Exhumed – Death Revenge

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Mit ihrem sechsten Album versuchen sich EXHUMED an einem Konzeptwerk. „Death Revenge“ handelt um die Grabräuber aus Edinburgh, Schottland, die in den 1820ern Leichen plünderten und für medizinische Zwecke verhökerten. Eine makabere Epoche, die auch andere Künstler zuvor fasziniert und beeinflusst hat. Doch so morbid kauzig, wie beispielsweise Strange Facts In The Scalpel Case werden die Leute um Matt Harvey keineswegs. Wollen sie auch gar nicht. Vielmehr ist „Death Revenge“ ein logischer Showcase der typischen Bandmerkmale. Das hat seine Stärken, aber leider auch seine Schwächen.

Insgesamt wird das Album akustisch in drei Kapitel eingeteilt, jeweils eingeleitet durch ein instrumentales Interlude. Wo „Death Revenge Overture“ oder „Gravemakers Of Edinburgh“ mit ihren synthetischen Orchestern etwas deplaziert wirken, ist „The Anatomy Act Of 1832“ ein richtig episches Zwischenspiel. Das Hauptthema aus der orchestralen Einleitung wird von den Gitarren aufgegriffen und spielerisch entwickelt sich der Song immer weiter und nimmt coole Wendungen. Echt sehr fein gemacht, wenngleich es schon etwas konträr zu einigen doch eher punkigen anderen Songs auf dem Album steht.

Doch da ist für mich auch schon der Knackpunkt: Die starken Songs verstecken sich eher in der zweiten Albumhälfte. Der Auftakt in „Death Revenge“ ist durchaus gut gemacht, man bekommt die typischen EXHUMED-Trademarks locker aus der Hüfte entgegen geschossen. Carcass-Melodien, schöner Wechselgesang zwischen Schreien und kernigen Growls, etwas alte Death und schon laufen „Defenders Of The Grave“ oder „Lifeless“ gut durch. Doch trotz gelegentlicher Ausbrüche in schnelle Blastbeats fehlt irgendwie der typische Biss, das wunderschöne Chaos, was „Slaughtercult„, „Gore Metal“ oder auch „All Guts, No Glory“ so atemberaubend gemacht hat. Ja, „Nightwork“ klingt nach seinem Slayer-artigen Intro fast schon unspepktakulär für die Band.

Da ist „Dead End“ schon eher die klassische Nummer mit entsprechenden Riffs, fein ineinander gekotzten Vocals und dissonanter Stimmung. Hier passen die „Leprosy„-mäßigen Gitarren auch wunderbar rein und formen das erste Highlight des Albums. „Unspeakable“ nimmt dann eine überraschende Wendung und mischt die „Heartwork“ mit Ghoul, Gangshouts und haktisches Geballer inklusive. Hat hier der wieder zugekommene Ross Sewage vielleicht seinen Einfluss gehabt?
Wäre da nicht die Zäsur durch das Instrumental „Gravemakers Of Edinburgh„, käme nun endlich richtig Fahrt auf. Denn „The Harrowing“ drischt wieder richtig furios raus, haut locker coole Gitarrenläufe und Wechselgesänge zu furiosem Gebretter. Dass „A Funeral Party“ oder „Death Revenge“ schon EXHUMED-Prototypen sind, stört eigentlich nicht, im Gegenteil! So will ich EXHUMED hören! Und auch das eher melodische „Incarnadined Hands“ zeigt, dass sich Verspieltheit und Experimentierfreude nicht mit Gore Metal beißen müssen. Der Song hätte locker auch auf „Anatomy Is Destiny“ gepasst, was ich seinerzeit sträflich unterbewertet habe.

Somit ist „Death Revenge“ zwar ein gutes, insgesamt aber dennoch durchwachsenes Album. Klar, EXHUMED ballern auf hohem Niveau, haben ihren deutlichen Trademark-Sound und klingen immer nach EXHUMED. Doch mir persönlich ist die erste Hälfte der Scheibe irgendwie zu routiniert. Dafür befriedet mich dann die zweite Hälfte deutlich und birgt sogar einige richtig gute Hits. Nur die Zwischenspiele stören nach wie vor den Albenfluss deutlich.

Damit noch etwas Verwirrung und Sammelwut aufkommt, gibt es zwei Bonus-Tracks: „Death Revenge Underture“ (vermutlich wieder ein Instrumentales Outro) und „A Lesson In Violence„. Diese sind allerdings nicht auf CD oder LP enthalten, sondern nur im Download über Bandcamp. Vielleicht sind diese aber im beiliegenden Download-Code inkludiert, dass man als Vinyl-Fan doch in den Genuss der Lieder kommen kann.
Dann steht man allerdings vor der Entscheidung: In welcher Farbe will man seine Platte haben? Die schwarze LP ist auf 1200 Einheiten limitiert. Dann wird es immer rarer. Bei Relapse bekommt man die Aquq Blue („inside Clear with Red, Blood Red and Oxblood Splatter“, 400 Stück) oder die streng limitierte Picture (100 Stück). Bei dem schicken Artwork, das in klassischer Horrorfilm-Plakat gestaltet ist, sieht das vielleicht sogar ganz nett aus. Über Indie-Retailer wird dann exklusiv die „Beer with Red and Bone White Splatter“ verkauft, die auf 300 Exemplare begrenzt ist.


12 Lieder / 44.31 Min.
13.10.2017 / Relapse Records (CD/LP/Download)

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