war das schon erst mal ein recht merkwürdiger Moment für uns. Obwohl ich schon ab der Ausgabe sieben mit mir gerungen habe aufzuhören, eben weil es mir von den Bands her kaum noch behagte, konnte ich aber nie so recht von dem Heft lassen, einfach weil ich nach wie vor Spaß am Schreiben habe, aber auch weil Hammerheart-Chris ein wirklich teamfähiger Chef war, der die Leute regelrecht mitreißen konnte, und das war für mich mindestens genauso wichtig. Das Lustige und Skurrile an der Sache ist: Wenn ich mich recht erinnere, waren gerade mal drei oder vier Monate nach dem Hammerheart-Ende ins Land gezogen, da langweilte es uns schon, dass wir von jetzt auf gleich weder Interviews noch irgendwelche Reviews schreiben konnten.

3. Die Idee eines eigenen Fanzines ist bei Dir, Rayk, ja nicht neu gewesen. Ursprünglich schriebst Du mir mal vom Grind-Gorilla. Zugegeben, der Name hätte bereits einen engeren Fokus gesetzt. Ist dieses Projekt zugunsten des doch eher weiter gefassten Kachmanifest gestorben? Oder war das lediglich ein Arbeitstitel, der am Ende im Krachmanifest seine Veröffentlichung fand?

Rayk: Hehe, ja, das stimmt. Ich hatte tatsächlich vor, ein eigenes Zine namens Grind Gorilla zu starten, ohne dass da jemand mit von der Partie ist. Und ich hatte auch schon damit angefangen, sowohl Reviews zu schreiben als auch mit den ersten drei oder vier Interviews loszulegen. Ich machte Stück für Stück weiter, bis uns dann irgendwann unser alter Rechner komplett abkackte und alles, was ich fürs Grind Gorilla bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatte, komplett gelöscht war. Super Sache. Das hat mich dann so angekotzt, dass ich das Thema Grind Gorilla relativ schnell für beendet erklärte, und im Nachhinein war es wirklich gut so, denn ich will mir gar nicht ausmalen, wie dieses Heft ausgesehen hätte, wenn ich mich komplett alleine am Layout versucht hätte, haha. Nein, ein Arbeitstitel war das in Bezug aufs spätere Krachmanifest in keinster Weise. Denn zwischen diesen beiden Ideen liegen einige Jahre. Und das, was wir jetzt zusammen mit dem Krachmanifest so treiben, hätte ich nie so hinbekommen, von daher war es schon ganz gut, dass alles so kam, wie es kam…

4. Das führt eigentlich zu der Frage, wie ihr für eine neue Ausgabe vorgeht. Beim Trvefrykt weiß ich, dass die schon irgendwie einen Plan haben, was ins Heft kommt, und was online publiziert wird. Da ihr aber nicht zweigleisig fahrt, ist die Frage eher: Wie selektiert ihr, über welche Bands ihr schreibt? Welche Kriterien müssen zutreffen, damit ihr eine Band interviewt? Und schreibt ihr über jedes Album, dass ihr euch kauft, oder filtert ihr hier auch nochmal gesondert?

Katja: Selektieren und filtern klingt sehr geplant und durchdacht, wir entscheiden sowas eigentlich eher aus dem Bauch raus. Es gibt da auch keinen Masterplan à la fünf Metal-Bands und fünf Grind-Bands oder so… Wir interviewen die Bands, die uns persönlich interessieren. Wichtigstes Kriterium ist natürlich erst mal, dass einem die Musik zusagt. Aber bei mir muss eine Band auch irgendwie noch ein gewisses „Extra“ haben, was mich reizt, was aber schwer zu definieren ist. Oft ist es so, dass ich z.B. zusätzlich zur Musik auch die Texte gut finde. Letzten Endes muss ich einfach das Gefühl haben, dass mir zu dieser Band auch genügend interessante Fragen einfallen.

Rayk: Echt jetzt? Bei Nino vom Trvefrykt gibt es schon vorher einen Plan, was ins Heft an Interviews kommen soll? Das ist ja schon fast professionell. (Ja, schau einfach mal in mein Interview bei Frage 8 – Anm. Chris) Puh, nee, sowas gibt’s bei uns nicht. Wir wissen zu dem Zeitpunkt, wo wir mit einer neuen Ausgabe anfangen, noch nicht, welche Bands am Ende alle im Heft landen werden, ich finde das macht auch den Reiz aus. Katja und ich diskutieren darüber, welche Bands/Alben von den geschätzten Tausend gekauften/getauschten Sachen wir für interessant erachten, die in die nähere Auswahl kommen und eventuell für ein Interview taugen würden. Aber wie Katja oben schon angemerkt hat, ist neben der Musik auch das ganze Drumherum wichtig. Zweites Kriterium, was ebenfalls für mich einen nicht unerheblichen Teil ausmacht, ist, wie die Band textlich aufgestellt ist bzw. wie ihre Einstellung zur Musik als solches ist. Sprich, sie muss einfach etwas haben, was es uns wert ist, im Heft zu landen. Hehe, Chris, nein, es ist nahezu unmöglich, über alle Tonträger, die ich Blödi mir übers Jahr verteilt zulege, auch noch ein Review zu schreiben. Denn das würde den Platz komplett sprengen. Schlussendlich filtere ich wenigstens in diesem Sinne etwas aus, sprich, was nur „okay“ ist, bleibt draußen, was richtig beeindrucken kann und mich umhaut, muss natürlich im Krachmanifest beschrieben werden, is klar. Aber da ich nach wie vor selber viel Zines lese und es auch immer wieder interessant ist, auch mal ein weniger positives Review zu lesen, werden wir daran festhalten, dass es, wenn auch nur vereinzelt, ein paar richtig schöne Verrisse hagelt. Denn dies lockert die ganze Sache etwas auf. Und ich denke, mit dieser Schiene fahren wir ganz gut, auch wenn ich mir, ehrlich gesagt, mit meinem Geschreibe nicht immer Freunde mache. Aber damit muss ich leben. Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Katja: Wobei ich nicht sagen würde, dass wir nur die „mittelmäßigen“ Scheiben nicht reviewen. Bölzer ist bei uns beiden dieses Jahr z.B. hoch und runtergelaufen, aber wir hatten beide nicht das Bedürfnis, zur aktuellen Scheibe was zu schreiben. Vielleicht, weil die eh schon überall gefeiert wurde, da müssen wir nicht auch noch die tausendste Lobeshymne schreiben. Einige unserer gekauften Sachen fallen auch durchs Raster, weil sie z.B. einfach zu alt sind…

5. Ein Printzine unterscheidet sich maßgeblich von einem Webzine. Im Internet hat man einmal ein Theme, also ein Layout, das konsequent verwendet wird. Für den Druck muss alles vorher erst mal gesondert aufbereitet werden. Sofern man nicht so was wie die Auszeichnungssprache LaTex programmieren kann, ist das eine Menge Handarbeit. Wer von euch beiden Macht das? War die Einstiegshürde im Vorfeld hoch, oder hattet ihr bereits Erfahrungen mit DTP-Software? Ich kann nur wiederholen, ich fand die erste Ausgabe sehr gut. Und ich sehe auch eine deutliche Steigerung im zweiten Heft.

Katja: Für die Handarbeit bin ich zuständig, auch wenn Rayk mir oft über die Schulter schaut und wirklich eine Menge Ideen mit einbringt. DTP-Software? Ganz ehrlich? Ich mache das Layout völlig unprofessionell in Word, haha.

Rayk: Also in Sachen Heftgestaltung (und andere Feinheiten), für diesen Part ist Katja zuständig. Das liegt mir einfach nicht, ich bin derjenige, der lieber zwischenreinquatscht und mit irgendwelchen bescheuerten Verbesserungsvorschlägen um die Ecke kommt, nach dem Motto: da noch einen Rahmen und dort noch ein schräges Bild einbauen und hier noch was Nacktes… Aber ich glaube, selbst bei dieser Arbeitsweise ergänzen wir uns sehr gut, sprich, auch wenn Katja den Großteil layouttechnisch alleine macht, würde das Krachmanifest, wenn es ihr alleiniges Heft wäre, mit Sicherheit eine Ecke anders aussehen. Und genau das ist ja auch das Interessante an der Zusammenarbeit, sprich, zweimal perfektes Halbwissen ergibt ein Ganzes, oder so ähnlich.

Katja: Die Einstiegshürde war in der Tat sehr hoch, und das Thema Layout lag mir anfangs sehr schwer im Magen. Das war mit ein wichtiger Grund, warum ich mich erst nicht so recht an ein eigenes Heft heranwagen wollte. Ich weiß, es ist völlig daneben, ein Layout in Word zu machen, aber ich finde, dafür ist das Ergebnis doch ganz ordentlich geworden, haha. Was Rayks Verbesserungsvorschläge angeht, haben die mich zwischendurch schon fast zum Ausrasten gebracht, da er sich immer irgendwelche tollen Ideen ausdenkt, die aber mit meinen eingeschränkten Möglichkeiten/Fähigkeiten nicht so ohne weiteres umzusetzen sind. Aber ich denke, wir kommen da mittlerweile auf einen guten gemeinsamen Nenner, hehe.

6. Eine gedruckte Publikation lebt stark von der visuellen Komponente. Ein Webzine hat – wie gesagt – ein relativ repetitives Template. Ein gedrucktes Fanzine kann Dynamik genießen. Unterschiedliche Typografien, unterschiedliche Layouts. Das reicht vom Cut’n Paste-Style, den der Gerste beim CFMD gefahren hat, hin zum ranzigen Scribble-Style des Necro-Gay-Niacs zu der unglaublich ansprechenden sepulchral-ästhetik des From Beyond oder der Art Decor-Optik eines Soleil Trystes. Doch ihr habt euch für ein relativ aufgeräumtes Layout entschieden, leserliche Schriften und ansprechendes Whitespacing….

Katja: Wie man aus der vorherigen Antwort wohl schon ein Stück weit herauslesen kann, hängt das aufgeräumte, sprich, nicht zu überladene Layout ein Stückweit einfach mit den begrenzten Fähigkeiten zusammen. Ich halte es lieber einfach, anstatt mich an irgendwelchen abgefahrenen Spielereien zu versuchen und dabei dann kläglich zu scheitern. Auf der anderen Seite stehe ich aber auch einfach auf sowas wie Leserlichkeit. Zu abgedrehte Schriftarten oder aber Hintergrundbilder, vor denen der Text kaum noch zu lesen ist, stören mich eher. Klar hat ein chaotisch abgefucktes Cut-and-Paste-Layout auch seinen Reiz, da mag ich es dann auch mal total überladen und schräg. Aber ich persönlich habe da einfach eine andere Herangehensweise.

Rayk: Ja, die Optik eines Zines ist nicht unwichtig. Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen und Prioritäten. Für uns standen, als wir das Krachmanifest ins Leben riefen, ein paar Eckpfeiler fest: sprich, relativ einfaches, aber gut lesbares Layout, was weder plump noch zu brav erscheinen sollte. Während das Layout beim Hammerheart eine ganz andere Hausnummer war und einfach zum Heft passte, war das etwas, was wir beide zum einen ohnehin nie hinbekommen hätten, zum anderen aber auch einfach nicht wollten, da es einfach weder zum Namen noch zum Inhalt gepasst hätte. Natürlich könnte man uns ankreiden, unser Heft würde ein bisschen zu „typisch deutsch“ aussehen, so nach dem Motto, alles sehr sauber und ordentlich. Aber damit können wir leben, und ich glaube, es wäre weitaus bescheuerter von uns, einen auf cool zu machen mit ach so verschachtelten Layout-Spielereien, wo wir uns dann mehr an der Optik aufhalten anstatt mit dem Inhalt. Ich denke, wenn wir irgendwann mal soweit sein sollten und darauf Bock haben, werden wir sicherlich auch sowas mal ausprobieren. Aber ich denke, wir haben da fürs erste dem Krachmanifest ein gewisses Gesicht gegeben, mit dem man sich, glaube ich, nicht nur nachts raustrauen kann, haha.

Als Hintergrundbeschallung läuft gerade Tchornobog…, sehr geiles Album.

7. Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer und findet Kritikpunkte, die man beim nächsten Mal verbessern will. Doch wie schaut das konkret bei euch aus? Seit ihr mittlerweile fit darin, ein Heft zu layouten und druckfertig zu bekommen? Wo seht ihr Potential, dass ihr beim nächsten Mal etwas anders oder gar besser machen könntet?

