Trvefrykt Fanzine


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Flix und Nino sind extrem fleißig. Neben einem Fanzine, das sowohl im Interwebz wie auch gedruckt erscheint, betreiben sie eine Booking-Agentur, bekochen Bands und Besucher auf Festivals und haben auch schon spannende Pläne für die Zukunft. Nicht zuletzt für die gelungene zweite Ausgabe ihres TRVEFRYKT-Zines musste ich den beiden Musik-Enthusiasten ein paar Fragen stellen…


1. Hallo Atmofear, Hallo Negasjon! Danke, dass ihr mir und dem NecroSlaughter die Zeit für ein paar Fragen schenkt. Ich hoffe, bei euch ist alles gut und ihr habt gute Musik auf euren Plattenspielern liegen… Stellt euch doch einfach mal meinen Lesern vor!

Negasjon: Moin! Ich bin Flix, Begründer und das HC-Kid bei Trvefrykt. Bei mir ist alles super und auf meinen Plattenspieler dreht sich mal wieder die Mob Justice Platte von THE RIVAL MOB – pausenlos.

Atmofear: Hey Christian, ich bin Nino und, wie Flix, Begründer vom Magazin. Ich für meinen Teil hänge derzeit ständig in meinem „Wohnzimmer“ der Gerber 3 ab, um der örtlichen Hitze zu entkommen. Kurioserweise läuft bei mir zur Zeit fast ausschließlich Youth Crew Hardcore oder Punk, aber ich denke, dass ist einfach dem Wetter geschuldet. Düstere Metalklänge bei praller Sonne sind einfach nicht so das Wahre.

Aufkleber2. Die zweite gedruckte Ausgabe vom TRVEFRYKT ist frisch draußen. Doch bevor wir uns diesem Heft widmen, fangen wir doch mal ganz von vorne an: Das TRVEFRYKT gibt es ja noch gar nicht so lange. Euer erste Beitrag in eurem Webzine ist vom 09.06.2016 – vielleicht erst mal nachträglich alles gute zum ersten Geburtstag! Doch wie hat alles angefangen? Was hat euch bewegt, ein eigenes Webzine zu starten?

Atmofear: Also bei mir war es hauptsächlich die Langeweile und die zunehmenden Beschwerden von Freunden, dass ich doch bitte nicht so oft Musik schicken soll. Da meine Tipps bei interessierten Menschen jedoch häufig gut ankamen, wollte ich einfach andere Musikliebhaber an meiner Liebe zur Musik teilhaben lassen. Außerdem habe ich schon immer Musikmagazine gelesen und in meine Recherchen mit eingebunden. Grüße gehen raus ans BorderlineFuckup!
Aber natürlich auch unsere enge Verbindung zur Wunderbar Gerberstrasse, bei der wir öfter mal für Bands gekocht haben und sich somit auch eine recht unkonventionelle Art des Kennenlernens ergeben hat.

Negasjon: Danke! Ich bin schon seit Jahren in der Hardcore Szene in Thüringen aktiv – meist als Koch oder Vegan Burger-Dealer. Durch Hardcore habe ich die Fanzine-Kultur kennengelernt und wollte unbedingt selbst mit einem Zine aktiv werden. Dazu kam, in der Gründungszeit des Zines, eine schlechte Phase meines Lebens und zunehmende Tristesse, der ich nicht das Feld überlassen wollte. Daher habe ich viel Energie in das Zine gesteckt und mit Nino den perfekten Partner dafür gefunden. Mittlerweile läuft wieder alles, mit Trvefrykt bin auch ich als Mensch gewachsen – Die Entscheidung, das Zine zu gründen, war die beste in meinem ganzen Leben.

3. Was mir am TRVEFRYKT besonders gut gefällt: Ihr habt eigentlich keine Einschränkungen. Crust, Doom, Death Metal, Black Metal, Sludge, Hardcore von Youth Crew bis zum darkened HxC-Stil, ihr deckt ein breites Feld ab und seid nicht in irgendwelchen Genre-Grenzen gefangen. Dazu auch mal der ein oder andere Artikel außerhalb der gängigen Review/Interview/Konzert-Bericht-Struktur. Das hebt euch von den meisten Fanzines ab und macht es für mich spannender, auch mal aus der eigenen Filter-Bubble hinaus zu schauen.

