From Beyond… The Deathbed – Ausgabe #6

 

Da ist er auch leider schon. Der Schwanengesang des wunderschönen From Beyond… Fanzines. Es ist die sechste Ausgabe vom Ipp. Und leider auch die letzte. Eine Schande, denn es ist fürwahr wohl eines der eigenwilligsten Magazine in der deutschen Szene. Liebevoll, ästhetisch, intensiv und detailverliebt.

Das fängt direkt schon an, wenn man das Heft aus dem Versandumschlag zieht. Das Cover wurde an einer bestimmten Stelle so aufgerissen, dass der Namensschriftzug von der hinterliegenden Seite durchblickt. Memento Mori-Ästhetik ist im Metal zwar durchaus nicht fremd, allerdings bieten die Fotos von Nici, die zum wiederholten Male Verwendung im From Beyond… finden, ihren eigenen Charme. Von romantisch verträumten Friedhofsstatuen, wie beispielsweise dem Engel auf dem aufgerissenen Cover, bis hin zu Impressionen aus Gebeinhäusern fügt sich die Optik immer passend zu Ipps Gesprächspartnern.
Gelegentlich finden sich schon mal die Bandlogos in den Interviews. Mal prominent, quasi als Einleitung. Oft aber auch subtiler im Layout versteckt. In den Luxus von Bandbildern kommen hingegen ausschließlich die Dänen Undergang.

Konzeptionell ist „The Deathbed“ in 15 Kapitel aufgeteilt. Dreizehn Gespräche, zwei Kolumnen und eine Hand voll Musik-Tipps, derer sich die fünfte Ausgabe noch entbehrte. Konsequenterweise ist dann das erste Gespräch mit Atlantean Kodex Auch wiederum in Prolog, Epilog und diverse Kapitel aufgeteilt. Hier machte es auch durchaus Sinn und musste entsprechend nicht aufgezwungen auf die übrigen Geschichten übernommen werden.

Wiederholt sind die Gespräche kein plumper Fragenkatalog, der einfach von beiden Seiten abgearbeitet wurde. Vielmehr fand der Gedankenaustausch immer über einen längern Zeitraum statt und erlaubt so einen stimmigen Fluss durch immer weiter verästelte Aspekte der Interviewpartner. Denn für Ipp ist nicht nur der musikalische Aspekt einer Band interessant. Vielmehr beschäftigt er sich auch mit visueller Ästhetik der Interpreten, der Aufmachung ihrer Veröffentlichungen, den Texten und entsprechend weiterführend mit anthropologischen und philosophischen Aspekten hinter den Konzepten. Ja, an mancher Stelle wirken Ipps Bemühungen fast schon überambitioniert und werden nicht selten durch die Antworten der Bands etwas entkräftigt.

Wo die meisten Gesprächspartner sich über die Interpretationen und Wahrnehmungen des Fragestellers freuen, gar eigene Denkansätze liefern, trifft Ipp hingegen bei Altarage nicht sonderlich auf Gegenliebe. Diese sehen in den Fragen wohl eher eine Kritik, wenn nicht sogar einen persönlichen Angriff und brechen das Gespäch ziemlich rüde ab. Sympatisch macht sich die Band damit nicht unbedingt. Doch hier nutzt der Verfasser die Umstände und präsentiert den Gesprächsverlauf optisch auf eine erfrischend eigene Art. Chapeau!
Ebenso interessant ist das Gespräch mit dem Künstler Daniel Desecrator. Denn Ipp führt hier eine dreiseitige Analyse einzig über das Artwork zu _Cruciamentum_s „Charnel Passages“ und liefert einen beeindruckenden Tiefgang, diverse Entstehungsskizzen des Bildes inklusive.

Dadurch, dass die Interviews nicht nicht konventionellen Konzepten erfolgen, enden manche Gespräche relativ abrupt. Wie ein gutes Buch, hinterlassen sie den Leser in einem offenen Zustand. So lässt das Ende des letzte Gesprächs mit Tusen Ar Under Jord einen gar doppelt hängen. Im offenen Dialog ohne Abschluss – und eben dem bewussten Abschluss des Magazins selber. Eine Ausgabe 7 wird es leider nicht geben…

Der Vollständigkeit halber die Auflistung aller beteiligten Künstler: Atlantean Kodex, Vircolac, Undergang, Crom Dubh, Horns Of Damnation, Verheerer, Abythic, Dautha und Tusen Ar Under Jord. Ach, und eben dieser Altarage-Ausfall.

Wie bereits zuvor gibt es auch wieder zwei Kolumnen. Einen Fachartikel über die Totenleuchte im Mittelalter und den Artikel über Sichtungen des Teufels auf der weltlichen Erde. Unterhaltsam und erfrischende Zwischenspiele.

Anstatt des üblichen Bergs an Rezensionen gibt es ganz zum Schluss noch 19 Musik-Tipps. Dabei reichen die Veröffentlichung von 2002 bis heute, umfassen sowohl kleine Demos wie auch große Label-Veröffentlichungen. So als ob Ipp wirklich noch mal ein paar letzte Tipps geben wollte. Allerdings passt da die doch eher negative Kritik zu „My Scourge, My Plague“ von Graveyard Dirt nicht so recht in das Bild…

Ipp hat mal wieder ein einzigartiges, intensives und äußerst kompetentes Magazin veröffentlicht, das in seiner intelligenten und philosophischen Betrachtung weit über den ordinären Standard hinausgeht. Er hat wahrlich was Besonderes erschaffen. Und die Lücke, die er hinterlässt, wird wohl nur schwer zu füllen sein. Schade.

Wer ein Stück dieses beeindruckenden Stücks Herzblut haben mag, kann hoffentlich noch ein Exemplar direkt beim Herausgeber bestellen. Innerhalb der BRD kostet das deutschsprachige Fanzine 6 Euro inklusive Porto. Ob wohl noch viele Hefte aktuell verfügbar sind, vermag ich an dieser Stelle leider nicht zu sagen…


Ausgabe 6 // 04/2017
68 Seiten // 13 Interviews // 19 Musik-Tipps // 2 Kolumnen
Kontakt: frombeyondipp@gmx.de