Engulfed – Pure, unholy, anti-human and obsure death metal

 

ENGULFED schaffen den schwierigen Spagat zwischen Ruppigkeit, Chaos, furiosen Ausbrüchen, unheilvoller Atmosphäre und geschickt kalkulierten Details. Immer wieder durchziehen zähe, langsame Passagen ihre Songs, verbreiten einen schleimigen Vibe und bedrohliche Stimmung. Nur um dann fließend in ungezügelte Wut und rasende Blastbeats auszubrechen. Manche Gitarrenlinien sind obskur und extrem finster, derweil schon der nächste Track ein unglaublich griffiges Riff raushaut, dass es umgehend im Ohr stecken bleibt und auch Tage lang nicht mehr aus dem Kopf raus will.
Das Debüt „Engulfed In Obscurity“ ist ein extrem gutes Death Metal Album geworden. Düster, unheilvoll, wütend und rasend. Und dennoch mit intelligenten Details und abwechslungsreichen Wendungen. Dazu stechen einige Nummern noch positiv aus dem Gesamtbild herahttps://www.facebook.com/engulfedtr/
https://engulfed.bandcamp.com/album/engulfed-in-obscurityus und sind echte Hits!

Grund genug, um mit Sänger und Bassist Serkan ein paar Worte zu wechseln…


1. Hey Serkan, danke für deine Zeit und Antworten für mein bescheidenes Webzine. Mach es Dir bequem, schnappe Dir ein Bier und leg Dir eine gute Scheibe auf, dann können wir mit unserem kleinen Gespräch loslegen. Zunächst aber: Bitte stell Dich meinen Lesern vor und sag uns, was Du als Hintergrundbeschallung laufen hast. Welche Alben haben Dich in letzter Zeit so richtig umgehauen?

Hallo Chris und vielen Dank. Hier ist Serkan von Engulfed. Gerade höre ich das neue Hate Manifesto-Album und es ist wie Heroin. Man kann einfach nicht mehr damit aufhören. Hail to Greece!

2. Nun, jetzt kommt leider eine langweilige Standardfrage, aber da „Engulfed In Obscurity“ euer erstes Full-Length ist, kennen euch vielleicht einige Leute noch nicht. Also kommen wir wohl nicht drum: Wer ist ENGULFED und wie hat alles angefangen? Wenn ich Metal-Archives.com glauben darf, seit ihr keine Anfänger, sondern habt bereits in einigen Bands zuvor gespielt. Die bekanntesten dürften wohl Burial Invocation und Hellsodomy sein…

Alles begann 2010. Wir wollten obskuren Death Metal spielen und so ging es auch schon los. Wir haben zuvor bereits in Bands wie Decaying Purity, Deggial, Burial Invocation oder Hellsodomy gespielt, wie du bereits sagst. Yunus spielt immer noch bei Hellsodomy, Aberrant ist immer noch in Burial Invocation und Mustafa gleichermaßen bei Decaying Purity und Diabolizer.

3. In einem Interview mit VoicesFromTheDarkSide.de sagte Mustafa: „a 3-piece is more than enough“. Heute seit ihr aber zu viert unterwegs. Siehst Du also doch einen Vorteil darin, einen zweiten Gitarristen zu haben, damit ihr eure schönen Teppiche von düsteren Harmonien richtig knüpfen könnt? Auf der anderen Seite war Kasil aber auch nur kurzzeitig raus aus der Band – wenn ich Metal-Archives.com ein weiteres Mal glauben darf…

Ja, Du hast Recht. Kasil ist eines der Gründungsmitglieder von Engulfed. Und wie Du vom Album weißt, sind zwei Gitarren einfach besser für all die mehrstimmigen Riffs und Harmonien. Das wollten wir auch auf der Bühne wiedergeben, denn es ist uns sehr wichtig, dass wird dort die gleiche Atmosphäre wie auf dem Album einfangen.

4. Da alle Mitglieder noch in anderen Bands aktiv sind, was war eure Motivation ENGULFED zu gründen? Wie denkst Du unterscheidet sich diese Band von euren anderen?

Engulfed sind düsterer, schneller, aber auch mit langsamen Momenten. Die Texte, das Konzept und der Stil ist ziemlich anders als bei den anderen Bands. Ich denke, wir alle brauchten diese Band um der Welt zu sagen, dass nur Tod und Dunkelheit real ist.

