Haemorrhage – We Are The Gore

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HAEMORRHAGE melden sich mit ihrem siebten Album zurück. Nachdem „Hospital Carnage“ eher einen fahlen Beigeschmack hatte, zu sehr nach Selbstwiederholung und Handbremse geklungen hat, war ich nicht gerade gespannt auf „We Are The Gore„. Dazu ein Cover-Artwork, dass deutlich an die „Severed Survival“ von Autopsy erinnert, und ich war zusätzlich skeptisch. Teilweise sollten meine Zweifel bestätigt werden. Doch gleichzeitig überraschten die spanischen Pathologen doch wieder.

Der Auftakt in das neue Album ist eher belanglos. Goregrind mit deutlichem Death Metal-Einschlag. Das steht HAEMORRHAGE nicht sonderlich gut. Zugegeben, „Nauseating Employments“ oder „Gore Gourmet“ sind keine shlechten Songs, doch hätten sie einer Band wie Gorerotted besser gestanden. Auch wenn sich hin und wieder Slayer– oder Carcass-mäßige Soli auf der Platte finden, einige Riffs weiterhin näher am Metal denn Grindcore sind, läutet der Titeltrack doch eine kleine Wendung ein.

We Are The Gore“ ist ein reduzierte Punk-Nummer, Motorhead-artiger Refrain inklusive. Ein leichte Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln? Die – mir leider unbekannte – EP „Punk Carnage“ hat dieses Bewusstsein ja in jüngster Vergangenheit nochmal bestätigt. So finden sich auch in „C.S.C“ oder „Prosector’s Revenge“ ebenfalls deutliche Bezüge auf das Genre. Dabei ist der Titel-Song aber nicht mal sonderlich spektakulär.

Erst ab „Transporting The Cadavers“ kommt wieder das klassische HAEMORRHAGE-Feeling auf. Nette Ausbrüche in Blastbeats, wütender Doppelgesang. genau so geht es mit „Bathed On Bile“ weiter, was allerdings auch direkt einen Ausblick auf einen weiter ausgeprägten Einfluss gibt: stumpfer Goregrind. In diesem Song noch durchaus gut verträglich aber in „Gynecrologist“ einfach nur langweilig und so klischee-mäßig, dass es fast jedwedes Profil der Band vermissen lässt.

Ein Glück war es dass aber dann auch schon mit den unpassenden Sperrenzchen. HAEMORRHAGE sind einfach keine Death Metal-, Punk- oder proto-prollo Goregrind-Band. HAEMORRHAGE funktionieren einfach am besten, wenn sie die Frühwerke von Carcass nehmen und ihren eigenen kauzigen Charme aufdrücken. Wenn sie eben Leichenhallen-Riffs mit ungezügeltem Geballer vermengen. Wenn sie Kotzen, Würgen, Keifen, alles zusammen, alles abwechselnd. Wenn sie eben genau wissen, wann der Pathologe auch mal um den Kadaver tanzen will und wann er den gesamten Kladderadatsch schlicht in die Abfalltonne brettern muss.

Und in dieser Mélange zeigt „We Are The Gore“ dann doch noch eine Reihe guter Songs, die alle Arthritis aus dem Vorgänger „Hospital Carnage“ rausprügeln. „Medical Maniacs„, „Miss Phlebotomy„, „C.S.C„, „Prosector’s Revenge“ oder „Organ Trader“ sind allesamt klassische Hits, die an „Grume„, „Morgue Sweet Home“ oder „Anatomical Inferno“ anknüpfen können.

Dennoch sei erwähnt: Auf diesem Album findet sich vergleichsweise selten der typische Gesang von Lugubrious. Schade! Denn dieses markante Geknarze hat immer viel zum Gesamtcharme der Band beigetragen. Nun wird es eher homöopathisch eingesetzt. Dafür wird nicht mit Soli gespart. Gelegentlich ist das zwar ganz nett und passend, an anderen Stellen hätte ich mir die Lieder mehr auf den Punkt gewünscht.

Ach. So ein durchwachsenes Bild. Wie ein Melanom, das sich fröhlich durch die Eingeweide frisst. Ein paar leckere Innereien findet man immer wieder. Doch an manchen Stellen ist die Sache einfach faulig. Doch ganz zum alten Eisen, wie ich es zur „Hospital Carnage“ getan habe, sollte man HAEMORRHAGE wohl doch noch nicht.

PS: Am Ende wartet noch ein kleines Easteregg als Hiddentrack.


14 Lieder / 35:11 Min.
06.10.2017 – Relapse Records (CD, LP, Download)

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