Under The Church – Supernatural Punishment

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UNDER THE CHURCH sind im Underground durchaus keine Unbekannten mehr. Zum einen tobt die schwedische Band bereits seit 2013 durch die Szene, hat mit Demo, EP oder dem letzten Album ordentlich Rabbatz gemacht. Und zum anderen dürfte auch die alte Band der beiden Hauptmitglieder Lars Henriksson und Eric Qvick für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt haben: Beide waren zuvor bei Nirvana 2002, die wohl auch zu den Vorreitern des berühmten schwedischen Death Metals zählen.
Dennoch sind UNDER THE CHURCH bisher mehr oder minder an mir vorbeigegangen. Klar, man hat hier und dort mal reingehört, aber so richtig mitgerissen hat mich bisher nichts. Nun kommt allerdings „Supernatural Punishment“, das zweite Album der Band und haut mich total um.

Das neue Line-Up trägt vielleicht zu der überwältigenden Wirkung der neuen Scheibe bei. Mit im Boot sind diesmal Eric Wallin, der auch bei Nirvana 2002 dabei war und auch bei Merciless spielt, Marcus Klack von Morbid und Eric Sahlström von General Surgery oder Crucifyre. Und gerade der markante Eindruck von Sahlströms Gesang erlaubt nun massive Vergleiche zu Crucifyre, zwängt sie förmlich auf. Das ist an dieser Stelle jedoch ein Pluspunkt. Zumindest für mich, liebe ich diese Band doch sehr. „Supernatural Punishment“ aber nur als Kopie von „Infernal Earthly Divine“ oder „Black Magic Fire“ zu bezeichnen, wäre eine infame Falschaussage. Denn trotz der gleichen Ausrichtung, klassischer Death Metal mit deutlichen Wurzeln im Thrash Metal und Bezügen zur ersten Welle des Black Metals, agieren beide Bands doch latent unterschiedlich.

Dazu darf man auch gerne dem Promo-Zettel glauben: „‚Supernatural Punishment‘ is undoubtedly the most diverse UNDER THE CHURCH record to date, but still keeping that razor-sharp Swedish Death Metal attack done the right way.“
Auch wenn mir vielleicht die Kompetenz fehlt, um diese Aussage gegen die Diskografie von UNDER THE CHURCH zu untermauern, kann ich nur bestätigen: Es ist ein verdammt abwechslungsreiches Album geworden. Von schnellen und grobschlächtigen Death Metal-Brechern wie dem ungehobelten „Vitalizing Funeral“ oder dem dreckigen „Staircase To Hell“ zu deutlich punk-angehauchten Skank-Beats mit entsprechenden Lead-Gitarren in „Ancient Ritual“ zu morbidem, fast schon melancholischem Death/Doom im abschließenden „Silence Of The Shadows“, passiert eine Menge auf „Supernatural Punishment“. Immer wieder finden sich Zitate an frühe Slayer, Hooklines, wie sie Venom durchaus gebracht hätten, Riffs, wie man sie von Carnage, Nirvana 2002, frühen Dismember oder Entombed durchaus erwartet hätte. Alles gut transponiert in das Hier und Jetzt. Ohne zu irgendeiner Sekunde stumpf auf dieser Swedeath-Rip-Off-Geschichte zu reiten. Sondern immer authentisch und auf den Punkt.

Dazu kommt, wie schon gesagt, der Gesang von Sahlström, der immer wieder griffige und mitsingbare Refrains raushaut, den Hörer unweigerlich zwingt die Faust zu recken und mitzubrüllen. Immer wieder hauen die Gitarren mörderische Grooves raus und laden nicht selten zum morbiden Boogie-Woogie ein, ohne dabei aber an Glaubhaftigkeit und Attitüde zu verlieren. Naja, bis auf die kurze Eröffnung von „Ancient Ritual“. Doch dieser kleine Ausrutscher ist spätestens mit dem Solo am Anfang von „Crypt Of Pelvises“ wieder vergessen. Denn hier fällt gleichzeitig auch auf: „Supernatural Punishment“ beginnt als gutes Album. Aber es steigert sich nochmals in der zweiten Hälfte.

Dazu ein richtig gutes Cover von Mattias Frisk, das in Anlehnung an die Hochzeiten des Genres schön morbide Organik mit Übernatürlichkeit und Friedhofsromantik kreuzt. Ein perfektes Titelbild für dieses ranzige, rohe und dennoch griffige Stück Death Metal. Ein großartiges Album – das durchaus auch ohne das anfänglich genannte Namedropping und Vergleiche zu anderen Bands hervorragend funktioniert.


9 Lieder / 30:02 Min.
Pulverised Records (CD, Download) – 10.11.2017

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