The Trollmusic Herald No.3 – A Friendzine

 

Da musste Thor mit der heißen Nadel stricken, wollte er seinen Trollmusic Herald doch noch rechtzeitig zum Prophecyfest fertig bekommen. Als Ergebnis ist ein vergleichsweise dünnes Heft zum vergleichsweise hohen Preis entstanden. Gerade mal vierzig Seiten, Cover und zwei ganzseitige Flyer inklusive. Für sechs Euro inklusive Porto innerhalb der BRD. Dies ist alleine den Herstellungskosten von 4,50 pro Ausgabe geschuldet. Denn, wie gesagt, das Heft musste rechtzeitig zum Prophecyfest in Kleinauflage manuell in einem Copyshop hergestellt werden. Da sieht man mal über das vermeintlich geringe Preis-Leistungs-Verhältnis hinweg; denn der Inhalt ist sein Geld durchaus wert – sofern man sich in der fokussierten Stilrichtung wiederfindet.

Denn für den typischen NecroSlaughter-Leser bietet der Trollmusic Herald eher weniger. Kein Death Metal, kein Grindcore. Eigentlich kein Wunder, kennt man den Musikgeschmack des Herausgebers bereits von seinen anderen schreiberischen Baustellen: Dem verblichen Hammerheart, Musikreviews.de oder dem Waldhalla Fanzine. Darüber hinaus betreibt er noch sein eigenes kleines Label Trollmusic und ist A+R für Prophecy Records. Schnell ist klar: Der alte Natur-Romantiker interessiert sich eher für Pagan/Viking Metal, Folk und Wald-Und-Wiesen Black Metal. Auch wenn in dieser Ausgabe die Rocker von Mangrove oder die die Doom-Band Troll vertreten sind.

Entsprechend liest sich auch die Inhaltsangabe der aktuellen Ausgabe: Vinsta, Mangrove, Alvenrad, Byrdi, Fornhem, Kings Of Asgard, Fellwarden, Winterfylleth und Troll – wie sollte es auch anders sein…
Dazu gibt es noch einen sehr persönlichen Nachruf auf Gabriel „Negru“ Mafa von Negura Bungent und ein handschriftlich verfasstes Vorwort im schönsten Lettering.

Die Gespräche wurden nicht alleine von Thor geführt. Byrdi wurden von Richard Klasen ursprünglich für das Miroque Magazine interviewt und Jonathan Jancsary hat mit Kings Of Asgard für das Legacy geplauscht. Manche Gespräche wurden entsprechend bereits zuvor woanders veröffentlicht, so beispielsweise auch Fellwarden bei Musikreviews.de. Im Trollmusic Herald finden sich allerdings die Geschichten in der englischen Originalfassung.

Auch soll erwähnt sein, dass der Herald zu Teilen auch die Hauszeitschrift des gleichnamigen Plattenverlages von Thor ist. Fornhem, Vinsta, Kings Of Asgard, Alvenrad sowie Byrdi befinden sich bei Trollmusic unter Vertrag. Dennoch ist das Magazin keine Werbebroschüre, sondern zeugt lediglich vom überschäumenden Enthuisasmus des Herausgebers, der so eine Begeisterung für die Bands verspürt, dass er es eben nicht bloß bei einfachen Gesprächen belässt, sondern den Bands darüber hinaus noch eine Plattform bietet.

Die entsprechende Leidenschaft liest man auch deutlich aus dem Herald heraus. Die Gespräche sind detailverliebt, gehen auf Kleinigkeiten ein, werden zuweilen sehr persönlich Angekündigt und zeugen immer von tiefstem Verständnis von Musik, Band und der dahinter liegenden Philosophie.

So macht das Lesen dieser dritten Ausgabe selbst mit mangelnder Identifikation zu Bands und Stilrichtungen Spaß, reißt den Leser mit und weckt Interesse. So, wie es sich für ein gutes Fanzine gehört.

In Unkenntnis der ersten beiden Ausgaben, kann ich allerdings nicht sagen, in wie fern die zuvor erwähnte heiße Nadel dem Layout ihren Tribut gefordert hat. Denn das Magazin ist sehr aufgeräumt. Einspaltige Einführung, zweispaltige Gespräche. Dazu sauber platzierte Bandlogos und Bilder. Kein Hintergrundrauschen, keine exotischen Schriftarten. Der Fokus liegt mehr auf dem Inhalt denn der Präsentation. Das macht das Lesen angenehm. Und ich muss gestehen, dass ich diese eher puristische Aufmachung nicht mal sonderlich langweilig finde. Vielleicht, weil der Inhalt doch sehr für sich alleine spricht.

Leider kann ich weder sagen, in welcher Auflage diese Ausgabe angefertigt wurde, noch ob der werte Thor einen Restbestand hat.Und eigentlich ist das Magazin auch eher ein „Friendzine“. Also für die Bands und Freunde von Trollmusic. Vielleicht macht der Thor für euch aber auch eine Ausnahme und verkauft den Herald auch an euch. Wer von meinen Lesern interessiert ist, sollte am besten einfach mal nachfragen. Und im Zweifelsfall ein Auge auf die nächste Ausgabe haben.


40 Seiten, 1-Farbiges Cover, s/w, 9 Interviews, ein Nachruf

http://www.trollmusic.net
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Mail: mailto:thor@trollmusic.net