Spheron – Progressiver Death Metal mit Wurzeln in den 90ern

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A Clockwork Universe“ hat mich mächtig umgehauen. Anspruchsvoller, technischer Death Metal, der mit gutem, eingängigen Songwriting und einer ziemlich guten Produktion daherkommt. Grund genug, mal mit Gitarrist Mark über die Entwicklung der Band, Cover-Artworks oder klarem Gesang im Death Metal zu plaudern…


 

 

1. Hallo Mark, alles klar im Hause SPHERON? Ich hoffe, Du hast ein kaltes Bier neben der Tastatur stehen und was gutes in der Anlage. Seit Veröffentlichung von „A Clockwork Universe“ sind nun auch schon fast 5 Monate ins Land gezogen. Wie waren denn Rückmeldungen bisher? Soweit ich das mitbekommen habe, wurdet ihr ja immer mit Lobeshymnen überhäuft…

Hi Chris! Um es mit den Worten von Moneyboy zu sagen: Bei uns ist alles GUCCI. Zu aller erst mal vielen Dank für dein tolles Review und dem Interesse an SPHERON. Darüber freuen wir uns sehr.
Habe es mir vor dem PC gemütlich gemacht. Leider kein kaltes Bier am Start, aber dafür ne Packung Snus und im Hintergrund plätschert Iron Monkey. Es kann losgehen!
Ja, die Rückmeldungen zu „A Clockwork Universe“ waren vorwiegend sehr positiv. Dennoch, muss ich ganz ehrlich sagen, hatten wir uns mit dem Album etwas mehr erhofft. Da waren wir mit „Ecstasy of God“ etwas verwöhnt. Liegt vielleicht auch daran, dass unser neuer Stil nicht jeden angesprochen hat, der die Ecstasy gut fand. Die war ja durchaus noch etwas roher und ungeschliffener. Auch das Cover/Logo entsprach noch mehr dem typischen „Szene-Geschmack“. Aber davon lassen wir uns nicht beeinflussen… wir machen das, worauf wir gerade Bock haben und freuen uns über jeden, der das gut findet.

2. Im Gegensatz zu einigen guten Kritiken scheint es hingegen an der Interview-Front dieses Mal etwas ruhiger zu sein. Wie kommt es, dass trotz lobender Worte für euer neues Album kaum Fragen von der schreibenden Zunft aufkamen? Habe ich einfach nur schlecht recherchiert, oder habt ihr mit euren intelligenten Songs die ganzen Kritiker einfach nur eingeschüchtert? Haha!

Haha, das musst du die Kritiker fragen. Du bist tatsächlich der erste, der mit einer Interview-Anfrage an der Tür geklopft hat.

eog_promo1500px3. Okay, werden wir wieder etwas ernsthafter. Ich finde „A Clockwork Universe“ wirklich sehr intelligent! Die Songs sind sehr zielstrebig, haben immer einen roten Faden, obwohl sie häufig verspielt sind und teilweise doch sehr komplexe Abläufe haben. Für mich klingt das Album insgesamt aber dennoch nicht überfrachtet oder gar sperrig, sondern sogar flüssiger und stimmiger als „Ecstasy of God“. Was denkst Du, wie sich SPHERON zwischen den beiden Alben entwickelt haben? Hat sich euer Songwriting-Prozess irgendwie geändert, habt ihr neue Inspirationen gefunden oder euch einfach als Musiker und Band logisch weiterentwickelt?

Vielen Dank! Das hört man gerne. Es war schon immer unsere Intention eingängige Songs zu spielen. Natürlich hat sich unser Stil im Laufe der letzten neun Jahre, angefangen vom ersten Demo in 2008 bis zum aktuellen Album, deutlich verändert. Zwischen den Ecstasy und Clockwork Songs liegt ein Zeitraum von etwa drei Jahren. Jeder, der selbst Musik macht, kennt das Gefühl irgendwann unzufrieden mit dem eigenen Material zu sein. Man arbeitet an seinen Skills/Sound und entwickelt sich weiter.

