Webzine-Special: Evilized.de

 

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Eigentlich gibt es Evilized.de bereits seit 2004. Also auch schon recht lange. Doch findet man in der aktuellen Inkarnation lediglich die Artikel seit dem Relaunch 2010. Mittlerweile betreibt Matthias den redaktionellen Teil des zu Unrecht eher unbekannten Online-Fanzines alleine. Neben dem üblichen Spektrum an Reviews, Interviews und Konzertberichten, findet man aber auch interessantes Futter in der Rubrik „Freevilized“ – kostenlose und legale Downloads aus den Bereichen Death/Black/Doom. Insgesamt also eine gute Adresse für den Freund der extremen Klänge. Für mehr Informationen um Evilized.de stand mir Matthias ausgiebig Rede und Antwort!


 

1. Hallo Matthias! Alles gut bei Dir? Du bist frisch vom Party.San Open Air zurück, ich hoffe, der Post-Festival Blues ist nicht zu groß… Mach Dir ein schönes Bierchen auf und leg Dir eine gute Platte auf und wir können loslegen! Vielleicht locker zum Einstieg: Was waren Deine Highlights vom PSOA?

Hallo Chris! Jawohl, bei mir ist alles bestens. Ich konnte mich in den letzten Tagen ein wenig vom Festivaltreiben erholen und nun hat mich der Alltag wieder zurück. Das Party.San war, abgesehen vom Wetter an den ersten beiden Tagen vielleicht, wie immer klasse. Zu meinen Highlights zählt auf jeden Fall der Gig von MGŁA am Donnerstag. Ich habe die Band bislang nur auf eher kleineren Bühnen gesehen und war mir nicht sicher, ob die Show auch bei einem so großen Festival zündet, aber es hat letztendlich wirklich alles gepasst. Ebenfalls sehenswert waren die Auftritte von NECROS CHRISTOS, SULPHUR AEON und EXODUS, wobei deren Set leider ein wenig kurz war.

2. Das Interwebz ist voll von Pornografie und Information. Man befindet sich, nicht zuletzt durch Facebook, Twitter, Tumblr, etc. in permanenter Reizüberflutung. So kann es sein, dass der ein oder andere Dein Magazin bisher noch nicht kannte, oder erst kürzlich darauf gestoßen ist. Darum Fast-Forward: Wie hat alles angefangen? Was war Deine Motivation ein eigenes Fanzine zu gründen und nicht bei einem bereits bestehenden mitzumachen? Warum hast Du Dich für ein Webzine entschieden, und nicht – wie in den Glorious Days – ein gedrucktes Magazin herausgebracht?

Zunächst mal muss ich klar stellen, dass ich EVILIZED nicht selber gegründet habe, sondern erst in 2010 dazugestoßen bin. Ich bin damals etwa zu selben Zeit bei einer Band als Gitarrist eingestiegen und ein Bandkollege, der schon eine Weile für EVILIZED tätig war, erzählte mir davon und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mitzuwirken. Ich fand den Vorschlag ziemlich reizvoll und habe relativ schnell zugesagt und bin somit bis heute dabei. Klar, ein gedrucktes Magazin in den Händen zu halten, ist sicherlich etwas anderes, als lediglich eine Internetseite aufzurufen. Allerdings muss in ein solches natürlich wesentlich mehr Zeit investiert werden, die damals im Studium und heute im Berufsleben leider nicht immer unbegrenzt vorhanden ist und da wir damals ohnehin nur drei Personen waren, hat sich die Frage für uns gar nicht erst gestellt, ein gedrucktes Magazin aus EVILIZED zu machen. Ich denke jedoch, dass auch Webzines in der heutigen Zeit sehr positiv angenommen werden und eine gute Ergänzung darstellen.

3. Evilized.de proklamiert seine Existenz seit 2004. Also schon recht lange in diesem kurzlebigen Internet. Doch die aktuelle Inkarnation datiert sich lediglich zurück auf den Relaunch von 2010. Entsprechend gibt es auch nur Artikel seit dem Neustart. Was ist mit dem Altbestand? Für immer verloren im digitalen Nexus?

