Webzine-Special: Totgehört

 

totgehört skelett

Totgehört ist ein ein Webzine der jüngeren Generation. Es bildet nicht nur die klassischen Strukturen Review, Interview, Konzertbericht ab, sondern funktioniert eher spielerisch wie ein Blog. Kolumnen finden sich genau so, wie Hörbeispiele von Soundcloud, Bandcamp oder Youtube, dazu kurze Anspieltipps oder schlicht die Scheibe der Woche. Ich mag dieses ungezwungene Format. Darum gibt es nun an Adrian ein paar Fragen.

1. Hallo Adrian! Alles klar bei Dir? Ich hoffe, Deine Playlist ist gut gefüllt, und das Bier steht kalt. Denn jetzt fühlen wir mal Totgehört ordentlich auf den Zahn!

Hallo Chris, ich fühle mich geehrt, dass Du mich zu diesem Gespräch bittest. Tatsächlich habe ich ein kühles Helles neben mir und ich habe eine Menge Bock auf deine Fragen.

2. Das Interwebz ist voll von Pornografie und Information. Man befindet sich, nicht zuletzt durch Facebook, Twitter, Tumblr, etc, in permanenter Reizüberflutung. So kann es sein, dass der ein oder andere Dein Magazin bisher noch nicht kannte, oder erst kürzlich darauf gestoßen ist. Darum Fast-Forward: Wie hat alles angefangen? Was war Deine Motivation ein eigenes Fanzine zu starten? Soweit ich weiß, hast Du bereits vorher bei Powermetal.de geschrieben. Warum noch eine weitere Baustelle aufmachen?

Das ist eine lange Geschichte. Angefangen hat alles Ende 2009 ich hatte damals gerade angefangen Wissenschaftsjournalismus zu studieren und in einem der ersten Kurse wurde uns empfohlen, dass es hilfreich wäre, wenn man hobbymäßig über ein Thema bloggen würde, in dem man sich besonders wohlfühlt. Für mich war sofort klar, dass das in meinem Fall nur Metal sein kann. Es hat dann aber doch ein paar Monate gedauert – bis zu einem Abend kurz vor Silvester, wo die Pläne konkreter wurden. Ich war mit einigen Kumpels auf einem Metal-Tagesfestival im Ruhrpott und wir mussten die Nacht am Bahnhof verbringen beziehungsweise haben auf den ersten Zug Richtung Heimat gewartet. Irgendwann am frühen Morgen kam uns völlig übermüdet die Idee zusammen ein Online-Magazin zu gründen. Der Name war schnell gefunden. „Todtgeburt“ kam uns in den Sinn – einerseits weil dieses Wort schockierend und extrem klang, aber auch weil unklar war ob aus den Plänen tatsächlich was werden würde oder ob das ganze Projekt bereits schon vor seinem Start im Rohr krepiert. Die bewusst falsche Schreibweise sollte den Namen auffälliger machen. Ich setzte bereits wenige Tage später Anfang 2010 einen Myspace-Blog auf und schrieb erste Reviews zu Alben und Konzerten. Bereits wenige Monate später schwenkte ich auf Blogspot um, weil es dort bessere Individualisierungsmöglichkeiten gab und Myspace bereits im Sterben lag. Dort machte ich dann erst einmal weiter und fing zwischendurch bei Powermetal.de an. Die Motivation hier war erst einmal ein Praktikum, was ich für mein Studium machen wollte. Aber auch danach blieb ich dann bei diesem Online-Magazin und lernte unheimlich viel über Musikjournalismus. Mein eigener Anspruch stieg dadurch ebenfalls und ich wollte auch meinen eigenen Blog besser aufstellen. So entschied ich mich Anfang 2012 für einen Neustart und wählte mit „Totgehört“ einen weniger infantilen und halbwegs seriösen Namen (haha). Der Rest ist Geschichte.