Katja: Ich denke, von der ersten zur zweiten Ausgabe haben wir uns auf jeden Fall in punkto Layout ein Stückchen steigern können. Einfach weil das bei der Nummer eins noch komplett neu war. So langsam bekommt man dann ein bisschen Routine, merkt, wie man gewisse Macken von Word austricksen kann und was es noch so an Möglichkeiten gibt. Man traut sich dann auch einfach eher, ein bisschen was auszuprobieren und rumzuspielen. So ein paar Arbeitsabläufe hinter den Kulissen konnten wir sicher auch optimieren, z.B. haben wir uns dieses Mal etwas frühzeitiger drum gekümmert, unsere Flyer drucken zu lassen. Mit der aktuellen Ausgabe bin ich momentan noch rundum zufrieden, und ich denke, wir müssen das auch noch etwas sacken lassen, bis wir über irgendwelche Dinge stolpern, die wir anders und besser machen wollen. Oder vielleicht wage ich mich doch mal an ein ordentliches Layout-Programm ran??? Aber jetzt hab ich mich gerade so schön in Word eingefuchst, hehe….

Rayk: Also ich finde es jedenfalls Killer, wenn man so Sachen wie das „Word“ für sich so herrlich zweckentfremden kann. Auffällig ist natürlich ab der zweiten Ausgabe, dass wir nicht mehr ganz so viel Platz verschwenden wie in der Nr. 1, siehe Seitenränder. Was deine Frage angeht, was wir vielleicht noch verbessern könnten. Eine Sache wäre vielleicht, dass ab Nr. 3 der Heftpreis aufs Cover bzw. in den Innenteil wandert. Da hatten wir irgendwie noch gar nicht dran gedacht. Aber wir haben gemerkt, wenn das Heft mal auf Konzerten ausliegt, war immer die Frage, was das Heft wohl kostet. Das wäre jetzt das, was mir spontan zu Neuerungen einfällt. Und die Bildercollage auf dem Backcover, da gibt es sicherlich auch noch ein paar Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf eine lockere, passendere Zuschneidung der Bilder, sprich, so wie man es von älteren LP-Beilegern kennt, die richtig verschachtelt wirken.

8. Gab oder gibt es eigentlich andere Fanzines, die euch visuell inspirieren und wo ihr irgendwann mal optisch hin wollt? Oder habt ihr „euren“ Stil gefunden und konzentriert euch lieber mit der Hauptarbeit auf den Inhalt?

Katja: Zum einen muss ich sagen, dass mir persönlich tatsächlich der Inhalt immer wichtiger ist als die optische Aufmachung. Sowohl als Leser anderer Zines als auch bei unserem eigenen Heft. Trotzdem ist es natürlich noch schöner, in einem guten Fanzine zu blättern, das auch noch eine besondere optische Aufmachung hat. Da gibt’s natürlich schon immer wieder coole Blickfänger. Das geht von cool gemachten Chaos-Schnipseleien bis hin zu aufgeräumt professioneller Ästhetik. Ich könnte jetzt allerdings nicht sagen, dass es ein spezielles Heft gibt, an dem ich mich optisch orientieren würde. Da lasse ich mich wohl eher unbewusst beeinflussen und inspirieren. Beim Krachmanifest ist mir letzten Endes wichtig, dass der Text gut lesbar ist und nicht unter irgendwelchen halbgaren Spielereien leidet. Wir haben z.B. mal stellenweise mit irgendwelchen Hintergrundbildern experimentiert (da bin ich ohnehin sehr skeptisch!), haben das aber sehr schnell wieder verworfen.

Rayk: Ein direktes Zine, wonach wir uns richten, gibt es nicht. Wir machen einfach mal drauflos und lassen uns von unseren Ideen und unserem Bauchgefühl leiten und hoffen, dass am Ende was einigermaßen Brauchbares rum kommt. Und das, was man bisher von uns zu sehen bekam, war das Ergebnis irgendwo in der Mitte von den Zines, die wir bisher gelesen und gut gefunden haben. Spontan fällt mir das Mystical Music Zine in seinen Anfängen (gerade die Ausgaben 1 bis 10) von Hauber ein, was eine ähnliche Optik hatte. Das wäre jetzt für mich persönlich ein Heft, wo ich sagen würde, wenn unser Heft mal so aussehen würde/könnte, wäre das echt cool, weil ich der Meinung bin, das würde auch gut zu unserem Heft passen. Sobald es ein Zine gab, wo die Interviews originell als auch schön locker zu lesen waren, aber das Layout mir zu sauber, zu professionell war, hatte ich relativ schnell kein Interesse mehr dran. Weil dies nicht der Art von DIY und Underground-Charme entspricht, wie ich es verstehe. Ich finde, ein DIY Zine kann und sollte auch immer ein Stück weit etwas Kantiges, sprich, Unangepasstes mit sich bringen, denn diese dreckige Ästhetik und dieses schmutzige Flair und das teils Unperfekte unterstreicht eben auch ein Stück weit die Musik. Denn ein super aufgepimptes Zine zu einem Musikstil, der tief im Underground verwurzelt ist, das passt für mich irgendwie nicht zusammen. Wir sind ja hier nicht in der Popmusik.

9. Gehen wir mal auf den Inhalt des Krachmanifests ein. Eure Interviews sind doch sehr persönlich und intensiv. Das wirft natürlich die Frage auf, wie ihr da vorgeht. Zuweilen erinnern mich einige Gespräche an den Kollegen Ipp, der richtige Dialoge mit seinen Gesprächspartnern geführt hat. Denn teilweise sind eure Interviews auch sehr verknüpft zwischen Antwort und Folgefrage. Führt ihr da wirklich ein Gespräch, egal ob nun via Telefon oder Mail, wo jede Frage einzeln an die Bands gehen, oder schickt ihr dann Folgefragen nach der Beantwortung eines Katalogs erneut hin? Oder entwickelt sich das alles aus dem kontinuierlichen Kontakt?

Rayk: Wir haben bisher alle Interviews immer via Emailverkehr geführt, da wir beide definitiv keine Freunde von Telefoninterviews sind. Viele Telefoninterviews, die ich bis jetzt las, waren immer zum Smalltalk verdammt, was je nach Band/Interviewpartner sehr interessant sein kann, aber manchmal auch regelrecht einschläfernd bis grottenlangweilig zu lesen ist. Und da mir persönlich nicht unbedingt so spontane Gegenfragen bzw. neue Fragen in den Schädel kommen würden, eignet sich das für mich nicht wirklich. Zumal ein per Email geführtes Interview auch seine Vorteile hat, denn somit können beide Parteien sich genügend Zeit lassen und dementsprechend antworten. Allerdings haben wir jetzt beim Kriegszittern Interview mal etwas Neues ausprobiert…

Katja: Wir sind eigentlich immer nach dem altbewährten Schema vorgegangen, einer Band eine Fragenliste am Stück rüberzuschicken, in seltenen Fällen haben wir noch wenige einzelne Fragen nachgeschoben. In der Regel funktioniert das erstaunlich gut, was wir natürlich auch unseren Interviewpartnern zu verdanken haben, die sich oft verdammt viel Mühe geben und sich in ihre Antworten genauso reinknien wie wir in unsere Fragen.

Rayk: Allerdings passiert es auch mal, dass man an richtig maulfaule Helden gerät. Da fallen mir gerade Sun Worship ein, deren Musik ich an sich sehr gelungen finde, aber wenn ich deren lahmarschige und total kurz angebundene Antworten lese, könnte ich mich heute noch ärgern, dass das Interview überhaupt im Heft gelandet ist. (Was ja auch die Kritik meinerseits an dem Gespräch war – Anm. Chris)

Katja: Na ja, wie gesagt, in der Regel hat es gut funktioniert. Wichtig ist meiner Meinung nach eine gute Vorarbeit, und es schadet auch nix, vor dem Interview mal kurz bei der Band anzufragen, ob es denn irgendwelche aktuellen Neuigkeiten gibt. Wenn man ein paar Mails hin und her schreibt, bekommt man manchmal auch schon ein Gefühl dafür, wie die Leute ticken. Das ist ganz hilfreich, um den richtigen Ton zu treffen. Wie Rayk oben schon kurz erwähnt hat, habe ich beim Interview mit Kriegszittern mal eine neue Herangehensweise ausprobiert, da mein Interviewpartner Eddi meinte, dass er das Abarbeiten von Fragenlisten tendenziell eher langweilig, weil zu statisch findet. Mit dem Argument, dass da der Dialogcharakter zu kurz kommt, hatte er natürlich Recht, so dass ich das zum Anlass für ein kleines Experiment genommen habe. In diesem Fall habe ich die Fragen häppchenweise verfasst, Eddis Antworten abgewartet und konnte dann entsprechend darauf eingehen. Ich finde, das hat gut funktioniert, denn so kann man noch besser eine gewisse Wellenlänge ausbalancieren und z.B. feststellen, ob das Gegenüber für Humor zu haben ist oder ähnliches. Allerdings braucht man hier auch jemanden, der entsprechend zeitnah antwortet, denn ehrlich gesagt hätte ich eher weniger Bock, ein Interview über mehrere Monate verteilt zu führen… Aha, inzwischen hat Rayk Kringa aufgelegt – mit denen hätte ich übrigens auch gern mal ein Interview gemacht, aber die Band wollte ja nicht ZU präsent in den Medien sein….

Rayk: Und genau deshalb machten diese Typen dann lieber ein Interview für ein Kioskmagazin, ja, das ist wahrer Underground, haha. Zum Totlachen.

10. In den Kontertberichten werdet ihr oftmals sehr detailliert, ja, fast schon intim. Gesprächspartner zwischen Bands werden explizit benannt, Themen dieser Gespräche ebenso erwähnt wie Insider-Witze oder gar persönliche Verfehlungen wie zu intensiver Alkoholgenuss. Ich finde das interessant, vielleicht einfach nur aus voyeuristischer Sicht. Das mag vielleicht nur mein Therapeut beurteilen können. Es geht aber auf jeden Fall über die meisten Kontertberichte hinaus und bietet einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Auf der anderen Seite mag das aber auch einen Leser abschrecken, der sich nur für die Performance der Band interessiert. Das ist ein zwiespältiges Schwert. Wie Konzertberichte im allgemeinen. Niemand mag einfach nur Plattitüden und die Playlist des Abends als Prosa verpackt lesen. Doch wie war bisher die Resonanz auf eure Erzählungen? Ich kann ja offen sagen: Eure Berichte haben sich durchaus immer hoher Klickzahlen bei mir erfreut. Aber denkt ihr nicht, dass diese expliziten Darstellungen auch polarisieren könnten?

Rayk: Meiner Meinung nach gehören bei uns im Heft einfach neben den typischen Reviews auch Konzert- und Festivalberichte mit dazu. Einfach, weil wir darüber gerne berichten und es uns nahezu lähmend langweilt und tierisch ankotzt, wenn wir irgendwelche Schwachmatiker-Liveberichte zu lesen bekommen, wo es nur um Band X geht, was sie denn für Songs (möglichst noch alle Songs aufzählen) dargeboten haben. Hey, sowas will doch keiner lesen, oder? Ich meine, klar, ein Kioskmagazin kann jetzt nicht seitenweise Platz verbraten, aber ein bisschen mehr Input wünsche ich mir da schon mal. Aber wenn ich als Fanzine-Nerd einen Bericht lese, möchte ich auch etwas über das Dahinter und das Drumherum erfahren. Manchmal sind das sogar die interessanteren Sachen (je nach Schreibstil). Nun ja, wer es nicht mag oder nicht lesen will, da gibt es immer noch die Möglichkeit, einfach weiterzublättern. Ich glaube, wir werden damit nicht aufhören, außer wenn wir nur noch träge im Zelt herumliegen und nix mehr auf die Ketten kriegen würden.

Katja: Mir war von Anfang an klar, dass unsere Art von Konzertberichterstattung polarisiert. Das ist nicht jedermanns Sache. Im Deaf Forever wurde uns z.B. angekreidet, dass wir nicht klar trennen können zwischen relevantem Konzertgeschehen und uninteressantem Drumherum. Andere wiederum stehen gerade auf das Drumherum. Ich persönlich finde es, wenn ich Konzertberichte in Fanzines lese, auch sehr geil, wenn man nicht nur erfährt, was auf der Bühne abging. Die alkoholgetränkten Liveberichte im Iron Hammer fand ich zum Beispiel schon immer großartig. Oder im polnischen Complete Necro Zine, da gab es einen Typen, der genauso ausführlich über seine chaotische Zugfahrt zum Gig geschrieben hat wie über das Konzert selbst – und ich hab mich beim Lesen beinahe bepisst vor Lachen. Das hat doch (wenn es gut geschrieben ist) viel mehr Unterhaltungswert, als wenn man erfährt, dass sich der Gitarrist beim dritten Lied verspielt hat. Außerdem geht es ja auch darum, wie wir selbst die Konzerte erleben. Und da spielt eben neben der Musik auch das ganze Chaos, das außenrum vonstattengeht, eine ganz wichtige Rolle und trägt dazu bei, ein Konzert oder ein Festival zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Darum arten die Konzertberichte immer zu so etwas wie einem Tagebucheintrag aus – einfach weil wir Spaß dran haben. Und offensichtlich stehen zumindest einige unser Leser auch genau darauf.

