V.A. Vestibule From Hell (Comp. LP)


VA - Vestibule Of HellEin bisschen musste ich schon grinsen, als diese Compilation-LP bei mir eintrudelte. Besser spät als nie, will man meinen, denn das Projekt zog sich schon über so einige Monde hin – und wurde bei einer mir persönlich bekannten Band schon zum Running Gag. Nun liegt also endlich die „Vestibule From Hell“ Compilation-LP via dem Qualitätslabel Wolfsbane exklusiv auf Vinyl mit ebensolchen Songs bestückt in verschiedenen Farben vor, gewohnt hochwertig, dazu liebevoll gestaltet und mit Booklet versehen, in dem jede Band mit einem eigenen Design präsentiert wird. Sehr löblich.

Nun war ich nie ein großer Freund von Compilations, nicht mal von den großen Klassikern, vor allem aber nicht jener lieb- und sinnlosen zusammengestückelten. Auch über den Sinn dieses Albums ließe sich vorzüglich streiten, bedenkt man aber, dass hinter dem Release und dem Label selbst Freaks stecken, kann man getrost davon ausgehen, dass es sich hierbei um keine solche dem schnöden Mammon geschuldete Veröffentlichung handelt. Das zeigt alleine schon der betriebene Aufwand an Design und Artwork. „Vestibule From Hell“ ist ein Produkt von Fans für Fans. Und gemein ist nun allen Bands, dass sie dem aktuellen Black- und Death-Metal-Untergrund entstammen und sich musikalisch eher anachronistisch benehmen, neudeutsch: Old School.

HACAVITZ aus Mexiko machen den Anfang. Ex-DISGORGE-Mitglieder widmen sich hier rabiatem, furiosem Black Metal mit einer gewissen Nähe zu IMMORTAL, aber auch zu ANGELCORPSE. Brutal und düster, mit einer für Mexiko ungewohnten Kühle dargeboten. Und im Großen und Ganzen repräsentativ für das aktuelle Schaffen der Band, deren Frühwerke tatsächlich mehr typisch südamerikanischer Raserei verschreiben waren.

Mit ENTRAPMENT gibt sich die erste holländische Band des Samplers die Ehre. Wie gewohnt bietet Michel bodenständigen Todesblei mit schwedischer Note: direkt, sägend, leicht verhallt und mit dreckigem Solo versehen. Volltreffer. Der Mensch weiß einfach, wie man gute Death-Metal-Songs schreibt!

ETERNAL ROT sind die erste Überraschung dieser LP. Die Polen spielen creepy, etwas eigenwilligen Death Metal, der irgendwie an AUTOPSY und mich im speziellen vom Feeling her an MANGLED TORSOS erinnert. Äußerst kauzig, aber geil. Die Band hat unlängst eine 7“ veröffentlicht, die ich mir dringend zulegen muss!

ICONS OF BRUTALITY dagegen fallen mit ihrem Track deutlich zurück. Bodenständig und nicht ungefällig, aber dann doch einfach zu gewöhnlich ist ihr Death Metal, um mit den bisherigen Bands mithalten zu können (selbiges gilt im Übrigen auch für ihr vor einigen Jahren veröffentlichtes Album).

DENIAL dagegen herrschen mal wieder! Die Band hat ja seit ihrem großartigen Debütalbum kaum etwas von sich hören lassen. Dieser Track (und die neue 7“) machen das allerdings fast wieder gut! Fantastischer, leicht chaotischer, tiefschwarzer Death Metal mit leichter Finnenschlagseite! Wo zum Teufel bleibt das neue Album?!?

Weiter geht es mit meinen Darlings NEKROFILTH. Kurskorrektur? Nope. Noch immer dreschen die Amis wild und ungestüm irgendwo zwischen REPULSION und SLAUGHTER angepunkt durch die Pampa und bereiten zumindest mir sehr viel Freude. Kurz, knackig, ins Fressbrett, fertig! So muss das sein…

DEAD WILL WALK waren mir bisher unbekannt. Simpel, punkig und gerade aus geht es hier zur Sache – und sehr knapp bemessen, weswegen ich mir nicht anmaßen will, die Band in irgendeiner Art abzuurteilen. Ihr Song „Prison Tomb“ macht jedenfalls Lust auf mehr. Einen Zacken hochwertiger sind LUCIFERICON. Dunkler, leicht chaotischer Black/Death Metal mit düsteren Melodien und eingängigem Songwriting. Ich muss bei der Band immer an spätere VITAL REMAINS denken, was definitiv nicht die schlechteste Referenz ist.