3. Gibt es eigentlich einen Schwerpunkt bei Totgehört? Früher war ja die „Platte der Woche“ so ein großer Aufhänger bei Deinem Blog. Mittlerweile findet man aber Artikel aus allen Formaten über Bands aus unterschiedlichsten Genren…

Das „Band Of The Week“-Dossier war in einer Zeit entstanden, als ich mich zum einen noch sehr viel stärker bei Powermetal.de engagiert habe und zum anderen als sich noch kein Promoter, keine Band oder kein Label für Totgehört interessiert hat. Ich schrieb in dieser Zeit genug Reviews für Powermetal.de und wollte bei Totgehört etwas ganz anderes machen. Natürlich hatte mich auch der Blog von Fenriz inspiriert und ich begann wöchentlich Bands vorzustellen, die ich einfach sehr cool fand. Die Umstellung kam mit den Promos, die ich auf einmal zugeschickt bekam. F.D.A. Rekotz war eines der ersten Labels, dass auf mich zukam, und mit der Zeit wurde es soviel, dass ich anfing mehr reguläre CD-Reviews zu schreiben und auch selbstbewusst nach Akkreditierungen für Konzerte fragen konnte. Aufhänger ist und bleibt allerdings, dass vornehmlich der metallische Untergrund, der in anderen Medien zu kurz kommt, bei uns ein Zuhause finden soll. Genre-Grenzen sind dann erst einmal zweitrangig, aber mein persönlicher Geschmack verschiebt das Übergewicht ein wenig in Richtung Black, Heavy und Death Metal (ha ha).

totgehoert4. Wer ist aktuell alles hinter Totgehört? Wie schaut es mit Gastautoren aus? Wer ist noch in der Redaktion? Kennst Du Dich selber etwas mit dem Web-Kram aus, oder hast Du dafür Hilfe?

Totgehört besteht in erster Linie aus mir selbst, aber auch aus einem weiteren Kreis von Gastautoren, die in unregelmäßigen Abständen Reviews beisteuern oder bei der Konzertberichterstattung helfen. Im Bereich Fotos und Bildgestaltung ist meine Freundin Linda die kreative Chefin, die mir da sehr hilft. Mit Daniel, einem meiner besten Freunde, mache ich auch gelegentlich gemeinsame Videos für seinen Youtube-Channel „Filmelf“, aber aufgrund der räumlichen Distanz, er wohnt in Nürnberg und ich bei Frankfurt am Main, ist das nur ein paar Mal im Jahr möglich. Bei dem „Web-Kram“ bin froh, dass es heutzutage ziemlich einfach ist einen eigenen Blog aufzusetzen (ha ha). Denn technisch bin ich eher ein Amateur.

5. Warum läuft Totgehört eigentlich bei Blogspot und nicht auf einem eigenen Server mit eigener URL? Wollt ihr einfach nur Kosten sparen? Oder ist es Faulheit, Unkenntnis um den Webkrempel, etc.?

Du sprichst schon das Richtige an. Einerseits fehlt es an Zeit und Energie (besser bekannt als Faulheit), sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen bzw. um einen eigenen Server aufzusetzen. Zum anderen ist es tatsächlich auch eine Kostenfrage. Seit Kurzem, kann man Totgehört auch über Totgehoert.com erreichen, aber da es sich dabei nur um eine einfache Weiterleitung zur übergeordneten Homepage handelt, bin ich bisher noch zurückhaltend diese Adresse entsprechend zu bewerben. Und damit kommen wir zum letzten Punkt, ich bin wirklich nicht besonders gut im Bereich Web-Mastering und -Design. Deswegen war mein Anspruch auch Totgehört eher schlicht zu halten. Dennoch würde ich in Zukunft die Seite gerne etwas ansprechender gestalten. Nach über vier Jahren, wäre eine Renovierung durchaus an der Zeit

6. Wie ist Deine persönliche Haltung zu Webzines oder Metal-Blogs? Liest Du andere Webzines oder bevorzugst Du das klassisch gedruckte Magazin? Oder schließen sich beide Formen für Dich nicht unbedingt gegenseitig aus? Gibt es vielleicht Websites oder Blogs, Die Du uns ans Herz legen magst?

Ich bevorzuge generell eher das gedruckte Wort. Viele Jahre habe ich keine Ausgabe des Rock Hard verpasst und bin dann später zum Deaf Forever gewechselt. Ab und zu lese ich auch den Hammer oder noch seltener das Legacy. Es ist schön was in der Hand zu haben und zu schmöckern. Gerade das fehlt ja bei Webzines. Aber im Alltag sind digitale Medien angenehmer. Zwischendurch in der Mittagspause oder im Bus kann man sich da schnell mal auf den neusten Stand bringen. Und in Sachen Aktualität kann Print ohnehin nicht mithalten – die News bei den Magazinen sind so alt, dass sie den Namen gar nicht verdienen. Lange Rede kurzer Sinn, Print ist klasse wenn man Zeit hat und ein wenig entspannen will, Online ist perfekt für zwischendurch und für kurze Artikel und Nachrichten. Empfehlen kann ich viele Medien  – besonders stark finde ich Powermetal.de (Überraschung), Undergrounded, Metalsucks.com, XXL Rock, Stormbringer.at und natürlich Necroslaughter.

