Braincrusher Festival

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31.3. – 1.4.2017, Jahnhalle Hirschaid

 

Freitag

R: Ende 2016 flog uns ein Flyer vom Braincrusher Festival regelrecht in die Hände und weckte sehr schnell unser Interesse, was unter anderem daran lag, dass die Spanier Graveyard mit von der Partie waren. Zudem sollten auch Vidarängr auf dem Braincrusher spielen, was für uns immer ein guter Grund ist, auf Tour zu gehen. Aber auch Bands wie Purgatory, Venenum und Blood Incantation machten hungrig. Also war es nur logisch, dass es uns Ende März nach Hirschaid zog.
K: Das sonnige Wetter am Freitag nutzten wir erst mal für einen Abstecher nach Bamberg, wo wir uns den Tag in der Altstadt um die Ohren schlugen und die Wartezeit aufs Konzert mit Rauchbier und einem Besuch im örtlichen Plattenladen vertrieben. Am späten Nachmittag checkten wir schließlich in unserer Pension in Hirschaid ein. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns auf in Richtung Jahnhalle, wo sich um halb sieben die Tore öffneten.

R: Als wir in der Jahnhalle eintrafen, war es besuchermäßig noch sehr überschaubar, der Veranstaltungsort hatte eine angenehme Größe und eine wirklich beachtliche Bühne, mit der wir so nicht gerechnet haben. Die erste Band, die das Braincrusher eröffnen sollte, waren die Nürnberger Goath. Neben allerlei Nebel gab es auch Fackeln, die mal so richtig schön die Jahnhalle einräucherten. Und so dauerte es auch nicht lange, bis Goath schön stumpf drauflos rumpelten. Bei Goath regierte ordentliches Geschepper, was in etwa die Richtung wies, wo es die nächsten zwei Tage lang gehen sollte.
K: Das Trio bot eine ziemlich aggressive und rohe Mixtur aus Death und Black Metal, die zwar gar nicht verkehrt klang, bei uns aber nicht so richtig zünden wollte. Das Ganze kam ein bisschen arg aufgesetzt böse rüber, was dann im Endeffekt eher bauerntramplig wirkte. Noch dazu die miefenden Fackeln … das lud nicht unbedingt dazu ein, bis zur letzten Minute bei der Sache zu bleiben. So streunten wir nach ein paar Liedern wieder nach draußen, um unser Bier in der Sonne und an der frischen Luft zu genießen.

R: Als zweite Band standen schon zu so früher Stunde die Engländer Cruciamentum an. Auf die waren wir beide sehr gespannt, und so war es an der Zeit, wieder in die Räucherhöhle zu gehen, denn allzu viel frische Luft ist ja auch nix. Was mich persönlich gerade am Anfang störte, war dieser furchtbare Schlagzeugsound. Denn zum einen war er viel zu laut, und auf der anderen Seite klang mir das Schlagzeugspiel schon fast ein bisschen zu technisch, aber auch zu sauber. Aber trotz alledem boten die Engländer einige Songs vom Album „Charnel Passages“ an, die mir doch ganz ordentlich reinliefen und meine ohnehin schon rasselkurzen Haare aufgrund der Wucht regelrecht zu Berge stehen ließen.
K: Der Sound wurde im Laufe des Sets zum Glück auch etwas optimiert, so dass die Sache zur Mitte hin weitaus mehr hermachte. Insgesamt fand ich Cruciamentum ziemlich cool, da hier nicht nur irgendwelcher standardisierter Old School Sound geboten wurde, sondern die Band hat wirklich abwechslungsreiche und eigenständige Songs am Start.
R: Gerade Sänger D.L. hatte ein sehr markantes, aggressives Stimmvolumen, und so drosch man etwas über eine halbe Stunde ein wahres Death-Metal-Gewitter durch die Halle. Ganz habe ich mir die Jungs dann doch nicht angeschaut. Irgendwie hatte ich dann ein wenig Bock auf Labern, so dass ich mich noch mit Leimy von Reckless Manslaughter unterhielt, der sich dann zu meiner Freude auch noch ein Krachmanifest eintütete (man hat halt Geschmack…).

