Benighted – Necrobreed

 , , , ,

Über BENIGHTED muss man wohl nicht mehr viel erzählen. MIt ihrer kontemporären Mischung aus Death Metal alter und neuerer Schule wie einer Priese Grindcore haben sie sich mittlerweile zu Recht eine ordentliche Fan-Basis erspielt. „Necrobreed“ festigt diese Position abermals und präsentiert sich als ein äußert abwechslungsreiches und kurzweiliges Album. Perfekt für jeden, der sich in einer Schnittmenge aus Dying Fetus, Aborted, Gorerotted/The Rotted und Cattle Decaptiation wohl fühlt.

Nach einem mehr oder minder obligatirischen wie auch recht unnützen Intro geht es direkt ordentlich zur Sache. Catchy Harmonien treffen auf crusty Riffs und angenehm dynamische Songstruktur. Die Wechsel zwischen Groove und Grind aus „Reptilian“ sind bereits prototypisch für die restlichen 38 Minuten des Albums. Gleiches gilt auch für den schicken Wechselgesang zwischen allen erdenklichen Arten des Death-Metal-Gegrunzes: Guturale Growls, harshe Shouts, fiese Schreie und ein Wenig Bree-Bree.

Zugegenen: Viele altbackene Möppernasen mögen sich an manch modernen Elementen auf „Necobreed“ stören. Bree-Bree-Gesang, ein paar Einflüsse aus dem Hardcore in den RIffs, hier und dort mal ein Subbass oder ein anderer Soundeffekt um einen Breakdown einzuleiten. Am krassesten dürfte da wohl „Cum WIth Disgust“ dem ein oder anderen missfallen, ist es mit seinem Bass und Schlagzeug Auftakt und abwechselndem Gesang doch sehr nahe am prolligen Beatdown.

Doch auch wenn BENIGHTED sich vieler ansonsten doch verpönten Stilmittel bedienen, werden diese nie zum Selbstzweck verwendet, wie es manch andere Deathcore/Slam Death Metal oder Beatdown-Band zu machen scheint, sondern als geschickte Akzente eingesetzt. So richtig prollo oder dumpf wirkt „Necrobreed“ zu keiner Sekunde, sondern durch die deutlich betonten Wurzeln im Death-Grind angenehm aufgefrischt durch die besagten Einflüsse.

Und so jagt eigentlich ein griffiger Song den nächsten. Mal eher groovy, mal etwas thrashy, dann – wie gesagt – angedeutet prollig oder auch mal ziemlich apokalyptisch mit unheilvollen, dissonanten Melodien und heftigsten Gravity-Blastbeats. Alles immer im stetigen Fluss und mit teilweise überraschenden Wendungen. Gleichzeitig aber auch mit großem Wiedererkennungswert.

Ja, manche Refrains sind schon so griffig runtergebrochen, auf Mitsingbarkeit ausgelegt, dass es schon fast wieder cheesy ist. Doch in der Mischung entstehen schlicht gute und eingängige Songs. Ein Aspekt, den viele andere Bands des Genres heute gerne schon mal vergessen.

So gut „Necrobreed“ am Stück funktioniert, mag ich dennoch zwei Lieder besonders hervorheben. „Forgive Me Father“ fusioniert wohl am eindrucksvollsten Crust-geschwängerten Death-Grind mit einer Priese Hardcore, Cattle Decaptitation Dystopie und etwas Mathcore-Chaos zum Schluss. Dazu wird der Song noch mit Gastvocals von The Black Dahlia Murder-Trevor garniert. Ein echt leckeres Sahnestück!

Und von Gesangslinien, Aufbau und Gitarren-Riffs hat mich das scheinbar deutschsprachige „Der Doppelgänger“ extrem an die leider verblichenen Jack Slater erinnert. Auch könnte ich fast schwören, dass einige Gesangspassagen vom Horn begesteuert wurden. Doch Pustekuchen, die einzigen Gastbeiträge sind vom genannten Trevor und zwei mir unbekannten Sängern in „Cum With Disgust“ (Arno) und dem Intro (Asphodel).

Am Ende huschen die fast 40 Minuten unterhaltsam und kurzweilig vorüber. BENIGHTED haben mal wieder ein gutes Album mit den besten Einflüssen aus Death und Grind sowohl alter wie auch moderner Schule abgeliefert. Ich finde, so sollte moderner Death Metal klingen: Brutal, markant, griffig und abwechslungsreich. Dass es an wirklich herausragenden Momenten fehlt, ist mir egal. Das Grundniveau von „Necrobreed“ ist ordentlich und die Platte macht einfach schnörkellosen Spaß. Die Band hat alles richtig gemacht, und der Käufer macht sicherlich nichts verkehrt.

Infos
12 Lieder / 38 Min.
Seasons Of Mist / 02/2017

https://benighted.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/brutalbenighted/