Im Interview: das Krachmanifest

 

Katja und Rayk sind keine unbekannten in der Szene. Mit dem Krachmanifest haben sie nun endlich ihr eigenes Fanzine am Start und uns in 2017 sogar bereits mit zwei Ausgaben beglückt. Das soll aber auch schon genug der Vorworte sein, den Rest gibt es im ausführlichen und intensiven Gespräch mit den beiden.


1. Ahoi Katja, ahoi Rayk! Willkommen zurück beim NecroSlaughter. An dieser Stelle mag ich vielleicht einfach mal eine Klarstellung an meine Leser hinterlassen: Wir sind schon länger in Kontakt und ihr beide habt bereits den ein oder anderen Artikel bei mir publiziert. Sozusagen betreiben wir gerade ordentlichen Underground-Inzest. Doch geht es hier nicht um Eigenwerbung, sondern dediziert um euer ganz eigenes Unterfangen, das Krachmanifest. Nachdem die großen Spieler in der Szene mittlerweile das Segel gestrichen haben, seit ihr für mich die großen Hoffnungsträger – neben dem etwas Genre-übergreifenden Newcomern vom Trvefrykt. Und das meine ich an dieser Stelle ganz objektiv – wenngleich unser Geklöngel da etwas anderes vermuten lässt. Aber genug der Stellungnahme. Kommen wir zum unterhaltsamen Teil. Nehmt euch ein kaltes Bier, legt euch eine gute Scheibe auf den Plattenspieler und wir können loslegen! Ihr habt gerade eure zweite Ausgabe frisch veröffentlicht. Wie war denn bisher die Resonanz?

Katja: Hallo Chris, zuerst mal vielen Dank an dich für die Einladung zum Interview! Wir haben uns riesig gefreut, und es ist uns eine Ehre, deine (nebenbei bemerkt verdammt interessanten) Fragen zu beantworten. Anstatt Bier steht hier ein italienischer Rotwein bereit, ich hoffe, das ist jetzt nicht rufschädigend, hehe… Als Beschallung läuft im Moment Antlers, das passt immer! Und was das Thema Eigenwerbung und Klüngelei angeht: Was wäre der Underground ohne Inzest und Vetternwirtschaft?! Der Kreis der wirklich aktiven Leute ist doch eher begrenzt, so dass man irgendwann zwangsläufig übereinander stolpert, und da finde ich gegenseitige Unterstützung eine ganz natürliche Sache.

Rayk: Salute Chris, da klinke ich mich doch gleich mal mit ein. Coole Sache, dass wir beide jetzt mal auf der anderen Seite sitzen dürfen, und wir schauen mal, was du für uns Schönes vorbereitet hast. Um auf deine Frage zurückzukommen, wie es um die Resonanz zu unserem Heft bestellt ist, könnten wir ehrlich gesagt nicht glücklicher sein, denn schon bei der ersten Ausgabe haben wir wirklich verdammt gute Reaktionen erhalten, was sich jetzt noch mal mit der aktuellen Ausgabe Nr. 2 ein ganzes Stück verstärkt hat. Und das, obwohl wir in diesen ach so tollen, angesagten, „hochnotwendigen“ sozialen Medien, die heutzutage so lebenswichtig (hüstel, hüstel) sind, nicht mit von der Partie sind. Wir mögen diese gewisse Abgeschiedenheit und dieses hinterwäldlerische „offline sein“ einfach.

Katja: Wir haben viele Leser, die uns ein Feedback zum Heft geben, was wir schon mal prinzipiell klasse finden, denn so ein persönlicher Kontakt ist einfach unheimlich viel wert. Die ersten Reviews sind auch schon da, und wir sind schon fast ein bisschen rot geworden, als wir die gelesen haben, hehe. Auch der Verkauf läuft sehr gut an, man kann also sagen, wir sind rundum zufrieden.

2. Der ein oder andere weiß es bereits: Ihr seit nicht unbeleckt, was journalistische Arbeit angeht. Zuvor habt ihr gemeinsam seit anbeginn beim Hammerheart geschrieben, Rayk hat mitunter beim Campaign For Musical Destruction den werten Gerste unterstützt, der nun wiederum bei euch auch dabei ist. Doch zu diesem Thema später mehr. Und ja, selbst den Ausflug in die Digitale habe ihr beide bei mir geleistet. Rayk mit vielen Reviews, zusammen mit Konzert- und Festival-Berichten und einzeln auch mit ein paar Interviews. Teilweise geschah das noch zu Lebzeiten des Hammerhearts. Aber ein großer Teil geschah auch nach dem Ableben der Fanzine-Institution. Was hat euch schlussendlich dazu bewogen, etwas eigenes zu starten? Ein paar Alternativen im gedruckten Sektor gibt es ja immer noch, und auch die Möglichkeit im Internet ein weiteres Webzine zu eröffnen wäre durchaus gegeben gewesen. Doch es wurde das Krachmanifest.

Rayk: Wie du schon richtig erkannt hast und weißt, schreiben wir schon eine ganze Weile über Musik. Mit dem Hammerheart fing eigentlich alles erst so RICHTIG an, denn da waren wir immerhin vom Anfang bis zum Finale mit dabei. Und das war schon mal ein guter Punkt, tiefer in diese Materie einzutauchen. Denn für uns war es immer wichtig, dass wir mehr als nur reine Konsumenten von Musik sein wollen. Und da wir es nun mal niemandem zumuten wollen, wie wir an Instrumenten klingen würden, da wir keinerlei Rhythmusgefühl besitzen, haben wir gedacht, versuchen wir es mal mit Schreiben. Ich lese schon seit was weiß ich wie vielen Jahren DIY-Zines, und das eben nun mal in gedruckter Form weitaus lieber als online. Ich glaube, das ist einfach so eine Macke, die man als Lese-Freak, der auch Bücher liest, so mitbringt. Denn mal ehrlich, kaufst du dir Schallplatten, dann hast du ja im Endeffekt auch irgendwie ein Beiblatt dabei zum Lesen, und das hinterlässt bei mir weitaus mehr Eindruck als ein Online-Zine oder eine digitale Kopie. Natürlich liegen die Vorteile eines Online-Zines klar auf der Hand. Allerdings musst du dann wiederum permanent am Ball bleiben und stetig was Neues präsentieren, und das ist ja bei einem gedruckten Heft eben nicht ganz so wichtig bzw. fast unmöglich. Und somit schließt sich auch der Kreis mit dieser Frage, denn genau das war uns beiden von vornherein klar: Wenn wir überhaupt irgendwas machen wollen, dann sollte es etwas sein, was wir in den Händen halten können. Und außerdem haben Zines in der heutigen Zeit auch eine gewisse Art von Kauzigkeit und Trotzigkeit, was ich durchaus sehr mag. Und somit stand ein eigenes Webzine zu machen nie zur Debatte.

Katja: Zu Lebzeiten des Hammerhearts wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, ein eigenes Zine auf die Beine zu stellen. Ich habe mich als Mitschreiberin beim Hammerheart immer sehr wohlgefühlt, es war einfach ein geiles Heft, mit dem ich mich identifizieren konnte. Und von Anfang an mit von der Partie zu sein ist natürlich was anderes, als irgendwann irgendwo als Gastschreiber einzusteigen… Als Herausgeber Chris uns verkündete, dass er das Hammerheart endgültig beerdigen will, war das erst mal ein kleiner Schock, da ich gerade in dieser Phase mit vollem Enthusiasmus schreiberisch bei der Sache war. Mein erster Gedanke war dann auch, bei irgendwelchen anderen, bereits bestehenden Zines mitzumachen und meine Beiträge unterzubringen, Möglichkeiten hätte es auf jeden Fall gegeben. Aber irgendwie wäre das eben nicht das gleiche gewesen. Trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Mir war bewusst, dass da neben der reinen Textarbeit noch ein ganzer zusätzlicher Berg an Aufgaben auf uns zukommt – das Layout muss gemacht werden, man muss schauen, wie und wo man die Sache druckt oder kopiert, es muss ein Cover her, die fertigen Hefte müssen an die Leute gebracht werden…. Das sah erst mal nach einer riesigen Herausforderung aus. Schließlich konnte mich aber Rayk mit seinem Enthusiasmus anstecken. Außerdem haben uns auch viele Freunde und Bekannte in diesem Vorhaben ermutigt. Letzten Endes bin ich verdammt froh, dass wir einfach mal den Sprung ins kalte Wasser gewagt haben!