K: Als nächstes standen die Schweden Reveal auf dem Programm, auf die ich echt gespannt war. Ich hatte vorab mal ins aktuelle Album „Flystrips“ reingehört, was mit seinem verdammt schrägen Death Metal irgendwie interessant, aber eben auch ziemlich stressig und schwer verdaulich klingt. Hier wurde also alles andere geboten als klassischer Schwedentod. Reveal kamen sehr verschroben rüber, ließen aber auch eine gehörige Portion Ruppigkeit nicht vermissen. Wer dachte, das ist irgendwelche intellektuell überfrachtete Kunststudenten-Kacke, wurde auf jeden Fall eines Besseren belehrt. Sehr amüsant fand ich zum Beispiel, wie der Sänger plötzlich aus heiterem Himmel seinem Kollegen am Bass einen derart heftigen Tritt verpasste, dass es den mal richtig schön auf den Arsch legte. Haha, spätestens da war klar, dass es hier neben abgefuckt schrägen Ideen auch nicht am nötigen dreckigen Rock’n’Roll-Spirit mangelt. Insgesamt war die Mucke zwar eher anstrengend, hatte aber immer wieder ihre coolen Momente, in denen sich psychedelische Einflüsse mit todesmetallischem Geschrote vermischten, und gerade gegen Ende hin kamen ein, zwei richtig coole Songs.
R: Echt jetzt? Sowas kann einem doch nur gefallen, wenn man Fusel trinkt. Puh, ich fand Reveal ehrlich gesagt einfach nur scheiße. Und für mich war es auch die einzige Band, die ich als Unfall ansehe, sowohl musikalisch als auch von der Livedarbietung. Keine Ahnung, was die Gattin an dieser Band fand. Ich hab mir diesen Murks mehr oder weniger drei bis vier Songs lang angetan und zum Glück nur mit einem Ohr hingehört, während ich mit Revenge-Daniel und Leimy über diese nervigen Schweden ablästerte. Einzig allein den coolen Schubser vom Sänger fand ich mal als Erhellungsmoment dieser Langweiler. Reveal sind für mich als Band einfach überflüssig. Hatte ich schon erwähnt, dass ich sie scheiße fand?

Nach diesem akustischen K(r)ampf war es dann an der Zeit für Venenum. Auf Venenum war ich recht gespannt, weil mir gerade ihr selbstbetiteltes Debüt von 2011 richtig gut reinlief, so dass es für uns beide klar war, dass wir uns schnell mal vor an den Bühnenrand gesellen. Venenum entfachten ein wahres dunkles Chaos mit ihren Songs, die einen fast schon in Trance versetzten. Der Sound passte ebenso, und so verwandelten Venenum die Jahnhalle in eine morbide, schwarze Höhle. Auch wenn die aktuellen Songs mir teilweise zu viel 70er Jahre Tendenzen atmeten und mir teils zu verspielt rüberkamen, konnten sie mich dennoch überzeugen.
K: Ich finde, dass sich Venenum bei aller Offenheit für untypische Einflüsse absolut ihren morbiden Death Metal Spirit bewahrt haben, und so kam auch dieser Auftritt wieder richtig schön finster rüber. Venenum kombinieren in ihrer Musik eine extrem düstere Atmosphäre mit einem Schuss Old-School-Dreck, das Ganze verpackt in richtig gute, packende Songs, und gerade diese Mixtur macht es eben aus. Auch der kehlig tiefe Growlgesang passt hier einfach saugeil, und live ist die Band auf jeden Fall ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Verdammt stark!