7. Wie ist allgemein Deine Akzeptanz von digitalen Medien? Früher hat man an Magazine noch physische Promos rausgeschickt, wenngleich die Rezensionsexemplare oft auch abgespeckt und lieblos waren. Heute bekommt man eigentlich alles digital. Auch haben viele kleine Bands nicht mehr die Kohle für eine physisches Demo, sondern veröffentlichen ihren Kram erstmal über Bandcamp, o.ä. Kaufst oder konsumierst Du Musik heute auch privat von MP3, oder bevorzugst Du immer noch CD, LP und Kassette?

Wer mich kennt, weiß dass ich den Walkman am liebsten auspacke, um meine Tapes zu hören. Klar, im Alltag hört man zwar doch eher mit dem Handy seine Musik weil es einfacher ist, aber allein das Klacken der Tapeplayer beim ein- und ausschalten ist pure Nostalgie. Deswegen freue ich mich vor allem über solche Promos. CDs müssen eigentlich nicht sein, wenn ich nicht gerade ein Digipak oder Jewel Case kriege. Diese “abgespeckten” CD-Promos sind ganz nett, aber sehen nur bedingt gut im Regal aus (haha). Abgesehen davon ist bei der Flut an Veröffentlichungen eine Bemusterung aller CDs in physischer Form unpraktisch, da ich ein chaotischer Mensch bin und so viele Scheiben gar nicht zusammenhalten könnte (ha ha). Ein Stream oder Download reicht mir deswegen eigentlich aus.

8. Oft habe ich das Gefühl, das viele Leute in der Metal-Szene stark an der Nostalgie um Kasetten, Schallplatten und Fanzines in Cut’n Paste Optik festhalten und sich gerne vorschnell auch dem Internet verschließen. Häufig wird der digitale Nexus primär zum Meckern verwendet, dass früher alles besser gewesen sei. Was denkst Du, warum dem so ist?

Das Gefühl habe ich auch. Metaller können unheimlich konservativ sein. Einerseits ist es ja gut nicht jedem Trend hirnlos zu folgen und kritisch zu hinterfragen – Metal ist prinzipiell gegen Mainstream und das ist ja auch gut so. Aber viele Metalheads differenzieren ja nicht mal – in ihren Augen ist alles per se erstmal schlecht, was neu ist. Das liegt wohl auch daran, dass die Szene sich über ein sehr archaisches Männerbild definiert. Der einsame Wolf, der im Wald mit einer Axt Wildschweine zerteilt – so sieht sich der eine oder andere Metalhead eben gerne selbst und da passt moderne Technik eben nicht rein. Das kann man zwar nicht verallgemeinern, aber der moderne Hipster mit Yoga-Matte und Google-Glass konterkariert diese archaische Vorstellung. Das ist natürlich eine bewusst überzeichnet, provokante Darstellung, aber ich glaube auch, allein musikalisch gesehen lebt man als Metaller in der Vergangenheit – die Großtaten der verschiedenen Sub-Genres sind meist 20 bis 30 Jahre alt und diese Vorbilder lebten eben in einer anderen Zeit. Moderne Genres wie Metalcore sind demgegenüber viel aufgeschlossener für neue Technik auch weil ihre Vorbilder nicht aus den 80ern oder 90ern stammen. Das macht den Metalcore zwar auch nicht besser aber er ist dennoch offener für neue Medien und nutzt sie effektiver bei der Erreichung junger Hörer.

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9. Zum Internet gehören ja nicht nur die eigenen Webzines, sondern auch soziale Medien. Heute sogar früher denn je! Seitdem Myspace tot ist, konkurrieren Twitter, Facebook, Google+, Tumblr und noch unzählige weitere Dienste um die Aufmerksamkeit des Nutzers. Bist Du in diesen Netzwerken aktiv oder nutzt Du sie für Totgehört? Soweit ich mitbekommen habe, hast Du euer „Tumblr-Experiment“ als „gescheitert“ erklärt. Oder gehst Du eher den „klassischen“ Weg und diskutierst fleißig in Foren, wie dem Nuclear War Now oder Deaf Forever?