Rayk: All die Zeit und auch das Geld, was man in dieses Projekt, ein eigenes Heft zu kreieren, reinsteckt, sind es wert – jedenfalls für uns. Es macht wirklich verdammt viel Spaß, sich nach einem stressigen Arbeitstag dennoch hinter die Flimmerkiste zu hocken und noch etwas für sich sinnvolles und positives zu tun. Und ja, als Hammerheart-Chris nach zehn Ausgaben aufhörte und uns mitteilte, dass definitiv Schluss ist, war das schon erst mal ein recht merkwürdiger Moment für uns. Obwohl ich schon ab der Ausgabe sieben mit mir gerungen habe aufzuhören, eben weil es mir von den Bands her kaum noch behagte, konnte ich aber nie so recht von dem Heft lassen, einfach weil ich nach wie vor Spaß am Schreiben habe, aber auch weil Hammerheart-Chris ein wirklich teamfähiger Chef war, der die Leute regelrecht mitreißen konnte, und das war für mich mindestens genauso wichtig. Das Lustige und Skurrile an der Sache ist: Wenn ich mich recht erinnere, waren gerade mal drei oder vier Monate nach dem Hammerheart-Ende ins Land gezogen, da langweilte es uns schon, dass wir von jetzt auf gleich weder Interviews noch irgendwelche Reviews schreiben konnten.

3. Die Idee eines eigenen Fanzines ist bei Dir, Rayk, ja nicht neu gewesen. Ursprünglich schriebst Du mir mal vom Grind-Gorilla. Zugegeben, der Name hätte bereits einen engeren Fokus gesetzt. Ist dieses Projekt zugunsten des doch eher weiter gefassten Kachmanifest gestorben? Oder war das lediglich ein Arbeitstitel, der am Ende im Krachmanifest seine Veröffentlichung fand?

Rayk: Hehe, ja, das stimmt. Ich hatte tatsächlich vor, ein eigenes Zine namens Grind Gorilla zu starten, ohne dass da jemand mit von der Partie ist. Und ich hatte auch schon damit angefangen, sowohl Reviews zu schreiben als auch mit den ersten drei oder vier Interviews loszulegen. Ich machte Stück für Stück weiter, bis uns dann irgendwann unser alter Rechner komplett abkackte und alles, was ich fürs Grind Gorilla bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatte, komplett gelöscht war. Super Sache. Das hat mich dann so angekotzt, dass ich das Thema Grind Gorilla relativ schnell für beendet erklärte, und im Nachhinein war es wirklich gut so, denn ich will mir gar nicht ausmalen, wie dieses Heft ausgesehen hätte, wenn ich mich komplett alleine am Layout versucht hätte, haha. Nein, ein Arbeitstitel war das in Bezug aufs spätere Krachmanifest in keinster Weise. Denn zwischen diesen beiden Ideen liegen einige Jahre. Und das, was wir jetzt zusammen mit dem Krachmanifest so treiben, hätte ich nie so hinbekommen, von daher war es schon ganz gut, dass alles so kam, wie es kam…

4. Das führt eigentlich zu der Frage, wie ihr für eine neue Ausgabe vorgeht. Beim Trvefrykt weiß ich, dass die schon irgendwie einen Plan haben, was ins Heft kommt, und was online publiziert wird. Da ihr aber nicht zweigleisig fahrt, ist die Frage eher: Wie selektiert ihr, über welche Bands ihr schreibt? Welche Kriterien müssen zutreffen, damit ihr eine Band interviewt? Und schreibt ihr über jedes Album, dass ihr euch kauft, oder filtert ihr hier auch nochmal gesondert?

Katja: Selektieren und filtern klingt sehr geplant und durchdacht, wir entscheiden sowas eigentlich eher aus dem Bauch raus. Es gibt da auch keinen Masterplan à la fünf Metal-Bands und fünf Grind-Bands oder so… Wir interviewen die Bands, die uns persönlich interessieren. Wichtigstes Kriterium ist natürlich erst mal, dass einem die Musik zusagt. Aber bei mir muss eine Band auch irgendwie noch ein gewisses „Extra“ haben, was mich reizt, was aber schwer zu definieren ist. Oft ist es so, dass ich z.B. zusätzlich zur Musik auch die Texte gut finde. Letzten Endes muss ich einfach das Gefühl haben, dass mir zu dieser Band auch genügend interessante Fragen einfallen.

Rayk: Echt jetzt? Bei Nino vom Trvefrykt gibt es schon vorher einen Plan, was ins Heft an Interviews kommen soll? Das ist ja schon fast professionell. (Ja, schau einfach mal in mein Interview bei Frage 8 – Anm. Chris) Puh, nee, sowas gibt’s bei uns nicht. Wir wissen zu dem Zeitpunkt, wo wir mit einer neuen Ausgabe anfangen, noch nicht, welche Bands am Ende alle im Heft landen werden, ich finde das macht auch den Reiz aus. Katja und ich diskutieren darüber, welche Bands/Alben von den geschätzten Tausend gekauften/getauschten Sachen wir für interessant erachten, die in die nähere Auswahl kommen und eventuell für ein Interview taugen würden. Aber wie Katja oben schon angemerkt hat, ist neben der Musik auch das ganze Drumherum wichtig. Zweites Kriterium, was ebenfalls für mich einen nicht unerheblichen Teil ausmacht, ist, wie die Band textlich aufgestellt ist bzw. wie ihre Einstellung zur Musik als solches ist. Sprich, sie muss einfach etwas haben, was es uns wert ist, im Heft zu landen. Hehe, Chris, nein, es ist nahezu unmöglich, über alle Tonträger, die ich Blödi mir übers Jahr verteilt zulege, auch noch ein Review zu schreiben. Denn das würde den Platz komplett sprengen. Schlussendlich filtere ich wenigstens in diesem Sinne etwas aus, sprich, was nur „okay“ ist, bleibt draußen, was richtig beeindrucken kann und mich umhaut, muss natürlich im Krachmanifest beschrieben werden, is klar. Aber da ich nach wie vor selber viel Zines lese und es auch immer wieder interessant ist, auch mal ein weniger positives Review zu lesen, werden wir daran festhalten, dass es, wenn auch nur vereinzelt, ein paar richtig schöne Verrisse hagelt. Denn dies lockert die ganze Sache etwas auf. Und ich denke, mit dieser Schiene fahren wir ganz gut, auch wenn ich mir, ehrlich gesagt, mit meinem Geschreibe nicht immer Freunde mache. Aber damit muss ich leben. Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Katja: Wobei ich nicht sagen würde, dass wir nur die „mittelmäßigen“ Scheiben nicht reviewen. Bölzer ist bei uns beiden dieses Jahr z.B. hoch und runtergelaufen, aber wir hatten beide nicht das Bedürfnis, zur aktuellen Scheibe was zu schreiben. Vielleicht, weil die eh schon überall gefeiert wurde, da müssen wir nicht auch noch die tausendste Lobeshymne schreiben. Einige unserer gekauften Sachen fallen auch durchs Raster, weil sie z.B. einfach zu alt sind…

5. Ein Printzine unterscheidet sich maßgeblich von einem Webzine. Im Internet hat man einmal ein Theme, also ein Layout, das konsequent verwendet wird. Für den Druck muss alles vorher erst mal gesondert aufbereitet werden. Sofern man nicht so was wie die Auszeichnungssprache LaTex programmieren kann, ist das eine Menge Handarbeit. Wer von euch beiden Macht das? War die Einstiegshürde im Vorfeld hoch, oder hattet ihr bereits Erfahrungen mit DTP-Software? Ich kann nur wiederholen, ich fand die erste Ausgabe sehr gut. Und ich sehe auch eine deutliche Steigerung im zweiten Heft.

Katja: Für die Handarbeit bin ich zuständig, auch wenn Rayk mir oft über die Schulter schaut und wirklich eine Menge Ideen mit einbringt. DTP-Software? Ganz ehrlich? Ich mache das Layout völlig unprofessionell in Word, haha.

Rayk: Also in Sachen Heftgestaltung (und andere Feinheiten), für diesen Part ist Katja zuständig. Das liegt mir einfach nicht, ich bin derjenige, der lieber zwischenreinquatscht und mit irgendwelchen bescheuerten Verbesserungsvorschlägen um die Ecke kommt, nach dem Motto: da noch einen Rahmen und dort noch ein schräges Bild einbauen und hier noch was Nacktes… Aber ich glaube, selbst bei dieser Arbeitsweise ergänzen wir uns sehr gut, sprich, auch wenn Katja den Großteil layouttechnisch alleine macht, würde das Krachmanifest, wenn es ihr alleiniges Heft wäre, mit Sicherheit eine Ecke anders aussehen. Und genau das ist ja auch das Interessante an der Zusammenarbeit, sprich, zweimal perfektes Halbwissen ergibt ein Ganzes, oder so ähnlich.

Katja: Die Einstiegshürde war in der Tat sehr hoch, und das Thema Layout lag mir anfangs sehr schwer im Magen. Das war mit ein wichtiger Grund, warum ich mich erst nicht so recht an ein eigenes Heft heranwagen wollte. Ich weiß, es ist völlig daneben, ein Layout in Word zu machen, aber ich finde, dafür ist das Ergebnis doch ganz ordentlich geworden, haha. Was Rayks Verbesserungsvorschläge angeht, haben die mich zwischendurch schon fast zum Ausrasten gebracht, da er sich immer irgendwelche tollen Ideen ausdenkt, die aber mit meinen eingeschränkten Möglichkeiten/Fähigkeiten nicht so ohne weiteres umzusetzen sind. Aber ich denke, wir kommen da mittlerweile auf einen guten gemeinsamen Nenner, hehe.