Ich bin wie gesagt erst in 2010 dazugekommen, also genau zum Zeitpunkt des besagten Relaunches. Damals sollte es wohl eine Frischzellenkur mit neuer Internetseite für EVILIZED geben und daher wurde alles auf Null gesetzt. Ich muss Dir ehrlich sagen, dass ich gar nicht weiß, ob die alten Artikel noch irgendwo gespeichert sind…

4. Kurz umrissen: Was ist der Schwerpunkt von Evilized.de? Freilich findet man immer wieder Blicke über den Genre-Tellerrand, aber wo liegt Dein persönlicher Schwerpunkt? Oder sind Dir Schubladen eigentlich egal und es geht Dir nur um Deinen persönlichen Geschmack?

Einen wirklichen Schwerpunkt gibt es mittlerweile gar nicht mehr, würde ich sagen. In der ersten Zeit, in der ich für EVILIZED geschrieben habe, wurden wir fast ausschließlich mit Veröffentlichungen aus dem Black Metal bemustert, sodass es hier einen deutlichen Fokus gab. Mittlerweile ist das Spektrum allerdings wesentlich weiter gefächert, da wir in Kontakt mit anderen Labels und Promotionagenturen stehen und das Angebot daher vielfältiger ist.

Zu meinen ganz persönlichen Favoriten zählt neben Black Metal auf jeden Fall noch Doom Metal in fast allen Variation, von traditionell bis extrem. Im Grunde ist es mir aber egal, welchem Genre eine Platte zugeordnet wird, die uns zum reviewen vorliegt. Sofern mir das Material selbst gefällt und ich zudem der Meinung bin, dass es zum Konzept von EVILIZED passt, schreibe ich eine Rezension.

5. Machst Du Evilized.de alleine, oder hast Du Unterstützung? Wer ist denn noch in der Redaktion? Kennst Du Dich selber etwas mit dem Web-Kram aus, oder hast Du dafür Hilfe?

Bei meinem Einsteig bei EVILIZED in 2010 bestand die Redaktion aus drei Personen. Leider musste der Kollege, der mich damals mit ins Team geholt hat, vor fast fünf Jahren auf Grund von Zeitmangel aufhören, sodass ich mittlerweile sämtliche Artikel komplett alleine schreibe. Der eigentliche Gründer des Zines ist zwar nach wie vor dabei, kümmert sich allerdings ausschließlich um die Homepage, was gut ist, da ich von sowas keinerlei Ahnung habe. Bei Konzerten bekomme ich manchmal Unterstützung von einer guten Freundin, die wirklich tolle Photos für uns macht.

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6. Wie ist Deine persönliche Haltung zu Webzines? Liest Du andere Webzines oder bevorzugst Du das klassisch gedruckte Magazin? Oder schließen sich beide Formen für Dich nicht unbedingt gegenseitig aus? Gibt es vielleicht Webzines oder Blogs, Die Du uns ans Herz legen magst?

Bis vor ein paar Jahren habe ich mir ab und an noch gedruckte Magazine gekauft. Für mich persönlich wurde da jedoch meist zu wenig interessanter Inhalt geboten, als dass sich die Anschaffung wirklich gelohnt hätte. Heutzutage suche ich meist gezielt nach Interviews von gewissen Bands oder Reviews zu aktuellen Alben und lande dabei oft bei verschiedenen Webzines, ohne hier wirklich konkrete Favoriten zu haben, die ich regelmäßig lese.

7. Wie ist allgemein Deine Akzeptanz von digitalen Medien? Früher hat man an Magazine noch physische Promos rausgeschickt, wenngleich die Rezensionsexemplare oft auch abgespeckt und lieblos waren. Heute bekommt man eigentlich alles digital. Auch haben viele kleine Bands nicht mehr die Kohle für eine physisches Demo, sondern veröffentlichen ihren Kram erstmal über Bandcamp, o.ä. Kaufst oder konsumierst Du Musik heute auch privat von MP3, oder bevorzugst Du immer noch CD, LP und Kassette? Immerhin präsentiert Evilized.de mehr oder minder regelmäßig das „Freevilized“, also einen kostenlosen (und legalen) Download einer Veröffentlichungen…