Rayk: Und mal ehrlich, irgendwo ist es doch auch ein Stück weit menschlich, diese Art von voyeuristischer Informations-Gedankenwelt mit jemandem zu teilen, so als ob der-/diejenige selbst mit dabei gewesen wäre. Wenn es da zwei Leute gibt, denen ich diese Art von so offenen Konzertberichten ein bisschen abgeschaut habe, dann sind das wohl gerade die Beiträge von Leo im Fatal Underground, der schon sehr früh mit sowas begann, und natürlich auch die kultigen Festivalberichte von Gerste und Erik, die ebenfalls gerne mal etwas WEIT ausholten, so dass es wirklich ein Lesespaß war und man sich während des Lesens schon fast so fühlte, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Und das macht meiner Meinung nach einen interessanten Bericht aus.

11. Eine gedruckte Publikation lebt stark von der visuellen Komponente – Teil 2. Und es heißt: Beurteile nie ein Buch nach dem Einband. Dennoch tuen wir alle das immer wieder. Ihr habt für euer Cover jeweils einen anderen Künstler gewählt. Bisher fand ich die Ergebnisse immer recht cool. Zugegeben, Heft Nummer Eins war schon irgendwie etwas plakativ. Aber das Statement passt nach wie vor zum Konzept hinter dem Krachmanifest – zumindest in meiner Auffassung. Wie wählt ihr den Künstler für euer Heft? Wie entstehen die Cover? Und wie schaut das mit der Finanzierung aus? Klar, über Geld spricht der Deutsche ungern. Aber ein Künstler will für seine Arbeit genau so entlohnt werden, wie ihr nicht auf Kosten für das Krachmanifest sitzenbleiben wollt…

Rayk: Chris, da wandelst du gerade auf dem Holzweg, denn der Coverkünstler ist bei beiden Heften der gleiche, nämlich Robert, Schlagzeuger von Violent Frustration. (Oh, mein Fehler. Da habe ich bei der Recherche wohl geschlampt – Anm. Chris) Aber wenn man es nicht weiß oder es im Vorwort überliest, dann kann ich es sogar nachvollziehen, denn obwohl beides vom Stil die gleiche Handschrift trägt, sind es doch zwei verschiedene Arten von Bildern. Während die Nr. 1 gewollt einfach rüberkam (bezieht sich übrigens auch auf das Plakative) und die Idee nahezu komplett auf meinem Misthaufen gewachsen ist, sieht es bei der aktuellen Nr. 2 schon ganz anders aus, um nicht zu sagen professioneller.

Katja: Das mit Robert war ein absoluter Glücksgriff für uns, denn wir hatten im Vorfeld noch keinen richtigen Plan, wie wir die Geschichte mit dem Cover angehen sollen. Dann hat Rayk das Interview mit Violent Frustration gemacht, es hat sich rausgestellt, dass Rob in punkto Grafik aktiv ist, einen sehr geilen Stil hat, der uns beiden zusagt – und dann hatte er auch noch Zeit und Lust, uns ein Cover zu zeichnen. Besser kann’s ja nicht laufen!

Rayk: Wir wissen gar nicht so richtig, wie wir Robert immer wieder aufs Neue danken sollen. Man kann sagen, wir haben zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Menschen kennengelernt. Robert bot uns seine Hilfe als Zeichner in Form eines Freundschaftsdienstes an, was wir wirklich supergeil und als sehr entgegenkommend empfinden. Und nachdem wir darüber beraten haben, wie wir ihm denn für diese Arbeit wenigstens ein Stückweit entgegenkommen können, wollten wir ihm wenigstens eine Geldspende zukommen lassen, und somit sind wir auf einen sehr guten und extrem fairen Nenner gekommen und hoffen, dass wir Robert auch in Zukunft halten können bzw. er auch fürs Krachmanifest weitere Sachen beisteuert.

12. In der letzten Frage angedeutet und bereits in der Frage nach dem Grind-Gorilla angesprochen: Das Konzept des Krachmanifests. Klar, der Name ist deutlich. KRACH! Das ist allerdings ein weites Feld. Ich kenne Dich, Rayk, Du stehst auf Grindcore. Und artverwandte Genre wie Fastcore, Powerviolence. Dann kommt es in einer Schnittmenge zu Death Metal, Black Metal, Crust. Und darüber hinaus sind auch Gespräche mit Thrash Metal oder Punk-Bands für Dich und Kaja durchaus möglich. Ist das aber auch das Konzept hinter dem Heft? Oder ist es ehere offen: Alles, was gefällt? Das würde auch z.B. das Review über die Lichtbringer-Platte erklären, die im Kontext von Iron Bonehead durchaus genauso auffällig ist wie Lisa Cumbert.

Rayk: Als wir das Krachmanifest zwischen Frühjahr und Sommer 2016 aus der Taufe hoben und nach unzähligen Versuchen einen geeigneten Heftnamen fanden, waren wir uns recht schnell einig, dass wir uns im Vergleich zu meinem Grind Gorilla weitaus offener präsentieren wollen, denn mal ehrlich, Krach ist ein sehr guter Überbegriff zu der Musik, die wir nun mal hören. Und wir sagten uns, warum sollte man sich einengen, wenn man doch genremäßig offen ist? Wir wussten aber auch, was es bei uns im Heft definitiv nicht geben soll. Nämlich diesen ganzen Heavy Metal Kram, Power/True/Hair Metal Jauche, Eierkneif-Gesülze der Marke Edelcore und diesen verfluchten, ohrenmalträtierenden Metalcore und ähnliche furchtbare Stile wird es bei uns im Heft ebenfalls nicht geben. Und wenn doch, dann nur als Verriss bei einem Review, hehe.

Katja: Da sind wir aber auch wieder beim Thema „alles, was gefällt“. Wäre ja blödsinnig, etwas über Genres zu schreiben, mit denen wir nichts anfangen können. Ich finde es nicht abwegig, wenn auch mal etwas bei uns auftaucht, was ein bisschen melodischer und kein reines Geballer ist. Für Außenstehende bleibt es trotzdem alles der gleiche „Krach“. Ich denke, wir decken ohnehin schon eine recht facettenreiche Bandbreite ab. Ehrlich gesagt hatte ich anfangs Bedenken, ob ein Heft, in dem Grindcore genauso abgefeiert wird wie Black Metal, überhaupt ein Publikum findet. Denn man hat ja immer wieder den Eindruck, dass das völlig verschiedene Zielgruppen sind. Aber zum Glück sind die Leute doch offener/vielseitiger als man denkt, und das bestärkt uns darin, einfach unserem eigenen Geschmack zu folgen.

Rayk: Ich denke, das Krachmanifest ist vor allem für Leute interessant, die etwas offener und toleranter den Genres gegenüberstehen, sprich, denen es eben absolut scheißegal ist, ob die Band oder der Typ, der neben ihnen (bzw. auf der Bühne) steht, Corpsepaint trägt, lange oder kurze Haare/Glatze (in Fachkreisen als Fleischmütze bekannt) trägt. Das sind alles Sachen, die für uns absolut unwichtig sind. Denn im Endeffekt zählt für uns die Musik und die Einstellung. Für Schönheit, schwachsinnige Oberflächlichkeiten und Eitelkeit ist hier kein Platz.

13. Der Gerste ist ja kein Unbekannter. Sein Campaign For Musical Destruction war schon irgendwie eine Institution. Ich muss ja gestehen, dass hier auch wieder dieses Geklöngel war. Ich habe dort auch etwas publizieren dürfen, wie ich auch vom Gerste in diese What’s That Noize-Geschichte mal reingezogen wurde. Und – wie bereits geschrieben – war Rayk dort auch durchaus untriebig. Doch irgendwann wurde es still um Gerste und das CFMD. Wie kam es zu der erneuten Zusammenarbeit für das Krachmanifest? Habt ihr den Gerste irgendwann einfach in der Biotonne gefunden oder wie?

Katja: Die besagte Biotonne steht in Torgau und nennt sich Grind The Nazi Scum, haha!

Rayk: Gerste kennen wir nun schon wirklich einige Jahre, und er ist für uns in allen Belangen eine absolute Bereicherung. Und wenn Gerste so weitermacht, wird er von uns ungefragt einfach adoptiert! Yoah, mit Gerste stehen wir schon viele Jahre im Briefkontakt, aber bis wir uns dann endlich mal persönlich kennen lernen sollten, gingen noch einige Jahre ins Land, bis es dann endlich 2016 nach ganzen sechs Jahren Funkstille dazu kam, dass wir uns endlich mal über den Weg liefen. Es begab sich zum Grind The Nazi Scum 2016, dass wir Gerste getroffen und angesprochen haben. Und seitdem ist der Kontakt intensiver als zuvor. Ich glaube, ich kann auch in Katjas Namen sagen, dass Gerste für uns wie ein Bruder ist, der genauso in Musik aufgeht und scheinbar genauso viel Zeit und Geld dafür investiert wie wir zwei. Irgendwie passt das alles, und ich glaube, das sollte einfach so sein, zumal wir auch fast gleich alt sind, was der Sache zugutekommt.

Katja: Die persönliche Wellenlänge passt also einfach, und Gerste ist einfach ein ganz feiner Kerl. Außerdem finden wir seine Schreibe großartig! Nachdem das CFMD nun ja leider auch den Bach runtergegangen ist, haben wir mal vorsichtig bei Gerste angeklopft, ob er denn Bock hat, bei uns mitzuschreiben… Unsere erste Ausgabe haben wir noch ganz bewusst als Duo durchgezogen, einfach weil wir für den Anfang erst mal schauen mussten, ob wir das überhaupt auf die Reihe kriegen, ob etwas halbwegs vorzeigbares dabei rauskommt usw. Nachdem der Anfang gemeistert war, waren wir uns aber gleich einig, dass es total genial wäre, Gerste mit an Bord zu holen. Und was soll ich sagen, wir sind verdammt froh, dass es geklappt hat und Gerste eingewilligt hat, beim Krachmanifest mit einzusteigen.

Rayk: Ich denke, das Kernteam aus uns beiden zusammen mit Gerste, so soll‘s bleiben. Mit Gerste passt es einfach, ihm muss man nichts mehr erklären, es läuft wie am Schnürchen, sprich, man versteht sich nahezu blind, und er hat von uns auch keine bescheuerten Vorgaben, was er machen kann und soll, sondern er macht einfach, worauf er Bock hat. Wir sprechen uns ab, damit es keine Überschneidungen gibt, und schon ist die Sache geritzt. Ich denke, wenn da jetzt drei Leute am Machen sind, das reicht für ein kleines DIY Heft… So, mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht, im Hintergrund rattert gerade die Killerscheibe von Cadaveric Incubator aus Finnland, herrlich abgefucktes Höllengeprassel. (Finde ich auch – Anm. Chris)

14. Frauen im Metal ist ja ein kontroverses Thema. Auf der einen Seite werden sie im ultrakonservativen Black Metal Bereich verunglimpft – sie das Beispiel Myrkur – und auf der anderen Seite gibt es immer wieder diese Sex-Sells Geschichte – wie so Themen-Specials der Marke „Women in Metal“ immer wieder zeigen. Dass Frauen im Metal aber durchaus gleichberechtigt und ohne großes Aufheben agieren können, zeigt nicht zuletzt Jo Bench, Rachel Heyzer, Jill McEntee oder gar die Truppe Derketa. Man sieht, ein polarisierendes Thema. Darum möchte ich Dich, Katja, gerne mal Fragen: Wie wirst Du als Frau in der Metalwelt wargenommen? Ist es eher eine Selbstverständlichkeit, dass Du Fragen an eine Band stellst? Oder denkst Du, dass Du schon mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen hast und Deine Kompetenz erst mal beweisen musst?

Katja: Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Vorurteile halten sich erfreulicher Weise in Grenzen. Klar bekommt man immer wieder ein paar dämliche Sprüche über Frauen im Allgemeinen zu hören. Aber ich persönlich fühle mich in der Regel fair behandelt und habe gar nicht so sehr das Gefühl, mich besonders beweisen zu müssen. Ich glaube, die Leute merken einfach recht schnell, dass es mir mit der Musik ernst ist und dass ich nicht nur als austauschbares Anhängsel meines Freunds in der Szene unterwegs bin. Ich kann den Leuten natürlich nicht in die Köpfe schauen und weiß auch nicht, was eventuell hinter meinem Rücken geredet wird, aber es passiert echt selten, dass mir mal jemand blöd kommt. Wobei es natürlich auch vom eigenen Verhalten abhängt, ob man für voll genommen wird. Erfreulicherweise habe ich gerade auf Grind- und Crust-Konzerten verstärkt den Eindruck, dass es genügend Mädels gibt, die tatsächlich wegen der Musik da sind, ein eigenes Interesse an der Szene mitbringen und nicht nur als Anstandswauwau hinter ihrem Kerl herdackeln. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Ich denke, eine Selbstverständlichkeit ist es nach wie vor nicht, als Frau in der Undergroundszene aktiv zu sein. Ich merke das schon allein daran, dass wir über die Jahre einfach viel mehr Männer als Frauen kennen gelernt haben. Und wenn ich unsere Besteller anschaue…. wo bleiben die Frauen?? Gestört hat mich das allerdings noch nie, und ich habe, wie gesagt, auch das Gefühl, einfach als Mensch akzeptiert zu werden – obwohl ich eine Frau bin, haha.