Was nun folgt, ist für mich das Highlight der Compilation. PENTACLE, Hollands Death-Metal-Klassiker um Obersympath Wannes, covern „Divus De Mortuus“ vom gleichnamigen Kult-Demo einer der genialsten Bands aller Zeiten, NECROVORE! Was soll ich dazu noch groß sagen? HAIL PENTACLE! Von den supersympathischen Schweden BOMBS OF HADES, mit dem mittlerweile bei CRIPPLE BLACK PHOENIX zockenden Szene-Urgestein Jonas Stålhammar, machen das, was sie immer machen: gewinnen. Rotziger, altbackener, aber rockender Death Metal, dieses Mal allerdings eher schleppend-doomig und ohne den obligatorischen D-Beat. Dennoch geil! Die Band hat einfach einen Stein im Brett bei mir.

WOUND sind die einzige deutsche Band auf dieser Compilation und präsentieren mit „Carrion“ einen flotten und treibenden, etwas unterproduzierten Kracher, melodisch und irgendwie mit alten AT-THE-GATES-Vibes versehen. Die sympathischen Wiesbadener haben einfach ein Händchen für eingängigen Easy-Listening-Death-Metal – was sie gerne dann auch mal mit einem zweiten Album unter Beweis stellen dürfen. Ja! THE HOWLING WIND wiederum sind eine US-Black-Metal-Band mit Leuten von UNEARTHLY TRANCE und THRALLDOM, deren eigenwilliges Schaffen nicht gerade der Fanmagnet ist. Ich persönlich stehe auf den noisigen, verzerrten Stil der Amerikaner und auch ihr gebotener Track killt in der gewöhnlichen Marschrichtung, wenn auch ungewohnt eingängig-mosh-kompatibel. Das haben Ryan und Co. schon garstiger hinbekommen.

SONNE ADAM schlagen dafür überaus massiv und dunkel Alarm und liefern ein weiteres Highlight dieses Samplers ab – und ziehen nebenbei alle Register ihres Könnens. Zu schade, dass die Band seit dem Kill-Town Deathfest 2014 vor allem durch ihre Inaktivität von sich reden macht. Den Abschluss bilden die nicht unbekannten US-Newcomer RUDE mit ihrem thrashigen Death Metal irgendwo zwischen klassisch-amerikanisch und thrashig-europäisch und können wie schon beim Demo und Debütalbum zuvor eigentlich nur überzeugen.

So mein kurzer Abriss über das Gebotene. „Vestibule From Hell“ ist ein zwar knapper, aber feiner Überblick über den internationalen Underground (fast) von gestern. Bemerkenswert ist der Zufall, dass die meisten enthaltenen Bands noch immer mit Werkfortsetzungen auf sich warten lassen, so bietet diese LP auch die Möglichkeit, sich eben an diese Bands erinnern zu lassen. Wie schon erwähnt, ist die LP wie üblich bei diesem Label bestens aufgemacht und qualitativ astrein, womit einem Kauf eigentlich nichts im Wege stehen sollte. Übrigens fände ich es irgendwo wünschenswert, wenn „Vestibule From Hell“ eine Fortsetzung erhalten würde. Der Underground steckt voll so vieler interessanter Bands, die es wert wären, entdeckt zu werden!

(Wolfsbane Rec. / https://www.facebook.com/wolfsbanerecords/)

 

Hacavitz – Nighte
Entrapment – The Reaper
Eternal Rot – Fatal Offering
Icons Of Brutality – Region Of Flesh
Denial – Deprecatio De Profundis Tenebrae
Nekrofilth – Street Fight
Dead Will Walk – Prison Tomb
Lucifericon – Omega Therion
Pentacle – Divus De Mortuus
Bombs Of Hades – When The Reaper Comes
Wound – Carrion
The Howling Wind – Pulsation Warfront
Sonne Adam – Halayala Shell Lucifer
Rude – Funeral Pyre