Khmer – Larga Sombra

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„Larga Sombra“ ist das Debüt-Album von KHMER, die bereits seit 2012 im Untergrund rumlärmen. Faul waren die Spanier in den letzten fünf Jahren allerdings nicht! Seit Bandgründung gab es bereits ein Demo, eine EP und zwei Splits, eine davon mit den wunderbaren Crust-Punks von Livstid. Dennoch ist mir die Band bisher nicht aufgefallen. Und wer sie auf der kürzlich absolvierten Tour mit den ebenfalls großartigen Teething nicht bereits kennengelernt hat, sollte sich schleunigst das erste Full-Length zulegen.

Zugegeben, die Bezeichnung „Langspielplatte“ ist für knapp 25 Minuten vielleicht ein wenig euphemistisch. Das ändert aber nichts daran, dass „Larga Sombra“ eine furiose Fahrt durch so viele Stilbrüche ist, die gerade in dieser Laufzeit perfekt funktioniert. Hier so furioser Hardcore wie Loma Prieta und Punch ihn spielen. Dort eine Mischung zwischen kalten und düsterem Black Metals und Metalcore, wie sie Ancst nicht unähnlich ist. Und dann kommt plötzlich Neo-Crust auf Speed dazu, Riffs, wie sie At The Gates durchaus auch hätten schreiben können, Post-Punk-artige Momente, und und und… Basses, unter einer halben Stunde feuern KHMER aus allen Rohren und haben einen extrem eigenständigen und erfrischenden Bastard rausgerotzt.

Dabei ist der Einstieg in „Larga Sombra“ vergleichsweise zahm. Im gleichnamigen Song wird erst mal über sechs Minuten das grobe Repertoir vorgestellt. D-Beats, Crust und ein gutes Händchen für griffige Harmonie-Linien an den Riffs, das ist schon mal ordentlich und spielt auch schon mit ein paar netten Wendungen innerhalb der Songstruktur. Doch erst mit „Perdiste El Filo“ legen KHMER dann so richtig los! Blastbeats, mehr Rotz, mehr Punk und dann plötzlich Ausbrüche in noch schnelleres Tempo und massiven Black Metal-Einschlag – nur um Sekunden später in progressive Momente aufzulösen.
„El Ardor De La Crueldad“ ist nicht weniger wahnwitzig. Fastcore-artiger Auftakt, At The Gates-Tribut und ein flüssiger Übergang in klassischen Black Metal. Alles so stimmig arrangiert und dennoch wird der Hörer fast überfahren. Weiter gibt es noch Reminiszenzen an Coverge oder Wolfbrigade, ohne dass KHMER jemals direkt nach den Bands klingen, sondern viel mehr Vibe und Spirit geschickt in ihre brodelnde Mixtur aufnehmen.
Da ist das eher kunstvolle und dem Post-Punk nahe „A Este Lado De La Luna“ nur eine weitere Überraschung auf dem Album, die aber nicht minder von dem konsequenten Stilmix hinter „Larga Sombra“ zeugt.

Viele Eruptionen, abrupte Wendungen, überraschende Twists, dabei aber immer grandiose Harmonien und griffige Melodien, die immer wieder aufgegriffen werden und konsequente Leitplanken innerhalb der Songs sind. Und am Ende löst sich das Outro „… Para Ver El Mundo Arder“ genau so kalkuliert auf, wie „Larga Sombra“ zuvor scheinbar willkürlich explodiert ist. Aber nur scheinbar. KHMER haben mächtig Feuer, verbrennen aber nicht ziellos, sondern kalkuliert. Das zeigen auch die gezielten Intermezzi auf dem Album.

Ich bin begeistert. KHMER sind durchaus unkonventionell und brechen bewusst mit den Genre-Grenzen. Und das macht sie interessant. Wer gerne mal über den Tellerrand schaut, findet hier ein hervorragendes Debüt-Album.


8 Lieder / 27:15 Min.
August 2017 / Woooaargh (CD, LP, Tape)

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