Party.San Festival 2017


  1. August 2017 – 12. August 2017
    Schlotheim, Flugplatz Obermehler

Es ist angerichtet! So mein erster Gedanke beim Eintreffen in Schlotheim. Alle Jahre wieder und so weiter… Das Billing war auch in diesem Jahr – wie immer! – prächtig, das Wetter leider nicht. Who cares? Genau! Drei Tage Freunde, tolle Bands und viel Spass. Wir jedenfalls ließen uns das nicht von Wind und Regen vermiesen. Also rein ins Getümmel!

Donnerstag, 10. August.

Hauptbühne

NIGHT DEMON fielen leider, wie es so oft mit der ersten Band eben ist, leider dem Anreiseprozedere zum Opfer. Polens Death Metal-Monster AZARATH waren somit mein ganz persönlicher Opener, auf die ich mich dank einer ganzen Reihe hervorragender Alben sehr freute. Energisch war der Auftritt, wenn auch etwas distanziert, spielerisch Sahne natürlich, leider litten die Polen unter eine etwas arg Bassdrum-lastigen Sound, der nahezu alles andere übertönte. So blieb von dem schwarzgefärbten Morbid Angel-Immolation-Sound – ähnlich wie bei Immolation im Jahr zuvor – nur flakratternde Salven über. Schade…

Islands Black Metal-Newcomer MISTHYRMING durften die leichte Enttäuschung dann mit einem wirklich fulminanten Auftritt richten. Absolut fesselnd, was die Jungspunde dort auf der großen Bühne zur frühen Abendstunde entfesselten. Dabei schien der Fokus auf noch nicht veröffentlichtem Material zu liegen, was die Vorfreude auf das schon etwas länger angekündigte, aber bis dato noch nicht veröffentlichte neue Album ins Unermessliche wachsen ließ. Ich habe selten eine Band erlebt, die das Tageslicht so zum Schwinden brachte, wie die Isländer. Vielschichtig und intensiv, mitreißend und leidenschaftlich, nicht anders kann man diesen Auftritt fassen. Hypnotisch-schwarz und radikal! Kurz: wohl eine der besten Live-Bands im schwarzen Sektor im Moment.

Dagegen konnten die gestandenen Tulpenklassiker GOD DETHRONED wenig ausrichten. Etwas routiniert, aber auf jeden Fall gekonnt, bot der wie immer ungekünstelt und sympathisch auftretende Bandkopf Henri ein abwechslungsreiches Set aus einigen Klassikern und Gassenhauern und ein paar wenigen neuen Songs. Wie immer sehr eingängig und on point, dürfte kein Fan enttäuscht worden sein. Falsch haben die Holländer jedenfalls nichts gemacht, konnten allerdings zu keiner Sekunde die Intensität der Islander erreichen.

Die von mir eher weniger gemochten MANTAR durften in diesem Jahr dann auch die Hauptbühne beackern. Gemessen am rasanten Erfolg des Duos natürlich absolut verdient. Auch wenn ich Mantar für absolut überbewertet halte und keineswegs für die Innovatoren, für die man sie gerne hinstellt, haben doch gerade in dem Hardcore angrenzenden Genres genügend Bands ähnliches schon vor vielen Jahren vorgelegt, muss man den beiden einfach eine engagierte und sympathische Show attestieren. Bleibt nur die Frage, ob die beiden eigentlich auf der Bühne mehr Spass haben als die Fans im Publikum? Schwer zu sagen, jedenfalls wurden Mantar meine Unverständnis zum Trotz absolut zurecht frenetisch gefeiert.

DARKENED NOCTURNE SALAUGHTERCULT gehört zu den Bands, die bei mir nie gezündet haben. Auch nicht nach dem x-ten Mal live. Fulminant war der Auftritt mit Sicherheit, musikalisch und auch so perfekt choreographiert, leider gingen mir die Songs zum einen Ohr hineing und zum anderen hinaus und ich verlor mich dabei schnell beim Plaudern. Sorry.

