From Beyond… – Ein Gespräch mit Ipp

Das From Beyond… war neben dem Soleil Tryste eines der schönsten Fanzines aus Deutschland. Wunderschöne Ästhetik, eigenständige Ideen und fantastische Gespräche. Leider zieht Herausgeber Ipp nach der sechsten Ausgabe nun einen Schlussstrich. Über die Hintergründe und sein beeindruckendes Werk wollte ich natürlich mehr wissen. Und so bekam ich die Ehre eines Gesprächs mit dem sympathisch-naiven Optimisten, der mich selber mit einigen Fragen aus der Reserve gelockt hat. Das Ergebnis ist eine tiefgehende und persönliche Unterhaltung, die ein paar interessante Einblicke gewährt und zum Nachdenken anregt.


Ahoi Ipp. Vielen Dank, dass Du mir noch dieses quasi posthume Gespräch zu Deinem „From Beyond“ gewährst. Beginnen wir vorweg doch erst mal gemütlich: Bist Du bisher zufrieden mit der Resonanz auf Deine finale Ausgabe?

Shalom Chris, vorab: Ich bin gespannt, wie es ist, auf der anderen Seite vom Fragenkatalog zu stehen – vielen Dank für diese Möglichkeit. Da ich das Heft immer nur für mich gemacht habe, waren Beurteilungen/Bewertungen von Dritten nur das Sahnehäubchen nach jeweils gut einem Jahr Arbeit. Aber Zuspruch suchte ich nie, eher konstruktive Kritik. Natürlich habe ich dennoch alle Reviews gelesen, die ich in die Finger bekam. Wichtiger war es aber hin und wieder einen anderen Blickwinkel aufgezeigt zu bekommen, den ich vorher gar nicht bedacht habe und so etwas bekommt man meistens nicht mit positiven Worten aufgezeigt.
Im Groß war es wie immer, den Kritikern gefiel das Heft und meine Stammleser nahmen das Heft dankbar an.

Was motivierte Dich seinerzeit, ein eigenes Magazin zu veröffentlichen? Wenn ich das richtig recherchiert habe, hattest Du ursprünglich für Leo und sein Fatal Underground geschrieben und von dort sogar vier Interviews in Deine erste Ausgabe „The Tombstone“ übernommen. Was hat Dich dazu bewogen, Dein eigenes Ding durchzuziehen?

Ich bin ein alter Bücherwurm und somit auch dem Papier verpflichtet. Schon während der Schulzeit riss ich mir jedes gedruckte Wort unter den Nagel und verschlang es – unabhängig ob Horror-Klassiker, Krimi oder Shampoo-Werbung. Als ich dann um die Jahrhundertwende den Metal lieben und schätzen lernte, führte zwangsläufig auch kein Weg an Fanzines vorbei. Eins führt zum anderen und schön während der Abiturzeit hatte ich Pläne ein eigenes Fanzine zu machen. Ein Name stand auch schon fest, erste Reviews waren geschrieben und – das war es. Eine Totgeburt, nur eine Idee. Es dauerte dann noch einige Jahre bis mir die Ausbildung die entsprechenden Werkzeuge zur Hand gab und ich das Thema neu aufgreifen konnte. Ich schrieb zunächst für ein regionales Heft, aber die Grenzen waren zu eng gesteckt und es machte keinen Spaß. Bei Leo war alles freier, unkomplizierter, aber ich wollte mehr machen als nur zu schreiben. Ich wollte gestalten und meine Idee der Musik und des Gesprächs visuell umsetzen. Text und Bild sollten eine Einheit bilden und die Gestaltung sollte indirekt einige Ideen der Musik bzw. Themen der Gespräche aufgreifen.
Das ich vier bereits veröffentlichte Interviews (namentlich Dead Congregation, Immolation, Drowned, Necros Christos) mit in die erste Ausgabe nahm, war meiner Ungeduld geschuldet. Diese Interviews waren nämlich schon allesamt in verschiedenen Ausgaben vom Fatal Underground erschienen, aber ich dachte, es wäre ein guter Aufhänger für den Start und ich wusste auf der anderen Seite nicht, wie lange es dauern würde, bis ich genug Bands für ein eigenständiges Heft haben würde.

Als Bücherwurm und mit dem Namen „From Beyond…“, welchen Einfluss hat Lovecraft auf Dich gehabt?

Gar keinen. Ich habe früher versucht einen Zugang zu seinen Werken zu finden, aber abgesehen von seinem Talent Ungesehenes unserem Geist zu überlassen, fand ich für mich nur wenig interessantes auf seinen Seiten. Es ist einfach nicht meines. Genau wie E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und wie sie alle heißen.

Schade, dass Du nie einen Zugang zu Lovecraft, Hoffman, Poe oder Howard bekommen hast. Gerade Lovecraft hat mich mit seinen Visionen stark geprägt, nicht zuletzt deswegen ziert er auch in bereits 2 Tätowierungen meinen Körper und bekommt noch ein Portrait im Oktober spendiert. Sein Schreibstil ist etwas archaisch, pseudointellektuell und viele Geschichten sind nach einer ähnlichen Blaupause aufgebaut – wie beispielsweise auch bei Stephen King. Doch sind es gerade die unpopulären Kurzgeschichten, die anthropologisch durchaus interessant sind. Wenn ich Dir eine Geschichte empfehlen dürfte, so ist es „Der Außenseiter“, oder besser im Original „The Outsider“, die unter anderem auch frei verfügbar ist, da die Urheberrechte mittlerweile ausgelaufen sind.
Poe war durchaus elloquenter und poetischer, was mitunter auch zu wunderschöner Atmosphäre geführt hat. Doch alles Schwärmen von meiner Seite bringt nichts, wenn Dir persönlich der Zugang fehlt.