15. Auch wenn es hier und dort schon mal Zusammenarbeiten von Paaren gab, beispielsweise beim From Beyond, wo die Nicole auch zum visuellen Teil beigetragen hat, ist es doch eher ungewöhnlich, dass Fanzines von einem Paar komplett erstellt werden. Aber wo andere Paare gemeinsam Sport machen gehen, ist das vielleicht auch einfach nur eine etwas andere gemeinsame Aktivität, haha! Klar, zuvor habt ihr bereits gemeinsam zum Hammerheart beigetragen. Nun ist es aber eine wesentlich engere Zusammenarbeit. Hat das nicht auch ordentlich Potential für einen Beziehungsstreit? Oder hat euch dieses gemeinsame Hobby noch näher zusammengebracht?

Rayk: Eine ähnliche, sehr enge Zusammenarbeit in Sachen Paar-Fanzines, wenn man das mal so sagen kann, kenne ich nur noch von Maik und Simone vom ehemaligen Sin Is There, denn beide (schönen Gruß, wenn ihr das hier lest!) haben ähnlich viel gemeinsam beigetragen zu ihrem Heft und waren genauso involviert mit dem, was sie machten, wie es bei uns der Fall ist. Hehe, ob uns das gemeinsame Hobby noch näher zusammengebracht hat? Was, noch näher? Noch näher geht ja kaum bei uns beiden, wir kommen uns ja ohnehin schon vor wie siamesische Zwillinge…. Streit im eigentlichen Sinne gab es jetzt, meiner Meinung nach, noch nie. Mal im Ernst, wir machen schon so viele Jahre gemeinsame Sache, und ich glaube, im Musikbereich haben wir uns noch nie gegenseitig den Kopf abgerissen. Und ich wüsste auch gar nicht warum. Im Großen und Ganzen ist es ohnehin erstaunlich, dass wir auch genremäßig so gut zusammenpassen und eine ähnlich große Leidenschaft und vollkommene Musikmacke mitbringen.

Katja: Natürlich gibt es schon mal Meinungsverschiedenheiten, wie man irgendwas im Detail anpackt. Das ist beim Thema Fanzine genauso wie bei so vielen anderen Dingen im Leben. Aber letzten Endes sagen wir beide unsere Meinung, diskutieren die Sache aus und finden dann einen gemeinsamen Nenner. Ich würde tatsächlich sagen, dass so ein gemeinsames Projekt einen noch enger zusammenschweißt, denn man arbeitet eben gemeinsam an etwas, gibt sich gemeinsam den ganzen Stress und hat dann am Ende das Resultat in der Hand, über das man sich gemeinsam freuen kann.

Rayk: Da finde ich es schon riskanter, wenn nur einer von beiden seiner Leidenschaft, nennen wir es jetzt einfach mal Musik – egal ob Band oder eigenes Heft – nachgeht, und der andere Partner im Endeffekt zu kurz kommt bzw. das Nachsehen hat. Sei es jetzt einfach wegen der Zeit, die man nicht miteinander verbringt, oder aber weil es letztendlich dem anderen nicht zusagt. Ich glaube, es war einfach eine positive Fügung der Natur, dass wir zusammenfanden. Nur mal so am Rande erwähnt, haben wir uns auch über die Musik, damals noch via handgeschriebene Briefe, kennengelernt.

16. Genug Gender- und Beziehungskram, wieder zurück zum Eigentlichen! Es gibt Publikationen im Underground, die periodisch erscheinen. Beispielsweise der Leo vom Fatal Underground haut gefühlt alle zwei Wochen ein neue Heft heraus. Und dann hat man so Spezialisten wie den Necromaniac, der alle Dekade mal eine neue Ausgabe auf die Kette bekommt. Nun habt ihr zwischen den beiden ersten Heften nicht mal ein Jahr gehabt. Wie ist denn euer geplanter Veröffentlichungszyklus?

Katja: Wir haben so grob einen Ein-Jahres-Rhythmus angepeilt. Die Nummer zwei war in der Tat verdammt schnell fertig. Wir waren in den letzten Monaten beide sehr enthusiastisch, was das Schreiben angeht. Dann dachte ich, um mehr Zeit für das Layout zu haben, könnte ich mir mal im Moshpit das Sprunggelenk brechen, mich sechs Wochen krankschreiben lassen und den geplanten Urlaub in den Sand setzen. Das hat auch dazu beigetragen, dass es dieses Mal so schnell ging. Aber ich glaube, das möchte ich nicht jedes Jahr wiederholen, haha. Im Ernst. Ich denke, ein Heft pro Jahr ist ein gutes Ziel, das kann mal etwas schneller gehen, kann aber auch mal etwas länger dauern, je nach aktueller Inspiration und Lebensumständen….

17. Ihr seid keine großen Freunde der modernen Welt. Ihr verschließt euch Whatsapp und Facebook – wenngleich kürzlich ein gewisser Rayk Metze mein Review zu eurem Magazin mit einem Like versehen hat, haha! Auch über Downloads lasst ihr euch häufig aus. Nun ist natürlich die Frage: Warum? Klar, man hat eine gewisse verklärte Nostalgie. Früher war alles besser und entsprechend sind nur phyische Medien okay. Allerdings stelle ich mir immer wieder die Frage, warum ein Trägermedium etwas über den Inhalt aussagen soll. Die Musik ist schlussendnlich die gleiche, egal ob ich diese nun auf LP, Tape, CD oder eben als Download erwerbe und konsumiere. Klar, haptische Komponenten spielen dazu, vielleicht auch die Größe eines Artworks und auch Meta-Infos wie Texte, Linernotes und so weiter. Aber ich habe in den 17 Jahren bewussten Musikkonsum, den ich verrechnen kann, durchaus so viele CDs gekauft, wo das Booklet einfach nur aus zwei leeren Seiten bestand, weil es in der Produktion einfach billiger war, dass es für mich keinen Unterschied macht, ob ich das Album als Download oder eben physisch kaufe. Ebenso in der Kommunikation. Mittlerweile fhre ich viele Interviews direkt über Facebook und spare mir den Umweg über Email. Das Ergebnis ist das selbe. Was genau ist also für euch der Grund, dass ihr euch dieser Kanäle erwehrt?

Rayk: Jetzt hast du mich erwischt! Ich sollte zu meiner Entschuldigung sagen, dass mir das mit der Facebook-Anmeldung alles andere als leicht leichtgefallen ist. Ich habe es lediglich aus einem einzigen Grund gemacht: Dadurch, dass auch wir gelegentlich Infos von Bands als auch Konzerten/Veranstaltern benötigen und es in den letzten Wochen sehr oft der Fall war, wenn man nicht Mitglied bei diesem blöden FB Verein war, dass man einfach mit einem verdammten Infobalken konfrontiert wurde, nach dem Motto: kein Facebook, keine Infos, und man schlussendlich einfach nicht weiterkam. Irgendwann hat mich das so genervt, dass ich mich dann bescheuerter Weise darauf einließ, mich da anzumelden. Und nachdem ja unser Krachmanifest bei so einem Aachener Online Zine namens Necroslaughter so gut wegkam, dachte ich mir, schaust mal, wem dieses Review alles so gefällt. Und ehe ich mich versehen habe, schwupp, war ich schon bei einem Like dabei, statt einfach nur die Namen zu lesen. Na ja, ich und die sozialen Medien….

Katja: Tja, so schnell hat man sich verklickt, haha…. Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese ganze Facebook-Scheiße nach wie vor zutiefst suspekt ist. Schon allein, wenn ich mir überlege, was da alles an Daten gesammelt wird, das ist gruselig. Die Art zu kommunizieren ist mir auch einfach fremd. Ich stehe mehr so auf den persönlichen Kontakt. Wobei man ja heutzutage schon eine Email als persönlich empfindet. Geiler Weise gibt es sogar noch Leute, mit denen wir im klassischen BRIEF-Kontakt stehen – ja, liebe Kinder, sowas gibt’s auch heute noch, der Postbote bringt nicht nur die Amazon-Päckchen! Was unser Heft angeht, muss ich sagen: Es funktioniert auch ganz gut, ohne dass wir eine Werbeoffensive in den sozialen Medien starten. Wir schreiben Leute direkt per Email an, verteilen Flyer, vertrauen auf Mundpropaganda… ja gut, und den einen oder anderen Post auf Facebook gab es sicher auch von anderen Leuten. Jedenfalls können wir uns nicht über mangelnde Resonanz beklagen. Und wenn es auch so klappt, wüsste ich nicht, warum man jedes Scheißspiel mitspielen soll, nur weil „man das heute so macht“.

Rayk: Ich sehe das genauso. Ich tue mich unendlich schwer, mit diesem neuen sozialen Medien-Firlefanz mitzugehen. Ein Like bedeutet mir nicht wirklich was. Es ist nur ein nettes Anhängsel in einer sich sehr schnell drehenden und wandelnden Zeit/Welt, wo keiner mehr Zeit hat für persönliche Sachen. Entweder huscht man heutzutage über hunderte von Videos/Streams hinweg, lädt sich Musik runter, wobei sich die meisten wahrscheinlich noch nicht mal nen Kopf machen, was die Band damit alles auf sich genommen hat, und so zappt man sich halt wie andere mit der Fernbedienung ein bisschen durch den Alltag und verliert immer ein bisschen mehr an persönlichen Verhaltensweisen, was ich wirklich sehr schade finde. Natürlich ist das, wie wir es machen, sicherlich total veraltet, ein Stück weit bescheuert, aber ehrlich gesagt ist uns das egal. Wir wüssten nicht, warum wir daran was ändern sollten. Nur weil es sich heutzutage so schickt?? Okay, dann erst recht nicht! Underground muss nicht unbedingt mit der Zeit gehen.

Katja: Was die Sache mit den Tonträgern angeht, stimme ich dir auf jeden Fall zu, dass es in erster Linie auf die Musik und nicht aufs Format ankommen sollte. Es ist auch nicht so, dass wir uns digitalen Formaten komplett verschließen. MP3s sind z.B. eine tolle Sache für unterwegs. Wenn ich überlege, wie viele CDs wir früher im Auto rumliegen hatten…. Aber wenn mich eine Scheibe fasziniert, dann möchte ich gern das Komplettpaket als physischen Tonträger zum Anfassen – mit Cover, Texten und allem Pipapo. Okay, dass manche Veröffentlichung ziemlich lumpig aufgemacht ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber digitale Musik kann man auch nicht so schön dekorativ übers gesamte Wohnzimmer verteilen wie physische Tonträger, gell Rayk?

Rayk: Ich fühle mich jetzt nicht angesprochen…

18. Ich persönlich finde extrem viele neue Musik über moderne Kanäle. Ein Freund oder Bekannter teilt etwas über Facebook und ich höre rein. Natürlich gibt es auch Reviews, die mich auf etwas aufmerksam machen. Doch wie findet ihr neue Musik? Kauft ihr klassisch auf gut Glück was im Mailorder? Nehmt ihr einfach was aus dem Plattenladen mit, weil euch das Cover anspricht? Oder sind die vielen Konzerte, die ihr besucht, einfach der Erstkontakt, der dann dazu führt, dass ihr euch weiter mit einer Band beschäftigt?

Rayk: Also was mich betrifft, ich lasse mich sehr oft vom Cover als auch von Reviews leiten, und man nimmt natürlich die neuen Möglichkeiten mit, sprich, auf gut Glück kaufe ich mittlerweile nur noch ganz, ganz selten etwas, dafür gibt es ja heutzutage Bandcamp. Und wenn mir das Gehörte dann zusagt, wird es eingetütet. Plattenläden sind natürlich auch immer wieder eine gute Gelegenheit, sein Geld auszugeben. Bei Plattenläden ist es im Endeffekt so wie früher, man lässt sich oft vom Cover inspirieren, und je nach Laden kann man auch in Platten reinhören, und es macht immer wieder Laune, etwas Neues zu entdecken, was man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Das (er)weckt das Kind im Manne sozusagen…

Katja: Ich werde tatsächlich recht viel über Reviews oder gute Interviews auf Bands aufmerksam. Gekauft wird der Kram dann fast immer in irgendwelchen Onlineshops, und da man ja ohnehin einmal beim Bestellen ist, schaut man eben, was da sonst noch so im Angebot ist (es soll sich schließlich lohnen, hehe). Dabei bin ich auch schon zufällig über richtig coole Sachen gestolpert, in die ich mal interessehalber reingehört habe, weil sie auf einem bewährten Label rauskamen, der Bandname cool klang oder das Cover interessant aussah. Aber gerade auch auf Konzerten haben wir schon unzählige Bands entdeckt. Besonders auf Festivals lohnt es sich, auch die kleinen Bands anzuschauen, die einem noch nicht wirklich was sagen. Das ist immer wieder für Überraschungen gut. Ansonsten hab ich auch immer ein offenes Ohr für persönliche Empfehlungen.