Bis dann schließlich Purgatory als letzte Band des Abends die Bühne enterten, war ich mittlerweile schon ganz schön betankt, so dass meine Erinnerungen an dieser Stelle langsam etwas verschwommen werden. Aber für den geradlinigen, aggressiven Traditions-Death-Metal war ich auf jeden Fall noch genügend aufnahmefähig, so dass es echt Laune machte, noch mal schön die Sau rauszulassen und den Sachsentrupp abzufeiern.
R: Oh Mann, es ist schon eine ganze Weile her, dass wir das letzte Mal Purgatory live gesehen haben, so dass wir beiden Suffköppe uns freuten, die Nossener wieder mal in Aktion zu erleben. Womit man gleich von Anfang an punkten konnte, war ein druckvoller Sound, coole und sehr passende Lichteffekte und ein wirklich gut aufgelegter Dreier (gemeint ist natürlich der Sänger). So hielt man sich auch gar nicht mit großartigem Vorgeplänkel auf und schoss gleich mal herrliche Old-School-Death-Metal-Salven von ihrem aktuellen Album „Omega Void Tribunal“ in die leider schon etwas müde Meute. Aber davon ließen sich die Nossener ganz und gar nicht aufhalten. War ich an diesem Freitag selber nicht so richtig in Abgehlaune, haben es Purgatory dann doch geschafft, mich in Schwung zu bringen. Leider hatte man das Gefühl, dass das Publikum dann ab der Hälfte des Sets immer weniger wurde. Entweder war es den Leuten einfach um die Uhrzeit zu schnell und zu heftig, oder sie hatten einfach keine Ahnung, haha. Fakt ist jedenfalls – trotz abkömmlichen Publikums bot das sächsische Death-Metal-Urgestein ein wahrlich geiles Brett, wo man immer mal wieder ein paar ältere Songs entdeckte. Irgendwann war dann mal Schicht im Schacht, die Band verschwand von der Bildfläche, aber die wenigen, die noch übrig geblieben waren, waren die wirklichen Maniacs, und so gab es nach ein paar Zugabe-Rufen tatsächlich noch einen allerletzten Song. Ich war jedenfalls restlos begeistert. Ein wirklich gut funktionierender Old-School-Haufen von Leuten, die wissen, wie es geht. Wer hier zu schnell abhaute und nicht durchhielt, ist nicht nur selbst schuld, sondern hat auch einen coolen Gig verpasst. Als dann Purgatory gegen 0:45 Uhr aufhörten, war es langsam auch für uns an der Zeit, uns auf den Weg zu machen.

K: Während wir die letzten Schlucke Bier aus der Flasche nuckelten, ergaben sich am Tresen noch ein paar dahingelallte Gespräche über interessante Themen wie die Haarpflege mit Teebaumöl. Rayk mit seiner pflegeleichten Kurzhaarfrisur interessierte das allerdings herzlich wenig, so dass wir uns dann schließlich doch losrissen, um uns auf den vermeintlich kurzen Fußweg zur Pension zu machen. Um noch ein paar Minuten einzusparen, kamen wir auf die super Idee, eine Abkürzung zu nehmen, was sich als großartiger Plan entpuppte.
R: Dadurch, dass wir im angrenzenden Nachbarkaff pennten (im Normalfall knapp 15 Minuten Laufweg), wähnten wir uns schon alsbald in der Waagerechten, und dafür wurde es auch Zeit, denn der Alkohol machte sich so langsam in vollen Zügen bemerkbar. Und so trotteten wir in totaler Dunkelheit los und merkten erst nach einer halben Stunde, dass wir uns auf der verkehrten Flussseite befanden, und benötigten schließlich für unsere super Abkürzung knapp eine Stunde, hehe. Der Heimweg ging in etwa so vonstatten: drei Schritte vor, zwei zur Seite und fünf rückwärts. Keine Ahnung, wie man das hinbekommt, wir haben‘s jedenfalls geschafft, so dass wir dann um halb drei endlich in unserer Pension ankamen.
K: Da bei mir die Feinmotorik inzwischen komplett ausgefallen war, hatte ich zu guter Letzt noch eine Menge Spaß bei dem Versuch, meine Kontaktlinsen rauszufummeln … Kurz und gut, der Abend war ein VOLLER Erfolg!