Ich habe von Poe einige Bücher hier – aber nur wegen der Bedeutung, die der Name innerhalb der Szene hat und weil eines davon sehr schön aussieht. Also wenn du deine Sammlung noch aufplustern willst, gib Bescheid, ich trauer den Büchern nicht nach, ha.
Bei Lovecraft gefiel mir sehr gut, das er nicht (!) beschrieben hat und das er somit alles dem Leser überlassen hast. Das war seine größte Stärke in meinen Augen, aber ich will bei Büchern etwas lernen und nicht abtauchen und mich von dieser Welt abkapseln. Vielleicht kommt das ja noch mit den Jahren, aber zur Zeit will ich mir nur bilden, bilden, bilden und nochmals bilden.
Aber ich notiere mir – ich kann persönlichen Empfehlungen selten nein sagen – „The Outsider“. Ich bin halt ein naiver Optimist.

Als Du Dich für den Namen „From Beyond“ entschieden hast, war Dir da die Existenz des norwegischen Fanzins gleichen Namens bewusst?
Auch gab es eine Zeit lang mal einen Blog mit dem gleichen Namen, der mir aber lediglich bei Recherchen zu Deinem Heft mal untergekommen ist… War es dieses Bewusstsein um die Gewöhnlichkeit der Phrase, die durchaus auch in Film und Literatur fußt, dass Du Dich für Beinamen zu Deinen jeweiligen Ausgaben entschieden hast?

Vergiss ja nicht das niederländische Label „From Beyond Productions“ oder das gleichnamige Album von Massacre oder die unzähligen Alben, die mein Heft bereits Jahre vor der Drucklegung mit mindestens einer Zeile in ihren Lyrics erwähnten. Unkreativ par excellence. Aber ja, ich kannte das norwegische Zine und hatte sogar die Möglichkeit mir Ausgabe 2 durchzulesen. Der Grund für den Zusatz war aber nicht, das ich einer Verwechslung vorbeugen wollte, nein, er sollte die ungefähre Richtung für das Heft vorgeben und mir weiteren Spielraum geben. Ich kann dir auch gar nicht mehr genau sagen, weshalb ich diesen Titel genommen habe – er liegt einfach gut auf der Zunge, finde ich. From beyond… das sagt alles und nichts.

„The Tombstone“, „The Gloom“, „The Cerecloth“, „The Devils Tongue“, „The Coffinlid“ und „The Deathbed“, das sind eben die erwähnten Beinamen. Und so wie ich Deine Arbeiten kennengelernt habe, vermute ich dahinter doch eher ein ausgeklügeltes Konzept denn willkürlicher Nomenklatur…

Es war kein Konzept. Das Wort hat im Laufe der Zeit einen faden Beigeschmack bekommen. Es klingt so gewollt hochtrabend und wichtigtuerisch. Bei mir entstand vieles aus dem Bauch heraus und war nicht durchdacht. Es hat sich glücklicherweise häufig aber zu einem Ganzem zusammengefügt. Die Zusätze im Titel schlagen in genau die gleiche Kerbe. Sie sollten schon im Titel eine grobe Marschrichtung dazulegen oder auch nur eine Motivation für mich ein, aber kein tief ergreifendes „Konzept“ darstellen. Im Detail sieht es wie folgt aus:

#1… the tombstone
Der Anfang, klischeehaft. Metal und Friedhof. Das passte. Plump und direkt. Es waren die ersten Schritte.
#2… the gloom
Ein Wortspiel. Die erste Seite bei dieser Ausgabe war ein Bogen Transparent-Papier auf dem „from beyond…“ stand, dahinter das Deckblatt mit „the gloom“. Ich mag solche Spielereien und ich hätte damit mehr experimentieren sollen.
#3… the devils tonque
Der Titel sollte eine Mahnung an mich selber sein – sei die Zunge vom Teufel. Sei unnachgiebig. Frag nach – bohr nach – sei kritisch – lass dich nicht abwimmeln – sei ein Arsch. Es war also eine Aufforderung an mich selber. Vom Klang her übrigens für mich immer noch der beste Titel. Mit dieser Ausgabe wurden auch sämtliche Fotos von Dritten aus dem „from beyond…“ verbannt.
#4… the cerecloth
Der Hinweis auf das baldige Ende. Bereits hier habe ich schon etwas mit mir gehadert. Durch die Blume wurde es also bereits angekündigt.
#5… the coffinlid
Eine dezente Hommage an Denial of God und ihr großartiges zweites Album „Death and the Beyond“.
#6… the deathbed
Der Titel sollte zu verstehen geben, das es definitiv keine Rückkehr mehr gibt.
Das „from beyond…“ ist tot.

Leider durfte ich Dein Magazin erst mit „The Coffinlid“ kennenlernen (auch wenn ich mir posthum noch weitere Ausgaben zulegen konnte). Doch meine Recherchen brachten hervor, dass Du mit diversen Größen und Formaten experimentiert hast. War das auch ein Teil Deines Konzepts, dass Du Dich nicht selber wiederholen wolltest, vielleicht sogar geplant, dass jede Ausgabe individuell ist, oder eben schlicht ein Experiment, was wohl für „From Beyond“ am besten funktioniert?

Das Heft sollte von Anfang an, „anders“ sein und das nicht nur inhaltlich. Der einfachste Weg war daher, mit dem Format zu spielen. Da ich mir meine beruflichen Sporen in einem Copyshop verdient habe, konnte ich mich dahingehend austoben und viel herum experimentieren. Das hatte Vor-, aber auch Nachteile. Frag mich zum Beispiel nicht, warum ich bei Ausgabe #3 die untere rechte Kante im ganzen Heft abgeschnitten habe (wie früher beim Hausaufgabenheft) – ich konnte es einfach. Das ganze Heft war streckenweise mein großes eigenes Versuchslabor. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man im DIN A4 Querformat zwar gut gestalten kann, aber es ist gleichzeitig äußerst schwer zu lesen ist, weil es arg durchhängt auf Grund seiner Gesamtlänge, Beweis: Ausgabe #2.
Oder das man besser aufpassen muss und den Druckdatenguide richtig lesen sollte, bevor man zum ersten Mal etwas in eine professionelle Offsetdruckerei gibt, Beweis: Ausgabe #4

Meine Leser kenne vielleicht das „The Cerecloth“ nicht. Welche Fehler hast Du gemacht, als Du die Druckanweisungen ignoriert hast und in wie fern sieht man das im fertigen Heft?

