Orphalis – The Birth Of Infinity


Orphalis - The Birth Of InfinityVier Jahre nach „Human Individual Metamorphosis“ erscheint nun das zweite Album der dortmunder Tech-Deather ORPHALIS. Technisch anspruchsvolle Lieder brauchen durchaus ihre Zeit. Und über diesen Zeitraum hat die Band auch an einigen Schwächen ihres Debüts gearbeitet. Als Ergebnis ist „The Birth Of Inifinity“ ein recht gelungenes Teil, das sich sicherlich nicht großartig vor der internationalen Konkurrenz verstecken muss.

Direkt zwei Dinge fallen an „The Birth Of Infinity“ sehr positiv auf: Zunächst ist der Sound deutlich besser. Die Scheibe hat ein sehr homogenes Bild, alle Instrumente kommen voluminös und gleichberechtigt durch. Natürlich spielt der Bass – wie so häufig im Death Metal – eher eine raumfüllende denn prägnante Rolle. Doch zum eher mechanischen Vorgänger haben ORPHALIS damit schon deutlich mehr Eier in der Hose und erlauben dem Hörer einfach einen besseren Einstieg in ihre Songs. Und diese haben sich – was Punkt Nummer zwei des ersten positiven Eindrucks ist – deutlich zielstrebiger entwickelt. Weniger High-Speed Gewichse, was höchstens den kleinen Transhumanisten glücklich macht, mehr prägnante Momente, Riffs und Tempo-Variationen als auf „Human Individual Metamorphosis“. Selbst die Gravity Blasts sind weggefallen und geben „The Birth Of Infinity“ mehr menschliche Brutalität, als es der Vorgänger tat.

Entsprechend finden sich auch einige richtig gute Songs auf dem Album. Direkt „Encased In A Higher Intellect“ ist zwar immer noch anspruchsvoll strukturiert, hat aber auch seine griffigen Momente und genug böser Atmosphäre, um zu begeistern. Oder auch „Ingrained Absurdism“ wechselt zwischen technischer Verspieltheit und derber Brachialität, zwischen etwas Slam, prägnanten Akzenten und wahnwitziger Technik. Ebenso gelungen sind „The Atavistic Tide“ oder „Lay Bare The Loam“. Alleine mit diesen paar Songs sind ORPHALIS locker in die Nähe von Spawn Of Possession, Wormed oder Anata gerückt.

Nicht zuletzt liegt das auch an vielen thrashigeren Riffs oder Momenten, die mich persönlich stark an Jack Slater erinnern. Manche verückten Tapping-Gitarren und erst recht die Varianz im Gesang setzen sehr schöne Akzente. Selten hört man im technischen oder brutalen Death Metal einen Sänger, der so wild zwischen tiefen Growls, Shouts, fiesen Schreien hin und her wechselt, sich teilweise selber im Wechselgesang bekriegt und damit eine weitere Ebene zu den Instrumenten zieht. Oftmals verlieren sich die werten Vokalisten leider in momotoner Eintönigkeit. Chapeau ORPHALIS!

Etwas getrübt wird der positive Eindruck von „The Birth Of Inifinity“ dann durch die leicht übertriebene Spieldauer. Ab „Hematemesis“ scheint etwas die Luft raus zu sein. Gerade „Vanished State Of Divinity“ wirkt irgendwann leicht beliebig. Und wo manche Songs mit echt coolen Soli aufwarten, gibt es zuweilen schon eher langweilende Sweeping-Attacken, wie man sie heute schon hundertmal gehört hat. Nettes Gimmick sind hingegen die geschickt eingesetzten Subbass-Passagen, die bereits bei anderen Bands wie Obsolete Incarnation für das gewisse Etwas gesorgt haben.

Doch insgesamt bin ich positiv überrascht von „The Birth Of Infinity“. Weiterhin mit sehr coolem Cyberpunk/Sci-Fi-Artwork werden die Stärken von ORPHALIS diesmal richtig in Szene gesetzt und die Band hat sich als Songwriter sehr stark weiterentwickelt. Wer sich in einer Schnittmenge zwischen Wormed, Ingurgutating Oblivion, Spawn Of Possession, Jack Slater und Anata wohl fühlt, nicht unbedingt klinisches Geballer mit Hyperloop-Blastbeats ab 300 BPM und konfusen Riffs braucht, sondern eher prägnante und dennoch brutale Lieder mag, sollte der neuen ORPHALIS durchaus ein Ohr leihen.

(Amputated Vein Records / 12.08.2016)