Dehuman Reign – Eine kurze Bestandsaufnahme

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Mit ihrem ersten Album „Ascending From Below“ mischen DEHUMAN REIGN gekonnt Texas, Florida und New York-Style. Düstere Atmosphäre, technische Finesse und coole Songs machen ein fesches Album. Grund genug, um Gitarristen Tesk ein paar Fragen aufzudrücken…


1. Hallo Tesk, wie geht es Dir! Mach mal was gute Musik an, nimm Dir ein Bier und wir können mit unserem Gespräch loslegen. „Ascending From Below“ ist nun auch schon eine Weile draußen. Bist Du soweit zufrieden mit der Resonanz von Fans und Medien?

Uns geht es gut. Mukke läuft, Gerstensaft steht bereit. Es kann losgehen.
Die Resonanzen waren eigentlich alle gut bis sehr gut und wir sind auch selbst mit dem Endprodukt vollauf zufrieden. Wir haben bereits auch Interviews/Reviews bei den „großen“ Zeitschriften gehabt…. Es läuft!

2. Fangen wir einfach mal oberflächlich an: Eure neue Scheibe hat ein extrem cooles Artwork! Irgendwo zwischen Skeletor aus He-Man trifft auf Krang von den Teenage Mutant Ninja Turtles und diesem typischen Horror-Vibe der Razorback Records Releases. Irgendwo ist ja dieses Horror-Thema schon ein gewisses Trademark von euch, hatte bereits „Destructive Intent“ einen ähnlichen Vibe. Darum: Wer hat das neue Artwork verbrochen? Und habt ihr da eigene Ideen mit einfließen lassen, oder dem Künstler komplett freie Hand gelassen?

Wir haben das Cover bereits seit ca. 2014 in Planung und haben mit dem Künstler (Tobias Giese) bereits für die EP geplant, daraus wurde leider nichts, da der Faktor Zeit hier nicht mitspielte. Wir hatten bereits eine grobe Idee für das Cover (Gatefold war von Anfang an geplant) und haben das alles mit Tobi besprochen und er hat seine Ideen miteingebracht, es war also eine Kombination aus beiden. Er hat dann erst grobe Entwürfe abgeliefert und diese dann Stück für Stück verfeinert. Wir haben uns auch ein paar Mal im Proberaum getroffen und weitere Details ausgearbeitet, bis es nach gefühlten fünf Jahren endlich fertig war :D

Ascending_from_below_Cover

3. Musikalisch kommen die Mitglieder von DEHUMAN REIGN aus fast unterschiedlichen Richtungen. Eher klassisch von Harmony Dies, technischer bei Anacephalus oder Sinners Bleed (gibt es die eigentlich noch?) oder aus dem Death-Grind von Necromorph. Doch gerade diese Mischung mach DEHUMAN REIGN für mich interessant, weil eben die Bausteine den Gesamtsound von dem typischen Death Metal alter Schule abheben. Die Songstrutkturen sind etwas anspruchsvoller, die Blastbeats und Doublebass-Teppiche deutlich schneller als bei anderen Bands ähnlicher Ausrichtung. Siehst Du die unterschiedlichen Hintergründe als ähnlichen Vorteil?

Es heißt ANENCEPHALUS (wenn ich mich recht entsinne, war es doch Annas Zeh Verlust, oder? – Anm. Chris), wobei diese Band nicht sehr technisch war im Vergleich zu SINNERS BLEED, die mittlerweile wieder fleißig am Proben sind.
Es hat natürlich einen großen Vorteil, dass wir alle fünf bereits in diversen Bands gespielt haben und somit unsere Erfahrungswerte automatisch in das Songwriting einfließen. Was das Gesamtbild angeht, haben wir uns eigentlich nur ein Ziel gesetzt: Death Metal. Wir schreiben die Songs eher aus dem Bauch heraus und gehen höchstens mit dem Ziel ans Werk; lasst uns mal was Schnelles schreiben. Und am Ende kommt dann doch ein „langsamer“ Song heraus, weil es sich dann im Laufe der Entstehung des Songs so herausgebildet hat.

DR-2015_Press_1-low4. Unterschiedliche Hintergründe aus anderen Bands, das Ergebnis ist dennoch klassischer Death Metal amerikanischer Schule. War das von Anfang an das Ziel von DEHUMAN REIGN, oder hat sich das logisch entwickelt?

Das hat sich so entwickelt, bzw. waren wir uns einig kein Schwedendeath oder „Rumpelmetal“ zu spielen. Einfach Death Metal der 90er, mit dem wir alle aufgewachsen sind, bzw. von dem wir beinflusst wurden.

5. Die amerikanische Schule hat aber gleichermaßen viel zu bieten. Und ihr orientiert euch mit DEHUMAN REIGN nicht am beliebten Autopsy-Sound, oder beschränkt euch auf Texas, Florida oder New York, sondern kombiniert die Richtungen. Okay, vielleicht weniger blasphemisches Texas-Geballer, aber Groove und Riffing kommen gleichermaßen aus Florida, wie Brutalität und Finsternis aus New York stammen. Für mich sind die Riffs irgendwo zwischen Cannibal Corpse Groove und Tapping, derweil Harmonien und Atmosphäre von Morbid Angel und Immolation entliehen wurden. Dazu die Brutalität von Suffocation, die man nicht zuletzt im Bass-Sound raushören kann. Doch das erzähle ich nun lapidar als Hörer. Was sind eure eigentlichen Einflüsse im Songwriting?