19. Klassisches Empfehlungsschema: Welche Bands oder Alben könnt ihr beide meinen Lesern und natürlich auch mir gerade empfehlen?

_Rayk: Sacroscum: saucooler Black Metal Crust mit gelegentlichen Death-Metal-Einflüssen, absolut empfehlenswert!_
Dishonoured: im Moment meine Crust-Empfehlung schlechthin. Wirklich sehr schroffer, abgehender Crust mit einer verdammt krassen Sängerin. Jeder, der auf Bulldozer Crust steht, sollte sich die Göttinger mal zu Gemüte führen.
Coffinborn: kommen rein vom Sound her aus Schweden, sind für mich aber eine der interessantesten neuen Bands aus Ungarn, die mit ihrer Scheibe „Beneath The Cemetery“ meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dem Killer Cover sei Dank!
Cadaveric Incubator: aktuell der kauzigste Hybrid-Klotz aus Finnland, die Band zelebriert eine sehr dreckige Mixtur aus Friedhofs-Death-Metal und Grindcore-Geschrote.
Necrophile: Mit diesen Jungs aus Japan werde ich ein Interview für unsere anstehende Nr. 3 führen. Obwohl es die Band schon seit knapp 30 Jahren gibt, habe ich zuvor noch nie etwas von denen gehört. Und dann kommt so ein brachiales Hammerteil namens „Awakening Those Oppressed“ um die Ecke und zeigt dem ollen Rayk, was es mit killermäßigem Death Thrash auf sich hat.
Tsubo: an sich kein wirklicher Geheimtipp mehr, da es die Jungs auch schon seit über 10 Jahren gibt, aber deren aktuelle EP „Disdegno“ ist ein wahnsinnig abgefahrenes Teil aus extrem schnellem Grindcore gepaart mit Death-Metal-Einflüssen. Leider nur 5 Songs, aber die haben es in sich!
Houre: Meine aktuelle Neuentdeckung in Sachen wütendem Grindcore mit teils fiesem, hektischem, angeschwärztem Gesang. Wer auf DeathToll80K steht, weiß, was zu tun ist. Legt euch deren „Tehotuotanto“ Scheibe zu.

Katja: Puh, die gefürchtete Frage! Wenn ich so direkt darauf angesprochen werde, fällt mir meist spontan nicht allzu viel ein. In den letzten Wochen war auch alles sehr turbulent, so dass ich nicht so recht dazu gekommen bin, mich richtig intensiv mit neuen Scheiben auseinanderzusetzen. Gekauft habe ich mir zuletzt z.B. endlich mal das letzte Cultes des Ghoules Album „Coven“, und die Band finde ich mit ihrem abgedrehten Black Metal recht eigen und geil. Aber auch die gleichzeitig bestellte, weitaus primitivere Occvlta Scheibe „Night Without End“ hat hier schon so einige Runden gedreht, denn so einen asozial räudigen Sound höre ich auch immer wieder gern, erinnert mich an Darkthrone zu „Panzerfaust“-Zeiten… Wenn ich weiter zurückdenke, waren für mich dieses Jahr die Griechen Miasmal Sabbath eigentlich der größte Geheimtipp. Sehr geiler und eigenständiger Death Metal – auf der ersten Veröffentlichung noch urdreckig mit heftigem D-Beat-Einschlag, die zweite Scheibe dann ein ganzes Stück komplexer und düsterer… und die Band hab ich wirklich nur durch Zufall entdeckt. Und habe ich eventuell schon mal irgendwann erwähnt, dass Vidargängr eine sehr geile Band ist, haha?

20. Und nun auf der Meta-Ebene: Welche Fanzines könnt ihr empfehlen? Die klassiker CFMD, Hammerheart, Necromaniac, Carnage oder Mystical Music sind ja mittlerweile in der Kategorie „Mythen und Legenden“. Auch das From Beyond ist kapott, wie das Soleil Tryste in der Ungewissheit schwebt. Aber es gibt ja immer noch Fatal Underground oder so Jungspunde wie Trvefrykt. Was sind da eure lebendigen Favoriten?

Rayk: Im Fanzine-Dschungel ist es in der Tat mittlerweile ziemlich lichte geworden, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass es auch in Zukunft, wenn auch recht ausgedünnt, immer wieder Leute geben wird, die es wenigstens mal mit etwas eigenem, in dem Fall einem eigenen Heft versuchen. Ich denke, es wird wie bei den Genres sein, es wird immer ein Auf und Ab geben, genauso wie immer etwas Neues anfängt und andere Sachen wieder hinfällig werden. So war es bisher in den letzten Jahren, und es würde mich stark wundern, wenn dies in Zukunft komplett anders werden würde. Im Bereich der eher metallisch crustigen musikalischen Untermalung würde ich mal Sints Snowfall empfehlen. Sint hat nicht nur reine Interviews in seinem Heft, sondern auch einige Kolumnen und anderen kauzigen Schnickschnack, was eben für Leute, die sich nicht nur über Musik informieren wollen, eine gute Adresse ist. Und wenn wir mal den Metalsektor verlassen, fällt mir jetzt noch spontan das Proud to be Punk ein, wobei man sagen muss, man sollte schon eine gewisse Vorliebe für dieses Genre haben. Aber auch hier dreht sich nicht alles um Musik, sondern Herausgeber Jan macht seinen ganz eigenen Stil daraus, und man kann ohne zu übertreiben sagen, man lernt bei diesem Fanzine sogar noch etwas, und das liegt sicher nicht nur daran, dass Jan Lehrer ist.

Katja: Also ich finde, es gibt immer noch genügend lesenswerte Fanzines, man muss nur die Augen offen halten. Ich habe in den letzten Monaten verdammt viele Zines gelesen, und da war wirklich guter Stoff dabei. Dass das From Beyond die Segel streicht, ist in der Tat mehr als bedauerlich, allerdings hat Ipp sich mit einer Hammerausgabe verabschiedet – und wer die noch nicht hat, sollte sich das Heft schleunigst zulegen. Auch das By This Axe I Rule ist ein absolut empfehlenswertes Zine mit richtig gut gemachten Interviews. Wer das Hammerheart vermisst, sollte mal das Waldhalla anchecken, die Jungs haben ein wirklich schön aufgemachtes Zine für naturbegeisterte Metaller und sind gerade ganz aktuell mit ihrer zweiten Ausgabe am Start. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft soll es hoffentlich auch mal wieder eine neue Iron Hammer Ausgabe geben, auf die warte ich schon lange… Und allgemein gilt wohl im Fanzine-Sektor die alte Weisheit von den Totgesagten, denn auch das Rauhnacht ist mit einer neuen Ausgabe am Start, die ich bisher allerdings noch nicht gelesen habe. Auch die Split-Ausgabe vom Golgotha mit The Black Flame fand ich sehr gelungen. Kurz und gut, ich denke, die Fanzine-Kultur ist noch sehr lebendig, und das ist gut so.

21. Okay, wir nähern uns dem Ende unseres Interviews. Da muss natürlich noch ein obligatorischer Blick in die Zukunft. Habt ihr schon Ideen oder Pläne für das Krachmanifest Nummer 3? Oder ist gerade est mal Entspannen nach der zweiten Ausgabe angesagt? Falls es da schon was gibt, teilt mal mit und macht neugierig!

Katja: Also ich bin noch voll in der Entspannungsphase und habe noch keinerlei konkrete Pläne für die Nummer drei. Ich brauche immer ein bisschen Zeit, um das sacken zu lassen, freue mich aber jetzt schon auf die Arbeit an der nächsten Ausgabe!

Rayk: Ich will jetzt nicht allzu viel vorausplanen oder herausposaunen, Fakt ist jedenfalls, dass ich schon zwei Interviewkandidaten/-opfer habe. Einmal die Jungspunde von Sacroscum sowie die Japaner Necrophile. Mal schauen, das neue Anasarca Album ist auch richtig geil geworden, das hätte ich den Ostfriesen gar nicht mehr zugetraut. Wirklich sehr geiler Death Metal mit reichlich viel Geschwindigkeit als auch technischem Knowhow. Und um noch ein bisschen aus dem sächsischen Nähkasten zu plaudern, hat sich Gerste Wound und Bodybag (yeah, yeah, yeah, Dopis Nachfolgeband von Machetazo) ausgesucht. Und das verheißt schon mal Gutes, nicht wahr?!
Eigentlich wäre es mal an der Zeit, dass die Workaholics Agathocles mal im Krachmanifest befragt werden, und das erste, womit ich Jan gleich schocken würde, wäre: Hey Jan, bitte gehe doch mal individuell auf jede einzelne Split EP von AG ein! Ha, alleine das ergäbe schon ein ganzes Heft voll, ohne eine weitere Frage stellen zu müssen. (Als ob die überhaupt wüssten, wie viele Splits die bereits draußen haben, geschweige denn mit wem oder um was es auf den Scheiben ging – Anm. Chris)

22. So, nun ist aber auch mal gut. Katja, Rayk, ich danke euch. Sowohl im allgemeinen für eure Beiträge hier bei Mir, wie auch euer Engagement im Krachmanifest. Die Szene lebt von so Enthusiasten, wie ihr es seid! Darum: Macht genau so weiter! Da nun hier Schluss ist, hinterlasst doch bitte die abschließenden Worte an meine und vielleicht eure Leser…

Rayk: Vielen Dank Chris noch mal an dieser Stelle. Also, wer es bis hierher geschafft hat, ist ein wirklich zäher Hund. Danke nochmal für die Möglichkeit, unseren Senf hier kundzutun. Diejenigen, die nicht nur vom Underground und DIY reden, sondern sich auch engagieren wollen, nur zu. Geht gerade auf kleine Konzerte/Festivals, kauft Tonträger wie in den Neunzigern, als dies noch ganz selbstverständlich war, und verlasst euch nicht nur auf FB, Instagram und ähnliches. Nehmt selbst was in die Hand, egal ob Konzerte organisieren, ein eigenes Heft herausbringen o.ä. Es hat mir echt Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten. Da soll noch einer sagen, Online Zines und gedruckte Hefte sind Konkurrenten. Das ist Quatsch, das Gegenteil ist der Fall, da beide Seiten voneinander lernen und sich austauschen können. Nur geben es die meisten nicht zu.

Katja: Danke dir, Chris, für deine Unterstützung mit diesem Interview und überhaupt in den letzten Jahren… Es hat echt Spaß gemacht, sich durch deine Fragen zu ackern. Die Weinflasche ist natürlich längst leer, und nachdem nun auch gerade die aktuelle Arroganz-Scheibe ausgeklungen ist, wird es für uns langsam Zeit, uns in den Feierabend zu verabschieden. Danke an alle, die sich für unser Geschreibsel und generell für gedruckte Zines interessieren. Wer neugierig aufs Krachmanifest geworden ist – meldet euch einfach bei uns!

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Krachmanifest – Ausgabe 2 https://necroslaughter.de/2017/12/krachmanifest-ausgabe-2/ Wed, 06 Dec 2017 22:04:11 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16541 Read more »]]> Ui, das ging allerdings schnell. Nachdem erst im Januar diesen Jahres die erste Ausgabe des Krachmanifests erschienen ist, hauen Katja und Rayk noch vor Jahresende ihr zweites Heft heraus. Diesmal verstärkt durch den alten Bekannten Gerste, der zuvor das Campaign For Musical Destruction herausbrachte – wo der Krawall-Freund Rayk seinerzeit auch veröffentlicht hat. Das rasche Tempo zwischen den beiden Ausgaben ist also sicherlich auch in der Routine der beteiligten Autoren geschuldet.

Und so knüpft Heft Nummer 2 nahtlos an die erste Ausgabe an. Nur dieses Mal noch etwas dicker. Ein sauberes, aufgeräumtes Layout trifft auf ein Bisschen Spirit der Cut’n Paste-Tradition, zeigt sich aber immer augenfreundlich und gut lesbar. Hauptfokus liegt wieder auf den ausführlichen und unterhaltsamen Gesprächen mit den Bands und der Booking-Agentur D.I.Die Booking, die u.a. das Blastphemy-Festival im Thübinger Eppelhaus veranstalten. Und dieses mal wird das Krachmanifest auch nicht Opfer eines Totalausfalls, wie ihn Sarinvomit in der ersten Ausgabe abgeliefert haben. Im Gegenteil, die Gesprächspartner waren immer enthusiastisch und redefreudig. Das ergänzt die gut formulierten Fragen zu interessanten Gesprächen. Stilistisch geht es wieder weit gefächert über (fast) alle Sub-Genre der extremen Musik: Von Grindcore (Bolesno Grinje, Embalming Theatre, Nasmörk, Six-Score, Territion) über Black Metal (Nekrarchon, Hermann) zu Death Metal (Kriegszittern, Incarceration, Demored, Miasmal Sabbath) hin zu den Genre-Hybriden Age Of Woe.