Trotz der umfassenden Umstellung auf digitale Promos liegen uns nahzu alle auf EVILIZED rezensierten Veröffentlichungen in physischer Form vor, sodass ich nur extrem selten auf Downloads zurückgreife. Es existieren tatsächlich noch einige Label, die es sich nicht nehmen lassen, vollständige CDs, MCs oder gar LPs zu versenden und dies zum Teil sogar aus dem fernen Ausland, wodurch erhebliche Kosten für den Versand entstehen. Wir wissen diesen Aufwand natürlich sehr zu schätzen und ziehen diese Promosendungen den etlichen unpersönlichen E-Mails mit Downloadlinks, die uns täglich erreichen, entsprechend vor. Bei jungen Bands, die gerade ihre ersten Demos aufnehmen und nicht das Geld haben, diese in großer Anzahl an Magazine zu schicken sieht die Sache natürlich etwas anders aus, wobei gesagt werden muss, dass der Trend hier wieder dazu übergeht, dennoch physische Exemplare zu verschicken. In unserer Rubrik Free-Vilized finden sich schließlich noch Bands, die uns eine Reviewanfrage geschickt haben, ihre Werke allerdings nur digital und kostenlos zugänglich veröffentlicht haben.

Ich persönlich habe Musik noch nie in digitaler Form gekauft, sondern greife nur auf physische Tonträger zurück, da ich beim Hören etwas in der Hand halten möchte, sei es zum Betrachten des Artworks oder dem Lesen der Lyrics, ohne dabei auf einen Monitor schauen zu müssen. Den größten Teil meiner Sammlung machen dabei CDs und Vinyl aus, während sich die Anzahl der Tapes in meinem Regal eher in Grenzen hält.

8. Oft habe ich das Gefühl, dass viele Leute in der Metal-Szene stark an der Nostalgie um Kassetten, Schallplatten und Fanzines in Cut’n Paste Optik festhalten und sich gerne vorschnell auch dem Internet verschließen. Häufig wird der digitale Nexus primär zum Meckern verwendet, dass früher alles besser gewesen sei. Was denkst Du, warum dem so ist?

Es wirkt häufig so, als wollten Leute, die gerne von den guten alten Zeit und deren unzähligen Vorzügen erzählen, damit eine gewisse Reife oder Erfahrung zum Ausdruck bringen. Es wird vorgeschwärmt, dass man dabei war, als alles anfing, obwohl dies meist gar nicht der Fall war. Ich habe schon Leute darüber schimpfen hören, dass das Tapetrading ausgestorben ist, die in ihrer Kindheit allenfalls Hörspielkassetten von Benjamin Blümchen gehört haben und danach direkt zur digitalen Welt von MySpace oder Last.FM übergangen sind. Natürlich lassen sich solche Märchen im Internet völlig anonym verbreiten und niemand kann das Gegenteil beweisen. Daher gebe ich im Grunde recht wenig auf Diskussionen in Foren, in denen jeder elitärer als der andere sein will und ohnehin als einziger dabei war, als Black Metal noch Black Metal war.

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9. Zum Internet gehören ja nicht nur die eigenen Webzines, sondern auch soziale Medien. Heute sogar früher denn je! Seitdem Myspace tot ist, konkurrieren Twitter, Facebook, Google+, Tumblr und noch unzählige weitere Dienste um die Aufmerksamkeit des Nutzers. Bist Du in diesen Netzwerken aktiv oder nutzt Du sie für Evilized.de? Auf Facebook habe ich Dein Webzine beispielsweise nicht gefunden… Oder gehst Du eher den „klassischen“ Weg und diskutierst fleißig in Foren, wie dem Nuclear War Now oder Deaf Forever?

Ich meide soziale Medien vollkommen und bin in keiner der von Dir genannten aktiv, kenne sogar nicht mal alle vom Namen her. Interessant ist aber, dass Du gerade Nuclear War Now! und Deaf Forever nennst, da ich diese beide Foren in der Tat hauptsächlich nutze, um mich über Neuigkeiten in der Szene zu informieren. Angemeldet bin ich dort allerdings nicht, da ich die typischen endlosen Forumsdiskussion schon immer recht ermüdend fand und meine Zeit lieber mit sinnvolleren Dingen verbringe.