4. Progressive und technische Death Metal-Bands gibt es ja wie Sand am Meer. Wenn man nicht unbedingt ins Ausland schielt, zu Fallujah, Origin, Gorguts, Braindrill, Behold… The Arctopus, Spawn Of Possession, Anata und wie sie alle heißen, habt ihr alleine in Deutschland eigentlich genug Konkurrenz. Sofern es sie noch irgendwo gibt Necrophagist, Deadborn, Dead Eyed Sleeper oder Obscura, die eigentlich mit „Akróasis“ dieses Jahr die Messlatte bereits ziemlich hoch gelegt haben. Dennoch finde ich, dass SPHERON ein sehr eigenes Profil haben und locker bei den genannten Bands mitspielen können. Wie bereits in meiner Kritk geschrieben: „Wo Obscura vielleicht mehr Inspiration aus Death und Cynic zieht, vielleicht in ähnliche Richtung wie Fallujah mit Prog und Jazz liebäugelt, gehen SPHERON eher etwas in die Ecke der letzten Spawn Of Possession (‚Incurso‘) oder teilen einige Ansätze mit Irate Architects ‚Visitors'“. Wie siehst Du das und wo würdest Du den Sound von SPHERON verorten?

Das ist schwer zu sagen. Ich kann uns nicht wirklich einer Schublade zuordnen. Generell finde ich solche Genre-Sub-Unterteilungen immer sehr subjektiv. Wir haben nie großen Wert darauf gelegt als technische Death Metal Band bezeichnet zu werden. Der Begriff Progressive Death Metal passt da schon eher zu uns. Wenn mich jemand fragt, was für Musik meine Band macht, sag ich: Death Metal. Unsere Wurzeln liegen mehr im 90er Jahre Death Metal. Chuck Schuldiner/Death hat uns in unserer Jugend auf jeden Fall sehr geprägt und ist mit ein Grund, warum wir damals in 2007 die Band gründeten.
Weil du es gerade davon hattest…. Die aktuelle Dead Eyed Sleeper „Gomorrh“ kann ich jedem nur empfehlen! Großartige Musik mit sehr geilem Sound. Die Deadborn Jungs arbeiten zurzeit an ihrem nächsten Album. Da freu ich mich auch schon sehr drauf. Beide Bands gehören meiner Meinung zu den besten DM Acts, die Deutschland zu bieten hat und hätten viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Spheron Promo 2015

5. Manchmal habe ich das Gefühl, der Hörer von extremen Metal verachtet Klargesang so sehr, wie der Teufel das Weihwasser. Entsprechend haben auch einige Passagen von „A Clockwork Universe“ zu kontroversen Resultaten in den Reviews geführt. Ich persönlich empfinde sie hingegen als extrem spannende Zutat im Gesamtbild. Sie erlauben den Songs genau so eine flüssige Entwicklung, wie die Harmonieführungen an den Saiteninstrumenten oder die Rhythmuswechsel am Schlagzeug. Richtig großes Kino ist da der Hammer-Song „Bound In Empty Jars“, der so viele Schichten nahtlos ineinander webt, dass mir einfach die Kinnlade unten bleibt. Warum ist Klargesang im extremen Metal häufig so verpöhnt und wie ist dieses Stilmittel in den Sound von SPHERON gekommen? Auf „Ecstasy Of God“ wurde ja „nur“ Gegrunzt…

Schöne Metapher haha! Da ist auf jeden Fall was dran. Warum clean Gesang im Death Metal so verpöhnt ist, hat denke ich zwei Gründe: Zum einen gilt es als uncool und zum anderen passt es auch nur sehr selten zur Musik. Es muss eine gute Stimme sein und an der richtigen Stelle zum Vibe des Songs passen. Freu mich, dass du das so siehst. An dieser Stelle Props an Daniel. Er hatte direkt bei zwei Songs Ideen, wo er mit cleanem Gesang Akzente setzen wollte. Am Anfang waren wir etwas skeptisch, ich zumindest auf jeden Fall, aber nachdem er eingesungen hatte war jeder Zweifel verflogen. Dann sprühte es aus ihm raus und am Ende hatte fast jeder Song eine kurze clean Passage, die er mit seiner Kehle veredelte.