URFAUST auf einer Open Air-Bühne, das ist so eine Sache. URFAUST bei brutalstem Schütten auf einer Open Air-Bühne – unbezahlbar. Wie bestellt, schüttet es massivst beim Auftritt der beiden schrägen Holländer; einen größeren Gefallen konnte man dieser Band und dem Publikum kaum machen, denn die Atmosphäre blieb dabei auf diesem Festival unübertroffen. Krass, wie intensiv URFAUST unter diesen Umständen funktionierten. Ein hypnotischer, zynisch-böser Malstrom der Garstigkeit, als Gesamtpaket am Rande des Erträglichen. Und somit wohl definitiv ein Highlight des Festivals.

New Yorks Thrash Metal-Legende OVERKILL zogen einen routinierten, klassikerlastigen Gig herunter. Ich empfand die Thrasher so sympathisch wie auch unpassend auf dem Festival, dennoch zogen sie die Massen vor die Bühne und lieferten gekonnt. „Rotten To The Core“ und das obligatorische und abschließende „Fuck You“ wurden willkommen gefeiert, die finale Liebesbekundung von Bobby Blitz an das deutsche Publikum beherzt zurückgegeben. Ich schätze mal, die Fans waren begeistert, ne?

Headliner des Abend sollte der ehemalige Unsterbliche Abbath sein. Man kann über die Personalie und seine Geschichte streiten oder besser noch lachen, nie sollte man dabei vergessen, dass Harald ein ausgemachter Showkönner ist, der nicht nur sein Publikum fest im Griff hat, sondern trotz aller Grimness (höhö) noch höchst sympathisch und selbstironisch, was ja nicht gerade viele Black Metal-Legenden von sich behaupten können, daher kommt. Und genau das bot Abbath auch: eine fulminante Show inkl. dem legendären Hüftschwung und eine ganze Latte an willkommenen IMMORTAL-Klassikern. Musikalisch war das Treiben souverän, auch wenn Abbath natürlich komplett im Mittelpunkt stand – und keinen Hehl aus seinem Spass an der Sache machte. Als Nicht-Fan kann ich nur sagen: schon lange keine so unterhaltsame Black Metal-Show mehr gesehen. Den Headliner-Posten hatte Abbath jedenfalls an diesem Tag auf der Hauptbühne völlig zurecht inne. Das war Bierzelt-Entertainment in Reinkultur.

Zeltbühne

Hollands Allerlei-Star-Ensemble LUCIFERICON boten einen eher routinierten, leider nicht unbedingt mitreißenden Gig. Musikalisch absolut auf der Haben-Seite mit ihrem düsteren, satanischen, nicht unanspruchsvollen Death Metal und im Gegensatz zu Azarath mit einem ganz guten Sound beglückt, wollte der Funken selbst bei dieser recht kurzen Darbietung einfach nicht überspringen. LUCIFERICON rauschten wie ein abgebremster D-Zug durchs Zelt und waren so schnell wieder vergessen, wie ihre Show vorbei war. PIG HEAD übrigens auch. Aus meiner Warte totaler Schrott. Und ich werde es nie verstehen, weswegen das Party.San immer wieder Slam/Br00dl/Gore-Kapellen einladen muss, um sie dann als Opener versteckt zu verfeuern. Ich könnte ganz gut damit leben, wenn man diese Bands gerne ersatzlos streichen würde.

Auf THE LURKING FEAR freute ich mich besonders, versammelt die schwedische Truppe doch so manchen meiner Lieblingsmusiker. Auch hoffte ich, das Quintett würde live mächtiger überzeugen, als es auf Tonträger der Fall ist. Dem war nicht so, trotz des haushohen Sympathiebonus. Keine Frage, die Show war engagiert, Tompa herrschte wie immer wie Sau, leider sind die Songs der Schweden weniger überzeugend. Und das merkte man leider auch live. Das ist bei der musikalischen Historie jedes einzelnen Mitglieds umso bedauerlicher; mehr als ein „ganz nett“ konnte ich mir leider kaum herauswürgen. Schade.

