Spheron – A Clockwork Universe

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Spheron - A Clockwork UniverseIch muss gestehen: „A Clockwork Universe“ kam für mich recht unerwartet. Zugegeben, bereits „Ecstasy Of God“ hat mich zwar durchaus positiv angesprochen. Doch mit ihrem zweiten Album machen SPHERON mal eben locker einen Satz nach vorne und gesellen sich locker zu Obscuras „Akróasis“; mit zu dem Spannendsten, was progressiver/technischer Death Metal 2016 so bieten kann.

Dabei wäre es infam beide Bands zu vergleichen. Denn lediglich die musikalische Schublade eint die beiden. In der Interpretation offeriert jede Kapellen Eigenständigkeit mit durchaus anderen Ansätzen und Ideen. Wo Obscura vielleicht mehr Inspiration aus Death und Cynic zieht, vielleicht in ähnliche Richtung wie Fallujah mit Prog und Jazz liebäugelt, gehen SPHERON eher etwas in die Ecke der letzten Spawn Of Possession („Incurso) oder teilen einige Ansätze mit Irate Architects „Visitors“.

Doch sind Vergleiche in Anbetracht von „A Clockwork Universe“ schlicht Schall und Rauch. Das Album ist allein betrachtet ein richtig fettes Kunstwerk. Die Songs haben teilweise ultra spannende Wendungen und verschachtelte Strukturen, überraschen mit wahnwitzigen Tempo- und Rhythmuswechseln, die aber so fließend und tight sind, dass sie kaum Auffallen. Auch die geschickte Wiederholung von wichtigen Themen, Leads und Hooklines schaffen durchgehend rote Fäden in den Songs, dass die meist über 6 Minuten dauernden Tracks immer stimmig und packend bleiben. Die Ideen verlieren sich nicht mehr, wie es noch beim Vorgänger der größte Kritikpunkt war.

Wie bereits gesagt, die Sprünge zwischen den Rhythmen und Tempi sind teils waghalsig, die Grundgeschwindigkeit oftmals schwindelerregend. Ohne dabei hektisch zu wirken oder als Selbstzweck im Vordergrund zu stehen. Alles passiert songdienlich. Und dennoch hat Drummer Tobias Blach besonderes Lob verdient. Nicht zuletzt auch für die verdammt schnelle Doublebass, die oftmals subtil den besonderen Akzent setzt. Danach gebührt großer Respekt direkt Produzenten Christoph Brandes (u.a. Deadborn, Fragments Of Unbecoming, Necrophagist, Retaliation), der „A Clockwork Universe“ einen sehr angenehmen Sound verpasst hat und gerade bei den Drums auf den typischen Nähmaschinen-Trigger-Klang verzichtet hat.

Doch soll das Lob nicht alleine an Schlagzeuger Blach gehen. Auch die geschickt gestreuten Bassläufe sind mindestens so einer Achtung wert, die die teilweise mehrstimmigen Gitarren, die immer an den richtigen Stellen prägnante Hamonien setzen und auch schon mal bewusst etwas reduzierte Riffs spielen. Dazu sehr coole, klare Zwischenspiele, die echte Sahnehäubchen in den Songs sind. Und last but not least präsentiert sich Daniel Spoor als extrem guter und eigenständiger Sänger für diesen Stil. Dominiert von heiseren Schreien garnieren tiefere Growls und wütendere Shouts das Gesamtbild ebenso wie sehr cooler, klarer Gesang. Teilweise als führende Stimme, häufig Benton-mäßig als Ergänzung zum rauen Schreigesang. Dabei bildet die Stimmführung zusätzlich zu den Instrumenten den Fluss einzelner Elemente durch das Gesamtbild des Songs. Kurzum: Alle Musiker zeigen sich als eine sehr eingespielte Einheit.

Den Gipfel dieser kompositorischen und technischen Spielkunst markiert das abschließende, mit 10 Minuten gar episch lange „Bound In Empty Jars“. Erhaben, brutal und doch verspielt. Immer im Wechsel zwischen ruhigen Passagen und wütenden Ausbrüchen, durchzogen von extrem griffigen Riffs und Leads, teilweise gar an Opeth zu „Black Water Park“-Zeiten erinnernd. Ein mächtiger Hit, der für mich alleine schon aussagt: Hier sind SPHERON. Und das internationale Progressive/Technical Death Metal Universum ist um einen Stern reicher.

Dazu noch ein extrem gelungenes Artwork, was will man mehr?

(Apostasy / 2016)