6. Eine gedruckte Publikation lebt stark von der visuellen Komponente. Ein Webzine hat – wie gesagt – ein relativ repetitives Template. Ein gedrucktes Fanzine kann Dynamik genießen. Unterschiedliche Typografien, unterschiedliche Layouts. Das reicht vom Cut’n Paste-Style, den der Gerste beim CFMD gefahren hat, hin zum ranzigen Scribble-Style des Necro-Gay-Niacs zu der unglaublich ansprechenden sepulchral-ästhetik des From Beyond oder der Art Decor-Optik eines Soleil Trystes. Doch ihr habt euch für ein relativ aufgeräumtes Layout entschieden, leserliche Schriften und ansprechendes Whitespacing….

Katja: Wie man aus der vorherigen Antwort wohl schon ein Stück weit herauslesen kann, hängt das aufgeräumte, sprich, nicht zu überladene Layout ein Stückweit einfach mit den begrenzten Fähigkeiten zusammen. Ich halte es lieber einfach, anstatt mich an irgendwelchen abgefahrenen Spielereien zu versuchen und dabei dann kläglich zu scheitern. Auf der anderen Seite stehe ich aber auch einfach auf sowas wie Leserlichkeit. Zu abgedrehte Schriftarten oder aber Hintergrundbilder, vor denen der Text kaum noch zu lesen ist, stören mich eher. Klar hat ein chaotisch abgefucktes Cut-and-Paste-Layout auch seinen Reiz, da mag ich es dann auch mal total überladen und schräg. Aber ich persönlich habe da einfach eine andere Herangehensweise.

Rayk: Ja, die Optik eines Zines ist nicht unwichtig. Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen und Prioritäten. Für uns standen, als wir das Krachmanifest ins Leben riefen, ein paar Eckpfeiler fest: sprich, relativ einfaches, aber gut lesbares Layout, was weder plump noch zu brav erscheinen sollte. Während das Layout beim Hammerheart eine ganz andere Hausnummer war und einfach zum Heft passte, war das etwas, was wir beide zum einen ohnehin nie hinbekommen hätten, zum anderen aber auch einfach nicht wollten, da es einfach weder zum Namen noch zum Inhalt gepasst hätte. Natürlich könnte man uns ankreiden, unser Heft würde ein bisschen zu „typisch deutsch“ aussehen, so nach dem Motto, alles sehr sauber und ordentlich. Aber damit können wir leben, und ich glaube, es wäre weitaus bescheuerter von uns, einen auf cool zu machen mit ach so verschachtelten Layout-Spielereien, wo wir uns dann mehr an der Optik aufhalten anstatt mit dem Inhalt. Ich denke, wenn wir irgendwann mal soweit sein sollten und darauf Bock haben, werden wir sicherlich auch sowas mal ausprobieren. Aber ich denke, wir haben da fürs erste dem Krachmanifest ein gewisses Gesicht gegeben, mit dem man sich, glaube ich, nicht nur nachts raustrauen kann, haha.

Als Hintergrundbeschallung läuft gerade Tchornobog…, sehr geiles Album.

7. Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer und findet Kritikpunkte, die man beim nächsten Mal verbessern will. Doch wie schaut das konkret bei euch aus? Seit ihr mittlerweile fit darin, ein Heft zu layouten und druckfertig zu bekommen? Wo seht ihr Potential, dass ihr beim nächsten Mal etwas anders oder gar besser machen könntet?

Katja: Ich denke, von der ersten zur zweiten Ausgabe haben wir uns auf jeden Fall in punkto Layout ein Stückchen steigern können. Einfach weil das bei der Nummer eins noch komplett neu war. So langsam bekommt man dann ein bisschen Routine, merkt, wie man gewisse Macken von Word austricksen kann und was es noch so an Möglichkeiten gibt. Man traut sich dann auch einfach eher, ein bisschen was auszuprobieren und rumzuspielen. So ein paar Arbeitsabläufe hinter den Kulissen konnten wir sicher auch optimieren, z.B. haben wir uns dieses Mal etwas frühzeitiger drum gekümmert, unsere Flyer drucken zu lassen. Mit der aktuellen Ausgabe bin ich momentan noch rundum zufrieden, und ich denke, wir müssen das auch noch etwas sacken lassen, bis wir über irgendwelche Dinge stolpern, die wir anders und besser machen wollen. Oder vielleicht wage ich mich doch mal an ein ordentliches Layout-Programm ran??? Aber jetzt hab ich mich gerade so schön in Word eingefuchst, hehe….

Rayk: Also ich finde es jedenfalls Killer, wenn man so Sachen wie das „Word“ für sich so herrlich zweckentfremden kann. Auffällig ist natürlich ab der zweiten Ausgabe, dass wir nicht mehr ganz so viel Platz verschwenden wie in der Nr. 1, siehe Seitenränder. Was deine Frage angeht, was wir vielleicht noch verbessern könnten. Eine Sache wäre vielleicht, dass ab Nr. 3 der Heftpreis aufs Cover bzw. in den Innenteil wandert. Da hatten wir irgendwie noch gar nicht dran gedacht. Aber wir haben gemerkt, wenn das Heft mal auf Konzerten ausliegt, war immer die Frage, was das Heft wohl kostet. Das wäre jetzt das, was mir spontan zu Neuerungen einfällt. Und die Bildercollage auf dem Backcover, da gibt es sicherlich auch noch ein paar Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf eine lockere, passendere Zuschneidung der Bilder, sprich, so wie man es von älteren LP-Beilegern kennt, die richtig verschachtelt wirken.

8. Gab oder gibt es eigentlich andere Fanzines, die euch visuell inspirieren und wo ihr irgendwann mal optisch hin wollt? Oder habt ihr „euren“ Stil gefunden und konzentriert euch lieber mit der Hauptarbeit auf den Inhalt?

Katja: Zum einen muss ich sagen, dass mir persönlich tatsächlich der Inhalt immer wichtiger ist als die optische Aufmachung. Sowohl als Leser anderer Zines als auch bei unserem eigenen Heft. Trotzdem ist es natürlich noch schöner, in einem guten Fanzine zu blättern, das auch noch eine besondere optische Aufmachung hat. Da gibt’s natürlich schon immer wieder coole Blickfänger. Das geht von cool gemachten Chaos-Schnipseleien bis hin zu aufgeräumt professioneller Ästhetik. Ich könnte jetzt allerdings nicht sagen, dass es ein spezielles Heft gibt, an dem ich mich optisch orientieren würde. Da lasse ich mich wohl eher unbewusst beeinflussen und inspirieren. Beim Krachmanifest ist mir letzten Endes wichtig, dass der Text gut lesbar ist und nicht unter irgendwelchen halbgaren Spielereien leidet. Wir haben z.B. mal stellenweise mit irgendwelchen Hintergrundbildern experimentiert (da bin ich ohnehin sehr skeptisch!), haben das aber sehr schnell wieder verworfen.

Rayk: Ein direktes Zine, wonach wir uns richten, gibt es nicht. Wir machen einfach mal drauflos und lassen uns von unseren Ideen und unserem Bauchgefühl leiten und hoffen, dass am Ende was einigermaßen Brauchbares rum kommt. Und das, was man bisher von uns zu sehen bekam, war das Ergebnis irgendwo in der Mitte von den Zines, die wir bisher gelesen und gut gefunden haben. Spontan fällt mir das Mystical Music Zine in seinen Anfängen (gerade die Ausgaben 1 bis 10) von Hauber ein, was eine ähnliche Optik hatte. Das wäre jetzt für mich persönlich ein Heft, wo ich sagen würde, wenn unser Heft mal so aussehen würde/könnte, wäre das echt cool, weil ich der Meinung bin, das würde auch gut zu unserem Heft passen. Sobald es ein Zine gab, wo die Interviews originell als auch schön locker zu lesen waren, aber das Layout mir zu sauber, zu professionell war, hatte ich relativ schnell kein Interesse mehr dran. Weil dies nicht der Art von DIY und Underground-Charme entspricht, wie ich es verstehe. Ich finde, ein DIY Zine kann und sollte auch immer ein Stück weit etwas Kantiges, sprich, Unangepasstes mit sich bringen, denn diese dreckige Ästhetik und dieses schmutzige Flair und das teils Unperfekte unterstreicht eben auch ein Stück weit die Musik. Denn ein super aufgepimptes Zine zu einem Musikstil, der tief im Underground verwurzelt ist, das passt für mich irgendwie nicht zusammen. Wir sind ja hier nicht in der Popmusik.

9. Gehen wir mal auf den Inhalt des Krachmanifests ein. Eure Interviews sind doch sehr persönlich und intensiv. Das wirft natürlich die Frage auf, wie ihr da vorgeht. Zuweilen erinnern mich einige Gespräche an den Kollegen Ipp, der richtige Dialoge mit seinen Gesprächspartnern geführt hat. Denn teilweise sind eure Interviews auch sehr verknüpft zwischen Antwort und Folgefrage. Führt ihr da wirklich ein Gespräch, egal ob nun via Telefon oder Mail, wo jede Frage einzeln an die Bands gehen, oder schickt ihr dann Folgefragen nach der Beantwortung eines Katalogs erneut hin? Oder entwickelt sich das alles aus dem kontinuierlichen Kontakt?

