Trvefrykt – Fanzine #3

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Ein Jahr ist rum und schon ist eine neue Ausgabe des deutschen Fanzine Hopefuls Trvefrykt draußen. Dieses Mal gewachsen auf satte 125 Seiten und zwei neue Leute im Team, strotzt es erneut vor zügellosem Enthusiasmus – verhaspelt sich an einigen Stellen aber auch leider darüber…

Wo die letzte Ausgabe durch sehr aufgeräumtes Layout überzeugt hat, zeigt sich die Nummer Drei verspielter und experimentierfreudiger; mehr Zierelemente (Bilder), Hintergründe und Variationen in den verwendeten Schriften lockern auf der einen Seite das Erscheinungsbild auf.
Gelegentlich überlappen auch schon mal ein paar Bilder den Text und die Formatierungen explodierne schon mal förmlich (am Ende des GRIT-Interviews) oder trennen nicht so ganz sauber die Frage von der Antwort. Ein anderes Mikro-Detail: Die Schriftart im Artikel zu EXTINCT zeigt keine Umlaute/Sonderzeichen.
Dass einige Grafiken ursprünglich nicht für den Druck vorgesehen waren, und nun etwas grobpixelig sind, trägt aber angenehm zum rotzigen DIY-Charme der Gazette bei. Darum: Geschenkt, solche kleinen Patzer passieren und gehören zu einem Fanzine einfach dazu.

Ärgerlicher ist eher, dass beispielsweise beim FALTRE oder DRUX Interview der Freiraum vernachlässigt wurde und manche Buchstaben am Seitenrand gar abgeschnitten werden. Oder das Gespräch mit ODD, wo der Kontrast zwischen Text und Hintergrundbild nicht immer optimal ist, erschwert die Lesbarkeit deutlich.
Das sind so kleine Ausreißer zwischen sonst doch sehr augenfreundlichen Schriftgrößen und Anordnungen. Schade eigentlich, nach dem äußerst positiven Eindruck der letzten Ausgabe.

Thematisch ist die Ausrichtung vom TRVEFRYKT wieder mal breit gefächert: (Metallic/Youth Crew) Hardcore, Sludge, Doom, Powerviolence/Grind, Punk, Post-Rock/Hardcore, Gespräche mit Festival-Veranstaltern vom Doom Over Leipzig oder der Hypno East Brigade, dem Grindcore-Label Power It Up, dem Femtrails-Fanzine und den Künstlern Adrian Baxter und Glyn Smyth.
Zugegeben, für den typischen Leser bei NecroSlaughter.de ist die Bandauswahl eher uninteressant, entbehrt sich die Auswahl doch jeglicher Death und Black Metal Bands. Die komplette Liste: BLCKWVS, Grit, Vlada Ina, Spirit Crusher, Faltre, Weak Ties, ODD, Youth Novel, Extinct, Gaes, Drux, Chaver in den Interviews und xMomox und The Accursed unter den Kolumnen.

Wie immer sind die Gespräche voller Enthusiasmus und sehr familiär. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Autoren meist mit den entsprechenden Bands befreundet sind und einen entsprechend lockeren Ton an den Tag legen. Das macht die Interviews kurzweilig und fast schon intim. Sorgt aber an der ein oder anderen Stelle auch für etwas Bro-mance…
Und es sei auch angemerkt: Einige Gespräche wurden nicht übersetzt und sind englischsprachig (Youth Novel und die dazugehörige Kolumne „What’s The Scene In Michigan Like?“, Grit, Adrian Baxter und Glyn Smyth).

Neben der Vorstellung der neuen Autoren Vurdy und Nyx, findet sich (neben den bereits erwähnten) noch die Kolumne „The Future Is Female Everywhere“, wo fünf Female-Fronted Bands vorgestellt werden. Ich persönlich finde es schade, dass diese Bands aufgrund des Geschlechts ihrer SängerInnen hervorgehoben werden, widerspricht dies doch irgendwie der Idee des Feminismus, der wiederum im interessanten Interview mit der Femtrails-Herausgeberin ausgiebig besprochen wird.

Als Abschluss gibt es dann wieder eine angenehm überschaubare Anzahl an Reviews, insgesamt vierzehn Stück an der Zahl. Wie bereits bei der letzten Ausgabe, kann ich nur wiederholen: Dieser kompakte Umfang macht mir mehr Spaß, als mehrere Hundert Kritiken in anderen Veröffentlichungen, die man eh nicht alle liest.
Lediglich die Besprechungen von Vurdy/Vurdhazar waren mir persönlich keine Freude. So guten Musikgeschmack der Jung auch hat, diese schwülztig, gezwungen elloquenten Romane langweilen eher, alsdass sie einem die Musik schmackhaft machen.

Kurzum finden sich auf 125 Seiten 18 Interviews, 14 Reviews und vier Kolumnen, die ein breites musikalisches Feld abdecken und durchaus unterhaltsam zu lesen sind. Auch, wenn für mich persönlich wenig ansprechende Neuentdeckungen darunter waren, finde ich den gelebten Enthusiasmus der TRVEFRYKT-Gruppe spannend. Großes Lob mal wieder für dieses herzerfüllte Engagement.
Doch beim nächsten Mal bitte wieder etwas mehr Black und Death Metal und die kleinen Patzer aus dem Layout ausbessern.

Solange: Support the Scene, Support DIY, Support TRVEFRYPT!


Infos
-Format A4
-128 Seiten Inhalt
-keine Werbung
-Druck: s/w doppelseitig
-Bindung: Heißleim
-Papier: 80g weiss
-Umschlag: umlaufender Karton 160g
-Farbcover

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