5. Wie bereits zuvor erwähnt, sind alle Mitglieder auch in anderen Bands. Welche Band hat da für euch Priorität? Siehst Du ENGULFED als vollwertige Band, oder eher als Projekt oder Kollaboration der beteiligten Musiker? Ist es nicht schwer die Verpflichtungen aller Bands irgendwie unter einen Hut zu bekommen? Proben, Auftritte, etc.? Ich habe gesehen, dass ihr häufig die Bühne mit Hellsodomy geteilt habt…

Ja, wir haben gerade unsere erste EU-Tour mit Hellsodomy hinter uns und Kasil (Ich dachte Yunus sei noch bei Hellsodomy? – Anm. d. Verf) hat jeden Abend mit beiden Bands gespielt. Aber er hat nicht seine Energie verloren, sondern das Beste bei beiden gegeben. Für mich hat Engulfed die einzige Priorität, da es gerade meine einzige Band ist. Ich habe vor ein paar Jahren extra bei Decaying Purity aufgehört, damit ich mich voll und ganz auf Engulfed konzentrieren kann.

6. Für mich ist „Engulfed In Obscurity“ ein sehr intensives Album. Es hat eine bösartige Atmosphäre, ein paar richtig griffige Riffs und so viele Details, dass es mich einfach nur umhaut. Es ist weder stumpfer und geradliniger Death Metal noch komplexe und technische Musik. Es ist einer perfekten Balance zwischen direkter und kompromissloser Furiosität und intelligentem Songwriting. Daher muss ich mal nachfragen: Was ist für Dich die Definition von „Death Metal“? Welche Aspekte waren für Dich wichtig, als ihr dieses Album geformt habt?

Eigentlich haben wir keine Regeln wenn wir etwas schreiben. Bisher haben wir einfach alles gemischt, was wir persönlich mögen. Und ich denke, das wird auch in Zukunft so bleiben. Wir hören alle eine Menge Death Metal und nach all den Jahren findet man überall gute Riffs, egal ob im Studio, vorm Schlafen gehen oder im Badezimmer, haha! Wenn wir etwas schreiben, dann ist es einfach Engulfed. Pur, unheilig, anti-mensch und obskurer Death Metal.

7. Für mich sind besonders die Gitarrenarbeiten herausragend. Ihr verbindet sowohl polyphone Harmonien mit großartigen Arrangements für Lead- und Rhythmusgitarren und haut dazu exzellente Soli heraus, die ihre ganz eigen Geschichte erzählen. Wie schreibt ihr eure Songs? Trefft ihr euch alle zusammen im Proberaum und arbeitet gemeinsam an neuem Material, oder gibt es da einen Komponisten, der seine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt?

Die Songs werden von mir und Mustafa geschrieben. Aber schlussendlich gibt Mustafa ihnen den finalen Schliff. Er hat es einfach drauf. Ich schreibe ein paar Riffs und Songs, sende sie ihm rüber und er mischt diese Riffs und Songs mit eigenen Ideen. Wenn wir dann alle mit der Idee einverstanden sind, arbeiten wir sie gemeinsam aus.

8. Wie wichtig sind diese unglaublich düsteren Lead-Gitarren und Geschichten-erzählenden Soli für Dich? Sie klingen so, als ob sie als zentraler Bestandteil in den Liedern fungieren und nicht einfach nur als Selbstdarstellung genutzt werden…

Da liegst Du ganz richtig. Du kannst Texte voller Hass schreiben, Schlagzeug spielen wie ein Panzer oder eine Gitarre wie eine Kettensäge haben, aber diese Soli erzählen Dir, dass Du stirbst und dass Leben nichts bedeutet. Totale Finsternis und nichts kommt danach.