Rayk: Wir haben bisher alle Interviews immer via Emailverkehr geführt, da wir beide definitiv keine Freunde von Telefoninterviews sind. Viele Telefoninterviews, die ich bis jetzt las, waren immer zum Smalltalk verdammt, was je nach Band/Interviewpartner sehr interessant sein kann, aber manchmal auch regelrecht einschläfernd bis grottenlangweilig zu lesen ist. Und da mir persönlich nicht unbedingt so spontane Gegenfragen bzw. neue Fragen in den Schädel kommen würden, eignet sich das für mich nicht wirklich. Zumal ein per Email geführtes Interview auch seine Vorteile hat, denn somit können beide Parteien sich genügend Zeit lassen und dementsprechend antworten. Allerdings haben wir jetzt beim Kriegszittern Interview mal etwas Neues ausprobiert…

Katja: Wir sind eigentlich immer nach dem altbewährten Schema vorgegangen, einer Band eine Fragenliste am Stück rüberzuschicken, in seltenen Fällen haben wir noch wenige einzelne Fragen nachgeschoben. In der Regel funktioniert das erstaunlich gut, was wir natürlich auch unseren Interviewpartnern zu verdanken haben, die sich oft verdammt viel Mühe geben und sich in ihre Antworten genauso reinknien wie wir in unsere Fragen.

Rayk: Allerdings passiert es auch mal, dass man an richtig maulfaule Helden gerät. Da fallen mir gerade Sun Worship ein, deren Musik ich an sich sehr gelungen finde, aber wenn ich deren lahmarschige und total kurz angebundene Antworten lese, könnte ich mich heute noch ärgern, dass das Interview überhaupt im Heft gelandet ist. (Was ja auch die Kritik meinerseits an dem Gespräch war – Anm. Chris)

Katja: Na ja, wie gesagt, in der Regel hat es gut funktioniert. Wichtig ist meiner Meinung nach eine gute Vorarbeit, und es schadet auch nix, vor dem Interview mal kurz bei der Band anzufragen, ob es denn irgendwelche aktuellen Neuigkeiten gibt. Wenn man ein paar Mails hin und her schreibt, bekommt man manchmal auch schon ein Gefühl dafür, wie die Leute ticken. Das ist ganz hilfreich, um den richtigen Ton zu treffen. Wie Rayk oben schon kurz erwähnt hat, habe ich beim Interview mit Kriegszittern mal eine neue Herangehensweise ausprobiert, da mein Interviewpartner Eddi meinte, dass er das Abarbeiten von Fragenlisten tendenziell eher langweilig, weil zu statisch findet. Mit dem Argument, dass da der Dialogcharakter zu kurz kommt, hatte er natürlich Recht, so dass ich das zum Anlass für ein kleines Experiment genommen habe. In diesem Fall habe ich die Fragen häppchenweise verfasst, Eddis Antworten abgewartet und konnte dann entsprechend darauf eingehen. Ich finde, das hat gut funktioniert, denn so kann man noch besser eine gewisse Wellenlänge ausbalancieren und z.B. feststellen, ob das Gegenüber für Humor zu haben ist oder ähnliches. Allerdings braucht man hier auch jemanden, der entsprechend zeitnah antwortet, denn ehrlich gesagt hätte ich eher weniger Bock, ein Interview über mehrere Monate verteilt zu führen… Aha, inzwischen hat Rayk Kringa aufgelegt – mit denen hätte ich übrigens auch gern mal ein Interview gemacht, aber die Band wollte ja nicht ZU präsent in den Medien sein….

Rayk: Und genau deshalb machten diese Typen dann lieber ein Interview für ein Kioskmagazin, ja, das ist wahrer Underground, haha. Zum Totlachen.

10. In den Kontertberichten werdet ihr oftmals sehr detailliert, ja, fast schon intim. Gesprächspartner zwischen Bands werden explizit benannt, Themen dieser Gespräche ebenso erwähnt wie Insider-Witze oder gar persönliche Verfehlungen wie zu intensiver Alkoholgenuss. Ich finde das interessant, vielleicht einfach nur aus voyeuristischer Sicht. Das mag vielleicht nur mein Therapeut beurteilen können. Es geht aber auf jeden Fall über die meisten Kontertberichte hinaus und bietet einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Auf der anderen Seite mag das aber auch einen Leser abschrecken, der sich nur für die Performance der Band interessiert. Das ist ein zwiespältiges Schwert. Wie Konzertberichte im allgemeinen. Niemand mag einfach nur Plattitüden und die Playlist des Abends als Prosa verpackt lesen. Doch wie war bisher die Resonanz auf eure Erzählungen? Ich kann ja offen sagen: Eure Berichte haben sich durchaus immer hoher Klickzahlen bei mir erfreut. Aber denkt ihr nicht, dass diese expliziten Darstellungen auch polarisieren könnten?

Rayk: Meiner Meinung nach gehören bei uns im Heft einfach neben den typischen Reviews auch Konzert- und Festivalberichte mit dazu. Einfach, weil wir darüber gerne berichten und es uns nahezu lähmend langweilt und tierisch ankotzt, wenn wir irgendwelche Schwachmatiker-Liveberichte zu lesen bekommen, wo es nur um Band X geht, was sie denn für Songs (möglichst noch alle Songs aufzählen) dargeboten haben. Hey, sowas will doch keiner lesen, oder? Ich meine, klar, ein Kioskmagazin kann jetzt nicht seitenweise Platz verbraten, aber ein bisschen mehr Input wünsche ich mir da schon mal. Aber wenn ich als Fanzine-Nerd einen Bericht lese, möchte ich auch etwas über das Dahinter und das Drumherum erfahren. Manchmal sind das sogar die interessanteren Sachen (je nach Schreibstil). Nun ja, wer es nicht mag oder nicht lesen will, da gibt es immer noch die Möglichkeit, einfach weiterzublättern. Ich glaube, wir werden damit nicht aufhören, außer wenn wir nur noch träge im Zelt herumliegen und nix mehr auf die Ketten kriegen würden.

Katja: Mir war von Anfang an klar, dass unsere Art von Konzertberichterstattung polarisiert. Das ist nicht jedermanns Sache. Im Deaf Forever wurde uns z.B. angekreidet, dass wir nicht klar trennen können zwischen relevantem Konzertgeschehen und uninteressantem Drumherum. Andere wiederum stehen gerade auf das Drumherum. Ich persönlich finde es, wenn ich Konzertberichte in Fanzines lese, auch sehr geil, wenn man nicht nur erfährt, was auf der Bühne abging. Die alkoholgetränkten Liveberichte im Iron Hammer fand ich zum Beispiel schon immer großartig. Oder im polnischen Complete Necro Zine, da gab es einen Typen, der genauso ausführlich über seine chaotische Zugfahrt zum Gig geschrieben hat wie über das Konzert selbst – und ich hab mich beim Lesen beinahe bepisst vor Lachen. Das hat doch (wenn es gut geschrieben ist) viel mehr Unterhaltungswert, als wenn man erfährt, dass sich der Gitarrist beim dritten Lied verspielt hat. Außerdem geht es ja auch darum, wie wir selbst die Konzerte erleben. Und da spielt eben neben der Musik auch das ganze Chaos, das außenrum vonstattengeht, eine ganz wichtige Rolle und trägt dazu bei, ein Konzert oder ein Festival zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Darum arten die Konzertberichte immer zu so etwas wie einem Tagebucheintrag aus – einfach weil wir Spaß dran haben. Und offensichtlich stehen zumindest einige unser Leser auch genau darauf.

Rayk: Und mal ehrlich, irgendwo ist es doch auch ein Stück weit menschlich, diese Art von voyeuristischer Informations-Gedankenwelt mit jemandem zu teilen, so als ob der-/diejenige selbst mit dabei gewesen wäre. Wenn es da zwei Leute gibt, denen ich diese Art von so offenen Konzertberichten ein bisschen abgeschaut habe, dann sind das wohl gerade die Beiträge von Leo im Fatal Underground, der schon sehr früh mit sowas begann, und natürlich auch die kultigen Festivalberichte von Gerste und Erik, die ebenfalls gerne mal etwas WEIT ausholten, so dass es wirklich ein Lesespaß war und man sich während des Lesens schon fast so fühlte, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Und das macht meiner Meinung nach einen interessanten Bericht aus.