Samstag

R: Irgendwie hing ich noch vom Vortag ordentlich in den Seilen, und so richtig eilig hatte ich es ohnehin nicht. Denn die ersten beiden Bands waren Empyreal und Betrayal. Da mich die beiden Bands mit ihrer Mucke nicht wirklich ansprachen (also eigentlich überhaupt nicht), hatte ich auch nicht den Drang dazu, gleich um halb drei, als es losging, auf der Matte zu stehen.
K: Ich war zwar auch nicht fitter als Rayk, war aber der Meinung, dass mich weiteres Herumvegetieren im Zimmer auch nicht unbedingt nach vorn bringen würde. Darum gab ich mir um halb drei einen Ruck und schleifte meinen Kadaver Richtung Jahnhalle, in der Hoffnung, dort irgendwie zu mir zu kommen. Vidargängr trafen ebenfalls gerade am Ort des Geschehens ein, so dass ich gleich die Gelegenheit nutzte, ein paar Begrüßungsworte auszutauschen. Auch die Leipziger Trinksportgruppe war nach ihrem Jenaer Gig vom Vorabend noch nicht ganz regeneriert, was ich sehr gut nachfühlen konnte, haha. Also erst mal am Tresen eine Cola geholt und dann weiter die Lage sondiert…

Besuchermäßig sah es noch extrem mau aus, als mit Empyreal die erste Band auf die Bühne kletterte. Mit ihrem recht zahmen angeschwärzten Death Metal konnten mich die Franken allerdings nicht wirklich in Schwung bringen. Sicher, die Herren waren mit einer Menge Spielfreude am Werk, aber irgendwie wollte der eher melodische und nette Sound für meinen Geschmack nicht so recht aufs Festival passen. Ein paar Fans hatte die Band allerdings im Schlepptau, so dass sie nicht völlig unbeachtet spielen mussten. Ich trollte mich aber recht bald wieder nach draußen, um in der Sonne zu sitzen und ein bisschen zu quatschen.
Auch Betrayal konnten mich mit ihrem eher new schooligen Death Metal Sound nicht vom Hocker reißen, so dass ich auch hier nur mal kurz reinschaute. Inzwischen traf dann auch Rayk am Ort des Geschehens ein…

R: Für mich war es nun endlich an der Zeit, meine Leichenstarre abzuschütteln, denn ich wollte auf keinen Fall den Anfang von Vidargängr verpassen. Bis Vidargängr soweit waren, hatten wir noch die Gelegenheit, erst mal Cudgel-Chris guten Tag zu sagen und unseren Kumpel Fabian zu begrüßen und ihm mal ein bisschen Vidargängr schmackhaft zu machen, die ihm nämlich noch gar nichts sagten. Ja, wo gibt es denn so was?
K: Inzwischen hatten wir uns auch vorsichtig an unser erstes Bier herangewagt, und so langsam trafen doch noch ein paar mehr Leute in der Jahnhalle ein, auch wenn die Reihen nach wie vor recht licht waren. Gegen fünf Uhr legten dann Vidargängr los, und die letzte Lethargie war sehr schnell abgeschüttelt. Der intensive, alles niedermähende und zugleich ultrafinstere Black Metal prügelte einem in Windeseile alle Müdigkeit aus den Knochen. Immer wieder ein Phänomen, die Leipziger live zu sehen! Die Songs vom aktuellen Album „A World That Has To Be Opposed“ sind schlichtweg eine Macht, die einen gnadenlos überrollt, und das bestialisch wutentbrannte Gebrüll sorgte wie immer für den besonderen Wiedererkennungswert und eine Extraportion dreckige Räudigkeit. Es hieß also, schleunigst die Nackenmuskulatur in Schwung zu bringen!
R: Als der Nebel ein weiteres Mal die Jahnhalle heimsuchte, die Kerzen brannten, war die Zeit für die Saufband Vidargängr gekommen, den Franken zu zeigen, was es mit rabiatem Black Metal auf sich hat. Obwohl wir Vidargängr nun schon einige Mal gesehen haben, ist es für uns beide Bekloppten immer wieder eine Pflichtveranstaltung, den Jungs wenn möglich hinterher zu reisen. Wenn wir so weitermachen, bekommen Vidargängr wahrscheinlich noch einen Verfolgungswahn. Allein mit dem ersten Uuugh-Schrei von T.P. war auch meine Lethargie wie weggefegt. Vidargängr sind einfach eine wahre boshafte Macht im rasanten Highspeed Black Metal. Der Sound war roh, und so drosch man sich eine knappe Dreiviertelstunde durch ein wirklich dunkles, morbides Set, was keine Wünsche offen ließ. Das Bühnenoutfit und die Fuck-off-Attitüde passten bestens zur Musik. Da wir zwei Berufsbekloppten nicht nur rumstehen können, war natürlich klar, dass die erste Reihe vor der Bühne uns gehörte. Wirklich geiles Höllengeprassel mit einem abartig geilen präzisen Handwerk, was immer wieder für offene Münder sorgt.

