Brutally Deceased – Satanic Corpse

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Eigentlich ist es ja eine totale Schande. Da hat Meister Paolo Girardi mal wieder ein erstklassiges Artwork gezaubert, und es wird mit so einem roten Flatschen verunstaltet. Das sieht doch aus, wie aus dem Ausverkauf bei Media Markt. Und nicht etwa wie eine hervorragende Death Metal Scheibe. Igitt, mehr fällt mir dazu echt nicht ein…

Doch von Anfang an: BRUTALLY DECEASED haben bereits mit ihrem Debüt „Dead Lovers Guide“ einen mehr als ordentlichen Eindruck bei mir hinterlassen. Aus irgendeinem Grund ist dann das zweite Album „Black Infernal Vortex“ leider gänzlich an mir vorbeigehuscht und nun bin ich auch noch mit meinem Senf zu „Satanic Corpse“ deutlich zu spät dran. Mea Culpa. Das heißt allerdings nicht, dass ich das Album seit der Veröffentlichung im August 2016 ignoriert hätte. Im Gegenteil, das Teil läuft so gut rein und runter, dass es regelmäßiger Gast in meiner Anlage war.

Die grobe Fahrtrichtung stand ja schon 2010 mit dem Debüt fest. Schwedischer Death Metal mit deutlich eigenem Anteil. Damals haben BRUTALLY DECEASED schon locker die Konkurrenz aus Ulm in die Tasche gespielt. Heute kann ich nur noch fragen: Who the fuck are Fleshcrawl? Gegen das furiose Feuer und die konsequent eigene Durftmarke der Tschechen, haben es ähnliche Bands aus der Stilistik verdammt schwer.

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass BRUTALLY DECEASED nicht versuchen generischen oldschool Stockholm zu fahren, sondern ihre Wurzeln deutlich bei Dismember haben. Angefangen von einzelnen Zitaten, wie dem Stop’n Go aus „At One With The Dead“ oder den echt feschen Leads aus „The Art Of Dying„. Immer wieder kommen auch die Punk-Einflüsse heraus und geben einen dezenten Crust-Touch in die Lieder. Selten so offensichtlich, wie in „In Torment We Shall Strive„, aber immer wieder vorhanden.
Und natürlich: Wer Dismember sagt, muss auch Iron Maiden sagen. Das machen BRUTALLY DECEASED auch spätestens in bereits erwähntem „At One With The Dead“ überdeutlich. Doch auch an anderen Stellen finden sich die äußerst ausgeprägten Melodien und gedoppelten Harmonieläufe immer wieder. Ja, „Satanic Corpse“ ist quasi ein Melodic Death Metal Album. Allerdings zu keiner Sekunde weichgewaschen, poliert oder auch nur ansatzweise cheesy.

Im Gegenteil, BRUTALLY DECEASED kombinieren die prägnanten und melodischen Harmonien immer mit furiosen Blastbeats, donnernden Doublebass-Teppichen und extrem wütendem Gebrüll. In „Ruthless Cleansing“ gipfelt das schon fast in ein leicht hektisches Lead. Doch die Balance stimmt auf „Satanic Corpse“ durchweg. Derweil „The Disclosure“ noch ordentlich Gas gibt, erlaubt sich direkt das anschließende „Hostile Earth“ auch schon mal extrem schweres Downtempo und immer wieder finden sich fette Breakdowns, die das Tempo bewusst zugunsten des Drucks rausnehmen.
Schlussendlich gipfelt das ganze dann im extrem guten „In Torment We Shall Strive„, das nicht nur bereits erwähnte Crust-Einflüsse instrumentalisiert, sondern auch mit unheilvollen Riffs eine gänzlich andere Atmosphäre aufbaut.

Freilich kann man noch den ein oder anderen Moment erwähnen, wo die Riffs was thrashiger sind und vielleicht an At The Gates oder Desultory erinnern. Doch lenkt solches Namedropping nur davon ab, dass BRUTALLY DECEASED sich in der Retrowelle ausgezeichnet emanzipiert haben und mit ihrer melodischen, verspielten und dennoch brutalen Musik positiv hervorstechen. Ein dickes Gerät.


9 Lieder / 29:28 Min.
CD/LP/Download – Doomentia Records – August 2016

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