ULTHA sind wohl die deutschen Black Metal-Newcomer schlechthin. Auf Platte überragend, live – auch heute – eine Macht, menschlich zusammengenommen eine der besten Bands, die ich kenne, begleite ich doch einige Mitglieder schon viele Jahre bekanntschaftlich. In tiefes Rot getaucht, entfesseln ULTHA auch an diesem Abend ein hypnotisch-mitreißendes Inferno, in Musik verpackter Wahnsinn, der die Tore zur Hölle weit aufreißt und erst einmal auch offen stehen lässt. Was ULTHA in ihren starke 30 Minuten – man witzelt vorher noch ob der beiden Songs, die zusammen die Spielzeit überschritten – lieferten, war nicht mehr von dieser Welt. Intensität, mit der kaum eine Band des Festivals mithalten konnte. Die Publikumsreaktion war dabei alles andere als verhalten – völlig zurecht, völlig verdient. ULTHA!

Die Zeltheadliner DAWN OF DISEASE fielen leider einigen sozialen Aktivitäten zum Opfer, um Urfaust auf der Hauptbühne nicht zu verpassen. Und wirklich keiner von uns hat die Death Metaller angeschaut. Sorry.

Das war er, der erste Tag des heißgeliebten Familienfest! Unterm Strich mal wieder ein geiler Einstieg in das tolle Wochenende!

Freitag, 11.8.2017

Hauptbühne

Den Blödsinn und die Sprüche von GUT wollte sich keiner am frühen, doch ziemlich verkaterten Nachmittag geben. So hat man es eben auch gelassen und ging kollektiv zu Finnlands Death Metal-Legende DEMILICH, die dann doch schon zu so früher Stunde auf die Bretter musste. Schade eigentlich, denn wenn auch nie ein Bestseller, so hätte diese Band doch einen Headliner-Slot im Zelt einnehmen können. Sei’s drum. DEMILICH lieferten wie erwartet. Schräg und abgefahren, alles andere als eingängig und so übergenial, dass es wirklich eine Freude war, den Finnen bei ihrem Schaffen zuzuschauen. Da störten Anttis dieses Mal doch eher schwächliche Gurgelgrunz-Vocals auch nicht mehr. Ich bin überaus froh, dass die Band sich nach mehrmaligem Hin und her dafür entschieden hat, weiterzumachen, statt die Sache endgültig zu beenden.

Vom Regen in die Traufe, von einer Death Metal-Legende zu einer Thrash-Legende: DEMOLITION „motherfucking fucking fuck“ HAMMER! Wundersamerweise auch schon so früh, aber denn… Brett! Der geriatrische Verein aus New York zerlegte mit einer Vehemenz die Bühne, so dass so ziemlich jede andere Thrash Metal-Band des Festivals ziemlich lahm dagegen aussah. Klassiker folgte auf Klassiker, Fluch auf Fluch und Hit auf Hit! Wahnsinn! Ungekünstelt, roh und authentisch! So möchte man so manch andere Wiedervereinte mal erleben! Hut ab!

Dass sich VITAL REMAINS auf das diesjährige Billing verliefen, wunderte mich dann doch – ohne mich darüber beschweren zu wollen. Seit Jahren ohne Output, dafür mit stetig wechselnden Mitgliedern, konnte man der Band dann doch eine wenn auch routinierte, aber gekonnte Show attestieren. Irgendwie wollte zwar der berühmt-berüchtigte Funken zu keiner Sekunde überspringen, dennoch bewiesen die US-Semiklassiker Stil und Können und ließen tatsächlich bei mir irgendwie die Hoffnung aufkeimen, dass ein kommendes Album die lange Durststrecke beenden kann. Müssen wir wohl abwarten… das dachte sich wohl auch ein Großteil der Anwesenden, denn die Resonanz auf VITAL REMAINS war dann alles in allem doch eher verhalten. Etwas schade, wie ich finde.