Negasjon und Atmofear: Wir haben von Anfang an keine Grenzen gesetzt und wollten, dass sich jeder, der am Projekt mitarbeitet, frei entfalten kann. Die einzige Regelung, die sich für uns von selbst verstanden hat – wir bleiben im Underground und befassen uns am liebsten mit neuen Bands. Außerdem haben wir mitbekommen, dass viele Menschen durch die breite Auswahl auch mal zu anderen Bands und Genres kommen. Hardcore-People feiern durch das Zine plötzlich Death Metal und der grimmige Black Metaller findet auch mal gefallen an ner guten Youth Crew Scheibe. Durch das kennenlernen der verschiedenen Genres besuchen Leute auch mal Konzerte außerhalb ihres sonstigem Umfeldes, was wir ehrlich gesagt, ziemlich hart abfeiern.

13466477_1753620441580086_2572925673352137332_n4. Scheinbar kommt euer Konzept auch gut bei den Lesern an. Innerhalb eines Jahres direkt 1000 Likes auf Facebook, die erste Ausgabe eures Printzines in kürzester Zeit ausverkauft und schon wieder ein neues Heft in der Hinterhand. So eine Bilanz kann ich nach 13 Jahren NecroSlaughter nicht vorweisen, mein größter Respekt!

Negasjon und Atmofear: Danke für das Lob! Wir hätten uns derartigen Erfolg selbst niemals vorstellen können. Vielmehr haben wir damit gerechnet, dass wir auf vielen Exemplaren sitzen bleiben, aus Angst dass dieses Fanzine Ding irgendwie tot ist. Aber das Gegenteil hat sich herausgestellt, die ersten Zines waren verdammt schnell ausverkauft. Andere Fanzines supporten uns, wir haben schon Hefte ausgetauscht und viele Menschen aus diesem Umfeld kennengelernt. Shoutouts an dieser Stelle ans Openyoureyes Zine und From Beyond Zine! Checkt die aus!

5. Was hat euch dazu gebracht, neben eurem Webzine auch ein gedrucktes Heft zu machen? War es einfach der Reiz am DIY und mal etwas „richtiges“ in den Händen zu halten oder seid ihr auch so ein paar Nostalgiker, die immer noch an physischen Medien festhalten?

Negasjon und Atmofear: Das war von Anfang an der Plan. Das ganze mit einem Webzine zu kombinieren war vorteilhaft um Connections und einen Dunstkreis aus Lesern aufzubauen. Wir lieben einfach gedruckte Hefte, die Fanzine-Kultur gehört für uns eben zum Punk.

6. Ich komme primär aus der Metal-Ecke. Und da habe ich das Gefühl, dass sich viele Fans dem digitalen Wandel verschließen. Only-Tape-And-Vinyl-Is-Real, gedruckte Fanzines werden teilweise abgöttisch abgefeiert und deren Meinung als prophetische Botschaften gehuldigt; dieses Interwebz macht ja das Music-Biz und die Szene kaputt. Obwohl nicht wenige Leute, die solche Phrasen propagieren gleichzeitig fleißig ihre Musik illegal irgendwo runterladen… Bei euch hingegen scheint es fast egal, dass Webzine und Printzine nebeneinander funktionieren oder ihr eure Musik nur auf Bandcamp abholt, weil die Bands zuweilen noch keine physischen Tonträger haben…

Trvefrykt - Fanzine 2Negasjon und Atmofear: Uns ist es ziemlich egal, wie wir an die Musik kommen. Ob das nun physisch ist oder digital, hauptsache der Sound fixt uns an! Wir beide sammeln zwar physische Tonträger, aber das ist für uns kein Auswahlkriterium. Schon oft haben wir ein paar Taler für ein gutes Release auf Bandcamp ausgegeben. Der ganze Vinyl- und Tapehype ist schon irgendwie cool, es ist toll auch mal einen Tonträger in der Hand zu haben. Aber viele neue Bands haben nicht sofort die Kohle für eine Schallplatte, daher ist es wichtig sie auch bei einem digitalen Output zu supporten. Außerdem sollte man sich den technischen Neuerungen nicht verwehren, eine gut sortierte Musikbibliothek auf dem PC ist einfach auch was schönes – digital ist meistens halt bequemer.