Gestalterische Kleinigkeiten, die mich stören, aber kein Beinbruch darstellen. Schau dir beispielsweise das Helheim-Interview und den dort platzierten Rahmen an. Links und rechts ist er angeschnitten, oben und hinten schwankt er arg. Nicht schön, aber höchstwahrscheinlich sieht man es nicht, wenn man nicht weiß, wie es hätte aussehen können. Das zieht sich halt durch das ganze Heft. Auch ist das Papier an sich viel zu dick. Die oberen und unteren Kanten beim Umschlag haben beim Zuschnitt auf das Endformat sehr gelitten und sind eingerissen und schagen zu sehr auf, wenn das Heft plan liegen sollte.

Wenn ich älteren Kritiken glauben darf, haftete dem „From Beyond“ seit Anbeginn diese besondere Ästhetik an. Professionelles und aufgeräumtes Layout, qualitativ hochwertige Darstellung des Memento Mori und diese gewisse Individualität. Da stellt sich zunächst die Frage: Machst Du beruflich was mit Design oder Layout? Oder hast Du Dir das alles selber angeeignet, um „From Beyond“ exakt so zu präsentieren, wie Du es Dir vorgestellt hast?

Yeap, ich habe den wunderbaren Beruf des „Gestaltungstechnischen Assistenten“ gelernt und mich danach als Mediengestalter unter Lohn und Brot gestellt. Ein Beruf der nicht viel abwirft, aber Spaß macht – auch wenn es mir nicht im Blut liegt. Meine Verlobte meinte mal, meine Hochzeitskarten sehen aus wie Trauerkarten – vermutlich ist das einer der Gründe, warum ich mittlerweile Digitaldrucker in der brandenburgischen Pampa bin. Natürlich wäre es klasse sagen zu können, das ich mir alles autodidaktisch beigebracht habe, nur um meine Vision vom eigenen Fanzine zu realisieren, aber dem ist nicht so. Das schöne ist aber, das jedes Heft für sich genommen anders aussieht und man meine Weiterentwicklung sehr gut verfolgen kann.

Vielfach wurde Dein kleiner Clou angesprochen: Das Cutout in der letzten Ausgabe, wo ein Loch im Cover den Einblick auf den Fanzine-Namen auf der hinter liegenden Seite offenbart. Wie bist Du auf diese Idee gekommen? Wolltest Du Dein letztes Heft noch mal zu was Besonderem machen?

Von allen Seiten heißt es immer, Metal muss dreckig sein, schmutzig und laut, Ecken und Kanten haben. Warum sollte ein Heft da nicht unangenehm in der Hand liegen, gar störend sein?
Außerdem ist es mal wieder ein schönes Spiel mit dem Titel. Gut ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung spukte mir der Gedanke bereits durch den Kopf und ab der gleichen Sekunde hatte ich etwas Bammel, das mir jemand anderes zuvor kommt und die Idee anderweitig umsetzt.
Kleine Nebenanekdote: Überraschend viele Leser haben sich bei mir beschwert, weil ihr Postbote das Heft kaputt gemacht hat.

Es müsste an ein Wunder grenzen, wenn der Postbote ausgerechnet an so einer neuralgischen Stelle einen Defekt im Heft hinterlässt… Da muss ich natürlich direkt mal nachfragen: Wie viel Zeit musstest Du in Layout und Design für „The Deathbed“ stecken? Hattest Du mittlerweile nach fünf vorherigen Ausgaben eine gewisse Routine, oder gab es immer noch Raum für Verbesserung, den Du nutzen wolltest?

Nach Ausgabe #4 war ich ehrlich gesagt ausgelaugt und brauchte eine Pause. Ich hatte arg zu kämpfen mit mir um ein anständiges Layout auf die Reihe zu bekommen. Deswegen hat Nici die komplette gestalterische Arbeit für die Folgeausgabe übernommen und ich konnte mich vollends auf den Inhalt konzentrieren und sie hat den visuellen Aspekt ausgearbeitet. Bei Ausgabe #6 wiederum gab es Zeitprobleme bei ihr und ich musste mir in den Hintern treten. Insgesamt hat es rund 3 Monate gedauert, bis ich diesen Aspekt ausgearbeitet habe. Und nein, Routine war nicht dabei. Ich habe immer wieder die gleichen, aber auch viele neue Fehler gemacht.

Wo wir gerade bei der Zeitfrage sind: All Deine Interviews sind immer über einen längeren Zeitraum entstanden. Das merkt man den Gesprächen auch an. Es ist nicht einfach der generische Fragenkatalog, der auf der einen Seite kompiliert und auf der anderen abgearbeitet wird. Vielmehr sind Deine Interviews immer fließende Dialoge. Wie bist Du an die Fragen ran gegangen? Hast Du immer eine Frage nach der nächsten an Deine Gäste geschickt und bist dynamisch auf die Antworten eingegangen? Oder hattest Du bereits im Vorfeld ein festes Skelett an Fragen, die Du bei Bedarf erweitert hast?

Zuerst kam die Frage. Wenn ich genug gute Fragen für eine Band hatte – in der Regel waren es fünf bis acht -, schrieb ich die Band an, ob sie überhaupt Interesse an einem Gespräch hätte. Falls nein, werden die Fragen verworfen, falls ja, werden die Fragen ggf. übersetzt. Die ersten Antworten warfen dann normalerweise weitere Fragen auf und so entwickelte sich mit der Zeit ein Word-Dokument, das wie ein normales Gespräch aussah, wenn man nötige Fingerspitzengefühl an den Tag legte. Bei einer Band habe ich versuchsweise probiert das Interview Frage für Frage per eMail zu stellen, aber das zog sich unangenehm in die Länge und ich war zu sehr fokussiert auf die bestehende Frage. Es hat keinen Spaß gemacht.