UADA gehören wohl zu DEN Newcomern im publikumswirksamen Black Metal. Mich konnten sie weder mit dem gefällig-langweiligen Debütalbum „Devoid Of Light“ noch beim Hell Over Hammaburg vergangenen März besonders begeistern. Dieser – stark vereinfacht – Zwitter aus MGLA-Moderne und No-Fashion-Records-Bands wie Vinterland und Dissection lässt mich einfach kalt, obwohl ich die Einflüsse über alle Maßen schätze. Auch am heutigen Tag blieben UADA für mich fade, ihre Musik ließ mich eher im Regen stehen, statt dass sie mich fesselte. Dennoch war der Auftritt spielerisch natürlich engagiert und gelungen. Die Band gab sich ohne Allüren und publikumsnah und schien tatsächlich entsprechend gefeiert zu werden. Auch wenn ich die Euphorie nicht teilen kann, würde ich die Show dann für Band und Fans als gelungen abbuchen. Scheiße geht nämlich anders.

Wie man eine Band wie MOONSORROW an die Wand klatscht, zeigten die norwegischen Black/Thrash-Rüpel AURO NOIR eindrucksvoll. Dreckig und wetzig, fling und fies, richtig geil räudig – dazu authentisch, selbstironisch, ohne zur Parodie zu verkommen, schnörkellos. Kurz: sympathisch alles abgeräumt. Die Norweger wilderten mal tight, mal rumpelig durch ihre Discographie und boten genau das, was man so als angetrunkener Metalhead am Nachmittag braucht: viel Spass und fetzigen Krach, der mehr als einmal die Grenze zum Punk durchbrach und für wildes Jubeln sorgte. Nur weniger durstig war man nach den Mannen nicht…

Bei VADER ist es ja so: sie kommen, funktionieren und gehen wieder. Seit bald zwanzig Jahren empfinde ich jede Show von ihnen, die ich die letzten Jahre trotz Sympathie und Gefallen an ein paar wenigen der letzten Releases doch eher meidete, als routiniertes Handwerk. Das liegt mit Sicherheit eben an der Sache, eine lang laufende und eingespielte Maschine zu sein, allerdings auch daran, dass Peter einfach auch kein Entertainer ist, der so einen Auftritt nochmal ein bisschen heben kann. So gab es eben die gewohnte Wand. Tight, brutal und irgendwie emotionslos. Beinharte Fans dürfte beglückt worden sein, ich persönlich vermisse einfach die Hits der ersten drei LPs. Auch hier gilt: Scheiße geht anders, Charme und überspringende Spielfreude allerdings auch.

Selbiges wie bei VADER gilt allerdings auch bei NILE. Natürlich sind NILE komplexer und technischer, können gar keine Derwische auf den Brettern sein, exekutieren beispiellos gekonnt und lassen dann doch eher kalt. Im Gegensatz zu Vader liegt das allerdings eben auch am anspruchvoll-komplexen Songwriting, dass kaum zum Ausrasten einladen kann, eher zum Staunen ob der Fähigkeiten der Musiker.

Ganz anders ist es bei CANDLEMASS, Schwedens Doom-Klassiker Nr. 1! Sicher alles andere als eine geölte Maschine, dafür sympathisch und mitreißend-fesselnd. Kein Wunder bei dieser Masse an Hits! Und einem Sänger wie Mats Leven, der nicht nur ein angemessener Frontmann, sondern auch ein hervorragender Sänger ist, sicher lange nicht so exzentrisch wie sein berühmter Vorgänger, aber eben dem klassischen, epischen Songmaterial stimmlich eine etwas rauere und bodenständige Seite abgewinnt, die mir überaus zusagt. Ob es nun „Mirror, Mirror“ oder „Bewitched“ war, CANDLEMASS hatten das

Publikum fest im Griff, „The Well Of Souls“ und „At The Gallows End“ wurden aus tausenden Kehlen gefeiert und bei „Solitude“ bin ich einfach mal etwas gestorben! Größe, wahre Größe braucht keine Perfektion. Sie brauch Leidenschaft und Feuer!