Entsprechend bunt sind auch die 90 Reviews, die wieder in zwei alphabetisch sortierte Teile im Heft verteilt sind. Das lockert das Gesamtbild auf und spannt sich querbeet über alle Trägermedien, CD, LP, EP und sogar digitale Downloads, wie auch Schubladen. Hauptsache es kracht. Und die hier gebotene Diversität erweitert das Spektrum des Krachmanifests zusätzlich zu den Interviews – wie eigentlich schon in Ausgabe 1. Dabei nehmen die Schreiber kein Blatt vor dem Mund und sagen offen, ehrlich und locker von der Seele, was sie über die jeweiligen Veröffentlichungen denken. Entsprechend wird sogar ein Tonträger mit einer Toilettenschüssel illustriert. Und zum Schluss gibt es noch eine Presseschau zu anderen, noch druckenden Kollegen. Dreizehn Fanzines werden ausgiebig unter die Lupe genommen, bevor die Partizipanten ihre „Krachfavoriten“ (sprich: Playlisten) zum Besten geben.

Damit aber nicht genug, denn bekanntlich sind die Beteiligten freudige Konzert- und Festival-Besucher, die ihre Erlebnisse gerne ausgiebig, ja, zuweilen fast intim mit dem Leser teilen. So gibt es Berichte von den Festivals Braincrusher, Grind The Nazi Scum und dem In Flammen Open Air, ebenso wie dem Metal Ov Death-Konzert mit Into Coffin, Cryptic Brood, Repuked und Revel In Flesh.

Alle Autoren haben gleichermaßen Enthusiasmus und Herzblut in das Heft gesteckt. So muss man schon genau hinschauen, wer gerade welches Gespräch führt oder welche Kritik verfasst hat. Das macht das Krachmanifest zu einem sehr stimmigen Endprodukt. Dazu ein sehr cooles Cover von Robert Zimmermann, das durchaus auch als Graphic Novel oder Tattoo-Motiv eine gute Figur machen würde.

Das neue Dreigespann und vor allen Dingen die Hauptakteure Katja und Rayk haben ihren Einstand deutlich übertroffen und sind auf dem besten Wege eines der spannendsten Fanzines für extremen Metal in der (zugegebenermaßen mittlerweile recht ausgedünnten) deutschen Szene zu werden. Ich bin jetzt schon auf das nächste Heft gespannt. Und wenn die Drei hier wieder so viel Gas geben, wird es wohl auch nicht zu lange auf sich warten lassen.


Auflage: 200 Exemplare

Interviews: Age of Woe, Bolesno Grinje, Demored, Embalming Theatre, Hermann, Incarceration, Kriegszittern, Miasmal Sabbath, Nasmörk, Nekrarchon, Six-Score, Territion, D.I.Die Booking

Specials: Konzertberichte Braincrusher Festival, Grind The Nazi Scum, Metal Ov Death, In Flammen Open Air, Reviews

Umfang: 92 Seiten
Aufmachung: schwarz-weiß gedrucktes Fanzine
Preis: 3,50 € (zzgl. P&V)

Kontakt: krachmanifest@gmx.net
Infos auf http://www.adnoctum.de

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From the Other Side – MMXVII-XI https://necroslaughter.de/2017/12/from-the-other-side-mmxvii-xi/ Tue, 05 Dec 2017 20:57:50 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16517 Read more »]]> Mein Musikgeschmack ist über die Jahre breiter geworden. Damit NecroSlaughter.de nicht zu sehr aus dem Rahmen Death Metal, Crust, Grindcore ausbricht, habe ich mitte 2016 eine weitere Spielwiese eröffnet: TheNocturnalSilence.de.
Dort bespreche ich alles an düsterem und atmosphärischem Kram. Von (Hipster-)Black Metal zu Wave, von Crust zu Doom zu Folk. Hauptsache, es gefällt mir. Abseits von Review-Anfragen, Zwängen und Konventionen. Doch vielleicht ist für den ein oder anderen Leser dort ja auch was interessantes dabei. Daher hier ein Rückblick, was ich im letzten Monat auf der anderen Seite veröffentlicht habe…

Reviews

Yellow Eyes – Immersion Trench Reverie
verspielter und melodischer Black Metal. Herausragende Gitarren-Arbeit trifft auf majestätische, eigenständige Ideen.

Desolate Shrine – Deliverance From The Godless Void
nihilistischer und extrem finsterer Death/Black Metal. In Ideen und Ausführung sehr nahe am Post-Death Metal, an Ulcerate, Departé, Beyond Terror, Beyond Grace. Beklemmend, atmosphärisch, eigenständig und extrem intensiv.

Aosoth – V: The Inside Scriptures
Dissonanter und beklemmender Black Metal. Aber doch mit eingängigen Momenten, vielleicht sogar mit einem Funken Hoffnung. Wie gehabt, die verstörrenden Momente könnten von Deathspell Omega stammen. Die Erhabenheit von Blut Aus Nord. Wohl das zugänglichste Album der Band und das Ende einer Ära.

Auðn – Farvegir fyrndar
atmosphärischer Black Metal aus Island. Mit deutlichen Wurzeln im Feld-Wald-und-Wiesen-Black Metal der frühen norwegischen Schule, aber mit vielen Anleihen aus Post-Rock und Post-Black Metal – ohne aber zu sehr in diese Schublade zu verfallen.

Belus – Apophenia
kauziger Black Metal. Etwas wie Negative Plane auf Funk. Und doch meist verstörend und dissonant. Klingt zuweilen französisch, hat aber immer noch Bezüge zum USBM. Extrem eigenständig, mitreißend und beklemmend.

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Paragon Belial – Necrophobic Rituals https://necroslaughter.de/2017/11/paragon-belial-necrophobic-rituals/ Tue, 28 Nov 2017 20:27:33 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16513 Read more »]]> Nach neun Jahren melden sich das Urgestein PARAGON BELIAL mit einem neuen Album zurück. Nach einigen Holrigkeiten in der Vergangenheit, diversen Auflösungen, findet sich nur noch Gründungsmitglied Andras an Bass und Gesang. Mittlerweile aber komplementiert durch zwei neue Mitglieder, ist das Trio wieder bereit für ordentlich Rabbatz!

Und so ist „Necrophobic Rituals“ ein meist schnelles, grobschlächtiges Album. Der Promo-Zettel spricht von Parallelen zu Archgoat und Beherit, und die in der rohen Ruppigkeit stehen PARAGON BELIAL den wohl bekannteren finnischen Archaen in wenig nach.
Zugegeben, etwas vielschichtiger sind die Mönchengladbacher doch. Gerade das eröffnende „Perverted Homage In The Trails Of Satan“ hat deutliche Einflüsse aus dem Death Metal. Durch den Wechsel- und Doppelgesang darf man zuweilen auch an frühe Deicide denken. Aber schnell kehren PARAGON BELIAL wieder den Black und War Metal in den Vordergrund und holzen sich in Höchstgeschwindigkeit fast permanent durch die knapp vierzig Minuten von „Necrophobic Rituals„.

Trotz aller Reduktion und zuweilen deutlich punkigen Attitüde, darf man diesem Quasi-Comeback keine Eindimensionalität vorwerfen! Denn PARAGON BELIAL haben auch genug Mumm für kleine Details. Beispielsweise darf „Demonic Christian Holocaust“ auch schon mal mit einem dicken Keyboard-Teppich die Atmosphäre etwas mehr ausbauen. Oder „Circle Of THe Satanic Breed“ mal etwas mehr mit klassichem Proto-Black Metal spielen, thrashy Riffs und derbe Slow-Downs gleichermaßen einbauen.

Größte Überraschung ist allerdings „Verdelet„, das ungewöhnlich ruhig und atmosphärisch ist. Dadurch kommt die frostige Atmosphäre noch besser zur Geltung und gibt dem Album einen weitere Dimension, gleichzeitig auch einen wunderschönen Abschluss. Denn beendet wird „Necrophobic Rituals“ mit einem Tribut an Sodom, dem Cover „Witching Metal„, das freilich deutlich mehr Thrash Metal in den Sound bringt, aber auch gut die rohen, ursprünglichen Einflüssen von PARAGON BELIAL zeigt.

Kurzum sind PARAGON BELIAL wieder da. Und zwar mit einem beachtlichen ersten Lebenszeichen nach fast einer Dekade. Roh, direkt und grobschlächtig, aber keinesfalls stumpf oder gar dumpf. Dafür ist „Necrophobic Rituals“ doch in den kleinen Details zu abwechslungsreich, bringt Elemente aus Death und Thrash mit und kann an der ein oder anderen Stelle gar überraschen. Mit „Verdelet“ sogar ordentlich überraschen. Respektabel.


8 Lieder / 38:40 Min.
CD – 29.09.2017 / Northern Fog Records

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Kommentar: Metal auf Youtube https://necroslaughter.de/2017/11/kommentar-metal-auf-youtube/ Thu, 23 Nov 2017 21:24:29 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16509 Read more »]]> Kürzlich habe ich mal etwas Zeit gefunden und mich durch den Youtube-Kanal von Seuche, dem Krachmucker-TV, geklickt. Darunter war auch ein ganz spannendes Video: „Metal-YouTuber: Warum hat der Parabelritter keine Konkurrenz?“

Als kurze Zusammenfassung: Die deutsche Youtube-Szene für Metal ist erbärmlich! Die großen Magazine Rock Hard, Deaf Forever oder Metal Hammer haben recht kleine Channel, bieten etwas typischen Magazin-Inhalt oder blättern etwas selbstverliebt durch ihre neuen Ausgaben. Entsprechend ist das Interesse der Zuschauer eher gering. Es gibt nur einen Youtuber, der eine vergleichsweise hohe Reichweite hat: Der Dunklen Parabelritter. Und dieser polarisiert kräftig in der Szene.

Dieser kontroverse „Prosumer“ (Konsument, der gleichzeitig neuen Inhalt daraus produziert) kommt in dem Clip auch selber zu Wort und liefert – in a nutshell – auch mögliche Gründe, warum es so wenig Metal auf Youtube gibt: Es ist arsch viel Arbeit und die Branche hat bisher nicht das Potential von Youtube erkannt. Natürlich nennt er noch weitere Anforderungen, die ein Mensch vor der Kamera erfüllen muss, damit ein neuer Kanal erfolgreich werden kann. Jedoch ist der Erfolg immer relativ zu sehen, denn es ist immer noch Metal…

Und an dieser Stelle möchte ich einfach mal meinen Kommentar zu dem Thema abgeben, etwas über die aktuelle Situation und die Szene rumkotzen, vielleicht ein paar Denkanstöße geben und das Thema mal von Youtube in das geschriebene Wort verlagern, was vielleicht der ein oder andere Metalhead aktuell noch bevorzugt.

Deutschland

“I’ve come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”

(Douglas Adams)

Deutschland ist ein extrem Technik- und Innovations-skeptisches Land. Entwicklung und Verbesserungen dürfen scheinbar nur an Kriegswaffen und Verbrennungsmotoren geschehen, alles andere ist Teufelswerk. Und selbst in Computer- und Technikforen wird in schönster Regelmäßigkeit über die Unsinnigkeit von Sozialen Netzwerken, Messengern und ähnlichem gewettert. „Sowas brauchten wir früher alles nicht!“

Homo metallus

Wo der Deutsche sich schon krass hinter Technikphobie und übersteigertem Datenschutz versteckt, ist der Metalhead noch extremer. Das scheinbar allerdings über nationale Grenzen hinweg. Denn weltweit feiern wir die Retrowelle und verlieren uns in verklärter Nostalgie. Tape-Trading, aaaaaah, das waren noch Zeiten. LPs? Die waren schon damals gut, darum kaufe ich heute auch wieder die Klassiker in der Neuauflage – egal ob ich die bereits auf CD (oder gar Vinyl-Erstauflage) habe.

Nicht selten hört man von den Hardlinern, dass Facebook böse sei, dass sie sich konsequent Whatsapp verweigern. Und dann fällt auch locker mal die Aussage, dass Metal nichts auf Youtube zu suchen habe – siehe das oben genannte Video mit Zitat aus einem The Ruins Of Beverast-Interview.

Nicht selten werde ich blöd angeschaut, wenn ich mir ein Album digital auf Bandcamp kaufe. Denn nur Tape und Vinyl ist true und in der Szene anerkannt. Und gar gelegentlich bekommt man eine gewisse Abfälligkeit zu spüren, weil man „nur“ ein Webzine betreibt. Denn nur Fanzines sind der wahre Shit.

