Unru – Als Tier Ist Der Mensch Nichts

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Unru - Als Tier Ist Der Mensch NichtsKeine leichte Kost. Und erst Recht nichts für Schöngeister. UNRU hauen uns ihr Debütalbum bitterböse um die Ohren. Alleine das Cover-Artwork dürfte für Kontroversen sorgen. Eine Kollage aus Menschenteilen, irgendwo zwischen „Reek Of Putrefaction“, Night Slugs „Dismal Fucker“ und „ Hear Nothing See Nothing Say Nothing“ – wobei das Auge in der Zusammenstellung fehlt. Diese scheinbar willkürliche Konstellation von menschlichen Körper(teilen) deutet auf keinen Fall an, was dreckiges, finsteres Stück Musik sich dahinter verbirgt. Erst recht vermutet man hinter diesem bunten Extremitätenhaufen keinen verstörenden Black Metal. Lediglich der kollagenhafte Charakter spiegelt sich später auch musikalisch etwas wieder…

Wer sich vom Cover nicht abschrecken lässt, UNRU vielleicht bereits vom Demo oder ihren Splits mit Sun Worship oder Paramnesia kennt, bekommt dennoch ein schwer verdauliches Brett serviert. Vier Songs in mehr als 35 Minuten. Dabei sind die Grundbausteine durchaus gleich geblieben. Wütender, abgrundtief fatalistischer Black Metal, durchzogen mit Reminiszenzen an die Crust-Wurzeln der Band. Dennoch haben sich die Bielefelder weiterentwickelt. Post- oder Cascadian-Style my Ass! Mehr ritueller Vibe, aber mindestens doppelt so viel mürbende Extremität.

Gitarrist Stephan erschafft zuweilen einen wunderschönen Spagat zwischen extremen Drones, monotoner Repetition, ziemlich griffigen Harmonien und einfach nur unheimlichen Klangwelten. Bereits der Opener „Zerfall & Manifest“ spielt hervorragend mit verstörendem Stop’n Go, treibender Rhythmik und wirklich unheimlichen Harmonien. Ein großartiger Auftakt, der aber gerade mal ein kleiner Appetithappen ist – mit lediglich 6:44 Spielzeit sogar wortwörtlich!

Das Anna-Karenia-Prinzip“ ist der heimliche Hit des Albums – sofern man bei diesem unheilvoll bösem Sound überhaupt von Hits sprechen kann. Der Bass darf mal knarzig die Führung übernehmen, absoluter Fatalismus dominiert zunächst diesen düsteren Wirbelwind. Und dann kommen absolut phantastische Harmonielinien hinzu. Unglaubliche Griffigkeit trifft auf totales Chaos – ein geschickter Spannungsbogen, der sicherlich nicht jedem schmecken wird. Mir hingegen hängen die „Melodien“  teilweise hartnäckig im Ohr. Dazu dann ein extrem treibender Mittelpart, der beinahe groovt. Dick wie Bolle und mit einer echt dichten Atmosphäre. Gerade über die Länge von fast 13 Minuten funktioniert die Intensität dieses Kotzklotzes sehr gut!

Schade, dass „Hēdonḗe“ anschließend etwas aus dem Raster fällt. Schleppend, drony, sludgy. Tiefe Growls. Ein dreckiges Ding, das insgesamt leider zu kollagenhaft ist. Passt zwar zum Cover, und ein Black Metal-Bastard ist eben kein Kindergeburtstag. Dennoch sind diese 10 Minuten ein wenig der Tiefpunkt des Albums. Im Gesamtbild läuft „Hēdonḗe“ zwar durchaus einfach so mit, aber als Anspieltipp würde ich die Nummer nun nicht benennen. Da ist der „Totemiker“ schon wieder mehr auf dem Niveau der ersten zwei Songs und in seiner Kompaktheit vielleicht sogar das kleine Aushängeschild von „Als Tier Ist Der Mensch Nichts“. Wieder darf der Bass die Harmonieführung zuweilen übernehmen, wieder gibt es intensive Klangteppiche, wieder trifft extremes Chaos auf griffige Melodien und furiosen Krach. Intensiv, böse und absolut garstig. Hammer!

Man kann das Kind nun nennen wie man will. ADHSBM, Krach, Crust, Black Metal. Am Ende sind UNRU nach wie vor intensiv. Selbst den kleinen Ausfall „Hēdonḗe“ verzeihe ich gerne, denn dafür killt „Als Tier Ist Der Mensch Nichts“ zu sehr. Sicherlich nicht einfach. Sicherlich nichts für Traditionalisten. Und für Leute, die „Gutmensch“ als Schimpfwort gebrauchen und sich gänzlich gegen aktuelle Black Metal  Bewegungen sträuben, erst recht nicht. Ist vielleicht auch besser so. Wer hingegen tief in finstre, verbitterte, nihilistische Klangwelten eindringen mag, ist nach wie vor bei UNRU richtig.

Dank Supreme Chaos Records gibt es das Teil als schwarze und schwarz/braun marmorierte Vinyl. CD und Download via Bandcamp ist aber auch drin.

(Supreme Chaos Records / 2016)