Candlemass zu toppen, wäre für fast jede Band des Festivals aus meiner Perspektive eher ein Unding gewesen. Außer für AUTOPSY. Eine meiner Lieblingsbands. Verdient zum zweiten Male Headliner des Festivals. Und sie herrschten. Killer um Killer, Hit um Hit, streckenweise untight und chaotisch; völlig scheißegal. Reifert und seine Mannen sind die Ausgeburt fiesen, authentischen, dreckigen, schräg-eigenwilligen Death Metals – live, wie auch auf Platte. Phänomenal! Wie im Taumel grölte und feierte ich Song um Song und konnte einfach nicht genug bekommen. Was ein Triumphzug! Und eine Setlist geiler als jede Wichsvorlage! Mein Festival-Highlight!

Zeltbühne:

VERHEERE legten gut vor, wollten aber nicht wirklich zünden. Irgendwie zu wenig furios und zurückhaltend wirkte die Performance; der maue Sound tat das Übrige dazu, eher nur wohlwollend mitzunicken statt auszurasten. Irgendwie schade nach dem gelungenen Demo, aber vielleicht fehlte der Band bisher einfach auch die Live-Routine.

Nach Verheere wurde es mit den auf Platte abgrundtief genialen KOSMOKRATOR vor allem äußerst dumpf. Und das lag vor allem am Sound und nicht am Gruf-Death Metal der Mannen. So wollte auch hier kaum der Funke überspringen, der Soundmatsch lud einfach eher zum Gehen ein, denn zum Abgehen. Bedauerlich, wie ich finde, und ich muss jedem wirklich nahelegen, die Band mal aus der Konserve anzutesten. Es lohnt sich!

KRINGA dagegen herrschte wie kaum eine Band dieses Jahr im Zelt. Hungrig wirkten die Österreicher, begierig, ihre dreckigen, schwarzen Hymnen zu zelebrieren. Diese sind zwar alles andere als Easy Listening, eigenwillig und schräg und trotz der Rohheit kein bisschen primitiv. Sicher, kein Set zum Ausrasten, KRINGA fesselten dennoch mit ihrer ureigenen Atmosphäre irgendwo zwischen Urfaust und Darkthrone. Nicht, dass „Through The Flesh Of Ethereal Wombs“ kein Glanzlicht gewesen wäre, aber wenn die Österreicher diesen Weg weiterverfolgen, wird uns ganz Großes ins Haus stehen!

DEW-SCENTED sind mit absoluter Sicherheit ein mehr als würdiger Headliner der Zeltbühne. Wie immer energisch und kompromisslos wild daherpreschend, rotzten die Norddeutschen eine grobes Best Of-Set ihrer doch zahlreichen Alben seit „Inwards“ herunter und machten einfach wie nahezu jedes Mal die letzten 20 Jahre einfach nur Laune. So viel Beständigkeit muss einfach belohnt werden – und sie wurde es durch das jubelnde und moshende Publikum. Stark!

Samstag, 12.08.2017

Pre-Show-Show auf der Zeltbühne

INDIAN NIGHTMARE sollen mir den Kater aus der Fresse blasen. Schaffen sie nicht, zeigen aber dennoch nachdrücklich, warum die Metalpunks im Moment eine der gefragtesten Bands an der Kreuzung aus fetzigen Metal und diversen Hardcore/Punk-Spielarten sind. Engagiert, energisch und fetzig, so geht es auf der Zeltbühne zur Sache. Macht Spass, aber die Spuren der letzten Nacht sitzen tief… dennoch: ich würde mir, wie früher, wieder mehr Crust- und Metal-Bands wünschen, die mit ein paar Zehen in altbackenem Hardcore oder Punk stehen.