Hast Du für Deine Fragen eine gewisse Blaupause gehabt, die Du für jedes Gespräch eingehalten hast? Insgesamt wirken Deine Interviews sehr stringent…

Nein, aber im Kern wiederholt sich vieles, wenn man es genauer betrachtet. Auch einer der Gründe, warum das Heft das zeitliche segnen musste. Die Kernthemen war die Musik an sich, der visuelle Aspekt und hin und wieder das Auftreten der Band. Um diese Kernthemen habe ich dann meine Frage gebaut und versucht alles zu strukturieren.

Fürwahr. Aber: Ist heute nicht Vieles leider nur noch eine Kopie einer Kopie einer Kopie? Auf der anderen Seite sagte bereits Picasso: „good artists copy great artists steal“. Und so sehe ich gerade beim From Beyond keine Stagnation oder Gleichförmigkeit, sondern eine Variation um ein tieferliegendes Konzept. Ob nun bewusst oder unbewusst.

Beim visuellen Aspekt lief einiges bewusst, der Rest kam von woanders her – das kann ich dir nicht mehr genau erklären.

Ich habe es leider nur in den letzten zwei Ausgaben mitbekommen. Aber Deine doch eher energische und unkonventionelle Art der Fragestellung trifft nicht immer auf Gegenliebe. Bestes Beispiel dafür ist wohl das ALTARAGE-Interview im „The Deathbed“. Und ich kenne das leider auch selber zu gut. Man steckt eine Menge Arbeit in ein Interview und am Ende wird es gar nicht, oder so unbefriedigend beantwortet. Das frustriert. Dennoch hast Du – meiner Meinung nach – das Beste aus dem Gespräch mit ALTARAGE raus geholt und es visuell zu einem echten Leckerbissen verwandelt. Chapeau!
Wie geht es Dir dabei, wenn Deine Mühe so im Sande verläuft? Welches war das für Dich persönlich entäuschendste Interview?

Das Album verkaufen und mit der Schulter zucken. Da war ich bockig wie ein Kleinkind und bereue meinen Schritt auch nicht.
Altarage würde ich im Nachhinein nicht zwingend als Enttäuschung bezeichnen. Es war eine andere Art von Interview: Ablehnung zu erfahren und falsch verstanden zu werden.

Altarage hast Du nicht als Enttäuschung empfunden und dennoch bockig reagiert?

Yeap, ich wollte das letzte Wort haben, ha. Man muss nicht alle Handlungen verstehen.

Wie bist Du auf die Idee mit der anatomischen Beschriftung als visuelle Untermalung für dieses Desaster gekommen? Aus antiquarischer Literatur um Skolopender zieren einige solche Darstellungen mein Interieuer. Entsprechend war ich gänzlich verzückt von Deiner Präsentation und musste sie direkt meiner Frau unter die Nase reiben, die Design studiert hat und ebenfalls hell auf begeistert war.

Die Idee habe ich indirekt dem Cover der 2015’ner Demo „MMXV“ entliehen. Da sah man auch nur einen Knochen – ich vermute ein Wirbel. Ich wollte aber einen Schritt weiter gehen, da ich es etwas mau fand, nur die Dachsschädel abzulichten und die Fragen daneben zu stellen. Ich hatte eh das Gefühl, das die Band sehr analytisch beim komponieren vorgeht, quasi alles am Schreibtisch entsteht – vom Gegenteil werde ich wohl nie überzeugt werden – und so führte eins zum anderen.
Mir war es immer wichtig, das jedes Interview anders aussieht und nicht immer nur nach Schema F aufgebaut wird. Die Gestaltung sollte genauso in Erinnerung bleiben, wie das geschriebene Wort.

Dich haben die ruppigen Antworten von ALTARAGE nicht davon überzeugen können, dass sie nicht analytisch arbeiten? Oder klingt da wieder diese kindliche Bockigkeit durch?

Ich kann nur spekulieren. Erstaunlicherweise hat die Band übrigens sogar einen Hinweis für das Heft auf ihre Facebook-Seite gestellt.

Wir Menschen sind gewohnt, uns an das schlechte zu Erinnern. Dabei gibt es auch so viel Gutes, was uns widerfährt, obgleich es scheinbar nicht immer so präsent ist. So rekapituliere doch bitte nochmal Dein Schaffen bisher und sag mir: Was waren deine persönlichen Highlights für das „From Beyond…“? Ich las, Du hättest in Ausgabe 1 die mächtigen IMMOLATION gehabt, was für mich ein kleiner Traum gewesen wäre…

Schreib Ross Dolan doch einfach mal an. Ich habe auch nichts anderes gemacht. Man muss es einfach machen, um herauszufinden, ob es funktioniert oder nicht.
Persönliche Highlights, nun ja, jedes Heft war ein Highlight für mich, wie du dir sicherlich denken kannst. Der ganze Entstehungsprozess an sich war toll und war ausreichend Motivation für mich in der Vergangenheit. Ganz klar sticht das Gespräch mit Kaamos hervor, aber eher weil die Band für mich recht nahe an die Definition von Death Metal kommt, wie ich sie zu deuten versucht habe. Aber ansonsten, beinahe jede Band war ein Höhepunkt für mich, weil ich fast alle aus persönlichem Interesse angeschrieben habe – auch Immolation, ha.

KAAMOS kommen also an Deine Definition von Death Metal ran? Wie definierst Du denn Death Metal?

Falls dir die „Curse of Aeon“-EP kein Begriff ist, solltest du das schleunigst ändern. Kaamos hatten das Talent, das sie nicht nur vordergründig laut und brutal waren, sondern viel mehr in den leisen Tönen. Du spürst direkt, das die Lieder nicht eindimensional aufgebaut wurden, also Abschnitt für Abschnitt aneinander gereiht sind, sondern organisch zusammenwuchsen. Der innere Fluss war immer fordernd und mitreißend.
Dazu dieser großartige Schriftzug, die Gestaltung der Alben und Eps und das Sahnehäubchen: Man zog mehrmals den Hut vor dem großen Gustave Doré. Und ganz einfach: Ich glaube der Band.

