Casket – Ghouls Of Filth

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CASKET. Was ein schöner Klischee-Name. Deswegen sollte man diese hier nicht mit der gleichnamigen Band aus Reutlingen verwechseln, die gerade im süddeutschen Raum schon mal Konzerte geben und seit 1990 bereits ihr Unwesen treiben. Nein, hier handelt es sich um das erste Lebenszeichen von Marco Brinkmann, der seine CASKET seit 2016 komplett im Alleingang betreibt. Gut, für das Einspielen der Drums bekam er Unterstützung von S. Genözider, den man vielleicht von Quintessenz, Bulldozing Bastards oder Vulture kennt. Doch im Endeffekt sind diese CASKET ein Ein-Mann-Ding aus Detmold, Nordrhein-Westfalen.

Geboten werden auf „Ghouls Of Filth“ vier Songs mit knapp siebzehn Minuten Spielzeit. Klassischer Death Metal. Nichts sonderlich originelles, aber durchaus sehr gut umgesetzt. Die Grundzutaten sind frühe Death und Autopsy. Dazu gibt es hier und dort leichte Einflüsse aus anderen Bands, die aber im Gesamtbild nicht sonderlich heraus stechen, sondern das große Ganze eher stimmig erweitern.

Entsprechend mag man eigentlich nur brüllen: „Scream, Bloody, Gore!!!!“. Besonders im eröffnenden „Flesh Winter“. Doch spätestens „Ghouls Of Filth“ fordert dann selber das „Mental Funeral“. Dreckig, rotzig, und definitiv interessant für Leute, denen Chapel Of Disease mit dem zweiten Album zu progressiv geworden, oder denen Morfin, Skelethal Remains und Rude nicht dreckig genug sind.

„Sadistic“ bringt dann aber doch ein paar interessante neue Aspekte auf das Tape. Treibende rhythmische Spielereien und richtig schön morbide Harmonien.
Und so fordert „Covered In Guts“ mehrfach zum Mitsingen auf und explodiert förmlich in furiose Soli. So richtig schön ranzig und angepisst. Ohne dass CASKET jemals in Blastbeats oder sonstige Extrema ausbrechen müssen. Mid- und Umptempo beherrschen „Ghouls Of Filth“, durchzogen von ein paar schönen Breakdowns in zähes und schleppendes Downtempo. Immer untermalt von einem hervorragenden Bass. Knarzig, scheppernd und gut hörbar. Ach, warum wird dieses Instrument im Metal nur immer so stiefmütterlich behandelt? Meinen Dank an dieser Stelle.

Wie bereits angedeutet: Essenzielles machen CASKET nicht. Oder besser: Macht der Marco nicht. Es ist stumpfer, direkter Death Metal. Anachronistisch. Aber auf sehr gutem Niveau dargeboten und mit ordentlichem Unterhaltungsfaktor. Und da braucht sich diese Demo durchaus nicht vor manchen FDA-Releases zu verstecken. Hier hat Steffen von Lycanthropic Chants mal wieder ein gutes Händchen bewiesen. Denn dort erschien „Ghouls Of Filth“. Klassisch auf Kassette. Ein weißes Tape, limitiert auf 100 Einheiten. Das J-Card mit Flap offenbart leider nur auf einer Seite die grundsätzlichsten Informationen wie Kontakt, Tracklist und Danksagungen. Dafür gibt es – wie immer – einen Download-Code, damit man die Musik auch in der Moderne genießen kann.

Also: Rundum-Paket durchaus gelungen. Anachronistischer, roher Death Metal auf einem Medium, was zwischen Nostalgie und Hipstertum verklärt wird, mit der Brücke in die heutige Zeit. Klingt vielleicht gerade etwas nüchtern, ist aber eigentlich ein sehr stimmiges Gesamtbild, was durchaus Spaß macht. Support the underground!


4 Lieder / 17:02 Min.
2017 – Lycanthropic Chants (Tape)

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