Carnal Tomb – Rotten Remains


Carnal Tomb - Rotten RemainsZwei Jahre nach Bandgründung, einem Demo und einer EP, erscheint mit „Rotten Remains“ das Debütalbum von CARNAL TOMB, deren Logo schon ein wenig Ähnlichkeit zu dem von Grave Ritual hat. Die berliner Debütanten sind vielleicht nicht ganz so finster, haben dafür aber andere Stärken auf ihrer Seite.

„Rotten Remains“ hat klar den Fokus auf der stockholmer Death Metal Schule. Grave und Vomitory dürften als grober erster Vergleich gerne herhalten. Und gelegentlich dürfen sich sogar Fleshcrawl ein wenig fürchten. Denn gerade der Opener „Undead Dread“ hat im rollenden Doublebass-Teil ein paar dicke Parallelen zur schwedischsten Band Deutschlands. Dennoch sind CARNAL TOMB keine Fleshcrawl-Kopie.

Dafür sind sie an vielen Stellen zu direkt und vielleicht eine Nummer zu grobschlächtig. Das ist aber auch gut so! Gerade die simple Brachialität gepaart mit ein paar schick morbiden Friedhofs-Vibes machen auf „Rotten Remains“ ordentlich Spaß. Alleinig „Beneath The Coffins“ ist ein dicker Friedhofs-Boogie-Woogie, groovy wie Sau und mit packenden Melodien. „Funeral“ steht in Sachen Morbidität in nichts nach und bringt noch etwas dreckigsten Doom mit. „Cemetery Inversion“ vermischt dann den eher direkten Schweden-Tod mit den gruseligen Melodien zu einer Edge-Of-Sanity-ähnlichen Stimmung.

Bester Song ist jedoch „Cycle Of Horror“, der auch schon mal abrupte Wendungen nimmt, ein jazzy Intermezzo locker aus der Hüfte schießt, mit fiesen Rhythmuswechseln und Grooves einfach so eigene Akzente setzt und sich immer weiter steigert und einfach fett daher rollt, wie ein unaufhaltsamer Panzer. Echt ein fescher Hit, der gekonnt die Brücke zwischen stumpfen Oldschool Death Metal und spannenden Ideen schlägt! In der Richtung dürfen CARNAL TOMB gerne weitere Songs raushauen.

Auf die Spieldauer von knapp 42 Minuten kommen natürlich auch ein paar Songs, die durchaus unterhaltsam sind, aber häufig doch etwas von diesem Proto-OSDM Touch haben. Trotz netter Beats ist „Repository“ eher so ein Füller auf dem Album. Und trotz aller Qualität und spannender Ideen, hätte etwas Straffung auch „Cycle Of Horror“ gut getan. Doch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. CARNAL TOMB haben ein gutes Debütalbum mit ein paar netten Hits rausgehauen, das einige Retro-Wellen-Reiter zahm und zahnlos aussehen lässt. Direkte Brutalität, gelegentlicher Groove und morbide Melodien machen „Rotten Remains“ zu einem angenehm ranzigen Biest.

Wer es digital mag, bekommt das Teil auf als Download via Bandcamp und auf CD von Memento Mori. Freunde analoger Klänge erhalten über Weedhunter Records „Rotten Remains“ auf Kassette. Insgesamt 200 Tapes gibt es, eine rote und eine schwarze Version. Diese hat ein J-Card mit 3-fach Flap, das neben Bandfoto und Dankesgrüßen auch ein paar Meta-Infos wie Gastsänger und Credits beinhaltet. Auf einem gefalteten Din A5-Zettel finden sich die Texte zum mitsingen. Schön gestaltet in entsprechendem Lettering und verziert mit coolen Bildern, zwischen Lovecraft Bodyhorror und typischer Zombie-Ästhetik. Also dickes Value-For-Money und liebevoller aufgemacht, als manch halbherzige Vinyl-Veröffentlichung. Mir persönlich fehlt nur ein Download-Code, denn einen Walkman für unterwegs habe ich nicht mehr. Und das Tape passt schlecht in mein Smartphone. Aber schon wieder: Jammern auf hohem Niveau.
Ob „Rotten Remains“ irgendwann auf Schallplatte rauskommt, weiß leider nicht. Es würde mich aber wundern, wenn CARNAL TOMB mit ihrem Debüt nicht jemanden finden, der das Teil unbedingt als LP rausbringen will…

(Memento Mori (CD) / Weed Hunter Records (Tape) – 2016)