Meine Recherchen sagen: Du hast immer den Fokus auf eher wenige Bands gelegt. Im Maximum hattest Du acht Bands in einer Ausgabe. War die Qualität der Gespräche für Dich wichtiger als die Masse an Interviewpartnern? Nun, so wie ich das „From Beyond…“ kennengelernt habe, ist dies mehr oder minder eine obsolete Frage. Dennoch hast Du ja auch mit dem Umfang deines Magazins experimentiert…

Ich würde es nicht experimentieren nennen, denn die Anzahl an Gesprächspartner war immer dem Zufall geschuldet. Wenn ich genug Fragen hatte, ging eine Interviewanfrage raus, wenn nicht, dann nicht. Gerne hätte ich bei einigen Heften mehr Bands präsentiert, aber zum jeweiligen Zeitpunkt war nicht mehr möglich. Aber Qualität stand dennoch stets vor Quantität. Und wie gesagt, ich habe das Heft für mich gemacht, mit Fragen die mich interessiert haben und nicht mit dem Hintergedanken Band X zu befragen, nur damit der Name im Zusammenhang mit dem Heft erscheint.

Zum Umfang Deines Heftest gehörte für zwei Ausgaben auch ein separates Fotobuch mit Bildern von Nicole Dau, die gleichsam auch für die Bebilderung des regulären Magazins zuständig war und auch für das wunderschöne Soleil Tryste Fotos beigesteuert hat. Wenn ich meinen Recherchen glauben darf, ist Nici Deine Frau. War eine Zusammenarbeit da von Anfang an selbstverständlich? Haben die Fotobände nicht vielleicht den ein oder anderen Metalhead, der sich lediglich für die Musik interessiert überfordert? Ist dieses Konzept deswegen nicht weiter fortgeführt worden?

Der Vollständigkeitshalber: Bei Ausgabe #3 vom Soleil Tryste gab Nici den beiden Herren auch ein kurzes Interview. Nici und ich sind verlobt, aber noch nicht verheiratet. Und ja, die Zusammenarbeit war eine Selbstverständlichkeit für mich. Nicht weil wir uns eine Wohnung teilen, sondern weil ich finde, dass sie eine talentierte und ehrgeizige Fotografien ist und ihre Bilder sehr gut die Grundstimmung vom Heft wiedergeben – auch wenn es dem ein oder anderen zu klischeehaft erscheinen mag. Die Idee des Fotobüchlein haben wir für Ausgabe #5 ein wenig abgewandelt und Nici hat das komplette Heft gestalten. Das bedeutet mehr Platz und somit größere Fotos. Diese Arbeitsweise würde ich jederzeit wieder anvisieren – wenn die Zeit da ist.

Heißt das, dass Du noch nicht komplett mit dem Thema „Fanzine“ abgeschlossen hast?

Vielleicht, reden wir in zwei, drei oder acht Jahren noch einmal darüber.

Neben den Fotografien aus dem Memento Mori hast Du auch diverse Essays in Dein Heft aufgenommen. Von der Entwicklung von Friedhöfen zu Teufelssichtungen zu Totenleuchten oder der Totenkrone. Ich fand diese Aufklärung über Mythen und Brauchtümer extrem interessant, hatte mich zuvor doch nie genau mit eben solchen beschäftigt. Wie kam Dir die Idee für eben diese Geschichten im „From Beyond“? Klar, es passt gänzlich zur nekromantischen Attitüde des Magazins, ist gleichsam für die typische Metal-Gazette eher ungewöhnlich…

Die Sepulkralkultur interessiert mich persönlich sehr stark und dieses Wissen, wollte ich teilen und nicht nur für mich selber behalten. Ich lese sehr viel, allen voran Sachbücher aus verschiedenen Fachbüchern, da mir ausgedachte Geschichten, egal wie gut sie sein mögen, nicht so viel geben. Wenn ich etwas mache, will ich dadurch etwas lernen und nicht nur Zeit totschlagen und „entspannen“. Übrigens wäre so etwas wohl in den frühen 90igern in jedem Fanzine unter der Rubrik „Studium der okkulten Künste“ gelaufen.
Dazu kommt noch das ich nicht gerne Musik-Kritiken schreibe bzw. denke, das ich nicht sonderlich gut darin bin. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt brauchte das Heft eine Auflockerung von seinem strengen Interview-Verlauf. Reviews sind eine leichte Alternative, aber liegt mir nicht. Somit führte eines zum anderen. Klar, es ist nicht typisch, nichts was man erwarten würde, aber gerade das macht es spannend und passte zur Ausrichtung des Heftes.

Reviews mögen oftmals beliebig sein. Das nervt mich auch häufig am Metal-„Journalismus“. Aber wird daraus nicht auch das Interesse geboren, es anders zu machen? Die Analyse eines Albums in Gänze kann durchaus auch poetisch, synästhetisch, intelligent sein, ohne in die Klischees abzudriften…

Ja, natürlich kann man es als Ansporn nehmen, einen anderen Weg einzuschlagen. Aber mein persönliches Hauptaugenmerk lag immer bei einem guten und vorallem informativen Gespräch.
Ich hatte auch nie das Gefühl, sonderlich gut darin zu sein Kritiken zu schreiben. Auch einer der Gründe warum ich viele Promo-Anfrage von Labels und Bands abgelehnt habe, war das mir oftmals nie die passenden Worte zur Musik einfallen wollten und ich nicht über „Standard“ schreiben wollte. Wie machst du das bei deinem Webzine, beurteilst du alles, was bei dir eintrifft oder bist du wählerisch?