K: Nach dem vollen Einsatz bei Vidargängr war jetzt eine kleine Verschnaufpause angesagt. Wir fläzten uns also draußen ins Gras, ließen den Schweiß trocknen und laberten erst mal eine ganze Weile. Arroganz hatten schon längst angefangen zu spielen, aber wir hatten es nicht sonderlich eilig, wieder nach drinnen zu kommen, da uns die Band in der Vergangenheit weder auf Scheibe noch live so richtig überzeugen konnte. Schließlich siegte aber zumindest bei mir doch die Neugier, so dass ich mich wenigstens aufraffte, mir die letzten zwei Lieder reinzuziehen. Und ich muss sagen, die Brandenburger Black Metaller gefielen mir überraschend gut. Die Songs kamen schön wuchtig und aggressiv rüber, und auch die Bühnenpräsenz der Band, die finster, aber nicht zu Klischee-überfrachtet wirkte, konnte positiv punkten. Gar nicht schlecht, und ich denke, ich sollte Arroganz vielleicht doch mal wieder im Auge behalten.
R: Während die Gattin im Nebelgeschwader Arroganz beiwohnte, machte ich keinerlei Anstalten reinzugehen. Lieber laberte ich noch mit Fabian und Silke eine ganze Weile über unser Heft, Oberschenkeltattoos, Bands, die man kennen sollte, und über schräge Erlebnisse auf dem Grind Here, Right Now in Trier.
K: Um nicht schon wieder total abzustürzen, wurde es nun Zeit, ein bisschen feste Nahrung zwischen die Kiemen zu bekommen. Der hungrige Metaller hatte in der Jahnhalle die Wahl zwischen Pizza und Leberkäs-Brötla, völlig ausreichend für eine vernünftige Grundlage. Also ließen wir uns vom übrigens durchweg netten und kompetenten Team am Tresen mal eine Pizzaecke servieren…

R: In der Zwischenzeit war es dann so weit, dass Krater anfingen zu spielen. Und eigentlich hatte ich vor, mir die Jungs anzuschauen, da mir ihr aktuelles Album „Urere“ verdammt gut reinläuft. Aber irgendwie bekam ich meinen Arsch nicht so richtig hoch von der Wiese, so dass ich nur mal kurz vorbeischaute.
K: Ich schlängelte mich mal wieder nach vorn in die erste Reihe, um ein bisschen mehr mitzubekommen, und ich muss sagen, ich fand den Auftritt von Krater ziemlich geil. Hier wurde recht eigenwilliger und abwechslungsreicher, aber vor allem verdammt atmosphärischer Black Metal geboten. Der Wechsel zwischen gebremsten, ruhigeren Parts und explosiven Aggressionseruptionen kam sehr cool rüber, und auch optisch wurde was geboten. Gerade der Sänger lieferte einen ziemlich besessenen Auftritt ab und sah mit seinem fiesen Corpsepaint und den abgerissenen Klamotten tatsächlich so aus, als würde er bei lebendigem Leib vermodern. Zwei Feuerschalen auf der Bühne unterstrichen noch mal die düstere Atmosphäre … ein absolut überzeugender Gig und verdammt finster.