Hör mir auf mit Foren. Viel zu schnell bilden sich da Hierarchienund Cliquen heraus, die Neueinsteiger ausgrenzen – natürlich ist das nicht überall so – gerade das Deaf Forever hat eine tolle Leserschaft. Aber ich finde andere Lösungen einfacher um mich mit Leuten auszutauschen. Zu Social Media kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass man im Metal eigentlich nur auf Facebook setzen kann. Zumindest in Deutschland ist es schwer Metalheads von Sachen wie Tumblr oder Twitter zu überzeugen – Facebook war am Anfang ja auch kein Selbstläufer.
Alles in allem machen wir bei Totgehört noch zu viel Standard-Postings: Link zum Blogbeitrag plus Beschreibung, fertig. Man muss heute mehr interaktive Inhalte vorantreiben und weniger davon ausgehen dass man Links auf die jeder bereitwillig draufklickt. Aber es ist auch schwer z.B. Instagramm oder Snapchat für sich zu nutzen ohne in Selbstdarstellung zu verfallen – was wiederum unsympathisch wirken kann.

10. Ein Webzine hat nicht nur seine guten Seiten wie Promos von aktuellen Veröffentlichungen oder die eigene Befriedigung durch hohe Klickzahlen. Es gibt ja auch negative Aspekte, wie nörgelnde Fans, denen ein Review nicht gefällt, und die deswegen direkt ausfallend werden, Labels, die einem unsäglichen Pop-Kram schicken und dann dauernd nachfragen, wo das Review bleibt oder eben auch schon mal schlicht die Tücken der Technik, die häufig nicht so will, wie man selber gerne möchte. Was sind Deine persönlichen Highlights, Tiefpunkte und gemachten Erfahrungen aus der Zeit, in der Totgehört existiert?

Das ist eine schwere Frage – es gibt viele Highlights. Aber besonders toll ist die Tatsache, dass man uns gestattet offiziell und akkreditiert übers Party.San Open Air zu schreiben, was wir dieses Jahr zum dritten Mal tun dürfen. Es ist das größte Event, das wir redaktionell abdecken. Negativ ist hingegen, dass manchmal so gar keine Reaktion auf einen Beitrag kommt – kommt das in kurzer Zeit häufiger vor, stellt man sich schon mal gern seine Arbeit in Frage. Vor allem da Unterstellungen und Anfeindungen bei negativen Rezensionen nie lange auf sich warten lassen. Dann wird unterstellt man sei neidisch auf irgendeine Dorfband mit 200 Likes und einer lieblosen Demo im Rücken. Oder habe was gegen Menschen, die man nie zuvor getroffen hat. Das nervt schon manchmal – aber ist zumindest besser als gar kein Feedback (ha ha).

11. Gerade das Thema Promos ist für mich immer schwierig. Natürlich freut man sich immer über neue Musik. Doch gerade durch digitale Promos sprießen plötzlich unzählige PR-Agenturen aus Boden und man wird wortwörtlich mit zig Emails zugeschissen. Kannst Du da überhaupt noch die Musik als Fan genießen, oder wird das Musikhören da nicht teilweise schon zur Arbeit für Dich?

Anfangs ja. Damals als das mit den Promos losging, versuchte ich alles zu rezensieren. Das war wie ein Zweitjob.  Das habe ich aber schnell aufgegeben. Denn es ist wirklich eine Flut an Promos, die auf die Mailbox einprasselt! Heute gehe ich das entspannter an und selektiere stärker. Immerhin ist es ein Hobby und das soll ja erst einmal Spaß machen. Dennoch ist mir Musik sehr wichtig und empfinde es auch als kleine Ehre, wenn sov viele Promoter und Bands Totgehört als relevanten Kanal betrachten

adrian und ola12. Machst Du eigentlich „nur“ Totgehört und schreibst bei Powermetal.de, oder hast Du noch andere Baustellen? Spielst Du in einer Band, hast ein eigenes kleines Label oder betreibst einen Distro? Hier ist die passende Werbefläche, um Dich etwas bekannter zu machen, haha!