Puh, das ist eine sehr gute Frage. Anfangs habe ich alles besprochen. Teilweise auch zu Gutwillig. Mittlerweile bin ich aber ziemlich abgestumpft. Beim NecroSlaughter mache ich noch vieles aus reinem Gefallen, kurzweilige Unterhaltung, Freundschaftsdienste an bekannte Bands und Labels. Teilweise auch kritischer, aber durchaus immer noch wohlwollend, dass die Kritik immer konstruktiv bleibt. Hingegen auf TheNocturnalSilence herrscht Enthusiasmus und Begeisterung. Da kommt keine eingesandte Promo zum Tragen, sondern lediglich die Musik, die mich absolut mitreißen kann. Egal aus welchem Genre, Black, Death, Doom, IDM, Synthwave. Das ist eben mein Eskapismus aus der Gebetsmühle von fast 15 Jahren Webzine.
Dennoch ändert das nichts daran, dass der Promoverteiler für mich beinahe jede Woche wächst. In Zeiten von MP3 kostet eine PR-Agentur nichts weiter, als einen Mailverteiler. Und entsprechend wird der mit Adressen gefüttert um „Coverage“ zu erzeugen. Man wird zugemüllt mit allem möglichen Schrott, hat auf einmal Punkrock und Indie-Alben physisch im Briefkasten und wird 7 Mal gefragt, wann denn endlich das Review kommt und ob ich denn auch ein Interview mache. Da muss man selektieren. Ob man will oder nicht. Doch der Wille wird eigentlich täglich größer (;

Gutwilliges Besprechen von Veröffentlichungen – genau um diesen Punkt habe ich mich persönlich immer gedrückt. Ich halte Kontakt mit einigen befreundete Bands, deren Musik mir aber nicht zusagt – da ist mir der Mensch wichtiger. Ich will ihnen auch nicht zwingend vor de Kopf stoßen und eine miese Kritik verfassen, nur weil sie mir was gegeben hat. Dafür ist Musik auch zu emotional. Nur weil ich es nicht mag, musst du es ja nicht auch bescheiden finden. So kann ich jeden unbefangen mit der Musik arbeiten lassen.
Bekommst du auch regelmäßig Promo-Mails von Iron Bonehead, WTC, Blood Harvest, Svart und Co.? Ich weiß nicht, wer mich auf deren Verteiler gesetzt hat, aber täglich muss ich meinen Spam-Ordner leeren, weil wieder was von deren PR-Heinis eingetrudelt ist. Selten ist da was gutes dabei, ich höre es mir gar nicht mehr an, weil viele Bands ja nach einem Augenzwinkern schon wieder verschwunden sind.

Naja, es ist wohl keine persönliche Anschrift, sondern wohl er durch den Verteiler, wo das Rückantwortfeld noch nicht ausgefüllt ist. Business, nicht mehr und nicht weniger…
Aber kommen wir zurück zum From Beyond. Ein ebenfalls eher ungewöhnlicher Aspekt ist Dein synästhetischer Ansatz. Du beschreibst sehr stark Assoziationen, Bilder und Gefühle, die Du beim Musikkonsum wahrnimmst. Bist Du wirklich einer der wenigen Synästhetiker, oder resultiert Deine Wahrnehmung mehr aus dem intensiven und bewussten Auseinandersetzen mit der Musik?

Letzteres, vermutlich. In meinem Kopf stelle ich Assoziationen her, sei es durch Farbe, durch ein Wort, durch ein Klang, aber ich sehe keine Farben beim hören. Ich versuche ständig (unterbewusst) einen Moment zu visualisieren, vielem ein Bild zu geben. Manchmal funktioniert es, aber nicht immer. Ich denke aber auch, das man Musik besser mit Bildern beschreiben kann, also mit „Das knallt, Alter!“. Die Atmosphäre war und ist der Schlüssel für mich.

Und wenn wir schon mal in der Kategorie „Was macht das From Beyond anders“ sind, müssen wir auch auf die anthropologischen und philosophischen Aspekte Deiner Gespräche eingehen. Hattest Du etwas in der Art studiert, oder woher rührt Dein Interesse für diese Themenbereiche? In manchen Interviews macht es den Anschein, als ob Du zuweilen etwas zu viel Gehalt in manchen Texten und zierenden Elementen aus Booklet und visueller Ästhetik hinein interpretiert hast. Ja, gelegentlich erscheint Deine Herangehensweise erfrischen – verzeih mir die pejorative Vokabel – naiv, als ob jede Metalband wirklich etwas durchdachtes zu sagen hätte. Dabei habe ich eher den Anschein, dass viele Bands doch geradliniger und impulsiver agieren, als man es selber vermutet…

Ich habe die Gespräche immer nur für mich selber geführt und da mich weder die aktuellen Top-5 eines Musikers interessieren oder wo und wie ein Album eingespielt wurde, sondern eher solche „Nebensächlichkeiten“, die dem großen Ganzen dienen. Deshalb frage ich auch danach. Ich will verstehen, was der Musiker zu sagen versuchte. Zwangsläufig kommt man da auch ins philosophieren. Ich habe mittlerweile ein Problem erkannt, nämlich das nicht alle Bands einer tiefgründigen Idee folgen sondern einfach nur Symbole wie Accessoires tragen. Dadurch wird man pessimistisch und eher ablehnend was der Musik abträglich ist – „Naiv“ verstehe ich übrigens als Kompliment. Ich bin in vielen Punkten sehr unbefangen, bis ich eines besseren belehrt werde.

Für Dich ist also etwas mehr Substanz notwendig, um das Bild für Dich komplett zu machen? Darf eine Band für Dich nicht mit okkulten Symbolen kokettieren, wenn sie deren Bedeutung nicht verstehen oder verinnerlicht haben? Musik als reine Unterhaltung hat einen anderen Stellenwert?