6. Ich finde auch die Produktion von „A Clockwork Universe“ sehr ansprechend. Der Sound ist transparent, klar, druckvoll und brutal – alles zusammen. Die Gitarren wirken angenehm warm, das Schlagzeug organisch und der Bass pendelt wunderschön zwischen begleitendem Tieftöner und Harmonieführung. Dass der Gesang homogen eine weitere führende Rolle im Gesamtbild einnimmt, erwähnte ich ja bereits. Wie zuvor bei „Ecstasy of God“ war auch dieses Mal Christoph Brandes für den Klang verantwortlich. Dennoch ist euer neues Album eben deutlich anders. Hattet ihr bereits bestimmte Vorstellungen vom Sound, als ihr ins Studio gingt, oder habt ihr mit Christoph das Endergebnis gemeinsam erarbeitet?

Besser hätte ich den Sound nicht beschreiben können! Es war eine Kombination aus beidem. Wir haben über zwei Jahre lang hart an dem Album gearbeitet und hatten eine sehr genaue Vorstellung wie es zu klingen hat. Es sollte keine Kopie vom Ecstasy Sound werden. Uns reizt es neue Sachen auszuprobieren, die wir in unsere Musik und Sound einfließen lassen können und da sind wir bei Christoph genau an der richtigen Adresse. Er hat ein grandioses Gespür für die Musik und kitzelt immer das Beste aus uns raus. Die nächste Platte wird auch wieder ganz anders klingen.

7. Spannende Songs, sehr guter Sound und um das Gesamtbild gänzlich abzurunden, gibt es noch ein unglaublich geiles Artwork. Viele technische Death Metal Bands nutzen kosmische und extraterrestrisch Motive als visuelle Komponenten. Doch meist ist die Interpretation eher digital oder zumindest sehr futuristisch und glatt. Halt irgendwie technisch, oft passend zum gleichermaßen sauberen und futuristischen Sound. Bei euch ist das Cover von „A Clockwork Universe“ aber eher organisch. Mich erinnert es etwas an Beksinski, gepaart mit 80er Jahre Cyberpunk/Dark Future/Sci-Fi-Ästhetik. Wie seid ihr auf die Idee für genau diese Umsetzung gekommen? Oder habt ihr Eliran Kantor da freie Hand gelassen? Der Onkel war ja auch für das Cover von „Ecstasy Of God“ verantwortlich, hat da aber – passend zum damaligen Sound – auch etwas „künstlicher“ gearbeitet…

Das Artwork ist uns extrem wichtig. Es muss die Atmosphäre der Musik widerspiegeln. Eliran ist ein einzigartiger Künstler. Wie auch bei Ecstasy of God, haben wir ihm komplett freie Hand gelassen. Wir wollten nicht, dass seine Kreativität durch irgendwelche Vorgaben eingeschränkt wird. Er inspiriert sich rein durch unsere Musik und Lyrics. Deinem Vergleich mit Beksinski meets 80er Jahre stimme ich dir voll zu. Ich meine mich zu erinnern, dass Eliran sogar von Beksinski gesprochen hat, als er uns das Cover vorstellte.

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8. Bisher gibt es „A Clockwork Universe“ bei Apostasy Records als CD. Ich denke aber, dass ich nicht der einzige bin, der sich über das letzte Sahnehäufchen bei so einem rundum gelungenen Release freuen würde: Eine Veröffentlichung auf Vinyl. Noch organischerer Sound und das Artwork in einer angemessenen Größe – echt ein Traum! Gibt es da Bestrebungen von eurer Seite oder vom Tomasz? Oder ist das erst mal nicht das Thema?

