Myteri – Ruiner

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Windrauschen, Donnergrollen. Eine melancholische, getragene Gitarre kündigt einen schwermütigen Auftakt an. Ein leichtes Aufbegehren – und dann die Explosion. Nach knapp zwei Minuten sind MYTERI der Lethargie überdrüssig und lassen all ihrer Wut und Hoffnungslosigkeit freien lauf, brettern konsequent im schnellen D-Beat durch die restlichen 35 Minuten von „Ruiner“. Immer ungezügelt und ungehobelt. Aber zu jeder Sekunde melodisch und melancholisch.

Es ist das zweite Album der schwedischen Crust-Band und schlichtweg grandios. Bereits das extrem gut gemachte Artwork mit den brennenden Kirchhöfen, und der Kapuzengestalt, präsentiert in sehr geschickten Kontrasten ist wunderschön. Und es zeigt MYTERIs Verständnis von Qualität. Entsprechend sind auch die Lieder alle auf einem erstklassigen Niveau. Wo andere Bands schnell in die Gefahr laufen, dass die Songs auf einem Album recht gleichförmig klingen, gibt es hier immer wieder spannende Wendungen, die „Ruiner“ abwechslungsreich und spannend gestalten.

Seien es bewusst langsamere Momente, die der dystopischen Atmosphäre mehr Raum verleihen, etwas von frühen Fall Of Efrafa in den Sound bringen. Oder die immer wieder auftauchenden polyphonen Harmonien. Oder gar treibendere, fast tribale Rhythmen, wie im Breakdown von „Hatets Fanbärare“ oder „Dädens Hav“.
Oder gar das Sahnestück auf „Ruiner“: „Lida I Tysthet“ erweitert das Klangbild zusätzlich durch Piano und Violinen – was wiederum Parallelen zu Morrow erschafft. Auch „Justitiemord“ wird mit der Violine hervorrangend erweitert und markiert eines der großen Highlights des Albums.

Aber wenn ich ehrlich bin, gibt es fast nur Hits auf „Ruiner“, kein einziger Song fällt unter das Niveau der anderen. MYTERI holzen zwar konsequent und rücksichtslos nach vorne, haben aber dennoch ein großartiges Feingefühl für spannenden Songstrukturen und – noch wichtiger – hervorragende Melodien.

Da wundert es mich auch gar nicht, dass das abschließende „Urholkningsprocessen“ plötzlich auf alle Crust- Hardcore- oder D-Beat-Elemnte verzichtet und eine epische, verspielte Post-Rock-Nummer ist. MYTERI wissen ganz genau was sie tun, beherrschen ihre Instrumente und wissen, was sie wollen. Darum konnten sie „Ruiner“ erst zu diesem beeindruckenden Album machen.

Wer Alpinist, Mässmörd oder Fall Of Efrafa hinterher trauert, seit Jahren auf neues Material von Tragedy wartet und wem Wolfbrigade doch etwas zu sehr Metal ist, wer Livstid und Unkind mag, der wird MYTERI lieben. Für mich das beste Neo-Crust-Album des Jahres!

Veröffentlicht wird die Scheibe am 20.10.2017 als Kooperation zwischen Alerta Antifascista (hier in Deutschland) und anderen Labels. Die insgesammt 1000 gepressten Platten sind dann 200 mal weiß-schwarz marmoriert, 300 mal grau-schwarz marmoriert und die restlichen Scheiben sind schwarz. Dazu gibt es einen Download-Code und ein Poster, verpackt im schweren Gatefold. Natürlich gibt es das Album auch als Download auf Bandcamp, wo man bereits heute die Lieder anhören kann.


12 Lieder / 38:07 Min.
20.10.2017 / Alerta Antifascista Records / Chaos Rural Records / Halvfabrikat Records / Phobia Records / Replenish Records / Svoboda Records

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