11. Eine gedruckte Publikation lebt stark von der visuellen Komponente – Teil 2. Und es heißt: Beurteile nie ein Buch nach dem Einband. Dennoch tuen wir alle das immer wieder. Ihr habt für euer Cover jeweils einen anderen Künstler gewählt. Bisher fand ich die Ergebnisse immer recht cool. Zugegeben, Heft Nummer Eins war schon irgendwie etwas plakativ. Aber das Statement passt nach wie vor zum Konzept hinter dem Krachmanifest – zumindest in meiner Auffassung. Wie wählt ihr den Künstler für euer Heft? Wie entstehen die Cover? Und wie schaut das mit der Finanzierung aus? Klar, über Geld spricht der Deutsche ungern. Aber ein Künstler will für seine Arbeit genau so entlohnt werden, wie ihr nicht auf Kosten für das Krachmanifest sitzenbleiben wollt…

Rayk: Chris, da wandelst du gerade auf dem Holzweg, denn der Coverkünstler ist bei beiden Heften der gleiche, nämlich Robert, Schlagzeuger von Violent Frustration. (Oh, mein Fehler. Da habe ich bei der Recherche wohl geschlampt – Anm. Chris) Aber wenn man es nicht weiß oder es im Vorwort überliest, dann kann ich es sogar nachvollziehen, denn obwohl beides vom Stil die gleiche Handschrift trägt, sind es doch zwei verschiedene Arten von Bildern. Während die Nr. 1 gewollt einfach rüberkam (bezieht sich übrigens auch auf das Plakative) und die Idee nahezu komplett auf meinem Misthaufen gewachsen ist, sieht es bei der aktuellen Nr. 2 schon ganz anders aus, um nicht zu sagen professioneller.

Katja: Das mit Robert war ein absoluter Glücksgriff für uns, denn wir hatten im Vorfeld noch keinen richtigen Plan, wie wir die Geschichte mit dem Cover angehen sollen. Dann hat Rayk das Interview mit Violent Frustration gemacht, es hat sich rausgestellt, dass Rob in punkto Grafik aktiv ist, einen sehr geilen Stil hat, der uns beiden zusagt – und dann hatte er auch noch Zeit und Lust, uns ein Cover zu zeichnen. Besser kann’s ja nicht laufen!

Rayk: Wir wissen gar nicht so richtig, wie wir Robert immer wieder aufs Neue danken sollen. Man kann sagen, wir haben zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Menschen kennengelernt. Robert bot uns seine Hilfe als Zeichner in Form eines Freundschaftsdienstes an, was wir wirklich supergeil und als sehr entgegenkommend empfinden. Und nachdem wir darüber beraten haben, wie wir ihm denn für diese Arbeit wenigstens ein Stückweit entgegenkommen können, wollten wir ihm wenigstens eine Geldspende zukommen lassen, und somit sind wir auf einen sehr guten und extrem fairen Nenner gekommen und hoffen, dass wir Robert auch in Zukunft halten können bzw. er auch fürs Krachmanifest weitere Sachen beisteuert.

12. In der letzten Frage angedeutet und bereits in der Frage nach dem Grind-Gorilla angesprochen: Das Konzept des Krachmanifests. Klar, der Name ist deutlich. KRACH! Das ist allerdings ein weites Feld. Ich kenne Dich, Rayk, Du stehst auf Grindcore. Und artverwandte Genre wie Fastcore, Powerviolence. Dann kommt es in einer Schnittmenge zu Death Metal, Black Metal, Crust. Und darüber hinaus sind auch Gespräche mit Thrash Metal oder Punk-Bands für Dich und Kaja durchaus möglich. Ist das aber auch das Konzept hinter dem Heft? Oder ist es ehere offen: Alles, was gefällt? Das würde auch z.B. das Review über die Lichtbringer-Platte erklären, die im Kontext von Iron Bonehead durchaus genauso auffällig ist wie Lisa Cumbert.

Rayk: Als wir das Krachmanifest zwischen Frühjahr und Sommer 2016 aus der Taufe hoben und nach unzähligen Versuchen einen geeigneten Heftnamen fanden, waren wir uns recht schnell einig, dass wir uns im Vergleich zu meinem Grind Gorilla weitaus offener präsentieren wollen, denn mal ehrlich, Krach ist ein sehr guter Überbegriff zu der Musik, die wir nun mal hören. Und wir sagten uns, warum sollte man sich einengen, wenn man doch genremäßig offen ist? Wir wussten aber auch, was es bei uns im Heft definitiv nicht geben soll. Nämlich diesen ganzen Heavy Metal Kram, Power/True/Hair Metal Jauche, Eierkneif-Gesülze der Marke Edelcore und diesen verfluchten, ohrenmalträtierenden Metalcore und ähnliche furchtbare Stile wird es bei uns im Heft ebenfalls nicht geben. Und wenn doch, dann nur als Verriss bei einem Review, hehe.

Katja: Da sind wir aber auch wieder beim Thema „alles, was gefällt“. Wäre ja blödsinnig, etwas über Genres zu schreiben, mit denen wir nichts anfangen können. Ich finde es nicht abwegig, wenn auch mal etwas bei uns auftaucht, was ein bisschen melodischer und kein reines Geballer ist. Für Außenstehende bleibt es trotzdem alles der gleiche „Krach“. Ich denke, wir decken ohnehin schon eine recht facettenreiche Bandbreite ab. Ehrlich gesagt hatte ich anfangs Bedenken, ob ein Heft, in dem Grindcore genauso abgefeiert wird wie Black Metal, überhaupt ein Publikum findet. Denn man hat ja immer wieder den Eindruck, dass das völlig verschiedene Zielgruppen sind. Aber zum Glück sind die Leute doch offener/vielseitiger als man denkt, und das bestärkt uns darin, einfach unserem eigenen Geschmack zu folgen.

Rayk: Ich denke, das Krachmanifest ist vor allem für Leute interessant, die etwas offener und toleranter den Genres gegenüberstehen, sprich, denen es eben absolut scheißegal ist, ob die Band oder der Typ, der neben ihnen (bzw. auf der Bühne) steht, Corpsepaint trägt, lange oder kurze Haare/Glatze (in Fachkreisen als Fleischmütze bekannt) trägt. Das sind alles Sachen, die für uns absolut unwichtig sind. Denn im Endeffekt zählt für uns die Musik und die Einstellung. Für Schönheit, schwachsinnige Oberflächlichkeiten und Eitelkeit ist hier kein Platz.

13. Der Gerste ist ja kein Unbekannter. Sein Campaign For Musical Destruction war schon irgendwie eine Institution. Ich muss ja gestehen, dass hier auch wieder dieses Geklöngel war. Ich habe dort auch etwas publizieren dürfen, wie ich auch vom Gerste in diese What’s That Noize-Geschichte mal reingezogen wurde. Und – wie bereits geschrieben – war Rayk dort auch durchaus untriebig. Doch irgendwann wurde es still um Gerste und das CFMD. Wie kam es zu der erneuten Zusammenarbeit für das Krachmanifest? Habt ihr den Gerste irgendwann einfach in der Biotonne gefunden oder wie?

Katja: Die besagte Biotonne steht in Torgau und nennt sich Grind The Nazi Scum, haha!

Rayk: Gerste kennen wir nun schon wirklich einige Jahre, und er ist für uns in allen Belangen eine absolute Bereicherung. Und wenn Gerste so weitermacht, wird er von uns ungefragt einfach adoptiert! Yoah, mit Gerste stehen wir schon viele Jahre im Briefkontakt, aber bis wir uns dann endlich mal persönlich kennen lernen sollten, gingen noch einige Jahre ins Land, bis es dann endlich 2016 nach ganzen sechs Jahren Funkstille dazu kam, dass wir uns endlich mal über den Weg liefen. Es begab sich zum Grind The Nazi Scum 2016, dass wir Gerste getroffen und angesprochen haben. Und seitdem ist der Kontakt intensiver als zuvor. Ich glaube, ich kann auch in Katjas Namen sagen, dass Gerste für uns wie ein Bruder ist, der genauso in Musik aufgeht und scheinbar genauso viel Zeit und Geld dafür investiert wie wir zwei. Irgendwie passt das alles, und ich glaube, das sollte einfach so sein, zumal wir auch fast gleich alt sind, was der Sache zugutekommt.

Katja: Die persönliche Wellenlänge passt also einfach, und Gerste ist einfach ein ganz feiner Kerl. Außerdem finden wir seine Schreibe großartig! Nachdem das CFMD nun ja leider auch den Bach runtergegangen ist, haben wir mal vorsichtig bei Gerste angeklopft, ob er denn Bock hat, bei uns mitzuschreiben… Unsere erste Ausgabe haben wir noch ganz bewusst als Duo durchgezogen, einfach weil wir für den Anfang erst mal schauen mussten, ob wir das überhaupt auf die Reihe kriegen, ob etwas halbwegs vorzeigbares dabei rauskommt usw. Nachdem der Anfang gemeistert war, waren wir uns aber gleich einig, dass es total genial wäre, Gerste mit an Bord zu holen. Und was soll ich sagen, wir sind verdammt froh, dass es geklappt hat und Gerste eingewilligt hat, beim Krachmanifest mit einzusteigen.

