Kannibal Krach – Untermenschen in der Überzahl

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Kannibal Krach - Untermenschen In Der ÜberzahlMit der „Fickt euch Allee“ kokettieren Großstadtgeflüster ihr hedonistische Trotzigkeit. Doch nur KANNIBAL KRACH meinen es so richtig ernst. Ihr „Fickt euch ALLE!“ geht wortwörtlich gegen alles und jeden. Keiner bleibt verschont, ihre angepisste Wut geht gegen rechte Dumpfbacken, linke Jungspunde, die das Wohnzimmer ihrer Oma zum autonomen Freiraum erklären, bigotte Ärzte, Islamisten, die ihr Futter anbrennen lassen, Marktforschung und Paybackpunkte, die reichen Ein-Prozent, Kommentarspalten-Ritter, Metalheads, der Spaßgesellschaft im Allgemeinen. Alle bekommen sie ihr Fett weg, durch klare, teilweise radikale und dennoch recht poetisch verflochtene Worte. Kein Wunder, dass sich KANNIBAL KRACH nicht nur Freunde machen, sondern gleichermaßen auch ihre kleine Gemeinde von Hatern haben. Inklusive angepisste Hardcore-Bollos und Auftrittsverboten in einigen autonomen Läden.

Soweit die lyrische Seite sicherlich polarisiert, so sehr spielt „Untermenschen in der Überzahl“ aber auch musikalisch deutliche Stärken aus. Weniger offensichtliches, selbstironisches Augenzwinkern – obgleich es immer noch vorhanden ist -, weniger gefällige Rock’n Roll-Riffs, Ärzte-mäßiger „Gruselsex“ oder klar gesungene Passagen als auf den Vorgängern. Nur noch komprimierte Wut, reduziert auf das Nötigste. 18 Lieder in 20 Minuten, kaum ein Song über 2 Minuten. Dabei gibt es zwar auch wütendes Grindcore-Geballer, aber nicht nur. Vielmehr reicht die Bandbreite von schmissigen Ärzte-Zitaten zu Sons-Of-Tarantula-artigen Collagen, von rotzigen Punkrock zu harschem Hardcore mit Metal-Einschlag. Da passt auch die verbitterte Power-Ballade „Pessimist“ wunderschön ins heterogene und doch sehr stimmige Gesamtbild.

Als kleinen Bonus gibt es drei alte Nummern in neuer Version. Und ich muss gestehen, die Neuaufnahmen gefallen mir richtig gut! Mehr Hass und mehr Aggression, mehr Krach.

Nun können sich von mir aus die Geister scheiden, ob sie KANNIBAL KRACH mögen oder nicht. Die Band interessiert es nicht. Heute erst recht nicht mehr, denn mittlerweile hat sich die Band selber auseinander-polarisiert. Ich finde es schade. Denn „Untermenschen in der Überzahl“ ist schlicht ein unterhaltsames, zynisches und extrem kurzweiliges Album. Große Liebe meinerseits für so viel Hass. Nun heißt es für mich nur noch: „Muss Menschheit… vernichten!!“

(Unundeux)