Ja das wäre allerdings ein Traum! Auch die Ecstasy of God hätte ich sehr gerne auf Vinyl. Leider gibt es diesbezüglich noch keine konkreten Pläne, aber es ist im Gespräch. Hoffe das lässt sich in naher Zukunft realisieren.

Spheron_Promo_20149. So frisch nach einem neuen Album, ist diese Frage natürlich extrem akademisch. Aber was sind die nächsten Ziele für SPHERON? Erstmal etwas das neue Album unter die Hörer bringen und so viele Shows und Festivals spielen, wie geht? Oder seid ihr da auch eher faul und konzentriert euch dann doch lieber auf neues Material? Ich kann mir vorstellen, dass euer Songwriting nicht unbedingt in einer Probe pro Song abgerissen ist, sondern etwas mehr Aufmerksamkeit fordert…

Allerdings. Die Songs zu A Clockwork Universe entstanden zwischen Sommer 2012 und Ende 2014. Hauptsongwriter ist unser Lead Gitarrist Tobias Alter. Im Proberaum feilen wir dann an den Feinheiten, was auch eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Im Moment gönnen wir uns eine kreative Pause. Auch konzerttechnisch ist es eher ruhig. Wir wohnen studienbedingt alle ziemlich weit auseinander und proben daher auch nicht so häufig. Zurzeit nur dann, wenn ein Gig ansteht. Im Herbst wollen wir wieder anfangen an neuem Material zu arbeiten.

10. Die Internet-Ritter wissen es dank Metal-Archives.com vielleicht: Du und Schlagzeuger Tobias sind auch bei MALADIE aktiv, einer Black Metal Band, die auch bei Apostasy zu Hause ist. Zusätzlich machst Du aber auch noch Crust/Grind mit Hellknife. Ganz schön viele Bands, wie bekommt man das alles zeitlich geregelt? Gibt es sonst noch Aktivitäten außerhalb von SPHERON, die man sich mal anhören könnte? Egal ob Crust, Grind, Metal oder gar Freejazz, gute Musik verdient immer ein Ohr!

Das nimmt weniger Zeit in Anspruch, wie es den Anschein hat haha. Maladie ist ein reines Studio-Projekt, das Björn Köppler (Ex-Tombthroat, God Enslavement) ins Leben gerufen hat. Er ist das Mastermind von Maladie und schreibt den Großteil der Musik. Wir sind seit Jahren sehr gut befreundet und ich hatte die Ehre bei zwei Alben jeweils einen Song beizusteuern. Bei dem einen Song hat auch mein SPHERON Gitarrenkollege Tobias Alter ein sehr geiles Solo eingespielt. Unser Schlagzeuger Tobias hat die kommende EP und das bald erscheinende dritte Album eingetrommelt. Sehr geiles Material!
Meine Crust Band Hellknife ist noch sehr jung. Wir haben uns letztes Jahr gegründet und es macht eine einfach eine Menge Spaß. Die erste EP ist bereits veröffentlicht und im Moment arbeiten wir an neuem Songmaterial für eine Split LP. Im Herbst spielen wir unsere ersten Gigs. Freu mich schon drauf.

11. Okay Mark, das war ein kurzer Abriss, inklusive Vorspiel und Zigarette danach, gerade mal elf Fragen. Ich hoffe, Du hattest dennoch Spaß an unserem gemeinsamen Intermezzo. Ich bedanke mich für Deine Zeit und Antworten und natürlich für das unglaublich gute „A Clockwork Universe“! Die letzten Worte dieses Interviews gehören Dir und SPHERON…

Und ob es mir Spaß gemacht hat! Vielen Dank Chris für das erfrischende Interview. Abschließend kann ich nur sagen: Supportet den Underground!

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http://spheron.bigcartel.com/

(Bilder: Von der Band bereitgestellt)