CRYPTAE – Heißt das im Wechselschluss, dass wir verstörende und unbequeme Menschen sind?


Das niederländische Duo CRYPTAE erschafft auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP eine einzigartige Herangehensweise an den Death Metal. Irgendwie abstrakt, aber dennoch roh und minimalistisch, düster und verstörend. Ich habe mich natürlich sofort verliebt in diese unbequeme Mischung aus Portal, Conqueror und Sunn O))).


1. Halo René, hallo Kees, vielen Dank für eure Zeit und Antworten. Es ist mir eine Freude, eine so einzigartige Band wie CRYPTAE in meinem Webzine zu haben. Da mittlerweile alle physischen Kopien eurer selbstbetitelten EP verkauft sind, wie zufrieden seid ihr denn mit der bisherigen Resonanz? Ich hoffe die digitalen Verkäufe laufen ähnlich gut?

Hi Chris! Danke für dieses Interview, wir sind sehr glücklich deine Fragen zu beantworten. Es ist verdammt unglaublich, dass die EP bereist ausverkauft ist. Nur ein paar Distros haben noch ein paar Demos, beispielsweise Season Of Mist USA und Dead Tank.

2. Nun, da CRYPTAE noch eine junge und unbekannte Band ist, müssen wir leider durch ein paar langweilige Standardfragen. Ich hoffe, ihr habt ein schönes kaltes Bier parat und seid bereit durch diese Pflichtübung zu gehen… Los geht’s: Erzählt uns wer ihr seid! Wie hat CRYPTAE angefangen? Wo kommt ihr überhaupt her? – Ich weiß, ihr kommt aus den Niederlanden, aber das weiß scheinbar metal-archives.com noch nicht.

Wir haben uns vor ein paar Jahren auf einem Musik-Festival in Amsterdam kennengelernt und Musik/Kunst getauscht. Ein paar Jahre später zog ich (Kees) in die gleiche Stadt wie René und wir haben angefangen gemeinsam rumzuhängen und Musik zu machen.

3. Warum habt ihr CRYPTAE als Namen gewählt? Ich nehme an, es ist der Plural des lateinischen Worts Crypta / Gruft?

Es klang halt einfach super… mehr ist es eigentlich nicht, wenn wir ehrlich sein sollen. Wir finden aber, dass es auch ganz gut zur Musik passt. Das Wort selber erscheint aber auch einen unheimlichen Einfluss auf unsere Musik und unsere Themen zu haben.

4. CRYPTAE besteht aus René Aquarius am Schlagzeug und Kees Peerdeman an Gitarre, Bass und Gesang. Habt hr keine anderen Musiker gefunden, die eurem unbequemen Weg folgen wollten? Oder wollt ihr alles eher klein halten, damit ihr eure einzigartigen Ideen auch so umsetzen könnt, wie ihr es geplant habt? Zu viele Köche verderben den Brei…

Eigentlich ist es Kees an der Gitarre und René übernimmt Drums und Gesang. Wir haben eigentlich mehr so spontan aus der Situation angefangen. René hat ein paar Drum-Tracks eingespielt und an Kees geschickt, der seine Gitarren dann daheim eingespielt hat. Marlon Wolterink vom White Noise Studio hat dann alles gemischt. Insgesamt hat es ungefähr eine Woche gedauert, entsprechend haben wir nicht darüber nachgedacht, ob wir weitere Mitglieder hinzufügen. Wir konnten einfach alles alleine machen, nur wir zwei.

5. Ich mag wirklich eure visuelle Komponente. Euer Band-Bild ist wirklich brillant. So simpel, düster und irgendwie unbequem. Es erinnert mich an die absurde Ästhetik von den australischen Portal, wie auch den Film Begotten. Für euer Logo habt ihr eine total verzerrte Typografie gewählt und für eure EP ein sehr abstraktes Artwork. Besonders der weiße Hintergrund ist irgendwie ein großer Kontrast zu eurer düsteren Musik. Sehr gut gemacht. Gibt es da ein tieferes Konzept hinter eurer visuellen Seite? Wer ist für die Umsetzung verantwortlich?

Kees macht alle Artworks. Die meisten Bilder stammen aus seinen Träumen. Da ist dieses immer wiederkehrende Thema, gefangen in geometrischen Beton-Formen zu sein. Das Weiß passt ebenfalls zu dieser Traumlandschaft, spielt aber auch gut mit unserem minimalistischen Herangehen an die Musik zusammen.

6. War eure selbstbetitelte EP eigentlich als Mini-Album konzipiert? Oder sollte es eigentlich mal eine Demo werden?

Eigentlich war es mal als Demo geplant. Wir hatten keine großen Pläne oder so was, sondern wollten es einfach nur raus hauen. Einfach ein Tape machen und es dann in unserem eigenen Netzwerk aus Bekannten und Freunden verteilen.

7. Wie seid ihr dann mit Sentient Ruin Laboratories in Kontakt gekommen, damit euer Tape dort erscheint? War das Kassettenformat eure erste Wahl oder gibt es vielleicht noch andere Formate irgendwann?

Mattia von SR hat irgendwie unsere Musik auf Bandcamp gehört und uns angeschrieben. Wir hatten eigentlich schon unsere eigenen Kassetten für einen DIY-Release bestellt, haben dann aber direkt storniert, als ein Label an uns interessiert war.