7. Wie waren bisher die Reaktionen auf euer Print-Ausgaben? Heft Nr. 1 war scheinbar in kürzester Zeit ausverkauft – ich selber konnte leider keine Ausgabe mehr abgreifen. Und wenn ich meine Timeline auf Facebook so betrachte, wird für das zweite Heft auch ordentlich Werbung gemacht… Seid ihr zufrieden mit den Rückmeldungen bisher?

Negasjon und Atmofear: Die Reaktionen sind fast durchgehend positiv ausgefallen – was uns sehr überrascht hat. Mit so einem Feedback hätten wir nie im Leben gerechnet. Die erste Ausgabe, mit einer Auflage von 130 Stück, war in kürzester Zeit ausverkauft und wir haben immer wieder Anfragen dafür bekommen, aber noch welche zu drucken war in diesem Moment für uns finanziell nicht machbar. Die zweite Ausgabe geht auch schon gut weg, dieses mal haben wir aber die Auflage auf 300 Zines erhöht. Ein paar negative Rückmeldungen haben wir erhalten wegen des Preises von 6€. Wir hätten die Ausgabe selbst gern viel billiger angeboten, aber es ist uns einfach nicht möglich. Die Druckkosten waren riesig und die müssen wir auch irgendwie wieder reinkriegen, die Kohle hat unsere Freundin Strü vorgeschossen, die im Übrigen auch für unsere Cover verantwortlich ist. Die Produktionskosten für das Magazin werden nur getilgt, wenn wir alle Hefte verkauft haben. Zusätzlich würde ein kleiner Gewinn raus springen, der dann sofort in die nächste Ausgabe oder in unsere Shows fließt.

IMG_52488. Erzählt doch mal was zum Entstehungsprozess hinter dem Heft! Wie lange habt ihr Artikel gesammelt, wer macht den Layout-Kram und wie lange dauerte es von Deadline bis die Hefte dann versandtfertig waren? Wie viel DIY steckt schlussendlich dann im TRVEFRYKT #2? Habt ihr auch die Bindung selber geleimt oder lediglich so Layout-Krempel alleine gemacht?

Negasjon und Atmofear: Also ganz am Anfang gibt’s eigentlich immer so 1-2 Releases die wir unbedingt in der Druckversion haben wollen, dann bauen wir das Ganze entspannt um diese Tonträger herum auf und filtern dann nochmal aus. Der genaue Inhalt variiert so meist bis zum Ende, weil wir ständig auf lohnenswerte Sachen stoßen, die unsere Boxen zerrammeln und somit auch unbedingt mit in die Printausgabe gehören. Die Artikel und Interviews sind unsere Arbeit, auch der Orgakram und die Aufgabenverteilung geht auf unsere Kappe. Das Artwork übernimmt, wie schon erwähnt, Strü. Für das Layout ist Philip verantwortlich, Grüße und ein fettes Danke an dieser Stelle an den Buddy! Bindung und Druck ging dann über eine Druckerei, die unser Layouter gut kennt. Also quasi bis auf, bei uns recht minder ausgeprägtes, handwerkliches Geschick ist alles von uns.

9. Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Wie viele Leute sind am TRVEFRYKT beteiligt? Im Vorwort zum aktuellen Heft unterzeichnet ja nur ihr beide. Im Zine selber sind aber auch Beiträge von einem Herrn J.. Habt ihr sonst noch irgendwelche Unterstützung? Leute für Web-Krempel, Grafik, (freie) Autoren?

Negasjon und Atmofear: Also 90% vom Heft stammen von uns beiden, 2 Artikel gibt es dann jeweils noch von unseren Schreibern und mittlerweile auch Freunden Luca und Lukas, die wir über dieses Magazin kennengelernt haben. Für das Webzine haben wir mittlerweile auch 3 neue Schreiber gefunden, die uns fleißig und innovativ unterstützen, so wie unser breit gefächertes, genreübergreifendes Arbeiten voranbringen.

10. Warum nutzt ihr eigentlich Pseudonyme für euer Fanzine? Ist das wieder in?

Negasjon und Atmofear: Ehrlich gesagt?..Keine Ahnung, wir haben das einfach eingeführt, ohne große Hintergedanken und wollen das jetzt auch nicht mehr ändern. Es ist für uns in keinster Weise relevant.