Rayk: Ich denke, das Kernteam aus uns beiden zusammen mit Gerste, so soll‘s bleiben. Mit Gerste passt es einfach, ihm muss man nichts mehr erklären, es läuft wie am Schnürchen, sprich, man versteht sich nahezu blind, und er hat von uns auch keine bescheuerten Vorgaben, was er machen kann und soll, sondern er macht einfach, worauf er Bock hat. Wir sprechen uns ab, damit es keine Überschneidungen gibt, und schon ist die Sache geritzt. Ich denke, wenn da jetzt drei Leute am Machen sind, das reicht für ein kleines DIY Heft… So, mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht, im Hintergrund rattert gerade die Killerscheibe von Cadaveric Incubator aus Finnland, herrlich abgefucktes Höllengeprassel. (Finde ich auch – Anm. Chris)

14. Frauen im Metal ist ja ein kontroverses Thema. Auf der einen Seite werden sie im ultrakonservativen Black Metal Bereich verunglimpft – sie das Beispiel Myrkur – und auf der anderen Seite gibt es immer wieder diese Sex-Sells Geschichte – wie so Themen-Specials der Marke „Women in Metal“ immer wieder zeigen. Dass Frauen im Metal aber durchaus gleichberechtigt und ohne großes Aufheben agieren können, zeigt nicht zuletzt Jo Bench, Rachel Heyzer, Jill McEntee oder gar die Truppe Derketa. Man sieht, ein polarisierendes Thema. Darum möchte ich Dich, Katja, gerne mal Fragen: Wie wirst Du als Frau in der Metalwelt wargenommen? Ist es eher eine Selbstverständlichkeit, dass Du Fragen an eine Band stellst? Oder denkst Du, dass Du schon mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen hast und Deine Kompetenz erst mal beweisen musst?

Katja: Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Vorurteile halten sich erfreulicher Weise in Grenzen. Klar bekommt man immer wieder ein paar dämliche Sprüche über Frauen im Allgemeinen zu hören. Aber ich persönlich fühle mich in der Regel fair behandelt und habe gar nicht so sehr das Gefühl, mich besonders beweisen zu müssen. Ich glaube, die Leute merken einfach recht schnell, dass es mir mit der Musik ernst ist und dass ich nicht nur als austauschbares Anhängsel meines Freunds in der Szene unterwegs bin. Ich kann den Leuten natürlich nicht in die Köpfe schauen und weiß auch nicht, was eventuell hinter meinem Rücken geredet wird, aber es passiert echt selten, dass mir mal jemand blöd kommt. Wobei es natürlich auch vom eigenen Verhalten abhängt, ob man für voll genommen wird. Erfreulicherweise habe ich gerade auf Grind- und Crust-Konzerten verstärkt den Eindruck, dass es genügend Mädels gibt, die tatsächlich wegen der Musik da sind, ein eigenes Interesse an der Szene mitbringen und nicht nur als Anstandswauwau hinter ihrem Kerl herdackeln. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Ich denke, eine Selbstverständlichkeit ist es nach wie vor nicht, als Frau in der Undergroundszene aktiv zu sein. Ich merke das schon allein daran, dass wir über die Jahre einfach viel mehr Männer als Frauen kennen gelernt haben. Und wenn ich unsere Besteller anschaue…. wo bleiben die Frauen?? Gestört hat mich das allerdings noch nie, und ich habe, wie gesagt, auch das Gefühl, einfach als Mensch akzeptiert zu werden – obwohl ich eine Frau bin, haha.

15. Auch wenn es hier und dort schon mal Zusammenarbeiten von Paaren gab, beispielsweise beim From Beyond, wo die Nicole auch zum visuellen Teil beigetragen hat, ist es doch eher ungewöhnlich, dass Fanzines von einem Paar komplett erstellt werden. Aber wo andere Paare gemeinsam Sport machen gehen, ist das vielleicht auch einfach nur eine etwas andere gemeinsame Aktivität, haha! Klar, zuvor habt ihr bereits gemeinsam zum Hammerheart beigetragen. Nun ist es aber eine wesentlich engere Zusammenarbeit. Hat das nicht auch ordentlich Potential für einen Beziehungsstreit? Oder hat euch dieses gemeinsame Hobby noch näher zusammengebracht?

Rayk: Eine ähnliche, sehr enge Zusammenarbeit in Sachen Paar-Fanzines, wenn man das mal so sagen kann, kenne ich nur noch von Maik und Simone vom ehemaligen Sin Is There, denn beide (schönen Gruß, wenn ihr das hier lest!) haben ähnlich viel gemeinsam beigetragen zu ihrem Heft und waren genauso involviert mit dem, was sie machten, wie es bei uns der Fall ist. Hehe, ob uns das gemeinsame Hobby noch näher zusammengebracht hat? Was, noch näher? Noch näher geht ja kaum bei uns beiden, wir kommen uns ja ohnehin schon vor wie siamesische Zwillinge…. Streit im eigentlichen Sinne gab es jetzt, meiner Meinung nach, noch nie. Mal im Ernst, wir machen schon so viele Jahre gemeinsame Sache, und ich glaube, im Musikbereich haben wir uns noch nie gegenseitig den Kopf abgerissen. Und ich wüsste auch gar nicht warum. Im Großen und Ganzen ist es ohnehin erstaunlich, dass wir auch genremäßig so gut zusammenpassen und eine ähnlich große Leidenschaft und vollkommene Musikmacke mitbringen.

Katja: Natürlich gibt es schon mal Meinungsverschiedenheiten, wie man irgendwas im Detail anpackt. Das ist beim Thema Fanzine genauso wie bei so vielen anderen Dingen im Leben. Aber letzten Endes sagen wir beide unsere Meinung, diskutieren die Sache aus und finden dann einen gemeinsamen Nenner. Ich würde tatsächlich sagen, dass so ein gemeinsames Projekt einen noch enger zusammenschweißt, denn man arbeitet eben gemeinsam an etwas, gibt sich gemeinsam den ganzen Stress und hat dann am Ende das Resultat in der Hand, über das man sich gemeinsam freuen kann.

Rayk: Da finde ich es schon riskanter, wenn nur einer von beiden seiner Leidenschaft, nennen wir es jetzt einfach mal Musik – egal ob Band oder eigenes Heft – nachgeht, und der andere Partner im Endeffekt zu kurz kommt bzw. das Nachsehen hat. Sei es jetzt einfach wegen der Zeit, die man nicht miteinander verbringt, oder aber weil es letztendlich dem anderen nicht zusagt. Ich glaube, es war einfach eine positive Fügung der Natur, dass wir zusammenfanden. Nur mal so am Rande erwähnt, haben wir uns auch über die Musik, damals noch via handgeschriebene Briefe, kennengelernt.

16. Genug Gender- und Beziehungskram, wieder zurück zum Eigentlichen! Es gibt Publikationen im Underground, die periodisch erscheinen. Beispielsweise der Leo vom Fatal Underground haut gefühlt alle zwei Wochen ein neue Heft heraus. Und dann hat man so Spezialisten wie den Necromaniac, der alle Dekade mal eine neue Ausgabe auf die Kette bekommt. Nun habt ihr zwischen den beiden ersten Heften nicht mal ein Jahr gehabt. Wie ist denn euer geplanter Veröffentlichungszyklus?

Katja: Wir haben so grob einen Ein-Jahres-Rhythmus angepeilt. Die Nummer zwei war in der Tat verdammt schnell fertig. Wir waren in den letzten Monaten beide sehr enthusiastisch, was das Schreiben angeht. Dann dachte ich, um mehr Zeit für das Layout zu haben, könnte ich mir mal im Moshpit das Sprunggelenk brechen, mich sechs Wochen krankschreiben lassen und den geplanten Urlaub in den Sand setzen. Das hat auch dazu beigetragen, dass es dieses Mal so schnell ging. Aber ich glaube, das möchte ich nicht jedes Jahr wiederholen, haha. Im Ernst. Ich denke, ein Heft pro Jahr ist ein gutes Ziel, das kann mal etwas schneller gehen, kann aber auch mal etwas länger dauern, je nach aktueller Inspiration und Lebensumständen….

17. Ihr seid keine großen Freunde der modernen Welt. Ihr verschließt euch Whatsapp und Facebook – wenngleich kürzlich ein gewisser Rayk Metze mein Review zu eurem Magazin mit einem Like versehen hat, haha! Auch über Downloads lasst ihr euch häufig aus. Nun ist natürlich die Frage: Warum? Klar, man hat eine gewisse verklärte Nostalgie. Früher war alles besser und entsprechend sind nur phyische Medien okay. Allerdings stelle ich mir immer wieder die Frage, warum ein Trägermedium etwas über den Inhalt aussagen soll. Die Musik ist schlussendnlich die gleiche, egal ob ich diese nun auf LP, Tape, CD oder eben als Download erwerbe und konsumiere. Klar, haptische Komponenten spielen dazu, vielleicht auch die Größe eines Artworks und auch Meta-Infos wie Texte, Linernotes und so weiter. Aber ich habe in den 17 Jahren bewussten Musikkonsum, den ich verrechnen kann, durchaus so viele CDs gekauft, wo das Booklet einfach nur aus zwei leeren Seiten bestand, weil es in der Produktion einfach billiger war, dass es für mich keinen Unterschied macht, ob ich das Album als Download oder eben physisch kaufe. Ebenso in der Kommunikation. Mittlerweile fhre ich viele Interviews direkt über Facebook und spare mir den Umweg über Email. Das Ergebnis ist das selbe. Was genau ist also für euch der Grund, dass ihr euch dieser Kanäle erwehrt?