10. Ein Webzine hat nicht nur seine guten Seiten wie Promos von aktuellen Veröffentlichungen oder die eigene Befriedigung durch hohe Klickzahlen. Es gibt ja auch negative Aspekte, wie nörgelnde Fans, denen ein Review nicht gefällt, und die deswegen direkt ausfallend werden, Labels, die einem unsäglichen Pop-Kram schicken und dann dauernd nachfragen, wo das Review bleibt oder eben auch schon mal schlicht die Tücken der Technik, die häufig nicht so will, wie man selber gerne möchte. Was sind Deine persönlichen Highlights, Tiefpunkte und gemachten Erfahrungen aus der Zeit, in der Evilized.de existiert?

Bisher halten sich die negativen Erlebnis für mich bei EVILIZED glücklicherweise in Grenzen. Erwähnenswert wäre hier lediglich, dass vor drei Jahren der Server unseres Anbieters durchgebrannt ist und sämtliche Artikel verloren gegangen sind und die Internetseite für einige Tage praktisch leer war. Einige der Inhalte konnten zwar gerettet werden und gingen einige Tage später wieder online, den allergrößten Teil musste ich jedoch manuell wieder hochladen, was viele Wochen in Anspruch genommen hat. Besonders ärgerlich war dies bei den Konzertberichten und Interviews mit all den Fotos, die nochmals rausgesucht und eingepasst werden mussten.

Als vor längerer Zeit unser Postfach ohne unser Wissen aufgelöst wurde und einer der Postboten somit nicht wusste, wohin mit einem Päckchen auf dem sonst nur EVILIZED stand, brachte er dieses prompt zu einer älteren Dame im Ort, die einen Friseurladen in einem Altenheim betreibt und deren Name mit viel Phantasie ähnlich klingt. Die gute Frau öffnet also ahnungslos das kleine Paket und blickt auf mehrere EPs und Tapes mit bizarren Zeichnungen und unbekannten Symbolen. Da dies ja alles unmöglich mit rechten Dingen zugehen kann, wird das kleine Päckchen als heiße Ware unverzüglich der Polizei übergeben. Dort wurde der Adressaufkleber nochmals überprüft und über Umwege erreichten uns die Promos dann mit einiger Verspätung schließlich doch noch. Eine amüsante Geschichte, an die ich gerne zurückdenke.

11. Gerade das Thema Promos ist für mich immer schwierig. Natürlich freut man sich immer über neue Musik. Doch gerade durch digitale Promos sprießen plötzlich unzählige PR-Agenturen aus Boden und man wird wortwörtlich mit zig Emails zugeschissen. Kannst Du da überhaupt noch die Musik als Fan genießen, oder wird das Musikhören da nicht teilweise schon zur Arbeit für Dich?

Ich habe ja weiter oben schon erwähnt, dass ich nur selten digitale Promos rezensiere. Zumeist schaffe ich es zeitlich nicht mal, in die ganzen Mails reinzuschauen, da dies fast schon ein abendfüllendes Programm wäre. Sicherlich entgehen mir daher einige interessante Bands, irgendwo gibt es jedoch Grenzen, schließlich soll meine Arbeit für EVILIZED eines von mehrern Hobbys bleiben. Es gibt Zeiten, in denen bin ich mit den physischen Promos ausgelastet genug und muss aufpassen, mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, wenn ich mit den Reviews nicht nachkomme. Da besteht schon des Öfteren mal die Gefahr, dass es eher zur Arbeit wird, wie Du es ansprichst. Dies ist jedoch nicht die Regel und zumeist ist es eine durchaus dankbare Aufgabe, sich durch soviele Tonträger zu hören und dabei neue Bands kennenzulernen, deren Stil vielleicht genau ins eigene Beuteschema passt.

 

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12. Die Menge an Interviews auf Evilized.de ist recht überschaubar. Gerade mal 15 Gespräche finden sich im Archiv, was kalkulatorisch seit 2010 weniger als drei Fragerunde pro Jahr darstellt. Warum sind in dieser Kategorie so wenige Beiträge? Ist es die damit verbundene Arbeit, die Dich als Autor davor abschreckt, oder gibt es schlicht so wenige Bands, die einer genauen Nachfrage für Dich wert sind?