11. Wie seid ihr auf den Namen für euer Zine gekommen und was bedeutet überhaupt TRVEFRYKT? Wie man das nun richtig ausspricht, wissen die Leser von Ausgabe 2 ja bereits (;

Negasjon und Atmofear: Der Name ist uns nach kurzem überlegen eingefallen. Trve steht selbstredend für Wahr und Frykt ist das norwegische Wort für Angst. Somit bedeutet Trvefrykt ungefähr so viel wie „Wahre Angst“.
Wir fanden den Namen klangvoll und ästhetisch. Dass das mit der Aussprache so schwer werden würde, hatten wir allerdings nicht bedacht und wir hoffen, dass „Truhfrükt“ bald auch sprachliche Barrieren überwinden kann. Außerdem wollten wir mit dem „Trve“ ein paar elitäre Metaller ärgern, was uns scheinbar auch ganz gut gelungen ist.

IMG_20160712_18560412. Neben Web- und Printzine macht ihr auch noch TRVEFRYKT Booking. Erzähl doch mal was darüber! Organisiert ihr die Shows nur in Weimar oder auch längere Touren/Gigs in anderen Städten? Was muss eine Band machen, damit sie bei euch in der Gerber spielen kann?

Ja genau, Booking ist unsere 2. große Leidenschaft. Wir organisieren hauptsächlich Konzerte in Weimar und sind hier und da bei Konzi-Crews beteiligt, z.B. Als Küchenhilfen beim Metal Gulasch in Erfurt und bei Friends Come First Booking in Ilmenau, Luca unser 3. Mensch wohnt in der Nähe von Frankfurt und hat letztens mit den Leuten von Lichtloch eine Show in FFM aufgezogen, die auch unter unserem Banner mitlief. Mittlerweile haben wir echt richtig gute Kontakte aufgebaut und denken, dass wir auch im nächsten Jahr der ein- oder anderen Untergrund Band, ne schicke Show mit einem Headliner bieten können. Diese Bookinggeschichte entwickelt sich momentan auch recht positiv weiter, so bin ich (Nino) in eine eventuelle Tour der Doomjungs von HEXER mit einbezogen und Flix war mit unseren Freunden von VLADA INA als Kameramann auf Tour. Wir wollen da nichts forcieren und lassen den Dingen ihren Lauf, bisher läuft alles positiv und wir hoffen natürlich, dass es so bleibt.

13. Habt ihr neben Zine und Booking noch andere Dinge am Laufen? Spielt ihr selber in Bands? Kommt vielleicht bald TRVEFRYKT RECORDS? Oder seid ihr einfach enthusiastische Fans, die so ihren Teil zur Szene beitragen? Habt ihr überhaupt ein Szenedenken, wenn ihr so über die Genre-Schubladen hinaus arbeitet? Oder ist es eher die Liebe zum DIY und zur Musik als solchen?

Es ist die Liebe zum DIY und der Musik als solchen. Wir beteiligen uns wo wir können und sind gerade dabei, eine Band zu gründen. Mal sehen ob das klappt. TRVEFRYKT RECORDS steht in der Tat auch auf dem Plan, aber bis dahin dauerts noch eine Weile.

14. Kommt ein TRVEFRYKT #3? Steht da schon ein Termin? Und was darf man inhaltlich erwarten?

Trvefrykt #3 beginnt wenn Trvefrykt #2 im Verkauf ist. Somit haben die Arbeiten schon ganz gemächlich begonnen, konkrete Inhalte gibt es jedoch noch nicht. Terminlich kann man sicherlich Ende Herbst im Auge behalten, wir werden aber rechtzeitig Bescheid geben, was unsere Leser erwarten wird.

15. Negasjon, Atmofear, ich danke euch vielmals für eure Antworten und wünsche euch für das TRVEFRYKT weiterhin alles Gute! Macht weiter so! Die letzten Worte für dieses Interview gehören euch beiden.

Vielen Dank für dein Interesse und es war uns ein Vergnügen dir Rede und Antwort zu stehen.
Supportet die Szene, besucht Konzerte, startet Magazine oder Bands, oder gründet eine Bookingcrew!
Don´t believe the hype! Shoutouts an Hexer, Make Unsure, Vlada Ina, Ghetto Justice, an die lieben Dudes von der Hypno East Brigade, an unseren Hausgeist Torte und jeden einzelnen Menschen, welchen wir über dieses Magazin kennengerlernt haben!

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