R: Nachdem es jetzt zweimal in Folge Black Metal gab, war es endlich an der Zeit, dass es auch für die Death-Metal-Fraktion wieder was um die Ohren gibt. Als nächstes standen die aus Colorado stammenden Blood Incantation auf der Matte, von denen man in der letzten Zeit schon das ein oder andere coole Interview als auch wirklich durch die Bank weg vielversprechende Reviews las. Blood Incantation füllten die Halle mal so richtig. Die Amis zockten Old School Death Metal Sound mit leicht sperrigen und technischen Nuancen, der wirklich gut und abwechslungsreich umgesetzt wurde, so dass man es mit dem technischen Know-how nicht gar so übertrieb. Gerade Sänger Paul hat einen wirklich markanten, growlenden Gesangsstil, der sowohl sehr abwechslungsreich als auch sehr urig rüberkam, so dass in den Songs eine ganze Menge passierte. Gerade ihre Songs vom „Starspawn“ Album wussten vollauf zu überzeugen, wirkten sehr dunkel, abgefahren und ausdrucksstark. Leider gab es dann aufgrund einer gerissenen Gitarrensaite eine etwas längere Zwangspause, die wir dazu nutzten, erst mal frische Luft zu schnappen und draußen eine ganze Weile mit Patrick W. Engel zu labern. Aufgrund dessen, dass wir so im Laberflash waren, verpassten wir dann irgendwie den Anschluss, und wir hatten dann nur noch den Rest von Blood Incantation gesehen. Für mich war Blood Incantation die Überraschung des Festivals. Verdammt coole Band. Wer auf richtig gute alte Handwerks-Death-Metal-Kost steht, dem empfehle ich definitiv, mal die Jungs anzuchecken.

K: Nachdem mir Blood Incantation irgendwie zu technisch und zu typisch US-todesmetallisch klangen, war ich gespannt auf Drowned. Deren letztes Album „Idola Specus“, was teils ziemlich abgefeiert wurde, wollte bei mir nie so richtig zünden, aber man weiß ja nie, ob die Sache vielleicht doch live mehr hermacht. Prinzipiell mag ich ja diese Art von düsterem Death Metal … Allerdings ging es mir mit den Berlinern live ähnlich wie auf Scheibe: Cool gemachter Sound, aber es fehlen einfach die richtig guten Songs. So fand ich die Chose dann zwar ganz gediegen, aber auf Dauer konnten mich Drowned nicht fesseln, so dass ich mir nicht den kompletten Auftritt reinzog.

 

Umso größer war die Freude auf Graveyard, denn diese Spanier spielen nicht nur coolen Old School Death Metal, sondern haben spätestens seit ihrem letzten Album auch wirklich hammergeile Songs im Gepäck. Die Band war schon seit Freitag auf dem Festival unterwegs und hatte sich mit sichtlich guter Laune unters Publikum gemischt. Nun wurde es aber für die Spanier Zeit, selbst die Bühne zu entern.
R: Bevor es mit Graveyard losging, hieß es, noch mal Pizza und Getränke nachzuordern. Und nachdem der Soundcheck durch war, ging es dann auch mit urwüchsigem Old School Sound los. Ich hatte die Spanier schon seit längerem auf dem Radar, allerdings bin ich erst so richtig angefixt worden von ihrem aktuellen Album. Umso erfreuter war ich, dass sie den Erwartungen absolut vom ersten bis zum letzten Song standhalten konnten. Hier passte meiner Meinung nach einfach alles, angefangen vom Bühnenoutfit, hin dazu, dass die Band sehr gut aufeinander eingespielt war. Und gerade Sänger Fiar machte wirklich einen fantastischen Job, denn gerade seine Gestik und sein Körpereinsatz machten Graveyard auch live zu einer sehr spannenden und interessanten Angelegenheit.
K: Auch dem Rest der Band war die Spielfreude deutlich anzusehen. Gerade Bassist Julkarn fegte mit einer Menge Energie über die Bühne und feuerte immer wieder das Publikum an. Die Mischung aus ruppigen Riffs, leichten Doom-Anleihen und genialen Gitarrenmelodien kam live absolut geil rüber und war ein Festmahl für alle, die auf gut gemachten traditionellen Death Metal mit Wiedererkennungswert stehen.

