Der Rote Milan – Aus Der Asche

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Der Rote Milan - Aus Der AscheOh Mysterium und Gerüchteküche. Wie kann man die Marketingtrommel sonst am besten spielen? Über DER ROTE MILAN gibt es keine offiziellen Informationen. Die Musiker sind schlicht römisch durchnummeriert, und „Aus Der Asche“ betitelt das erste offizielle Lebenszeichen der trierer Band, direkt als Full-Length. Natürlich mauschelt der ein oder andere, dass hier Leute von Stellar Master Elite oder Ichor mit am Werk seien. Doch ist solcher Gossip eher sekundärer Natur. Vielmehr soll DER ROTE MILAN für sich selber sprechen.

Und da wird vielleicht der ein oder andere abermals auf die falsche Fährte geführt. Denn auch wenn der Bandname vielleicht in die Richtung Der Weg Einer Freiheit vermuten, das doch eher moderne Artwork was anderes interpretieren, oder gar jenes Gemunkel um Stellar Master Elite-Beteiligung an kosmischen Black Metal glauben lässt, ist „Aus Der Asche“ ein recht klassisches Black Metal Machwerk. Vielleicht nicht so grimm und frostbitten, wie einst die zweite Welle des Black Metals aus den Kellern daherkam, aber schon so im Stile von Dark Funeral und Konsorten zur geringfügig späteren Phase.

In diesem Kontext präsentieren sich DER ROTE MILAN echt souverän. Zwischen schnellem Geballer gibt es immer wieder griffige Melodien. Mal atmosphärischer, mal richtig spooky, fast immer frostig. Gelegentlich bieten sogar etwas ruhigere Passagen kurze Momente zum Durchatmen, bevor es wieder ordentlich nach vorne geht. Immer mit echt angepissten Schreien und gelegentlich tiefen Grunzern begleitet. Verpackt in eine angemessene Produktion, die sowohl die klirrende Kälte der Gitarren betont, wie auch ordentlich Druck macht, ist „Aus Der Asche“ schon durchaus ordentlich.

An einigen Stellen zeigt die Band sogar sehr deutlich, dass noch Luft nach oben besteht. „Das Ende Des Tempels“ ist schon mal sehr catchy, hat einen mächtigen Refrain – sofern man hier in klassischen Songstrukturen denken kann. Doch erst ab der hinteren Albumhälfte zieht DER ROTE MILAN ordentlich an. Ab „Blutleere Stille“ jagd ein dicker Song den nächsten. Wären diese vier Songs als Demo oder EP erschienen, hätte „Aus Der Asche“ sicherlich einige offene Münder hinterlassen.

Doch soll diese Kritik die Qualität dieses ersten Lebenszeichen nicht mindern. DER ROTE MILAN legen ein gutes Debüt hin, zeigen aber gleichzeitig, dass sie mit dem nächsten Output definitiv noch stärker werden. Entsprechend sollte man die Band im Auge behalten. Denn die Aufnahmen für den Nachfolger wurden bereits zum Winter 2016 angekündigt. Solange kann man sich selber auch ein Bild von „Aus Der Asche“ machen, Bandcamp sei Dank! Wer hingegen etwas in der Hand halten will, muss sich ranhalten. Die CD erscheint physisch nur auf 200 nummerierten Digipaks. Und ich denke, dass die schon alsbald weg sein werden….

(Eigenproduktion / 2016)