Rotten Pope – Rotten Tunes

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Nach dem bereits beachtlichen Demo 2014, melden sich nun ROTTEN POPE mit ihrem Debütalbum zurück. Vielleicht erinnert man sich, die Band ist quasi eine „All-Star-Band“ des deutschen Undergrounds. Mit Mitgliedern aus (teils ehemals) Mental Amputation, Sucking Void, Necrotted, Apophis, Dawn Of Dreams, Revel In Flesh, Bitterness oder Havok liest sich das Line-Up bereits illuster. Wenngleich ROTTEN POPE mit all diesen Bands wenig zu tun hat, das hat ja bereits das Demo deutlich klar gemacht.

Auf „Rotten Tunes“ nimmt die Band nun die bereits guten Ansätze und legt in allen belangen noch mal ordentlich einen drauf. Das Mastering von niemand geringerem als Dan Swanö ist absolut druckvoll und zu keiner Sekunde überladen. Das war ein Manko, was den intensiven Durchföhn-Charakter des Demos doch etwas anstrengend machte. Auch das Artwork von Paul Carrick passt in seiner gewissen Schrulligkeit sehr gut zur Musik. Denn Death-Grind muss nicht gleich Death-Grind sein, wie ROTTEN POPE eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Klar, Stereotype müssen bedient werden. Und sollen es in so einem extremen Genre durchaus auch! So ist „Rotten Tunes“ eigentlich permanentes Ultraschalltempo. Midtempo-Passagen sind so rar gesät, dass ich nun keine nennen könnte. Vielmehr geht es durch diverse Abstufungen des Blastbeats, schnell, schneller, Gravityblast. Letzterer wird aber nur homöopathisch verwendet und setzt eigentlich immer gute Akzente. Dazu dann immer wieder fickenschnelle Doublebass, dass einem die Kinnlade auf die Tischplatte knallt. Die Extremität wird zwar immer songdienlich eingesetzt, dennoch ist Drummer Kay sicherlich nicht von diesem Planeten, sondern irgendwie per Anhalter durch die Galaxie nach Aalen gekommen.

Wenn ROTTEN POPE doch mal das Tempo „runter“ fahren, hauen sie sehr coole D-Beats raus und bringen deutlich mehr Crust und oldschool Grind in ihre Musik. Gerade „Urine Spring Break“ oder „Enlightment Of The Sickest“ haben diesen richtig schön rotzigen Vibe von Extreme Noise Terror. Ein wenig ist das vielleicht auch im Gesang geschuldet, der an einigen Stellen freilich Vergleiche zu Barney von Napalm Death zulässt und Reminiszenzen an alten Grindcore quasi herbeiruft.

Hin und wieder werden die Riffs auch schon mal etwas thrashiger. Doch lediglich „Odeur“ spielt mit etwas Thrash Metal, bevor es dann wieder ins Highspeed Geballer geht. Eher sind da griffige Melodien ein wichtiger Bestandteil auf „Rotten Tunes“. Mal so richtig morbid und griffig in „Advanced Human Annihilation“, mal eher dystopisch in „Scorponok“ oder richtig geil in dicken mehrstimmigen Teppichen ausgearbeiten wie in „Forgotten By Evolution“. Immer wieder durchziehen überraschende Leads die Songs. In „Betelgeuse Towel Massacre“ noch subtiler, in „Gutman“ schon stärker ausgeprägt. Oder oder oder.

Dazu der coole Gesang von Tommy, der von Barney zu fiesen Schreien eine breite Palette abliefert, stellenweise auch gedoppelt. Diese mannigfaltigen Bausteine machen ROTTEN POPE ziemlich eigenständig. Death-Grind, volle Suppe auf die Fresse. Aber keineswegs stumpf oder plump. Im Gegenteil, die Lieder sind verspielt und schaffen es immer wieder markante Momente zu präsentieren.
Trotz Brutalität und extrem hohem Tempo hat „Rotten Tunes“ echt ein paar Hits in petto und ist damit durchaus ein hervorragendes Death-Grind-Album.


9 Lieder / 32 Min.
CD/Download – Eigenveröffentlichung

https://rottenpope.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/RottenPope