Witzigerweise werden die klassischen Bulletin-Boards, oder auch Online-Foren, akzeptiert und rege genutzt. Zur Werbung, zum Gedankenaustausch, zur Diskussion oder einfachen Selbstdarstellung. „Schaut her, ich kenne dieses obskure südamerikanische Demo von 1993, von dem es nur 6 Exemplare gab! Der Schreiber über mir hat keine Ahnung, keinen Geschmack und riecht nach Iltis!“

Doch muss man sich immer fragen: Wieso verteufelt man eigentlich ein Trägermedium? Wäre man früher auf die Idee gekommen eine CD zu verteufeln, weil Demos auf Kassetten veröffentlicht wurden und Alben auf LP? Warum verteufelt man heute eine MP3-Datei, die die gleiche Musik beinhaltet wie ihre physischen Gegenstücke? Warum ist das Wort auf einem Blatt Papier mehr wert, als auf einer virtuellen Webseite? Die Arbeit, Energie und Kreativität, die in das Werk geflossen ist, sollte eigentlich gleich geblieben sein. Und das Ergebnis, also die Musik, ist die gleiche, egal ob auf Tape, CD, LP oder eben der digitalen Audiodatei. Und nun kommt mir bitte keiner mit audiophilen Zahlen um Bitrate und so weiter, wenn er eh nur Untergrund-Black-Metal hört, der Mono über einen Kassettenspieler in irgendeiner Garage aufgenommen wurde. Danke!

Zugegeben, im Digitalen fehlt die physische Haptik. Zugegeben, heute kann jeder im Internet veröffentlichen. Auch Schnellschüsse, substanzloses, belangloses oder simpel: Bullshit. Doch finden sich gleiche Attribute auch auf greifbaren Medien, in Büchern und auch Musikveröffentlichungen…

Aber weiterhin existieren Vorurteile gegenüber einem Transportweg. Eine Verabredung über SMS oder Brief scheint mehr wert, als über Whatsapp oder Facebook.

Und nun kommt noch ein neues Medium hinzu, dieses Youtube, wo Informationen multimedial, mit Bildern, Worten, gar Musik transportiert werden? Es scheint Blasphemie gegen… ja, gegen was eigentlich?

Branche

Der Dunkle Parabelritter formulierte bereits: Die Branche hat bis heute nicht das Potential von Youtube erkannt. Und wiederholt damit erneut die alten Fehler. Lange Zeit wurden Webzines nicht mal mit Promos bedacht – manche Plattenverläge machen das sogar heute noch so. Lange Zeit wurden digitale Vertriebswege für Musik gemieden. Denn nur CD war der wahre Shit. Und außerdem würden MP3 ja zu Raubkopien führen.
Und heute ist auf einmal Metal auf Spotify beliebter als Pop. Das ist allerdings auch eine Wahrheit, die der Homo metallus ungerne hört. Denn Metal ist ja unkommerziell, underground und so weiter.

Wie dem auch sei, lange Zeit haben Promo-Agenturen und Labels auch soziale Netzwerke missachtet. Reviews und News wurden nicht dort, sondern nur über die etablierten Magazine geteilt – und damit wurde einiges an Reichweite einfach verschenkt.

Etablierte Magazine

Gut, mittlerweile haben die Spieler auch die Vorzüge von digitalen Vertriebswegen erkannt. Webzines sind heute als schneller Teil der Promotionsmaschine akzeptiert. Sowohl von der Branche wie auch den Fans.

Promos werden digital verbreitet, als MP3 mit Wasserzeichen. Das ist billig. Verdammt billig. Deswegen werfen die Agenturen mit ihren Promos nur so um sich. Und die Magazine ertrinken in mehreren dutzend Rezensionsexemplaren pro Tag, stehen unter dem Druck, diese irgendwie mit „Coverage“ zu bedecken. Derweil manche Magazine in den USA noch „Round-Ups“ machen, mehrere Veröffentlichungen in einem Rutsch besprechen, erwähnen oder zusammenfassen, sind die deutschen noch im klassischen Review, Interview, News-Konstrukt gefangen und müssen den Anfragen irgendwie gerecht werden. Meist alleine aus der Angst, keine Promos mehr zu bekommen, wenn die bestehenden Bemusterungen nicht besprochen wurden.

Dieser (zugegebenermaßen selbstauferlegte) Druck zwängt die Magazine in ein Bearbeitungsschema. Reviews, Reviews, Reviews, bei großem Gefallen auch mal ein Interview. Meist schnell und substanzlos, voller Plattitüten. Man arbeitet den Stapel Promos einfach ab. Und kommt dennoch nicht hinterher. Zu häufig sieht man auf Webzines den Aufruf nach Mitschreibern.

Und in dieser Arbeit geht irgendwie die Muße für Kreativität verloren. Entsprechend gibt es auch wenig permanente Kolumnen, ausführliche Specials oder Blog-Beiträge in den etablierten Magazinen – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Denn seien wir ehrlich: Ein Webzine ist vergleichsweise einfach in der Vorgehensweise: Platte hören, Meinung schreiben, veröffentlichen. Bei einem gedruckten Magazin läuft der iterative Prozess über einen längeren Zeitraum und wird um das Erstellen des Layouts erweitert. Das ist ein simples Vorgehen.

Ein Video im Stil vom Krachmucker oder dem Dunklen Parabelritter ist aufwändiger: Es muss eine gute Idee für einen Clip her. Dann sollte ein Konzept erstellt werden. Beim Filmen kommen Kleinigkeiten wie Wortwahl, Ausdruck, Fokus auf die Hauptaussage des Videos, Mimik und Gestik dazu. Dann kommt die Post-Produktion: Schneiden, Editieren, Überblendungen, Einblendungen, Intro, Outro, Verlinkungen, undsoweiter. Schlussendlich frisst das alles Zeit, bevor das Video fertig ist, im richtigen Format hochgeladen und publiziert werden kann. Dabei darf man den kreativen Teil um Idee und Konzept nicht unterschätzen! Das ist schwieriger als man denkt.

Money, Money, Money

Und mit etwas Kreativität ist es ja auch nicht getan. Ein Webzine kann man quasi kostenlos betreiben. Irgendeinen Blog-Hoster auswählen und es kann los gehen. Ein Printzine will da schon etwas mehr für Druckkosten haben. Doch ein Vlogger (Video-Blogger) braucht schon mal eine ordentliche Webcam. Wenn nicht sogar eine richtige Kamera oder DSLR mit guter Video-Funktion. Vielleicht noch ein Mikro für guten Sound. Von Video-Software und einem potenten Rechner für die Nachbearbeitung spreche ich an dieser Stelle gar nicht. Aber die Einstiegshürde ist doch höher als beim geschriebenem Wort.

Langzeitmotivation

Gut, nehmen wir an, jemand hat sich die Mühe gemacht, all den Widrigkeiten von Branche und Arbeitsaufwand getrotzt. Er publiziert ein Video und noch ein Video und irgendwann wird seine Mühe mit Erfolg belohnt. Dann kommen auf einmal die Neider, die Missgönner und die Möppernasen.

Über ein gut laufendes Printzine freut sich die Szene. Aber bei einem Dunklen Parabelritter wird direkt der Ausverkauf des Metals ausgerufen, Kommerzialisierung und Untrveness und und und.

Wie soll man da bitte die Langzeitmotivation bewahren? Hat man keinen Erfolg, verliert man irgendwann die Lust. Warum macht man das ganze, all die Arbeit, wenn man doch genau so gut einfach vor der XBox oder dem Fussballspiel hocken könnte.
Und hat man dann Erfolg, wird man beleidigt, verspottet und diskreditiert. Warum macht man das ganze, all die Arbeit, wenn man doch genau so gut einfach…

Mal was anderes: Aus der Sicht des Konsumenten

Gut, nun gibt es gut gemachte, motivierte, ambitionierte und kompetente Youtube-Kanäle. Sei es der Krachmucker, sei es der Dunkle Parabelritter, sei es gar Infidel Amsterdam. Nun komme ich aber als Konsument in eine Misere: Zeit!

Alle wollen sie meine Aufmerksamkeit. Neue Musik, Facebook, Twitter, neue Serien, Filme, Bücher. Und die Zeit für den Konsum von anderen Formaten schwindet immer und immer weiter. Nun stellt sich die Frage: Lese ich fünf Minuten ein Review, 10 Minuten ein Interview oder schaue mir 20 Minuten Video an? Da ist die Einstiegshürde für meine kurze Aufmerksamkeitsspanne schon – oh, ein Reh!

Das ist ein erste Welt-Problem, das wohl in der individuellen Verantwortung liegt. Das kann ein „Prosumer“ nicht beeinflussen. Ich kann Pech haben, dass niemand ein ausführliches Interview von mir lesen wird, weil es schlicht zu lang ist. Gleiches Pech kann aber auch der Youtuber haben, der mit viel Arbeit 20 Minuten Material produziert hat. Er konkurriert mit 10-Second-Cover-Songs, lustigen Katzenvideos oder den Nachdenklichen-Bildern-mit-Inspirierenden-Sprüchen von Webfail, 9Gag, Pornhub.

In A Nutshell

Das sind viele Gründe, warum Youtube in der deutschen Metalszene nicht funktioniert – zumindest aktuell nicht. Manche sind Hausgemacht in der Szene, manche Zeitgeist. Und kaum etwas kann man als Youtube selber kontrollieren. Man hat lediglich seinen eigenen Enthusiasmus und sein Durchhaltevermögen beeinflussen. Ob man gegen widrige Umstände wie Vorurteile, Neid, Spott oder mangelnde Rückmeldung ankämpfen und sich zum Weitermachen motivieren kann. Oder generell überhaupt den Einstieg schafft. Denn meist stirbt eine gute Idee bereits an anfänglichen Zweifeln: „Ich bin eh nicht gut genug…“, „An den komme ich nie ran…“, „Das ist alles zu viel Arbeit, ich packe das nicht…“. – Und aus den gleichen Gründen ist sicherlich so manches Fanzine oder Webzine nie entstanden, so manch talentierter Musiker nie zu einer Band gekommen.

tl;dr

Nun stehe ich vor dem gleichen Problem wie vielleicht die Youtuber: Hat überhaupt einer bis hier hin durchgehalten? Konnte ich die Aufmerksamkeit auf meinem Text halten, den Leser unterhalten, empören oder zum Denken anregen? Ich weiß es nicht. Und ich werde es wohl auch nie erfahren, denn das Kommentarsystem auf dieser Seite habe ich schon lange abgeschaltet. Vielleicht schreibt mir jemand auf Twitter oder Facebook?

Doch ich hoffe, dass der ein oder andere mal selbstreflektiert. Dass moderne Kommunikationskanäle nicht per se schlecht sind. Dass man selbst auf Facebook, Twitter, Youtube oder Instagram Metal finden kann und auch sollte. Dass man selber in der Verantwortung ist, wie man diese Medien nutzt und auch (mit-)gestalten kann. Und dass sich über diese neuen Wege eben auch neue Möglichkeiten und Formate öffnen. Wie eben Youtube-Kanäle, die unterhalten, lehren und informieren können.

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Cadaveric Incubator – Sermons Of The Devouring Dead https://necroslaughter.de/2017/11/cadaveric-incubator-sermons-of-the-devouring-dead/ Thu, 23 Nov 2017 19:26:39 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16504 Read more »]]> Sonderlich aktiv waren CADAVERIC INCUBATOR bisher eigentlich nicht. In dreizehn Jahren bestehen, bringt die Band es bisher lediglich auf zwei Demos und eine Split. Dafür kommt mit „Sermons Of The Devouring Dead“ ein wunderschönes Stück stumpf-direkter Stilmix, der sich hervorragend zum Zerkloppen der eigenen Inneneinrichtung anbietet.

Mit (ehemaligen und Live-)Mitgliedern aus Slugathor, Torsofuck, Festerday oder Lantern finden sich entsprechend auch viele Einflüsse. Death Metal aus Schweden und Finnland treffen auf Grindcore und Goregrind der ersten Stunde und finden gelegentlich auch ein paar Zitate aus dem Thrash Metal, besonders bei Slayer, die manche Harmonie-Läufe und Walgesang-Soli deutlich inspirierten. Das alles wird ordentlich durchgerappelt und eingekocht auf das notwendigste.

Am Ende ist dieses Debüt direkt, zuweilen stumpf und strotzt an vielen Ecken nur so vor prototypischen Elementen. Doch die furiose Darbietung lässt genau so über die vermeintliche Eindimensionalität hinwegsehen, wie auch das gelegentliche Augenzwinkern der Band. Nicht selten wird ein neuer Song-Part lautstark als „Mosh!!!“ oder „Guitar!!!“ angekündigt.

Und dann kommen immer wieder überraschende Wendungen. Beginnt beispielsweise „Hideous Premonition“ recht stumpf mit Grind-Geballer, Harmonizer-Vocals inklusive, endet der Song plötzlich episch in einer extrem düster-finnischen Doom/Death Metal-Passage, die durch atmosphärische Keyboards getragen wird. Solche Überraschungen finden sich ein paar auf „Sermons Of The Devouring Dead„.