Ich bin mit der Schreiberei ja schon gut ausgelastet, aber war früher auch als “Sänger” in ein paar Black- und Death-Metal-Bands aktiv – raus aus dem Proberaum haben wir es aber nie geschafft. Dazu hat es dann am Ende nie gereicht. Wer wissen will wie das geklungen hat, kann ja bei Interesse z.B. GOREMORRHA oder SURM ARMASTUS googlen. Aber das ist alles Vergangenheit – keine Band davon existiert mehr.
Dafür stelle ich ab und zu Konzerte auf die Beine. Zuletzt habe ich zum Beispiel das Old School Metal Meeting mit ein paar Freunden aus der Taufe gehoben und mit BATTLE X, DECEIVER, BLIZZEN und DISCREATION im April die erste Auflage in Limburg gefeiert. Eine zweite Auflage folgt unter Umständen auch – aber da wird Totgehört drüber berichten, wenn es spruchreif ist.

13. Kann man als Webzine eigentlich Ziele verfolgen? Reizen Dich Kennziffern wie Likes auf Facebook oder Klicks auf Deine Beiträge? Oder machst Du das alles eher aus Liebe zur Musik? Wenn Du eventuell doch Ziele hast, was wäre das? Gibt es etwas, was Du mit totgehört noch erreichen willst?

Du fragst Sachen (ha ha). Es geht ja mit Totgehört primär darum den Untergrund des Metals zu unterstützen – das sind große Sprünge ohnehin nicht realistisch. Totgehört wird niemals so groß werden wie zum Beispiel Undergrounded, die mehr Ahnung von Technik haben und ein größeres Team bilden.
Für die Zukunft würde ich aber gern multimedialer werden und die Seite etwas aufhübschen. Likes und Seitenaufrufe sind dabei natürlich auch nicht ganz unwichtig – denn wie gesagt: wenn keiner deine Beiträge liest, lohnt sich die Arbeit auch nicht.

14. Würdest Du, mit Deinen persönlichen Erfahrungen, heute noch irgendjemanden Empfehlen, ein eigenes Webzine zu starten? Oder ist das Format mittlerweile ein Auslaufmodell? News zu den interessanten Bands bekommt man auf Facebook, auf Bandcamp kann man sich selber eine Meinung bilden und macht den Rezensenten obsolet. Oder denkst Du, dass wir Nachwuchs brauchen, der abseits der großen Webzines noch eine eigene Meinung verbreitet?

Diese Frage stelle ich mir selbst oft – aber in vielerlei Hinsicht kämpft ja der gesamte Journalismus um seine Daseinsberechtigung. Dennoch glaube ich gerade, dass in Zeiten des Internets ein guter Journalist wichtiger ist denn je. Denn auch wenn Google und Soial Media jedem theoretisch Zugang zu allen möglichen Informationen geben – braucht es Experten, die einordnen, verifizieren und hinterfragen. Ein Metal-Webzine ist also auch heute noch ein wichtiges Medium. So zeigt ja auch gerade das Silence Magazin, das man sich auch als Newcomer auf einem scheinbar übersättigten Markt etablieren kann. Die Frage ist vielmehr: braucht man noch Reviews – wenn alles irgendwo im Stream anhörbar ist? Auch hier sage ich: ja. Denn täglich gründen sich gefühlt 100 Metal-Bands und hauen irgendwas raus. Wie will man da noch den Überblick wahren? Hier kommt auch der Schreiber ins Spiel, der vorsortiert und Empfehlungen ausspricht.
Um sich aber wiederum von der Masse an Medien abzuheben – muss man wie bereits gesagt mehr machen als nur zu rezensieren und News zu posten. Du musst die User auch unterhalten und etwas haben was andere Seiten nicht bieten. Unterhaltsam, frech und etwas provokant muss man heute sein, um im Wust an Websites nicht unterzugehen.

15. Adrian, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich wünsche Dir und Deinen Kollegen mit Totgehört noch viel Erfolg und vielleicht sieht man sich ja mal auf ein Bierchen auf irgendeinem Konzert oder Festival. Die letzten Worte dieses Interviews gehören Dir!

Ich habe zu danken – es ist mein erstes Interview, wo ich interviewt werde und nicht umgekehrt  (ha ha). Es ist wirklich eine Ehre und hätte niemals gedacht, dass sich jemand so sehr für Totgehört interessieren würde, dass man mir so etwas anbietet. Ich hoffe doch, dass man sich spätestens  2017 in Thüringen auf dem Party.San Open Air wieder sieht. Ansonsten wünsche ich Dir und allen Lesern eine geile Zeit. Bleibt dem Untergrund treu und unterstützt kleine Konzerte, Labels und Bands. Sie verdienen euren Support!

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