8. Wie ich in meinem Review erwähnte, höre ich da so einige Einflüsse aus eurer Musik heraus. Drones und Collagen-artiges Arbeiten, wie bei Sunn O))), die reduzierten Riffs wie bei Conqueror, Beherit oder Blasphemy, die Abschäulichkeit von Pissgrave und denn abgrundtiefen Horror, wie bei Portal. Alles zusammen formt irgend eine Form des Death Metals. Aber mit einigen Einflüssen aus Drone/Doom. Und irgendwie sehr abstrakt. Was sind eure Einflüsse und Inspirationen, die diesen sehr individuellen Stil formen? und wie würdet ihr selber eure Musik beschreiben?

Um ehrlich zu sein, wissen wir das gar nicht so recht. Wir haben einfach gespielt, was am besten für die Songs gepasst hat. Wir wollten nicht wirklich old-school oder zeitgenössischen Death Metal oder irgendwas machen. Wir wollten schlicht was rohes und chaotisches machen. Der abstrakte Ansatz kommt vielleicht von unseren anderen, experimentelleren Bands und Solo-Projekten wie Kees Peerdeman, René Aquarius, Dead Neanderthals und Celestial Bodies.

9. Mit euren minimalistischen und repetitiven Arrangements, wohl platzierten Stop’n Go-Momenten, einem ganzheitlich verzerrten Sound, sogar am Schlagzeug, erschafft ihr eine unbequeme, verstörende und albtraumhafte Klanglandschaft. Eine bösartige und unheilvolle Atmosphäre. War das eure Intention, euer primäres Ziel, als ihr CRYPTAE gegründet habt? Wie weit hatte das Einfluss auf das Resultat eurer EP?

Wie bereits erwähnt, ging alles ziemlich schnell. Wir haben definitiv nicht jeden Schritt in diesem Prozess geplant. Heißt das im Wechselschluss, dass wir verstörende und unbequeme Menschen sind? Wir wissen es ehrlich nicht…

10. Komprimiert auf eine viertel Stunde, ist eure EP sowohl abschreckend wie auch faszinierend. Abseits der reduzierten Elemente, hält sie mich interessiert, unterhalten und neugierig. Sie erfüllt mich mit Unbehagen und einer verstörenden Freude. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass euer Sound deutliche Abnutzungserscheinungen bei einem Album mit voller Spielzeit bekommen könnte. Was sagt ihr zu dieser Vermutung? Wollt ihr in Zukunft überhaupt so was wie ein Album raus bringen oder seht ihr CRYPTAE eher als eine Band für EPs und Splits? Oder ist die Band vielleicht nur ein abstraktes Experiment, ein Projekt, das gar nicht designt wurde, um lange zu leben und Alben zu veröffentlichen?

Wir nehmen die Dinge, wie sie kommen. Wir versuchen da offen für alles zu sein. Das wichtigste für uns ist immer noch die Passion die wir fühlen, wenn wir Musik machen. Das nächste Album mag dann zwei Sunden dauern oder auch nur zwei Minuten. Was auch immer in jenem spezifischen Moment am besten passt.

11. Denkt ihr, dass euer eigensinniger Stil viele Fans in der Death Metal Szene finden wird? Für mich ist eure Musik zu abstrakt und häßlich für den üblichen Metal Blade oder Nuclear Blast-Kunden. Ja, wahrscheinlich auch zu dreckig für Fans von eher traditionellem Rotten Death Metal im Stil von Autopsy, Incantation oder Immolation. Wie war denn bisher das Feedback von Fans und Medien – so abseits von den Verkaufszahlen?

Die Schublade „Death Metal“ ist eigentlich nur ein Werkzeug, damit Leute einfacher über unsere Musik sprechen können. Ich hoffe, die Leute kaufen unser Tape, weil sie eine aufrichtige Passion für extreme Musik haben, wie wir sie machen. Wir wissen nicht viel über die Hintergründe unserer Hörer, aber „extreme Musik“ ist ein weites Feld. Entsprechend können wir uns auch vorstellen, dass Leute aus allen Ausrichtungen irgendetwas in unserer Musik finden, was sie mögen. Wenn die Leute die Kassette aber nur kaufen, um trendy und edgy zu sein, ist das natürlich auch in Ordnung. Soweit waren die Rückmeldungen aber überraschend gut.

12. In einem anderen Interview sagtet ihr, dass CRYPTE zu beschäftigt für Shows sei, weil andere Bands, Familien Arbeit und Freizeit zu viel Zeit beanspruchen. Interessiert wärt ihr aber dennoch? Was ist notwendig, um euch doch mal auf die Bühne zu bekommen? Vielleicht für so eine einmalige Show?

Sag niemals nie. Aber eigentlich hatten wir Auftritte gar nicht im Sinn, als wir die Band gestartet hatten. Wir müssten wahrscheinlich jemanden finden, der live den Gesang übernimmt, weil René sich vollständig auf sein Schlagzeug konzentrieren will.

13. Da ihr nun euren ersten Eindruck in der Szene hinterlassen habt, was sind eure weiteren Ziele für 2018? Wollt ihr euren Sound weiter entwickeln oder erst mal beim aktuellen Status bleiben?

Wir arbeiten bereits an neuem Material. Doch zuvor müssen wir erst mal andere Projekte von uns zu ende bringen.

14. René, Kees, vielen Dank nochmal für eure Zeit und Antworten. Da dies das Ende des Interviews ist, lasst doch bitte die abschließenden Worte an meine Leser und vielleicht auch eure Fans.

Danke Dir für das Interview. Wir lassen euch alle mit diesem Zitat des Autoren J.G. Ballard zurück:
„Memories have huge staying power, but like dreams, they thrive in the dark, surviving for decades in the deep waters of our minds like shipwrecks on the sea bed.“


cryptae.bandcamp.com
facebook.com/Cryptae