Doch auch die eher geradlinigen Songs haben genügend Unterhaltungsfaktor. Ob nun mehr im Grind verortet, mit Wechselgesang zwischen Growls, schön gemeinen Schreien und bereits erwähntem Harmonizer. Ob in geschickter Balance zwischen mitreißenden Uptempo-Grooves und schnellen Blastbeats. Ob nun mit finnisch-obskur-düsteren Riffs oder eher klassische-schwedischer Kettensägen-Gitarre.

Die große Erleuchtung oder Innovation bringen CADAVERIC INCUBATOR mit Nichten. Das wollen sie aber auch gar nicht. Sie wollen böllern, metzeln, grooven und zuweilen einfach mal etwas Dunkelheit heraufbeschwören – allerdings immer mit etwas Augenzwinkern. Das macht „Sermons Of The Devouring Dead“ zu einer halben Stunde richtig gutem, klassischen Death-Grind.


12 Lieder / 29:03 Min.
13. Oktober 2017 – Hells Headbangers (CD, LP, Download)

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The Spirit – Sounds From The Vortex https://necroslaughter.de/2017/11/the-spirit-sounds-from-the-vortex/ Mon, 13 Nov 2017 21:10:37 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16494 Read more »]]> Mit ihrem ersten Lebenszeichen offenbaren THE SPIRIT einen wunderbaren Anachronismus. Sicherlich ist das Rückbesinnen auf „the glorious times“ heute mitnichten ein Novum. „Retro“ und „oldschool“ machen viele, versuchen noch mehr – und häufig ist es wie mit der analogen Fotokopie: Jede Kopie einer Kopie wird schlicht blasser, substanzloser. Dieser Gefahr unterliegen die Saarbrückener mit „Sounds From The Vortex“ glücklicherweise gar nicht. Klar, es ist Worship, es tropft an manchen Stellen nur so von Klischees. Doch brennt hier gleichzeitig ein so helles Feuer, dass dieses Debüt durchaus funken schlägt und auch die Begeisterung beim Hörer entfacht.

Es ist diese mitneunziger Mischung aus Black und Death Metal. Melodisch, erhaben. Verspielt und doch mitreißend direkt. Gelegentlich harsch und kompromisslos, an anderen Stellen aber auch mehrstimmig intoniert, mit dem Mut zu ruhigen Momenten und ausschweifenden Instrumental-Passagen. Mit einem Melodie-Gefühl von Unanimated und dem Songwriting von Dissection dürfen auch Namen wie Dawn oder Thulcandra fallen; vielleicht auch Uada. Und Dissection. Aber natürlich auch Dissection. Ja, denn Dissection mit „The Somberlain“ und „Storm Of The Light’s Bane“ sind definitiv großer Einflüss für THE SPIRIT und „Sounds From The Vortex“ gewesen.

Doch wie eingehend erwähnt: Diese Huldigung wird so authentisch präsentiert, dass die leicht mangelnde Originalität vollends egal ist. Es fängt beim zielgerichteten, aber äußert gutem Drumming an. Mal bewusst runtergekocht auf langsam stampfende Beats, dann mal in furiosen Ausbrüchen in extrem schnelle Blastbeats, immer druckvoll und als perfektes Fundament zum Rest des Liedes. Weiter geht es mit den extrem guten Vocals, die sowohl stimmlich, in der Phrasierung wie auch dem verwendeten Vokabular sehr nahe an Jon Nödtveidt rankommen. Und natürlich ist das wichtigste bei einer Dissection-inspirierten Band: Die Gitarren. Und da hauen THE SPIRIT durchaus einige mächtige Riffs raus. Mal im (ebenfalls Dissection nicht unähnlichen) Geklimper, wenn ruhigere Momente die Atmosphäre langsam aufbauen (wobei eine Akkustikgitarre dem Gesamtbild noch das gewisse Etwas gegeben hätte). Mal in wunderschön polyphon aufgebauten Läufen und Harmonie-Verzierungen. Von grimmig und feuerspuckend zu kalt und distanziert, von verspielt zu direkt, aber immer erhaben und majestätisch, reicht die Palette der Sechsaiter – und endet damit nicht selten in äußert griffigen Riffs. Ach, alleine das Gerät nach dem kurzen Break in „The Clouds Of Damnation“ ist der Hammer!

Und so sind durchaus viele Hits auf dem Album. Genanntes „The Clouds Of Damnation„, „Illuminate The Night Sky„, das regelrecht zum Mitbrüllen auffordert, „The Great Mortality“ oder das abschließnde „Fields Of The Unkown„. Bei jedem Song ist es eigentlich egal, dass THE SPIRIT aktuell hauptsächlich Worship betreiben und jederzeit als No Fashion-Band durchgehen würden. In diesen Songs lodert ein Feuer, was viele Copycats heute leider vermissen lassen.

Dazu kommt ein schickes Artwork von Wæik, das gleichermaßen als Huldigung an die klassischen Werke des Necrolord durchgehen kann.

Nicht nur für THE SPIRIT ist dies das erste Lebenszeichen, denn auch für das Label Eternal Echoes ist es die erste Veröffentlichung überhaupt. Käuflich kann man „Sounds From The Vortex“ als CD oder Download erwerben. Wobei es mich wundern würde, wenn eine Veröffentlichung auf Vinyl lange auf sich warten ließe…


Eternal Echoes – 13.10.2017
CD – 7 Lieder / 38:02 Min.

thespiritmetal.bandcamp.com
facebook.com/thespiritband/

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Krossfyre – Burning Torches https://necroslaughter.de/2017/10/krossfyre-burning-torches/ Mon, 23 Oct 2017 20:26:40 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16485 Read more »]]> Lederjacken, Nieten und Patronengurt-Fraktion aufgepasst! KROSSFYRE laden mit ihrer Debüt-EP zum furiosen Boogie-Woogie! Morbide Melodien, reitender Thrash Metal, garstiger Black Metal und eine gewisse Speed Metal-Attitüde machen „Burning Torches“ zu einem giftigen und dennoch groovenden Biest!

Aber was soll man auch anderes erwarten? Hinter der Band stehen Mitglieder u.a. von Korghull The Exterminator, den guten Graveyard aus Spanien und den exzellenten Sheidim. Also alles keine Frischlinge und allesamt mit ordentlich Ahnung, wie schwarzer Metal zu klingen hat.

Entsprechend ist die Atmosphäre der 20 Minuten von „Burning Toches“ immer düster und driftet sehr häufig ins Schaurig-Morbide. Mal durch die Negative Plane-artigen Harmonien, mal durch die Grooves, die frühen Vampire nicht fremd sind. Natürlich darf da auch gerne der Name Niefelheim fallen.

Alles vorgetragen auf extrem hohem Niveau. In einem Moment rumpeln KROSSFYRE noch ordentlich, scheppern grobschlächtig, aber nie stumpf, durch das Uptempo, nur um im nächsten Moment den dicken Groove rauszuhauen. Mal eher getragen mit derben Friedhofsmelodien, im nächsten Moment etwas fetziger. Gerne auch mal polyphon mit zwei unterschiedlichen Gitarren-Harmonien und einem zusätzlichen Bass, der nicht nur stumpf den Rhythmus vorgibt. Ja, an manchen Stellen, wie beispielsweise im Titeltrack, darf der Tieftöner sogar melodieführend agieren.

So bauen sich die Lieder eigentlich immer schön auf, wechseln zwischen Ruppigkeit und Morbidität, explodieren abermals in totales Chaos oder spielen mit treibenden Beats. Immer düster, immer dreckig, immer ruppig und doch greifbar eingängig und mitreißend.

Einen Meilenstein liefern KROSSFYRE sicherlich mitnichten ab. Doch einen guten und kurzweiligen Einstand zwischen Speed, Thrash und Black Metal, der mit seiner Impulsivität und Harmonieführung mehr als gefällt, gar mitreißt und doch begeistern kann. Für mich persönlich eine starke Konkurrenz zu Possession, die ich definitiv im Auge behalten werde! Hoffentlich sind KROSSFYRE nicht nur ein Projekt der grandiosen Musiker sondern eine Band mit Zukunft.


6 Lieder / 20:09 Min.
15.09.2017 – Hells Headbangers Records (CD, LP, Download)

krossfyre.bandcamp.com
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Arroganz – Primitiv https://necroslaughter.de/2017/10/arroganz-pilgrim/ Mon, 23 Oct 2017 19:31:35 +0000 https://necroslaughter.de/?p=16481 Read more »]]> Wenn man es genau betrachtet, ist „Primitiv“ ein sehr spannendes Album in der Entwicklung von ARROGANZ. Auf der einen Seite führt es den bisher eingeschlagenen Weg der Band fort, deutet aber gleichzeitig in eine sehr eigenständige, spannende Richtung. Wer bisher gefallen an der Band gefunden hat, wird sich vielleicht etwas umgewöhnen müssen. Und wer sich für neue, experimentelle Wege des extremen Metals interessiert, wird hier vielleicht auch noch die ein oder andere Kröte schlucken müssen. Doch das ändert nichts an der interessanten Ausrichtung, die „Primitiv“ einschlägt.

Im Groben mag man die ARROGANZ-Trademarks der früheren Alben wiedererkennen. Die Cottbuser packen Death Metal mit einer Menge Black Metal und Doom zusammen und brauen daraus wieder ihren Bastard. Doch in bewusster Reduktion und Ausdehnung bekommt das neue Album deutlich anderen Charakter, als es beispielsweise „Tod & Teufel“ hatte.

Der plakative Album-Titel mag da irre führen. Zumindest Teilweise. Denn das eröffnende „Pilgrim“ nimmt den provokanten Titel im ersten Moment für bare Münze und kloppt erstmal relativ stumpf daher. Schnell aber wechselt der Song in einen schönen düsteren Slow-Down und erzeugt eine dichte Atmosphäre, deutlich geführt von Bass-Melodien.

„Obliviate“: ist dann der erste richtig interessante Song. Die Grundstimmung ist wesentlich dichter, fast schon melancholisch. Immer wieder gibt es dieses Aufbegehren, nur um dann wieder zurück den zähen Doom zu verfallen. Ein schneller Uptempo-Part mit coolen Harmonien bildet genau so eine angenehme Wendung, wie der episch getragene Teil, wo dichte Gitarren-Teppiche wieder mit Bass-Melodien interagieren und fast schon in den Neologismus Post-Death Metal reicht.
Hier spielen ARROGANZ deutlich ihre Stärke von _“Primitiv“
aus: die ausufernden langsamen Momente, die mit geschickter Variation kohärent im Fluss sind; rituelle Momente mit grobschlächtiger Wut kombinieren. Da kann steht auch „Strait Paths & Grave Walls“ in wenig nach, birgt mit manch schrulligen Riffs und dem leicht progressiven Ende sogar noch kleine Überraschungen. Oder auch das Highlight „Cortege“ nährt mit ähnlichen Elementen, bringt mehr Psychedelic und auch etwas mehr Death Metal in das Gesamtbild. Dennoch erkennt man auch hier wieder diese Ausbrüche in Post-artige Gefilde.

Ja, auch das abschließende „Sepulchral Cold“ knüpft fast an diese Glanzleistungen von „Primitiv“ an. Doch hier wird wieder mehr mit reduzierten, archaischen und abermals fast rituellen Motiven gearbeitet, nahe an der Grenze zum Drone. Die Atmosphäre ist fast beklemmend und steigert sich zum Ende zwischen Vokaleffekten und Gangshouts immer weiter, um dann derbe zu Enden.

An sich alles spannende und eigenwillige Ideen, die ARROGANZ deutlich von der Masse abheben. Leider trüben dann doch einige eher generische Riffs die ansonsten hervorragenden Ideen zwischen reduziertem und atmosphärischen Doom und kauzigen Riffs. So sticht besonders das eher rohe und punkige „Another God Dead“ eher negativ zwischen den anderen Liedern heraus. Doch ansonsten sind die störenden Passagen eher selten und verteilt über die Gesamtspielzeit von 40 Minuten (auf gerade mal 6 Songs).

So ist der eingeschlagene Weg durchaus interessant und macht Lust auf das nächste Album von ARROGANZ, ob Atmosphäre und Dunkelheit noch weiter ausgebaut werden, das eigene Profil der Band intensivieren. Schade, dass das Artwork in seiner Reduktion und Langeweile nicht der dargebotenen Musik gerecht wird. Da war der Vorgänger schon ansprechender.

Wie bereits zuvor gibt es das Album auf CD, LP und als Download über FDA Records. Wer ein Magnetband haben mag, bekommt dies über Defying Dagger Records.


6 Lieder / 40:46 Min.
29.10.2017 – FDA Records (CD, LP, Download) / Defying Dagger Records (Tape)

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