9. Neben den hervorragenden Gitarren ergänzt auch das Artwork hervorragend eure Musik. Es ist irgendwie abstrakt, aber gleichzeitig auch düster, bösartig und unheilvoll. Was war eure Intention, als ihr diesen riesigen Vogel auf das Cover gebannt habt. War das Motiv eure Idee, oder der Input von Künstler Nick Keller? Aber um ehrlich zu sein, so sehr ich das Bild selber mag, finde ich, dass die Schrift für den Albumtitel nicht ganz der Atmosphäre von Kunst und Musik gerecht wird…

Eigentlich hatte ich eine völlig andere Idee für das Cover, aber als wir nach einem Künstler gesucht haben, und dieses Motiv sahen, waren wir direkt verliebt. Dieser riesige, zerstörerische Vogel, der das Land zerschmettert und alles zerstört. Ich wusste: „Ja, das ist genau das Bild, was unsere Texter vermitteln sollen!“. Aber die ursprüngliche Idee ist immer noch in meinem Hinterkopf und wird für das zweite Album verwendet.

10. Um eure Musik unter die Leute zu bringen, habt ihr Hellthrasher und Blood Harvest an eurer Seite. Beide sind im Untergrund gut bekannt und stehen für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen. Seid ihr denn bisher zufrieden mit eurer Zusammenarbeit? Wie waren denn bisher die Rückmeldungen? Ich kann mir vorstellen, dass „Engulfed In Chaos“ einige Aufmerksamkeit aus der Szene einbringt…

Ja, wir sind sehr zufrieden mit beiden Labeln. Die Rückmeldungen waren bisher großartig. Es sind hervorragende Partner, die hart für unsere Promotion arbeiten.

11. Eigentlich versuche ich Politik weitestgehend aus meinem Magazin zu halten. Aber ist es für eine Band, die extreme Musik spielt, nicht schwer in der Türkei? Habt ihr die Möglichkeit eure Kunst irgendwo Öffentlich darzubieten, oder hattet ihr jemals Probleme auf Grund eurer extremen und düsteren Musik?

Weißt Du, wir haben eine Menge Idioten und verdammte Hardcore-Moslems in unserem Land. Das ist leider erst so, seitdem diese islamistische Regierung vor 15 Jahren an die Macht kam. Ich kann nicht sagen, dass wir bisher irgendwelche Probleme hatten, aber wir können unsere Musik auch nicht öffentlich präsentieren. Die Leute würden einfach nicht verstehen was wir da überhaupt spielen.

12. Gibt es noch andere Bands aus der Türkei – abseits von Hellsodomy oder Burial Invocation – die Du mir und meinen Lesern empfehlen würdest?

Hör Dir Diabolizer und Decying Purity an. Du wirst beide mögen. Und Throncraft, richtig guter, wenn nicht sogar der einzige Black Metal von hier im Moment.

13. Es lagen gut fünf Jahre zwischen eurem ersten Demo „Through The Eternal Damnation“ und eurem aktuellen Album. Ich verstehe, dass es seine Zeit braucht, um so ein gutes Album zu formen. Aber denkst Du, dass ihr weitere fünf Jahre für die nächste Scheibe brauchen werdet?

Hahah, natürlich nicht! Wir haben bereits eine Menge neues Material und im Frühjahr 2018 kannst Du bereits neues Zeug von uns hören.

14. Denkst Du, dass ihr bereits „euren“ Sound gefunden habt? Oder entwickelt ihr euch immer noch weiter und das nächste Album klingt vielleicht schon anders? Ich kenne das ja selber, als Musiker ist man eigentlich nie zufrieden mit seinem aktuellen Zustand und will immer irgendwie wachsen und weiterkommen…

Ja, da hast Du recht. Wir hören unsere Songs immer wieder und jedes Mal finden wir Dinge im Sound, die wir gerne verbessern würden. Aber auf dem nächsten Album werden die Songs und der Sound auf einem anderen Level sein.

15. Serkan, ich danke Dir für deine Zeit und Deine Antworten. Wir haben das Ende des Interviews erreicht. Nimm die Chance und lass ein paar letzte Worte an eure Fans in Deutschland und meine Leser.

Danke Dir Chris. Wir sehen unsere deutschen Unterstützer auf dem NRW Death Fest Ende September. Und auch im nächsten Jahr. Da kann ich noch keine Informationen rausgeben, aber 2018 gibt es Engulfed auf einer sehr großen Bühne. Cheers! Keep supporting Engulfed! 666!


https://www.facebook.com/engulfedtr/
https://engulfed.bandcamp.com/album/engulfed-in-obscurity