Naja, es kommt drauf an. Eine Band sollte den Arsch in der Hose haben und dazu stehen, wenn sie einfach nur ein Image bedienen wollen. Aber sie sollten sich dann nicht verstecken. Das ist ja nichts schlimmes. Musik ist Unterhaltung und das sollte einfach deutlich ausgesprochen werden. Musik ist Unterhaltung. Es ist kein magisches Ritual. Du beschwörst mit einem Live-Gig vor 10 leicht angesäuselten Männern keine blasphemische Stimmung und ehrst schon gar keinen namenlosen Dämonen. Du unterhälst 10 leicht angesäuselte Männer. Wenn eine Band aber einer Idee hat und diese sinnvoll umsetzt und nicht nur ein gewisses Symbol trägt, damit sie es ihrem Idol gleich tun, es gerade angesagt ist oder es einfach schick ist, wenn man sich sinnvoll Gedanken gemacht hat (ich bin der letzte, der das beurteilen wird) und etwas besonderes hat, dann ist das zu begrüßen. Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, eine Band sollte sich nicht mit okkulten Symbolen schmücken, wenn sie deren Bedeutung nicht versteht. Das verbietet allein der Anstand, man schmückt sich nicht mit fremden Federn.
Es gibt einige Bands, die ich nur der Musik wegen höre. Aber ich möchte gerne immer etwas mehr haben.

Ich mag Deinen Ansatz, dass Du Musik sowohl als Unterhaltung genießen kannst, aber durchaus das größere Interesse an etwas Substanziellerem hast. Ähnlich sehe ich das auch. Mal kann ein Burger den kleinen Hunger befriedigen, doch kulinarische Genüsse sind eben anders – wobei sich das heute durchaus auch vereinen lässt, auch musikalisch.

Genau richtig, man muss es trennen können. Unterhaltung und Mehrwert. Aber man soll nicht so tun als ob. Das ist falsch sich selbst gegenüber und seinen Zuhörern.

Wo Deine Gespräche sehr philosophisch sind, nach einer Bestätigung Deiner Wahrnehmung streben und des Pudels Kern einer Band abtasten, quasi zentraler Bestandteil des „From Beyond“s sind, scheinen Kritiken für Dich eher von niederem Interesse. „The Coffinlid“ entbehrt sich jener gänzlich und im Schwanengesang „The Deathbed“ finden sich auch nur „Musik-Tipps“. Welchen Stellenwert haben Reviews für Dich in der heutigen Zeit? Wo sich doch eigentlich jeder selber ein Bild über Bandcamp, Spotify und notfalls Youtube bilden kann…

Reviews haben keine Bedeutung für mich. Allerdings, gibt es Bands und Alben, die meiner Meinung nach eine größere Aufmerksamkeit verdient hätten, weil sie mich begeistern können, aber der springende Funke für ein Interview fehlt. Versuch mal rund um eine einzige Frage ein interessantes Gespräch aufzubauen. Da fragt man zwangsläufig nach Sachen, die sich quasi im FAQ, der Band befinden und macht die Band selber uninteressant.
Für diesen Fall sind Reviews eine gute Alternative. Ich habe aber bewusst versucht diese Rubrik so kurz wie möglich zu halten. Liest wer all die detaillierten Texte, die der Musik die Magie nehmen? Hin und wieder (…) tendiere ich ja auch dazu Musik bis ins Detail zu seziere, aber eine schriftliche Analyse, wo Musik mit banalen Worten auseinander gepflückt wird (flottes Intro, gefolgt von Gitarrengeschredder, Chorus, Bridge etc.) habe ich früher schon nicht lesen wollen.

Ich schätze mal, dass Du jemand bist, der das große Ganze haben mag. Musik mit einem schönen Artwork, ein Booklet mit Texten und Linernotes, Bandbilder und Symbole, Zitate und Referenzen zu großen Gedanken. Entsprechend vermute ich ach einfach mal, dass eine rein digitale Kopie für Dich nicht in Frage kommt?

Yeap, richtig erkannt. Musik ist nicht nur Musik. Musik ist Wort, Bild und Ton, Luft und Atem. Ein gutes Album kann durch ein grausiges Artwork ruiniert werden. Andersrum geht es natürlich auch, ein mitreißendes Bild kann schlechte Musik auch nicht retten. Obwohl sicherlich auch hier ein paar Alben im Regel stehen, die ich nur behalte, weil mir das Artwork gefällt.
Früher lag unweit meiner Schule ein wunderbarer Second-Hand-Laden, der diesen Namen noch verdient hat. Dort habe ich auch meine erste LP gekauft, lange bevor ich einen Plattenspieler hatte – nur wegen dem Cover.

Stilistisch war das „From Beyond“ meist in einer Schnittmenge aus düsterem Death Metal, Black Metal und Doom. Doch es gab auch immer wieder Ausflüge, wie beispielsweise das Tusen Ar Under Jord-Gespräch. Wie würdest Du Deinen persönlichen Geschmack verorten? Bist Du nur im Metal zu Hause, oder magst Du auch Musik über die Genre-Grenzen hinaus?

Ich würde gerne sagen, das ich fern ab von Schubladen agiere, aber ich bevorzuge ganz klar Death- und Doom-Metal. Alles was mich dennoch begeistert, nehme ich ohne Scheuklappen an und halte es fest. Schau dir beispielsweise das aktuelle Album von Dan Terminus an. Das ist ein vor Farben strotzendes Cover, direkt aus einem Regenbogen geschnitten und es klingt wie der Soundtrack zu einem unveröffentlichten Anime-Weltraum-Film aus den 80igern. Nicht alles ist gelungen auf der CD, aber es hat mich in seinen Bann gezogen. Oder „Black Mountain Transmitter“, die es geschafft haben, das Bäume zu zittern begannen – zumindest vor meinem Auge.
Ach und, ich finde nicht, das ich sonderlich viele Black-Metal-Bands im Heft hatte.

Sechs Ausgaben „From Beyond…“. Und nun ist leider Schluss. Warum? Lohnt sich die ganze Arbeit für Dich nicht mehr? War die unheilige Zahl 6 von Anbeginn das Konzept für Dich? Oder bist Du einfach der Meinung, dass Du nichts mehr sagen kannst?

Ich hatte meinen Spaß, also hat es sich immer gelohnt für mich oder wie würdest du herausfinden, ob es sich „gelohnt“ hat? Das es sechs Ausgaben wurde, ist letztlich auch nur dem Zufall geschuldet. Du darfst da nicht zu viel herein interpretieren.

