Trvefrykt – Fanzine #2

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Trvefrykt - Fanzine 2Im digitalen Wandel sterben viele Fanzines. Erst dieses Jahr wurde das Hammerheart zu Grabe getragen und mittlerweile klingt es fast schon nach altbackener Nostalgie, der Gloria von Necromaniac, Mystical Music, Carnage, Leprozine, CFMD, etc. hinterher zu trauern. Denn hin und wieder erscheinen ja auch neue Hoffnungsschimmer, die weiterhin am gedruckten Format festhalten und dennoch mit der modernen Welt des Internets harmonieren können.

Jüngstes Beispiel ist das TRVEFRYKT. Angefangen als Webzine vor etwas mehr als einem Jahr, liegt heute bereits das zweite gedruckte Heft vor. Auf viele Bands wurden die Schreiber über Bandcamp aufmerksam – physisches DIY und digitale Welt scheinen sich also doch nicht gänzlich auszuschließen.

Thematisch ist das TRVEFRYKT breit gefächert. Von Doom, Crust, Death und Black Metal zu Youth Crew Hardcore wird ein breites Spektrum abgedeckt.  Für den gemeinen Leser des NecroSlaughters sind die Beiträge von Atmofear wohl am interessantesten. Vielleicht noch vom Herrn J. Die Beiträge von Negasjon sprechen wohl eher die HxC-Fraktion an – und sind für mich mit dem ständigen „Boy“-Gelaber teilweise auch etwas zu prollig; wenngleich sich der Autor mehr als einmal bewusst von Prollo-Beatdown distanziert. Vielleicht ist es also einfach ein selbstironisches Stilmittel, was bei mir nur eben nicht so gut ankommt. Doch da sind Geschmäcker halt verschieden.

Doch selbst, wenn man über den Themenbereich Hardcore / Youth Crew hinwegsieht, bieten die Interviews immer noch interessante Bands: Amantia, Carnal Tomb, Cryptic Brood, Deathtrap, Deluminator, Hell, Krake, Make Unsure, Motorowl, Soulgrounded, Tides Denied, Torch It und Verheerer.

Auch zwei Label werden in den Fokus genommen: Totenmusik für uns Düsternasen und Backbite Records für die Hardcore-Kids. Dabei werden Totenmusik „schlicht“ als Interview behandelt, derweil Backbite Records unter den Kolumnen mit einem Gespräch und ein paar Worten zum Backkatalog vorgestellt werden.

Generell finde ich die Unterteilung zwischen Interviews und Kolumnen etwas unglücklich. Denn in letztgenannter Kategorie finden sich ebenfalls Gespräche mit benanntem Label und den Bands Into Coffin, Misery Vortex und Quallus – nur eben mit längeren Einleitungen, die durchaus auch in die Review-Kategorie gepasst hätten. Lediglich die Kurzvorstellung der Grafikstube SNDNBCK trifft eher in meine Vorstellung einer Kolumne.

Die Anzahl Reviews ist überschaubar. Lediglich dreizehn Artikel finden sich unter dieser Kategorie. Doch muss ich gestehen, dass mir dieser kompakte Umfang mehr Spaß gemacht hat, als mehrere hundert Kritiken in manch anderen Fanzines, wo man meist eh nicht alle Besprechungen liest.

Kurzum umfasst diese zweite Ausgabe also 13 Reviews, 14 Interviews und 5 Kolumnen. Präsentiert auf 100 schwarz/weißen Seiten in Din A5. Alles eingebunden in ein farbliches Cover, was mal gänzlich jeden Szene-Stereotypen trotzt. Ich mag den Haufen Insekten.

Der Aufbau des Hefts ist sauber. Ja, sogar richtig angenehm zu lesen. Die Schriftgröße ist groß genug für meine alten Augen, der Zeilenabstand erlaubt ermüdungsfreies Lesen. Auf viel schmückende Bilder wurde verzichtet. Fans alter Cut’n Paste Fanzines finden das vielleicht langweilig. Für mich überwiegt aber einfach der Faktor der Lesbarkeit. Und so kann man gut und lange im TRVEFRYKT schmökern und muss nicht dauernd mit der Lupe handtieren oder unleserliche Typografien entziffern.

So sind die 100 Seiten auch schnell durch. Wenn man sich die Zeit nimmt, hat man an einem Abend das komplette Heft intus. Da boten andere Gazetten vielleicht mehr Lesefutter. Aber schlussendlich gibt es diese eben nicht mehr. Weil es eben viel Arbeit macht und in der Herstellung auch was kostet. Darum großer Respekt an die Truppe hinter dem TRVEFRYKT, dass sie neben dem Webzine auch gedruckte Fanzines herstellen. Da darf man gerne die 6 Euro (zzgl. Porto) investieren und die Jungs unterstützen. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe.

Heft #2 kaufen: http://trvefryktzine.bigcartel.com/product/trvefrykt-zine-2

TRVEFRYKT Webzine: https://trvefrykt-zine.com/