Hauptbühne

Ich stehe auf GRUESOME STUFF RELISH und ihren unbekümmerten Mischmasch aus Carcass-beeinflusstem Alt-Grind und Death Metal zwischen 1987 und 1993, namentlich zwischen Master und Entombed. Das kracht, knattert und fetzt und wird kompetent vorgetragen. Vor bedauerlicherweise recht wenig Publikum, dafür unter einigen Fetzen blauen Himmels. Netter Einstand für die Hauptbühne. Ich fühlte mich noch immer wie frisch defäkiert.

MOURNING BELOVETH gelten noch immer als Geheimtipp. Melancholischer Doom Metal, bisweilen progressive, bisweilen mit den nötigen Härten versehen, lockte dann doch schon so zeitig eine ordentliche Menge vor die Bühne. Natürlich kann man bei dieser Musik kaum einen wilden Pit erwarten, dem Wetter angemessen melancholisch fügte sich hier Schwermut und das leicht stürmische Grau in Grau der Wetterkulisse stimmungsmäßig und so dürften die Iren durchaus einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ob dies bei einem späteren Slot, was von nicht wenigen gewünscht schien, genauso funktioniert hätte, bleibt für mich jedenfalls mal zweifelhaft.

MERCILESS, Schwedens räudige Rabauken-Thrasher, waren dann mal wieder was für mich. Nostalgie pur! Und besser als das letzte Mal, das zwar keine Katastrophe wie damals Unanimated oder Dismember waren, aber schon krass schlecht. Heuer fetzten MERCILESS sich gekonnt und aggressiv, aber mit deutlich Spass an der Sache, durch ihre wohl letzte Deutschlandshow. So gab es vom Gerumpel früher Tage bis zum unglaublichen Überhit „Unbound“ die volle Breitseite – und am Ende blieb der Wunsch, dass die Band sich doch nochmal aufraffen soll.

HADES mit dem rechtlich nötigen ALMIGHTY im Anhang, Semi-Legenden aus Norwegen, gaben irgendetwas wie einen Reunion-Gig am heutigen Nachmittag. In brünstig und wütend, dazu überaus eingespielt für eine Band, deren Auftritte doch dann eher rar gesät sind, schaffen es HADES ALMIGHTY im Laufe der Show den Platz vor der Bühne deutlich zu füllen. Nicht weniger dürften von dem massiven Auftritt überrascht worden sein, die Resonanz auf den Auftritt wird im Laufe dessen immer frenetischer. Wer hätte das erwartet?

Im Gegensatz zu den nicht weniger anspruchsvollen Nile, haben CRYPTOPSY den Vorteil, trotz ihres technisch überaus hohen Levels weitestgehen eingängige Songs zu servieren, denen es aber weder an Kabinettstückchen, noch an Geprügel fehlt. Zurzeit ist die Band mit einer „None So Vile“-am-Stück Show auf den Bühnen unterwegs, eine Vollvorstellung des zweiten und zurecht klassischen Album, das die Band noch in traditionelleren Gefielden zeigt – und unerreicht brutal. Nun, dass CRYPTOPSY Könner sind, muss man nicht zweimal betonen, leider möchte an diesem Nachmittag der Funke trotz dem Hitfeuerwerk nicht überspringen. Flo Mouniers Schlagzeug klingt wie aus dem Computer, ist überpräsent und prügelt den Rest der Instrumente in Grund und Boden. Dazu ist der aktuelle Vocalist – sicher nicht Cryptopsys schlechteste Wahl – einfach nur ein charmloser Brüllaffe, der zu keiner Sekunde DiSalvo oder dem Lord Wörmchen das Wasser reichen kann. Das schmälerte natürlich das Vergnügen erheblich.