Rayk: Jetzt hast du mich erwischt! Ich sollte zu meiner Entschuldigung sagen, dass mir das mit der Facebook-Anmeldung alles andere als leicht leichtgefallen ist. Ich habe es lediglich aus einem einzigen Grund gemacht: Dadurch, dass auch wir gelegentlich Infos von Bands als auch Konzerten/Veranstaltern benötigen und es in den letzten Wochen sehr oft der Fall war, wenn man nicht Mitglied bei diesem blöden FB Verein war, dass man einfach mit einem verdammten Infobalken konfrontiert wurde, nach dem Motto: kein Facebook, keine Infos, und man schlussendlich einfach nicht weiterkam. Irgendwann hat mich das so genervt, dass ich mich dann bescheuerter Weise darauf einließ, mich da anzumelden. Und nachdem ja unser Krachmanifest bei so einem Aachener Online Zine namens Necroslaughter so gut wegkam, dachte ich mir, schaust mal, wem dieses Review alles so gefällt. Und ehe ich mich versehen habe, schwupp, war ich schon bei einem Like dabei, statt einfach nur die Namen zu lesen. Na ja, ich und die sozialen Medien….

Katja: Tja, so schnell hat man sich verklickt, haha…. Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese ganze Facebook-Scheiße nach wie vor zutiefst suspekt ist. Schon allein, wenn ich mir überlege, was da alles an Daten gesammelt wird, das ist gruselig. Die Art zu kommunizieren ist mir auch einfach fremd. Ich stehe mehr so auf den persönlichen Kontakt. Wobei man ja heutzutage schon eine Email als persönlich empfindet. Geiler Weise gibt es sogar noch Leute, mit denen wir im klassischen BRIEF-Kontakt stehen – ja, liebe Kinder, sowas gibt’s auch heute noch, der Postbote bringt nicht nur die Amazon-Päckchen! Was unser Heft angeht, muss ich sagen: Es funktioniert auch ganz gut, ohne dass wir eine Werbeoffensive in den sozialen Medien starten. Wir schreiben Leute direkt per Email an, verteilen Flyer, vertrauen auf Mundpropaganda… ja gut, und den einen oder anderen Post auf Facebook gab es sicher auch von anderen Leuten. Jedenfalls können wir uns nicht über mangelnde Resonanz beklagen. Und wenn es auch so klappt, wüsste ich nicht, warum man jedes Scheißspiel mitspielen soll, nur weil „man das heute so macht“.

Rayk: Ich sehe das genauso. Ich tue mich unendlich schwer, mit diesem neuen sozialen Medien-Firlefanz mitzugehen. Ein Like bedeutet mir nicht wirklich was. Es ist nur ein nettes Anhängsel in einer sich sehr schnell drehenden und wandelnden Zeit/Welt, wo keiner mehr Zeit hat für persönliche Sachen. Entweder huscht man heutzutage über hunderte von Videos/Streams hinweg, lädt sich Musik runter, wobei sich die meisten wahrscheinlich noch nicht mal nen Kopf machen, was die Band damit alles auf sich genommen hat, und so zappt man sich halt wie andere mit der Fernbedienung ein bisschen durch den Alltag und verliert immer ein bisschen mehr an persönlichen Verhaltensweisen, was ich wirklich sehr schade finde. Natürlich ist das, wie wir es machen, sicherlich total veraltet, ein Stück weit bescheuert, aber ehrlich gesagt ist uns das egal. Wir wüssten nicht, warum wir daran was ändern sollten. Nur weil es sich heutzutage so schickt?? Okay, dann erst recht nicht! Underground muss nicht unbedingt mit der Zeit gehen.

Katja: Was die Sache mit den Tonträgern angeht, stimme ich dir auf jeden Fall zu, dass es in erster Linie auf die Musik und nicht aufs Format ankommen sollte. Es ist auch nicht so, dass wir uns digitalen Formaten komplett verschließen. MP3s sind z.B. eine tolle Sache für unterwegs. Wenn ich überlege, wie viele CDs wir früher im Auto rumliegen hatten…. Aber wenn mich eine Scheibe fasziniert, dann möchte ich gern das Komplettpaket als physischen Tonträger zum Anfassen – mit Cover, Texten und allem Pipapo. Okay, dass manche Veröffentlichung ziemlich lumpig aufgemacht ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber digitale Musik kann man auch nicht so schön dekorativ übers gesamte Wohnzimmer verteilen wie physische Tonträger, gell Rayk?

Rayk: Ich fühle mich jetzt nicht angesprochen…

18. Ich persönlich finde extrem viele neue Musik über moderne Kanäle. Ein Freund oder Bekannter teilt etwas über Facebook und ich höre rein. Natürlich gibt es auch Reviews, die mich auf etwas aufmerksam machen. Doch wie findet ihr neue Musik? Kauft ihr klassisch auf gut Glück was im Mailorder? Nehmt ihr einfach was aus dem Plattenladen mit, weil euch das Cover anspricht? Oder sind die vielen Konzerte, die ihr besucht, einfach der Erstkontakt, der dann dazu führt, dass ihr euch weiter mit einer Band beschäftigt?

Rayk: Also was mich betrifft, ich lasse mich sehr oft vom Cover als auch von Reviews leiten, und man nimmt natürlich die neuen Möglichkeiten mit, sprich, auf gut Glück kaufe ich mittlerweile nur noch ganz, ganz selten etwas, dafür gibt es ja heutzutage Bandcamp. Und wenn mir das Gehörte dann zusagt, wird es eingetütet. Plattenläden sind natürlich auch immer wieder eine gute Gelegenheit, sein Geld auszugeben. Bei Plattenläden ist es im Endeffekt so wie früher, man lässt sich oft vom Cover inspirieren, und je nach Laden kann man auch in Platten reinhören, und es macht immer wieder Laune, etwas Neues zu entdecken, was man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Das (er)weckt das Kind im Manne sozusagen…

Katja: Ich werde tatsächlich recht viel über Reviews oder gute Interviews auf Bands aufmerksam. Gekauft wird der Kram dann fast immer in irgendwelchen Onlineshops, und da man ja ohnehin einmal beim Bestellen ist, schaut man eben, was da sonst noch so im Angebot ist (es soll sich schließlich lohnen, hehe). Dabei bin ich auch schon zufällig über richtig coole Sachen gestolpert, in die ich mal interessehalber reingehört habe, weil sie auf einem bewährten Label rauskamen, der Bandname cool klang oder das Cover interessant aussah. Aber gerade auch auf Konzerten haben wir schon unzählige Bands entdeckt. Besonders auf Festivals lohnt es sich, auch die kleinen Bands anzuschauen, die einem noch nicht wirklich was sagen. Das ist immer wieder für Überraschungen gut. Ansonsten hab ich auch immer ein offenes Ohr für persönliche Empfehlungen.

19. Klassisches Empfehlungsschema: Welche Bands oder Alben könnt ihr beide meinen Lesern und natürlich auch mir gerade empfehlen?

_Rayk: Sacroscum: saucooler Black Metal Crust mit gelegentlichen Death-Metal-Einflüssen, absolut empfehlenswert!_
Dishonoured: im Moment meine Crust-Empfehlung schlechthin. Wirklich sehr schroffer, abgehender Crust mit einer verdammt krassen Sängerin. Jeder, der auf Bulldozer Crust steht, sollte sich die Göttinger mal zu Gemüte führen.
Coffinborn: kommen rein vom Sound her aus Schweden, sind für mich aber eine der interessantesten neuen Bands aus Ungarn, die mit ihrer Scheibe „Beneath The Cemetery“ meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dem Killer Cover sei Dank!
Cadaveric Incubator: aktuell der kauzigste Hybrid-Klotz aus Finnland, die Band zelebriert eine sehr dreckige Mixtur aus Friedhofs-Death-Metal und Grindcore-Geschrote.
Necrophile: Mit diesen Jungs aus Japan werde ich ein Interview für unsere anstehende Nr. 3 führen. Obwohl es die Band schon seit knapp 30 Jahren gibt, habe ich zuvor noch nie etwas von denen gehört. Und dann kommt so ein brachiales Hammerteil namens „Awakening Those Oppressed“ um die Ecke und zeigt dem ollen Rayk, was es mit killermäßigem Death Thrash auf sich hat.
Tsubo: an sich kein wirklicher Geheimtipp mehr, da es die Jungs auch schon seit über 10 Jahren gibt, aber deren aktuelle EP „Disdegno“ ist ein wahnsinnig abgefahrenes Teil aus extrem schnellem Grindcore gepaart mit Death-Metal-Einflüssen. Leider nur 5 Songs, aber die haben es in sich!
Houre: Meine aktuelle Neuentdeckung in Sachen wütendem Grindcore mit teils fiesem, hektischem, angeschwärztem Gesang. Wer auf DeathToll80K steht, weiß, was zu tun ist. Legt euch deren „Tehotuotanto“ Scheibe zu.

