Cough – Still They Pray


Cough - Still The PrayDie Sludge/Doom-Clique und WINDHAND-Schwesterband COUGH und mich verbindet ein gespaltenes Verhältnis. Eigentlich haben die Amerikaner bisher eigentlich genau das gemacht, was mir gefallen sollte – tat es aber nicht. Weiß der Teufel warum. Dann gehen sie mit ELECTRIC WIZARDs Jus Oborn ins Studio und produzieren eine Scheibe, die nicht unwesentlich nach neueren ELECTRIC WIZARD klingt, was mir eigentlich nicht gefallen sollte – tut es aber. Verdrehte Welt.

Still They Pray“, so der Titel dieses Machwerks, ist natürlich kein reiner Abklatsch der elektrischen Zauberer geworden, vielmehr adaptieren COUGH hierauf Elemente von Oborns Klassikerband (oder bekamen diese von ihm aufgezwungen). Der monolithisch-grimmige, bluesgeschwängerte Sludge/Doom Metal der Frühwerke ist nachwievor prominent, „Still They Pray“, übrigens das erste Album COUGHs seit sechs Jahren, gibt sich allerdings wesentlich vielschichtiger, psychedelischer und atmosphärischer – und ist dabei angenehm organisch und warm produziert. Die Band verwebt in ihren überlangen Stücken geschickt das klassisch-hässliche Sludge-Fundament mit psychedelischen, trippig-ausladenden Gitarren der 70er Jahre, atmosphärischen Horrorfilm-Samples, flotten Rockern und sogar eingängigen Hooks, bleibt dennoch fast schon gegensätzlich aber fiesem Feedback, rauen Vocals und unangenehm derbem Abbremsen und Wetzen treu. COUGH wollen keinen angenehmen, coolen Trip ins Nirvana bieten, sie zwingen den Hörer in einen Höllenrausch, der einem keine Chance lässt, der Realität zu entfliehen. „Live to hate / Hate to live“ kotz Schreihals Chandler einmal heraus und macht klar: nope, wir haben keinen Spass am Leben. Man will ihm glauben. Trotz 70er-Einflüssen ist hier nämlich nichts hippiesk, blumig, fröhlich. Vielmehr ist die erzeugte Atmosphäre nihilistisch-verdrogt mit viel übelster Laune und der Aussicht auf einen derben Kater, irgendwo zwischen nach Kot und Kotze stinkender Großstadtgosse und real gewordenem Lovecraft-Alptraum zwischen Tentakeln, Nazi-Zombies und Junkie-Hexen-Gangbangs. Wahrlich mitreißend. Bis zur Schmerzgrenze.

CD/2LP (Relapse)