Das, was du gerade gesagt hast, kann man so schon fast übernehmen. Aber dass wir uns direkt nach den benannten Bands richten, ist wohl eher unserer Jugend geschuldet, da wir diese Musik/Bands alle innig geliebt haben. Ob wir jetzt nach diesen Bands klingen, ist jedem selbst überlassen, wir fühlen uns geehrt mit den Größen des Genre verglichen zu werden, probieren aber nicht zu sehr nach dieser oder jener Band zu klingen. Dann hätten wir auch ein anderes Soundgewand für „Ascending from below“ gewählt. So haben wir probiert unseren eigen Sound/Stil zu entwickeln und sind weiterhin dabei!

DR_Live16. Bereits angesprochen: Mich erinnert die Bass-Arbeit auf „Ascending From Below“ sehr an Suffocation. Gerade die Verwendung des Tieftöners in Interludes, Soli oder alleine Slap- und Pop-Sounds ist im Metal heute eher eine Seltenheit. Wie kommt es, dass dieses Instrument bei euch doch eher prominent arbeiten kann und stellenweise bewusst im Sound hervorgehoben wird?

Das liegt in erster Linie am Bassisten selbst. Und wir sind uns alle einig, dass der Bass bei den meisten Bands wenig bis kaum zu hören ist, was sehr schade ist, da viele Bassisten es tierisch drauf haben, aber man nicht hört, was diese spielen. Der Bass ist ein eigenständiges Instrument, was auch dementsprechend zu hören sein sollte.

7. Wenn man so will, läuft „Ascending From Below“ durchaus einfach als brutales Death Metal Album durch. Doch sind immer wieder kleine Finessen versteckt. Seien es fiese Rhythmus- und Tempo-Wechsel, gezielte Breaks oder auch echte kleine Frickelpassagen. Doch stehen all diese Puzzlesteine nie im Vordergrund, sondern sind immer song-dienlich verpackt. Habt ihr da einen eigenen Anspruch, dass ihr eben nicht einfach nur Stumpf daher kloppen wollt, oder sind diese Elemente eher natürlich in eure Songs eingeflossen?

DR_Live2Genau. Wir wollen nicht stumpf drauf los holzen, sondern haben schon einen gewissen Anspruch an unsere Musik. Die fiesen Wechsel entstehen teilweise absichtlich, aber auch zufällig, da wir auch nicht mit Klick oder bestimmten Tempi arbeiten. Manche Riffs brauchen halt einen kleinen Schub oder müssen ein bißchen gebremst werden, damit sie für unsere Ohren gut klingen bzw. funktionieren. Was die Frickelei angeht, gehen wir nicht ran und müssen jetzt ein kompliziertes Riff kreieren, das alle erstmal ein halbes Jahr üben müssen. Meistens ist es eher so, dass ein Riff irgendwann so schnell gespielt wird, dass es sehr technisch wirkt, der Anspruch also durch die Geschwindigkeit entsteht.

8. Was ist für euch wichtiger im Death Metal? Brutalität, technische Finesse oder Atmosphäre? Wo liegt der Fokus für DEHUMAN REIGN?

Von den drei genannten ist es wohl am ehesten die Atmosphäre, der technische Aspekt wird, wie gesagt, nicht erzwungen, sondern entsteht natürlich. Brutal muss es nicht immer sein, aber meistens kommt dann was brutales raus, wenn ein Song fertig ist, da können wir halt nicht anders, hehe.

9. Okay, Tesk, das war es auch schon mit unserer kleinen Fragerunde. Die letzten Worte gehören Dir und DEHUMAN REIGN. Hier kannst Du uns erzählen, wohin die Reise geht, was Du meinen Lesern noch mitgeben willst, oder schlicht, was Dich gerade noch beschäftigt. Feel Free und noch viel Erfolg mit DEHUMAN REIGN!

Danke für das Interview und Danke an alle, die es gelesen haben, ja DU!
Ansonsten gibt es nur zu sagen: Hört euch unser Album an, auf welchem Weg auch immer, und kommt zu unseren Konzerten oder überhaupt zu Undergroundkonzerten. Unterstützt uns mit dem Kauf einer CD, Vinyl oder Merch. Die nächsten Gelegenheiten uns live zu sehen:

15.10.2016 in Hoogeveen (NL) @ Het Podium mit Purgatory & Dead Will Walk
28.10.2016 in Chemnitz @ Sanitätsstelle mit Atomwinter u. A.
26.11.2016 in Kusel @ Schalander. Blastfest mit Orphalis, Algetic, Rotten Pope u. A.
09.12.2016 in Wolfsburg mit Rogash u. A.
10.12.2016 in Greifswald @ Klex mit Rogash u. A.