Besonders freute ich mich auf NECROPHOBIC! Zu lange nicht mehr gesehen, schon sehr vermisst! Zum PSOA-Auftritt präsentieren die wiedererstarkten Schweden mit „Pesta“ eine neue EP und damit auch einen neuen Song des hoffentlich bald erscheinenden, noch unbetitelten Albums. Und NECROPHOBIC sind in bester Form, spielfreudig und agil, irgendwie charmant trotz Evilness, bieten einen gelungenen Querschnitt durch ihr Schaffen und präsentieren so manchen Klassiker, auch aus ihrer Anfangszeit, namentlich „Slow Asphyxiation“ und „The Nocturnal Silence“ – „Unholy Prophecies“ wäre noch geil gewesen. Mögen hier die Rahmenumstände (fucking Wetter) nicht gestimmt haben, NECROPHOBIC waren für mich definitiv ein Highlight des Festivals, denn das Feeling stimmte einfach, wie auch schon bei Autopsy oder Merciless.

Eine wahnsinnig großartige Publikumsreaktion durften die Koblenzer Urgesteine DESASTER einfahren – kein Wunder, sind die alten Herren doch Obersympathen. Verdient auch, weil ihr Auftritt absolute Sahne war. Spielfreude, die man ihnen ansah, die auf das Publikum übersprang, dazu Hits aus der gesamten Laufbahn – Fanherz, was willst Du mehr? Ach ja, eine Pyro-Show vielleicht? Die gab es auch, „Hellfire Dominion“ eben! Das Publikum war dabei wirklich die ganze Zeit am Ausrasten und Moshen und Diven – DESASTER dürften wohl mindestens stimmungsmäßig wohl eines der Highlights des Festivals gewesen sein.

Und dann war mal wieder Legenden-Zeit: POSSESSED. Frisch mit einem Vertrag von Nuclear Blast in der Tasche, … ach, was labere ich da. Ich nehme Beccera voll ab, dass er die Band, die an sich eher eine Coverband mit Originalsänger ist und so wohl auch wieder gestartet war vor einigen Jahren, damals mit Sadistic Intent- und Coffin Texts-Leuten. Trotzdem fuchst mich das irgendwo, so dass ich bisher keine POSSESSED-Show wirklich genießen konnte. Auch heute nicht. Klar, die Songs stimmen, können sie ja nur, gibt ja nur Klassiker. Die Darbietung ist in Ordnung, wenn auch der Schlagzeugsound mal wieder nervt. Beccera ist supersympathisch, vor und hinter der Bühne, und weiß trotz seines wohl bekannten Handicaps voll zu überzeugen, aber wirklich abholen wollen mich POSSESSED auch heute nicht. Mal schauen, wie es dann mit einem neuen Album und vermehrt neuen Songs im Set ausschauen wird. Bin ja Fan, sollte die Hoffnung nicht aufgeben.

Schwedens Black-Metal-Panzer MARDUK sind sicher zurecht Co-Headliner. Für mich hatten sie nach „Opus Nocturne“ eigentlich alles gesagt, die Panzerdivision halte ich nachwievor für überbewertet und überhaupt wurden MARDUK erst nach dem Einstieg von Arioch, dann Mortuus genannt, von Triumphator und Funeral Mist wieder streckenweise interessant, denn dieser hinterließ doch dann seine Duftmarke – und ist ein wahnsinniger Sänger. „Frontschwein“ ließ mich dann wieder eher recht kalt mit der Rückkehr zu eher dem typischen MARDUK-Stil und der Kriegsthematik. Nun denn, zum Glück gab es dieses Mal die Panzerdivision nicht am Stück (sondern nur den Titelsong davon), somit leider auch kein „Those Of The Unlight“ am Stück. Die Setlist war dafür recht abwechslungsreich, was aber Marduk so gut machte, selbst für einen Semi-Fan, war die Exekution des Auftritts. Ich bin immer noch begeistert, wie tight und wirklich brutal und voller Inbrunst sich die Schweden durch ihr Set metzelten. Das verdient durchaus Beachtung – und dürfte im Black Metal durchaus einzigartig sein. Starker Auftritt!