Katja: Puh, die gefürchtete Frage! Wenn ich so direkt darauf angesprochen werde, fällt mir meist spontan nicht allzu viel ein. In den letzten Wochen war auch alles sehr turbulent, so dass ich nicht so recht dazu gekommen bin, mich richtig intensiv mit neuen Scheiben auseinanderzusetzen. Gekauft habe ich mir zuletzt z.B. endlich mal das letzte Cultes des Ghoules Album „Coven“, und die Band finde ich mit ihrem abgedrehten Black Metal recht eigen und geil. Aber auch die gleichzeitig bestellte, weitaus primitivere Occvlta Scheibe „Night Without End“ hat hier schon so einige Runden gedreht, denn so einen asozial räudigen Sound höre ich auch immer wieder gern, erinnert mich an Darkthrone zu „Panzerfaust“-Zeiten… Wenn ich weiter zurückdenke, waren für mich dieses Jahr die Griechen Miasmal Sabbath eigentlich der größte Geheimtipp. Sehr geiler und eigenständiger Death Metal – auf der ersten Veröffentlichung noch urdreckig mit heftigem D-Beat-Einschlag, die zweite Scheibe dann ein ganzes Stück komplexer und düsterer… und die Band hab ich wirklich nur durch Zufall entdeckt. Und habe ich eventuell schon mal irgendwann erwähnt, dass Vidargängr eine sehr geile Band ist, haha?

20. Und nun auf der Meta-Ebene: Welche Fanzines könnt ihr empfehlen? Die klassiker CFMD, Hammerheart, Necromaniac, Carnage oder Mystical Music sind ja mittlerweile in der Kategorie „Mythen und Legenden“. Auch das From Beyond ist kapott, wie das Soleil Tryste in der Ungewissheit schwebt. Aber es gibt ja immer noch Fatal Underground oder so Jungspunde wie Trvefrykt. Was sind da eure lebendigen Favoriten?

Rayk: Im Fanzine-Dschungel ist es in der Tat mittlerweile ziemlich lichte geworden, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass es auch in Zukunft, wenn auch recht ausgedünnt, immer wieder Leute geben wird, die es wenigstens mal mit etwas eigenem, in dem Fall einem eigenen Heft versuchen. Ich denke, es wird wie bei den Genres sein, es wird immer ein Auf und Ab geben, genauso wie immer etwas Neues anfängt und andere Sachen wieder hinfällig werden. So war es bisher in den letzten Jahren, und es würde mich stark wundern, wenn dies in Zukunft komplett anders werden würde. Im Bereich der eher metallisch crustigen musikalischen Untermalung würde ich mal Sints Snowfall empfehlen. Sint hat nicht nur reine Interviews in seinem Heft, sondern auch einige Kolumnen und anderen kauzigen Schnickschnack, was eben für Leute, die sich nicht nur über Musik informieren wollen, eine gute Adresse ist. Und wenn wir mal den Metalsektor verlassen, fällt mir jetzt noch spontan das Proud to be Punk ein, wobei man sagen muss, man sollte schon eine gewisse Vorliebe für dieses Genre haben. Aber auch hier dreht sich nicht alles um Musik, sondern Herausgeber Jan macht seinen ganz eigenen Stil daraus, und man kann ohne zu übertreiben sagen, man lernt bei diesem Fanzine sogar noch etwas, und das liegt sicher nicht nur daran, dass Jan Lehrer ist.

Katja: Also ich finde, es gibt immer noch genügend lesenswerte Fanzines, man muss nur die Augen offen halten. Ich habe in den letzten Monaten verdammt viele Zines gelesen, und da war wirklich guter Stoff dabei. Dass das From Beyond die Segel streicht, ist in der Tat mehr als bedauerlich, allerdings hat Ipp sich mit einer Hammerausgabe verabschiedet – und wer die noch nicht hat, sollte sich das Heft schleunigst zulegen. Auch das By This Axe I Rule ist ein absolut empfehlenswertes Zine mit richtig gut gemachten Interviews. Wer das Hammerheart vermisst, sollte mal das Waldhalla anchecken, die Jungs haben ein wirklich schön aufgemachtes Zine für naturbegeisterte Metaller und sind gerade ganz aktuell mit ihrer zweiten Ausgabe am Start. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft soll es hoffentlich auch mal wieder eine neue Iron Hammer Ausgabe geben, auf die warte ich schon lange… Und allgemein gilt wohl im Fanzine-Sektor die alte Weisheit von den Totgesagten, denn auch das Rauhnacht ist mit einer neuen Ausgabe am Start, die ich bisher allerdings noch nicht gelesen habe. Auch die Split-Ausgabe vom Golgotha mit The Black Flame fand ich sehr gelungen. Kurz und gut, ich denke, die Fanzine-Kultur ist noch sehr lebendig, und das ist gut so.

21. Okay, wir nähern uns dem Ende unseres Interviews. Da muss natürlich noch ein obligatorischer Blick in die Zukunft. Habt ihr schon Ideen oder Pläne für das Krachmanifest Nummer 3? Oder ist gerade est mal Entspannen nach der zweiten Ausgabe angesagt? Falls es da schon was gibt, teilt mal mit und macht neugierig!

Katja: Also ich bin noch voll in der Entspannungsphase und habe noch keinerlei konkrete Pläne für die Nummer drei. Ich brauche immer ein bisschen Zeit, um das sacken zu lassen, freue mich aber jetzt schon auf die Arbeit an der nächsten Ausgabe!

Rayk: Ich will jetzt nicht allzu viel vorausplanen oder herausposaunen, Fakt ist jedenfalls, dass ich schon zwei Interviewkandidaten/-opfer habe. Einmal die Jungspunde von Sacroscum sowie die Japaner Necrophile. Mal schauen, das neue Anasarca Album ist auch richtig geil geworden, das hätte ich den Ostfriesen gar nicht mehr zugetraut. Wirklich sehr geiler Death Metal mit reichlich viel Geschwindigkeit als auch technischem Knowhow. Und um noch ein bisschen aus dem sächsischen Nähkasten zu plaudern, hat sich Gerste Wound und Bodybag (yeah, yeah, yeah, Dopis Nachfolgeband von Machetazo) ausgesucht. Und das verheißt schon mal Gutes, nicht wahr?!
Eigentlich wäre es mal an der Zeit, dass die Workaholics Agathocles mal im Krachmanifest befragt werden, und das erste, womit ich Jan gleich schocken würde, wäre: Hey Jan, bitte gehe doch mal individuell auf jede einzelne Split EP von AG ein! Ha, alleine das ergäbe schon ein ganzes Heft voll, ohne eine weitere Frage stellen zu müssen. (Als ob die überhaupt wüssten, wie viele Splits die bereits draußen haben, geschweige denn mit wem oder um was es auf den Scheiben ging – Anm. Chris)

22. So, nun ist aber auch mal gut. Katja, Rayk, ich danke euch. Sowohl im allgemeinen für eure Beiträge hier bei Mir, wie auch euer Engagement im Krachmanifest. Die Szene lebt von so Enthusiasten, wie ihr es seid! Darum: Macht genau so weiter! Da nun hier Schluss ist, hinterlasst doch bitte die abschließenden Worte an meine und vielleicht eure Leser…

Rayk: Vielen Dank Chris noch mal an dieser Stelle. Also, wer es bis hierher geschafft hat, ist ein wirklich zäher Hund. Danke nochmal für die Möglichkeit, unseren Senf hier kundzutun. Diejenigen, die nicht nur vom Underground und DIY reden, sondern sich auch engagieren wollen, nur zu. Geht gerade auf kleine Konzerte/Festivals, kauft Tonträger wie in den Neunzigern, als dies noch ganz selbstverständlich war, und verlasst euch nicht nur auf FB, Instagram und ähnliches. Nehmt selbst was in die Hand, egal ob Konzerte organisieren, ein eigenes Heft herausbringen o.ä. Es hat mir echt Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten. Da soll noch einer sagen, Online Zines und gedruckte Hefte sind Konkurrenten. Das ist Quatsch, das Gegenteil ist der Fall, da beide Seiten voneinander lernen und sich austauschen können. Nur geben es die meisten nicht zu.

Katja: Danke dir, Chris, für deine Unterstützung mit diesem Interview und überhaupt in den letzten Jahren… Es hat echt Spaß gemacht, sich durch deine Fragen zu ackern. Die Weinflasche ist natürlich längst leer, und nachdem nun auch gerade die aktuelle Arroganz-Scheibe ausgeklungen ist, wird es für uns langsam Zeit, uns in den Feierabend zu verabschieden. Danke an alle, die sich für unser Geschreibsel und generell für gedruckte Zines interessieren. Wer neugierig aufs Krachmanifest geworden ist – meldet euch einfach bei uns!