Ancst – Moloch

 , , , ,

Ancst - MolochVon Anfang an spielt das ANCST-Kollektiv einen Bastard aus vermeintlich unvereinbaren Stilrichtungen. Das hat bisherige Releases wie die „In Humane Condition„-EP und die Splits mit Hiveburner, Smuteční Slavnost oder Ast (alles zuletzt zusammengefasst auf der Compilation „In Turmoil„) sehr unterhaltsam gemacht. Auf dem ersten Full-Length wird diese Mixtur aus Crust, Hardcore und Black Metal sogar noch etwas ausgedehnt, was dem „Moloch“ ein Janus-Gesicht verleiht.

Weiterhin findet man altbekannte Einflüsse und Trademarks. Stampfender Black Metal wechselt zu schnellen, melodischen Hardcore-Passagen wie man sie aus den 90ern/00ern kennt. Die Harmonien werden oft wunderschön polyphon geschichtet und variiert, ganz im Kontrast zum wütend heiseren Gesang. Ausbrüche von verzweifelter Melancholie treffen auf wütendes Blast-Geschredder.

Dabei sind die Einflüsse aus dem melodischen Hardcore und Neo-Crust dieses Mal so deutlich wie nie zuvor. Mehr liebäugeln ANCST mit dem Metalcore und rufen dadurch deutliche Parallelen zu Heaven Shall Burn ins Ohr. Auch rohere Momente, fast schon am Death Metal, garnieren „Moloch“ und machen das Album sehr abwechslungsreich über seine fast 40 Minuten Spieldauer.

Wo einige extrem gute Songs weiterhin die Gloria von „In Humane Condition“ forttragen, beispielsweise im Titeltrack, „In Decline“, „Turning Point“ oder „Strife“, finden sich aber auch mindestens genau so viele Momente, die schlichtweg cheesy sind. Gefällig laufen viele Riffs ins Ohr, öffnen ANCST damit vielleicht auch eine breitere Zielgruppe. Das macht „Moloch“ keineswegs zu einem schlechten Album. Im Gegenteil, das Teil läuft extrem gut rein und  bietet – bis auf den eher beliebigen Ausfall „No More Words“ – gute und kurzweilige Unterhaltung. Besonders positiv stimmt mich das etwas sperrige und unkonventionelle „Lys“ zum Schluss. Gefälligkeit trifft auf Boshaftigkeit und einen komplett anderen Vibe, als es das restliche Album ausstrahlt. Solche Ausbrüche muss man einfach lieben.

Insgesamt fehlt es mir persönlich aber über die Gesamtdauer etwas an der Konsequenz, den die EPs und Splits vorgelegt haben und die oben genannten Tracks andeuten. Vielleicht ist das kürzere Output-Format doch eher das Schlachtfeld von ANCST.

(Vendetta / 2016)