Escarnium – Interitus

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Vor geraumer Zeit bekam ich ein Tape von „Rex Verminorum“ in die Hand und war von ein paar Songs ziemlich umgehauen. Geile Riffs und diese ungezügelte südamerikanische Wut. Echt beachtlich. Dennoch verlor ich ESCARNIUM dann etwas aus meinem Aufmerksamkeitsfeld. Mittlerweile ist viel Zeit vergangen und mit „Interitus“ bereits das zweite Album der Brasilianer draußen. Die ungezügelte Ruppigkeit ist vielleicht ein wenig gewichen, doch langsam oder zahm ist die Band bei Leibe immer noch nicht!

Vielmehr ist die finstere Aggression von ESCARNIUM auf „Interitus“ klar kanalisiert. Das Tempo ist konsequent hoch, die Riffs messerscharft kalkuliert. So sind die knapp 38 Minuten des Albums ein ordentlicher Föhnvorgang mit einigen richtig coolen, saumäßig morbiden Momenten. Doch ich muss gleichzeitig gestehen: Die besten Songs tummeln sich auf der zweiten Albumhälfte und ESCARNIUM entfalten ihr volles potential, wenn sie das Tempo mal bewusst rausnehmen.

So ist gerade „The Gray Kingdom“ in seinem runtergestimmten und schweren Auftakt extrem zerdrückend und hat eine echt düstere Stimmung. Und auch die mitreißenden Uptempo D-Beats aus „100 Days Of Bloodbath“ treiben ordentlich. Gleiches gilt für den mörderischen Groove aus „Human Waste“ (nein, kein Suffocation-Cover), das in seiner crusty Attitüde auch an Vomitory erinnert.
Dass ESCARNIUM aber nicht nur mit dem groben Knüppel drauf los holzen, beweisen sie in „Starvation Death Process“, „Radioactive Doom“ oder „Omnis Mortuus Est – Interitus“ sehr eindrucksvoll! Die Harmonie-Linien erinnern zuweilen an Nile und erzeugen eine richtig finstere und epische Atmosphäre.

Zwischen roher Knüppelei und düsteren Melodien streuen kleine Details dann die besonderen Momente. Beispielsweise die immer wieder mal gedoppelten Gesangslinien, die zusätzlichen Druck in die Songs bringen. Oder bewusste Geschwindigkeitsdrosselungen, damit ein mürbendes Downtempo dem Hörer den letzten Gnadenstoß versetzt. Oder eines meiner Lieblingsdetails: Die Derek Roddy-Blastbeats in „Omnis Mortuus Est“, wo im schnellen Geknüppel ein weiterer Snare-Schlag auf die zwei erfolgt. Ist vielleicht etwas nerdy ausgedrückt, aber macht ordentlich Groove und Eindruck.
Dazwischen immer wieder coole Soli, mal mehr in Richtung Walgesang, mal furios runtergeholzt und häufig düster-morbid.

Ein richtig herausragendes Album haben ESCARNIUM mit „Interitus“ vielleicht nicht abgeliefert. Aber durchaus ein sehr gutes Schlachtbrett zwischen gnadenlosem Gekloppe und düsterer Atmosphäre.


10 Lieder / 37 Min.
Testimony Records (2016, CD/Download)

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