Wenn Dich heute jemand fragen würde, würdest Du ihm raten selber ein Magazin zu machen? Egal ob nun gedruckt oder als Webzine? Ist für Dich die Zeit der Fanzines vorüber? Oder siehst Du den Markt generell an Publikationen – auch im Internet – als übersättigt, belanglos, beliebig?

Mach ein Fanzine, aber mach es mit Herz. Alles andere spürt man und es ist Zeitverschwendung – für beide Seite. Einst hatte ich ein Zine aus Malaysia in der Hand, die Bandauswahl lass sich vielversprechend, der optische Eindruck war es ebenfalls, aber, herrje, die „Gespräche“ waren eine Katastrophe. Lobeshymnen ohne Inhalt. Man merkte, das der Macher einfach nur Band XYZ auf seiner Liste abhaken wollte und dann zur nächsten weiterging. Getreu dem Motto, „Ich habe ein Interview gemacht mit (beliebigen Namen einfügen)“.
Die Zeit für gedruckte Fanzines neigt sich mal wieder dem Ende entgegen, aber sie wird wieder kommen und danach flaut es wieder ab und danach kommt wieder ein Schwung und dann folgt wieder das Absterben – es wiederholt sich alles, beginnt von vorne und endet. Einfach zurücklehnen und entspannen. Das würde ich eh den meisten raten: Einfach zurücklehnen, das Ego zurückstellen und einmal tief durchatmen.

Wie bereits gesagt: Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie. Und gerade im aktuellen Retro-Hype sollten doch Fanzines begehrt sein wie nie, oder? Ich meine, viel gedrucktes gibt es im Moment eh nicht…. Und es gibt immer noch die Alternative in diesem Internet. Selbst da kann man Qualität veröffentlichen, wenn man nicht der tausendste langweilige Blogspot-Kandidat oder NecroSlaughter-Klon wird…

Zwangsläufig wird alles eine Kopie sein, weil vieles (alles?) schon gesagt und getan wurde.
Der Retro-Hype bezieht sich nur auf die Musik und nicht auf das geschriebene Wort. Ich kann es verstehen, weil vielen offensichtlich der reine Unterhaltungswert der Musik genügt.
Ich verteufel nicht das Internet, wichtig ist nur das Herzblut. Und das will ich spüren.

Ich sehe das etwas anders. Natürlich sind gerade Leseenthusiasten nie vom gedruckten Wort abgekommen, doch in der Musik gibt es die deutliche Tendenz zum Anachronismus. Siehe alleine die Renaissance von Tapes. Ich mag das Format, aber primär aus meiner Sicht als Musiker. Es ist billig in der Herstellung, kann leicht limitiert werden, damit man nicht auf 500 gepressten CDs sitzen bleibt, und sieht dennoch besser aus als eine schlecht gebrannte CDr. Als Konsument mag die Haptik zwar schön sein, aber die Tonqualität ist eher miserabel. Dennoch gibt es da die ganzen 19-jährigen Metalheads, die so tun, als ob sie selber das Tapetrading in den 80ern erfunden hätten und begeistert Fanzines lesen. Gerade so Obskuritäten aus Malaysien, Indonesien und Südamerika, wo man kaum eine der War/Beast Metal Bands auch nur ansatzweise hier in Zentraleuropa mal gehört hat. Trveneß und so.

Ehrlich gesagt habe ich mich vom Tape-Wahn auch etwas anfixen lassen. Ich mag Tapes, sie sind klein und handlich und eine Herausforderung für gute Gestaltung. Ganz allgemein: Ein Demo sollte auf Tape erscheinen, da bin ich irgendwie stur. Ich bin zwar nicht so alt, aber damals begann auch vieles mit Tapes bei mir bzw. hat sich daraus entwickelt. Knackige 20 Minuten auf Tape sind mir lieber als 60 Minuten die sich hinziehen auf CD.

Ipp, ich kann nur wiederholen: Es war mir eine Ehre, Dich mit unserem Gespräch im NecroSlaughter zu haben. Ich habe immensen Respekt vor Deinem Schaffen, Deiner Arbeit und Deiner Einzigartigkeit. Ich hoffe, ich höre in Zukunft noch mal was von Dir. Am liebsten mit einem neuen Konzept von Dir. Anderenfalls stehen Dir auch immer meine Pforten bei NecroSlaughter.de und TheNocturnalSilence.de offen, wenn Du mal einen Gastbeitrag digital verbreiten magst. Doch egal, wie es kommt: Ich wünsche Dir nur das Beste für Deine Zukunft. Da dieses Interview nun an Ende ist, gehören die letzten Worte Dir…

Danke, aber ich sehe das „from beyond…“ weiterhin in einem anderen Licht. Ich denke, jeder kann ein gutes Fanzine veröffentlichen, wenn er sich intensiv mit seinem Gegenüber auseinandersetzt und die Standard-Fragen vermeidet.

Sei unbequem.

Die letzten Worte waren eigentlich Dein. Doch wirfst Du abschließend noch eine Frage auf: In welchem Licht siehst Du das From Beyond? Ein Licht abseits der Trivialität des Internets? Oder gar Gehaltvoller als der olle NecroSlaughter? – Was ich durchaus verstehen kann, haha! Was ist aber nun Deine Wahrnehmung vom „From Beyond“?

Die vielleicht letzten Worten von mir: Es ist schwierig seine eigene Arbeit zu beurteilen. In meinen Augen war das „from beyond…“ ein Fanzine. Es war nicht überragend, aber es hatte ein paar gute Ideen, aber auch seine Fehler. Als „Schöpfer“ beurteilst du deine Arbeit anders, da müsstest du mir zustimmen.
Natürlich war die Freude groß, als das erste gedruckte Heft in der Hand lag, aber das Gefühl musste bald der Ernüchterung weichen. Unterm Strich war es ein Fanzine mit einigen – ja, gut, soviel gestehe ich mir ein – guten Fragen. Aber es war nie, wie manche meinten, das am besten aussehenste Zine der Welt oder die Speerspitze der deutsche Fanzine-Zunft. Das konnte ich nicht nachvollziehen und fand es übertrieben. Es war mein Hobby, das mir Spaß bereitete.