Es ist nicht mal unbedingt der Aufwand, der mit einem Interview zusammenhängt, der hieran Schuld ist. Vielmehr will ich es gerne vermeiden, den Bands die selben Fragen zum x-ten Mal zu stellen, denn sind wir mal ehrlich, in den meisten Interviews wiederholen sich die Fragen ständig. Führe ich ein Interview, will ich, dass die Fragen interessant sind und nicht bei anderen Zines genauso nachgelesen werden können. Daher suche ich mir meist eher unbekanntere Bands für Interviews aus, da ist dieses Risiko gering.
Im letzten Jahr habe ich zudem zwei Interviews aufgesetzt und verschickt, die beide nicht beantwortet wurden, obwohl im Vorfeld alles abgesprochen war. Bei einer Band fehlte wohl plötzlich die Lust dazu, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen und ich wurde erst wochenlang vertröstet, bis schließlich gar keine Antwort mehr kam. Im anderen Fall handelte es sich um eine namhaftere Band aus Norwegen, die gerade ihr neues Album bei einem international agierenden Label rausgebracht hat. Obwohl ich alle Vorgaben für das Interview eingehalten habe, wurde dieses vom Label nicht an die Band weitergeleitet und ich bekam keinerlei Antwort auf meine Nachfrage. Nimmt man sich wirklich Zeit für ordentliche und sinnvolle Fragen, ist es dann umso ärgerlich, wenn plötzlich bei einem größeren Webzine mit mehr Klicks ein Interview mit besagter Band zu lesen ist, bei dem solch hochwertige Fragen wie „Wo wohnst Du gerade?“ gestellt werden. Sowas kann einem die Lust auf Interviews gehörig verderben…

13. Gleichermaßen sind Konzertberichte bei Dir eher eine Seltenheit. Interessiert Dich diese Form der Berichterstattung eher weniger, oder legst Du auf den Veranstaltungen eher wert auf den Moment denn auf journalistische Beobachtung der Geschehnisse?

Ich persönlich lese Konzertberichte in anderen Webzines sehr gerne, sofern sie gut geschrieben sind und vielleicht noch ein paar Photos enthalten, auf denen die Atmosphäre der Shows eingefangen wurde. Wie Du schon richtig vermutest, ist es mir allerdings meist wichtiger, die Konzerte einfach zu genießen, anstatt sich Notizen zu machen, welche Songs gespielt wurden oder wie ordentlich der Soundtechniker seine Arbeit an diesem Abend gemacht hat. Nichtsdestotrotz macht es gelegentlich durchaus Spaß einen detaillierten Bericht zu verfassen, lässt sich auf diese Weise der Abend in gewisser Weise nocheinmal durchleben.

14. Wie eingehend erwähnt, gibt es die Rubrik „Freevilized“, wo kostenfreie, legale Downloads angepriesen werden. Wie kommen die Releases in diese Rubrik? Findest Du spontan spannende Sachen und veröffentlichst diese, oder hast Du bereits eine Liste, die Du regelmäßig abarbeitest? Legst Du an dieser Stelle wert darauf, dass Du voll hinter den beworbenen Sachen stehst? Oder Hauptsache Du hast einen neuen Beitrag für die Rubrik?

Für gewöhnlich suche ich zu Beginn jedes Monats neu nach interessanten Platten, die in Frage kommen. Eine wirkliche Liste existiert da nicht, obwohl es das sicherlich manchmal leichter machen würde. Zudem erhalten wir ab und an Anfragen von Bands, die ihre Werke kostenlos auf Bandcamp zur Verfügung stellen. Diese wandern bei Gefallen natürlich ebenfalls in Free-Vilized. Es ist mir dabei schon wichtig, dass das vorgestellte Material mir selbst gefällt und ein richtiges Review ebenfalls positiv ausfallen würde. Ich will nicht einfach nur irgendetwas online stellen, nur damit die Rubrik wieder für einen neuen Monat bedient wurde.

15. Von Reviews, Interviews und Konzertberichten deckst Du soweit das klassische Fanzine-Spektrum ab. Fehlen vielleicht noch die obligatorischen News. Warum verzichtest Du auf diese Kategorie? Ist das heute in Zeiten von Facebook schlicht nicht mehr notwendig oder fehlt es Dir einfach an Zeit, um Trivialitäten wie „Band xy hat neues Mitglied A“ oder „Tracklist zu VW-Lupo veröffentlicht“ zu publizieren?