R: Die Headliner dieses Abends hießen The Ruins of Beverast. Nachdem mir Fabian diese Band dermaßen anpries und sie mir fast ins Ohr eintätowierte, kam ich nicht drum herum, mir wenigstens ein Bild von dem Trupp zu machen. Einen Tag zuvor hatte ich via Bandcamp in ein paar Songs hineingehört, aber da war jetzt noch nichts dabei, was mich auf Anhieb so richtig mitziehen konnte. Aber dennoch war ich neugierig, ob die Band live das rüberbringt, was man allzu oft über sie liest.
K: Mir ging es mit Ruins of Beverast ähnlich – bis dato war ich mit der Band nicht wirklich warm geworden, wollte mich aber gern live eines Besseren belehren lassen. So richtig sprang der Funke aber nicht über. Der mal vertrackte, mal atmosphärische Black Metal hatte durchaus seine Momente und punktete vor allem mit einer eigenständigen Herangehensweise abseits des Einheitsbreis. Trotzdem kamen zwischendurch immer wieder viel zu lange Passagen, die völlig nichtssagend an mir vorbeiplätscherten. Auch der Gesang traf nicht meinen Geschmack, so dass hier, trotz einiger wirklich cooler Parts, kein einziger Song von vorn bis hinten zu fesseln wusste. So richtig losreißen konnte ich mich aber trotzdem nicht und zog mir schließlich fast den kompletten Auftritt rein.
R: Obwohl Ruins of Beverast jetzt nicht wirklich den Black Metal spielen, den ich bevorzugt höre, muss ich zugeben, dass sie einen recht düsteren, atmosphärischen Sound auffuhren, dem es sowohl an Kälte als auch an Aggressivität nicht fehlte. Mir waren die Songs teilweise ein bisschen zu vertrackt und auch etwas zu lang. Allerdings merkte man den Aachenern an, dass sie das Zeug hatten, das Publikum wirklich vor der Bühne zu halten, denn selbst beim letzten Song weit nach Mitternacht waren immer noch genauso viele Leute in der Halle wie am Anfang ihres Sets.

Fazit

K: Für uns war es der erste Besuch in Hirschaid, und das Festival konnte uns rundum überzeugen. Sehr coole Bands und eine durchweg lockere Atmosphäre, in der man nicht nur mit alten Bekannten ins Gespräch kam. Ziemlich befremdlich und nervig war lediglich die völlig unpassende Hintergrundbeschallung in den Umbaupausen (irgendwelcher neumodischer Plastikmetalsound), die uns des Öfteren die Haare zu Berge stehen ließ.
R: Auch das Publikum passte an diesem Wochenende gut zur Musik. Sprich, man war nicht umzingelt von diesen ganzen Wochenend-Metallern, EMP-Spackos und Party-Pommesgabel-Kunden. Es waren genau die Leute vor Ort, die vor allem wegen der Musik auf ein Festival gehen. So soll’s sein!

Rayk + Katja

PS: Der Konzertbericht wird übrigens auch in gedruckter Form in der zweiten Ausgabe unseres Krachmanifest Fanzines erscheinen.

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