Crypts Of Despair – The Stench Of The Earth


„The Stench Of The Earth“ ist das Debütalbum von CRYPTS OF DESPAIR, dem neuesten Pferd im Stall von Testimony Records. Ganz perfekt ist dieser Einstand zwar noch nicht, beinhaltet aber doch ein paar sehr coole Songs, die im EP-Format sicher wie eine Bombe eingeschlagen wären.

Zunächst ist „The Stench Of The Earth“ eines: Gewaltig! Der Sound ist unglaublich dicht und voluminös. Ja, zuweilen mag man fast das Attribut „überladen“ verwenden. Donnernde Doublebass, drückender Bass, dicke Riffs, dazu Lead-Gitarren, die stellenweise leider etwas im Gesamtbild untergehen, und zwei Sänger, die abwechselnd und auch schon mal gemeinsam ihre Textzeilen der Welt entgegenschmettern. Benton-Effekt lässt grüßen. Akustisch liefern CRYPTS OF DESPAIR auf jeden Fall ein dichtes Brett ab.

Diese Klangwand übertragen die Litauer durchaus auch häufig in ihre Songs. Gerade mit der häufig bretternden Doublebass und den zuweilen recht reduzierten Rhythmusgitarren sind die Songs meist sehr treibend. Leider gibt dies dem Album auch eine gewisse Gleichförmigkeit. Ebenso wie manch furioser Ausbruch in das gehobene Uptempo oder gar Blastbeats, das gelegentlich ein Schablonen-artiges Arbeiten vermuten lässt. Und so technisch anspruchsvoll saubere Ryhtmus-Arbeit auch sein mag, so sehr sind einige Riffs doch eher zu sehr auf Schlagzahl und zu wenig auf griffige Melodien geschrieben.

Doch retten CRYPTS OF DESPAIR sehr viel auf „The Stench Of The Earth“ mit intelligenten Details und einem finnischen Harmonie-Verständnis. Beispielsweise dem coolen Drumming in „77“, was leider in der Klangwand etwas untergeht oder dem feschen Rhythmus-Wechsel in „Fleshless Eternity“. Und auch in so einigen anderen Kleinigkeiten, die durchaus aufhorchen lassen.

Am beeindruckendsten finde ich allerdings die Leads, die den Songs eine richtig düstere, unheilvolle Stimmung verleihen. Diese Atmosphäre zieht sich zwar komplett durch die knapp vierzig Minuten Spielzeit des Albums, findet aber in der zweiten Albumhälfte eine wesentlich größere Dichte. Gerade „Ravage The Earth“ ist ein so wunderschön düsteres und brutales Lied. Die folgenden „Possessed By Astral Parasites“ oder „Monuments Of Fear“ stehen dem in der Intensität kaum nach. Auch wenn es letzterem Song gut getan hätte, wäre die Band etwas mehr auf den Punkt gekommen.
Ja, selbst das abschließende „Dead Light“, was zu beginn doch etwas zu sehr nach Selbstkopie klang, entwickelt sich in den langsameren Passagen und haut noch mal eine der coolsten Melodien des Albums heraus.

„The Stench Of The Earth“ ist im Gesamtbild ein gutes Album geworden. Nicht herausragend, mitnichten eine Pflichtveranstaltung. Aber durchaus gut produziert mit coolen Ideen, finsterer Atmosphäre und ein paar richtig packenden Melodien. Hätte man es auf eine EP mit den letzten fünf Songs reduziert, wäre CRYPTS OF DESPAIR ein grandioser Einstand gelungen. So hinterlässt die zweite Albumhälfte aber immer noch ein großes Interesse am zukünftigen Treiben der Band.


10 Lieder / 39:23 Min.
Testimony Records (CD, LP) / 24.11.2017

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