Ehrlich gesagt, haben wir schon ein paar Mal darüber nachgedacht, eine Newsrubrik einzubauen, es letztendlich aber nie umgesetzt, da ich nicht wirklich einschätzen kann, wie sinnvoll eine solche heutzutage noch ist. Fast jeder besitzt einen Account bei Facebook und wird automatisch benachrichtigt, sobald es Neuigkeiten bei Bands oder Festivals gibt, die dann entsprechend rasch weiterkommuniziert werden, für all diejenigen, die sich Facebook verweigern, wie ich etwa. Daher werden wir es wohl bei der derzeitigen Struktur belassen, über die sich bislang noch niemand beschwert hat.

16. Mit den „Freevilized“ bist Du schon einen Schritt über das klassische Fanzine hinaus. Wären da exklusive Streams oder Videos nicht eine Option? Oder ist das nichts für Dich, hat Dich noch nie eine PR-Agentur nach so einem Feature gefragt oder überlässt Du so etwas schlicht den größeren Webzines?

Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, da mir die Schlichtheit von EVILIZED in einer Zeit, in der alles mehr und mehr überladen und vollgestopft wird, eigentlich ziemlich gut gefällt.

17. Machst Du eigentlich „nur“ Evilized.de, oder hast Du noch andere Baustellen? Spielst Du in einer Band, hast ein eigenes kleines Label oder betreibst einen Distro? Hier ist die passende Werbefläche, um Dich etwas bekannter zu machen, haha!

Bis vor einigen Jahren war ich als Gitarrist in diversen Projekten tätig, bis es zeitlich leider nicht mehr so ganz gepasst hat. Ich habe die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben, dass sich dies eines Tages nochmal ändert. Ansonsten verbringe ich meine freie Zeit eher mit anderen Aktivitäten.

18. Kann man als Webzine eigentlich Ziele verfolgen? Reizen Dich Kennziffern wie Likes auf Facebook oder Klicks auf Deine Beiträge? Oder machst Du das alles eher aus Liebe zur Musik? Wenn Du eventuell doch Ziele hast, was wäre das? Gibt es etwas, was Du mit Evilized.de noch erreichen willst?

Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich konkrete Ziele mit meiner Arbeit bei EVILIZED verfolge. Es ist natürlich toll zu wissen, dass es Leute gibt, die meine Artikel regelmäßig lesen und Feedback zu diesen abgeben. Trotzdem war ich nie sonderlich versessen darauf, täglich zu überprüfen, wieviele Seitenaufrufe wir geschafft haben. Es freut mich stattdessen viel mehr, eine nette Rückmeldungen von einer Band oder einem Label zu bekommen, in der sich für ein positives Review bedankt wird. Von daher strebe ich für die Zukunft eigentlich nur an, weitermachen zu können wir bisher. Eventuell gelingt es mir ja, hinsichtlich Interviews und Konzertberichten tatsächlich etwas aktiver zu werden. Das wäre doch mal ein Ziel, das ich mir stecken könnte, haha!

19. Würdest Du, mit Deinen persönlichen Erfahrungen, heute noch irgendjemanden Empfehlen, ein eigenes Webzine zu starten? Oder ist das Format mittlerweile ein Auslaufmodell? News zu den interessanten Bands bekommt man auf Facebook, auf Bandcamp kann man sich selber eine Meinung bilden und macht den Rezensenten obsolet. Oder denkst Du, dass wir Nachwuchs brauchen, der abseits der großen Webzines noch eine eigene Meinung verbreitet?

Als wirkliches Auslaufmodell würde ich ein Webzine nicht bezeichnen, allerdings sind die sozialen Netzwerke schon ein deutlicher Konkurrent, um es mal überspitzt zu formulieren. Dennoch denke ich, dass es noch genug Leute gibt, die sich gerne Reviews durchlesen, sei es nur um dabei auf neue Bands aufmerksam zu werden, von denen man sonst nie erfahren hätte.

20. Matthias, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich wünsche Dir mit Evilized.de noch viel Erfolg und vielleicht sieht man sich ja mal auf ein Bierchen auf irgendeinem Konzert oder Festival. Die letzten Worte dieses Interviews gehören Dir!

Ich danke Dir für die Möglichkeit dieses Interviews! Es war sehr interessant, einmal in die Rolle des Beantworters zu schlüpfen. Viel Erfolg auch Dir weiterhin mit NECROSLAUGHTER!

 

Evilized im Interwebz unter https://www.evilized.de/2010/