Cobra Death – Sick

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Cobra Death - SickZuallererst ein großes „Sorry“ an Ralf von Kink Rec., dass ich so ewig für dieses Review gebraucht habe, um aus der Hüfte zu kommen. Mann, ich bin echt eine Flitzpiepe, jetzt liegt die Scheibe schon seit Monaten hier auf Halde, und das nur, weil mir im Grunde genommen die A-Seite nicht so recht behagt bzw. nicht wirklich was hängen bleiben wollte. Cobra Death kommen aus der Schweiz und haben mich mit ihrer 2013 selbstveröffentlichten und gleichnamigen 12“ mal so richtig umgehauen, und somit wachgerüttelt, denn gerade ihr kompromissloser Mix aus schnellem Thrash mit aggressiven HC-Einflüssen wusste zu überzeugen. Die Songs hatten jede Menge Power und zeigten deutlich, dass hier eine Band am Start ist, die eine sehr deutliche Sprache spricht.

Auf „Sick“ gibt es fünf neue wütende Kracher, die nach wie vor dem Undergroundsound verbunden sind, aber man hört auch, dass die Schaffhausener ein wenig experimentierfreudiger geworden sind. Während ich beim Anhören der A-Seite irgendwie immer noch leicht das Gefühl habe (mittlerweile etwas abgemildert), dass die Jungs während der Aufnahme im Halbschlaf im Studio anwesend waren, so dass ich beinahe der Meinung war, es handelt sich um eine andere Band. Umso schneller und miesgelaunter legt man dann getreu nach dem Motto „wir können auch anders“ auf der B-Seite dermaßen mächtig fies und dreckig los, dass ich sehr schnell eines besseren belehrt werde und just meine Meinung änderte.

Der Thrashanteil ist etwas zurückgeschraubt, was mich natürlich nicht so traurig macht, aber die wüsten HC-Einflüsse und die assigen Punk-Vibes sind zum Glück beibehalten worden. Was ebenfalls auffällt, ist, dass der Sound von Cobra Death etwas mehr in Richtung Death Metal schielt, was den Songs durchaus gut zu Gesicht steht. Der Dreck in den Songs ist beibehalten worden, dafür gibt es jetzt auch mal die ein oder andere passende Melodie an der Klampfe, was den Stücken ein gewissen Drive verleiht und somit auch der Groove nicht zu kurz kommt, was man zum Beispiel bei „Blood Vision“ sehr deutlich zu spüren bekommt.

Mit Roman hat man zudem den richtigen Brüllwürfel am Mikro, der den Songs zusätzlich Pfeffer verleiht, indem er seine Stimmbänder sehr abwechslungsreich einzusetzen weiß, manchmal habe ich gar das Gefühl, angeschwärzte Einflüsse raus zu hören. Im Nachhinein betrachtet und mit reichlich Runden aufm Platenteller muss ich eingestehen, dass Cobra Death sich positiv weiterentwickelt haben.

Fakt ist aber auch, die neuen Stücke brauchen einfach einen Tick mehr Zeit, da sie etwas vielschichtiger aufgebaut sind. Ein paar Ecken und Kanten wurden zwar ausradiert, was den Songs aber nicht geschadet hat, sofern man die versteckten Details für sich entdeckt. Ich finde, Metalpunk trifft den Sound der Schweizer ganz gut, und der Spagat zwischen eingängigen Riffs und knochenbrecherischen Blastbeatsalven mit wütendem Gesang tut sein Übriges, so dass sich „Sick“ von ähnlichen Bands deutlich abhebt. Zwar haben sich auch ein paar Längen in zwei Songs eingeschlichen, dennoch ist den Schweizern hoch anzurechnen, dass sie auf ihrem Debüt einen mehr als amtlichen Berserker ins Rennen geschickt haben, der einfach mal alles umrennt, was ihm vor die Füße kommt.

Für aufgeschlossene Metalfreaks und Punker mit Lederweste sollte dies ein gefundenes Fressen sein. Ich denke, live geht diese Mucke weitaus mörderischer ab, da eben verdammt viel Energie in den Songs steckt. Wer den Songs die nötige Einhörzeit gibt, dem verspreche ich, dass er mit dieser „sicken“ Scheibe einen wahren Sturm in seiner Anlange (und nicht nur dort) lostritt.

Anspieltipps sind definitiv „Blood Vision“ und das rotzige „Ratten“, was gerade im hinteren Teil richtig aufholt und eine Wucht hinter sich her schleift, mit der nicht zu spaßen ist.

PS: Schaut mal auf der Homepage von Kink Rec. vorbei, da gibt es jede Menge geiles Vinyl aus den Tiefen des Undergrounds und die ein oder andere Killerscheibe zu entdecken, die erstens bei anderen Labels schwer zu finden sein wird und zweitens zu einem unschlagbar fairen Preis angeboten wird. Also wer dort nix findet, der ist im falschen Genre zu Hause.

(Kink Rec. – VÖ, 22. April 2015 / LP – 5 Songs)