MORBID ANGEL mussten ja bekanntlich ihren Headliner-Auftritt canceln, dafür sprang der CELTIC FROST-Nachfolger TRIPTYKON ein. Was etwas wunderte, wenn man den ersten und bis dato angenommen letzten, dafür grandiosen Auftritt der schweizer-deutschen Gruppe bedenkt. Fischer machte auch keinen Hehl daraus, dass er noch immer nachtragend ist und hatte natürlich auch am heutigen Tage was zu motzen. Nichtdestotrotz zeigten sich TRIPTYKON musikalisch von ihrer besten Seite und präsentierten ein überaus langes Set mit diversen Highlights inklusive vier (!) Songs von Celtic Frost, die im TRIPTYKON’schen Gewand nochmal eine Ecke dunkler und massiver erstrahlen – „Procreation (Of The Wicked)“, „Dethroned Emperor“, „Circle Of The Tyrants“ und „Morbid Tales“ (ein Hellhammer-Tribut hätte gerne noch sein dürfen, aber ich will nicht meckern) – und eine wahnsinnige Wahnsinnsversion von „The Prolonging“ über 20 dröhnende und walzende und alles vernichtende Minuten. Unfassbar großartig! Besser und mächtiger als mit diesem Requiem hätte das Party.San 2018 nicht zu Grabe getragen werden können.

Zeltbühne

BLOOD OF SEKLUSION lieferten in diesem Jahr ein gelungene Debütalbum zwischen „Wolverine Blues“, etwas Crust und späteren Napalm Death und durften auch auf der Zeltbühne gut unterhalten. Das war angenehm rotzig und dreckig und machte ausgesprochen viel Spass. Mehr auch nicht, aber hey, Leute, checkt „Servants Of Chaos“ – die Band fetzt!

Wenn es einen typischen Party.San-Death Metal-Stil gibt, dann beherrschen ihn ATOMWINTER perfekt: Asphyx, Benediction, einen Hausch Schwedentod und Bolt Thrower. Das groovet eingängig bis in die Bedeutlungslosigkeit auf Platte, live als Hintergrundbeschallung erfüllt es seinen Zweck als genau das. Und nicht mehr. Total überbewertete, aber sympathische Kapelle.

KRATER sind irgendwie zu den deutschen Black Metal-Hopefulls der Traditionalisten geworden. Meilenweit von den Anfängen entfernt, bieten die Herren qualitativ hochwertigen, sehr tight dargebotenen Black Metal der abwechslungsreichen Sorte. Schwachpunkt sind wie gehabt die Vocals, das fällt aber bei diesem Inferno kaum ins Gewicht. Manchmal muss ich an Nagelfar und Graupel denken. Das sollte Auszeichnung genug sein. Starke Show!

HUMILIATION sind sowas wie Helden in bestimmten Kreisen. Bolt Thrower sollen sie recht nahe kommen, haben sie gesagt. Spass soll das machen, haben sie gesagt. Von Bold Thrower sind die sympathischen Asiaten meilenweilt entfernt, eher so, auch qualitativ bei Jungle Rot und Co. Das groovt und ist bemüht treibend und am Ende eher nervig und ermüdend, denn mitreißend. Mit dieser Meinung stehe ich irgendwie auch eher alleine da, denn im Pit ging es ordentlich zur Sache, selbst am späten Abend des dritten Festivaltages noch….

Das war es nun, unser Party.San 2018. Die Macher sind sich wie immer treu geblieben: Qualität statt Quantität, mit besonderem Augenmerkt auf aufstrebende Bands aus Deutschland, keine Anbiederungen an irgendwelche populären Strömungen, dazu wie immer recht faire Preise, dazu ein überaus gutes, sogar fair bepreistes Angebot an diversen Fressständen, an denen auch vegan lebende Zeitgenossen nicht zu kurz kommen. Die Organisation ist selbstredend wie immer 1A gewesen, vor und hinter der Bühne, leider war der Schlagzeugsound manchmal wirklich unerträglich, was aber sicher auch den windigen Umständen geschuldet war – schlimmstenfalls hätte man nichts gehört. Kurzum: fast alles wie immer, und das ist auch gut so! Danke, liebe Festival-Crew und bis 2018!

Kathy, Sandra, Micha, Patrick, Lorenzo, Christian, s‘Ronnele und Lobi