RAGING DEATH DATE 2016

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RAGING DEATH DATE 2016 – Neustadt/Orla, 26. + 27.3.2016

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SAMSTAG

R: Was macht man zu Ostern? Richtig, man fährt auf ein Festival. Aber nicht auf irgendein Festival, sondern aufs Raging Death.

K: Das Raging Death Date hat sich für uns in den letzten Jahren zur festen Ostertradition entwickelt, an der wir auch 2016 wieder festhalten wollten. Spätestens, als wir die Leipziger ANTLERS auf der Liste der angekündigten Bands entdeckten, war die Entscheidung gefällt. Außerdem waren wir uns sicher, dass wir auch wieder einige coole Neuentdeckungen machen können. Zum Glück hatten wir uns dieses Mal rechtzeitig um eine Unterkunft vor Ort gekümmert. Denn eine Taxifahrt-Orgie wie 2015 wollten wir uns nicht noch mal antun.

R: Nachdem wir im Hotel angekommen sind, eingecheckt haben und unseren Krempel ins Zimmer geworfen haben, ging es dann zügig Richtung WOTUFA-Saal. Auch dieses Jahr war es Publikum-mäßig noch sehr überschaubar. Also, schnell hinein in den Schuppen, und da liefen uns auch schon die ersten bekannten Gestalten über den Weg.

K: Schade, dass Ketzer Alex, der in den letzten Jahren zum festen Festival-Inventar gehörte, dieses Mal nicht mit seinem Label vor Ort war. Ein bisschen vermissten wir die gemütliche Kneipenatmosphäre am Ketzer-Stand schon… Immerhin hielten die Kollegen von Cudgel und Undercover die Stellung, so dass wir dort an den Verkaufsständen gleich mal Hallo sagten.

 

Lihhamon_R: Die erste Band hat es auf dem Raging Death im Vergleich zu manch anderem Festival gut, da auf dem RDD gerade bei den ersten Bands immer eine gewisse Neugier vorhanden ist. Und so war es auch bei LIHHAMON aus Leipzig.
K: Das unheilige Trio fing pünktlich um 14 Uhr an und legte den WOTUFA-Saal gleich mal systematisch in Schutt und Asche. Der brachiale Death/Black Metal donnerte in Überschallgeschwindigkeit und extrem aggressiv aus den Boxen, ohne dabei in stumpfsinniges Geschrote abzudriften. Die Mucke war nicht nur absolut zerstörerisch, sondern wurde auch präzise umgesetzt. Auch der Wechsel zwischen besessenem Black Metal Keifgesang und fiesen todesmetallischen Growls passte wie die Faust aufs Auge. Alles in allem ein ziemlich beeindruckender Auftakt! Obwohl der Andrang im Saal sich noch in Grenzen hielt, sammelten sich vor der Bühne schon einige Leute und ließen sich gleich zum Beginn mal gepflegt die Rübe wegblasen.

R: Mir gefiel die radikale Kost aus räudigem Black/Death verdammt gut: Trotz enormer Geschwindigkeitsattacken verlor man sich nicht im Einheitsbrei und konnte bei all dem dahin gerotzten Chaos durchaus Akzente setzen, da die Herren immer wieder ein paar morbide minimalistische Melodien vom Stapel ließen, die dem massiven Sound das gewisse ETWAS verliehen. Nachdem LIHHAMON live mit richtigem Killermaterial beeindrucken konnten und somit das Festival würdig eröffneten, war es nur logisch, dass wir uns danach gleich deren Album „Doctrine“ zugelegt haben. Diese Band sollte man im Auge behalten. Cooler Shit. Fazit: Auf die Leipziger Bands ist immer wieder Verlass!

 

K: Danach hatten es BLACKEVIL mit ihrem dezent angeschwärzten Thrash Metal nicht so leicht mitzuziehen. Im Direktvergleich klang die Mucke einfach eine ganze Runde zahmer und bissloser. Schlecht war der old schoolige Sound definitiv nicht, und die Süddeutschen konnten auch einige Leute vor die Bühne locken, bei denen der ruppige Retrotrip gut ankam. Uns fehlte hier allerdings so ein bisschen das gewisse Etwas, so dass wir uns erst mal bei den Verkaufsständen umschauten und gemütlich ein Bier schlürften. Da sich vor allem Rayks Einkaufstüten schnell füllten und als nächstes noch mal eine Runde Heavy/Thrash Sound auf dem Plan stand, beschlossen wir, gleich einen kurzen Abstecher zum Hotel zu machen, um die ersten Anschaffungen zu verstauen.

R: Allzu lange hielten wir uns aber nicht auf, so dass wir zumindest noch ein paar Songs von LUZIFER mitbekamen, VULTURE hatten hingegen schon gespielt.

K: Die beiden Bands bestehen mehr oder weniger aus den gleichen Mitgliedern und teilten sich hier einen gemeinsamen Auftritt. War stilistisch nicht ganz unser Fall, klang aber gar nicht verkehrt. Beim Publikum kam die Chose auf jeden Fall gut an; und vor der Bühne war es schon recht voll geworden.

Skelethal_R: Nachdem jetzt die Heavy Fraktion auf ihre Kosten kam, wurde es nun Zeit für eine geballte Ladung Death Metal, und die kam aus Frankreich. Man konnte im Vorfeld auf der RDD Homepage schon mal in den Sound hineinhören, und da das Material schon mal sehr lässig und old schoolig klang, machten wir uns vor zur Bühne, um zu schauen, ob SKELETHAL auch live was zu bieten haben.

K: Und wie! Der ruppige Death Metal lief mal richtig gut rein. Die Franzosen klangen verdammt roh und dreckig, ohne dabei zu primitiv oder eintönig rüberzukommen. Räudige, bratende Gitarren, bollerndes Schlagzeug und der richtig schön brachial daher röhrende Gesang, den sich der Gitarrist und der Schlagzeuger untereinander aufteilten, machten richtig Laune. Geile Sache – und vor allem mal Mucke, bei der man die Nackenmuskulatur in Schwung bringen konnte. Also ab in die erste Reihe und SKELETHAL abfeiern. So sollte traditioneller Death Metal klingen.

R: Die Franzosen boten ein beachtliches Set an coolen Death Metal Killersongs, wo man sich nur allzu gerne an die 90er Jahre zurück erinnert fühlte, und so spielten sie einige Songs ihres bisherigen Schaffens. Mir gefiel die Chose sehr gut, und die Songs hatten jede Menge Abwechslung zu bieten, so dass es echt Laune machte, sich diesen wilden Reigen zu geben.
Während bei SKELETHAL doch so einige vor der Bühne standen und die Halle halbwegs gut gefüllt war, hatte jetzt die darauffolgende Black Metal Band namens DRENGSKAPUR mit einer ordentlichen Leere vor der Bühne zu kämpfen.
K: DRENGSKAPUR ist eine Zwei-Mann-Band, was auf der Bühne schon mal ein bisschen komisch, weil ungewohnt leer, aussieht. Gitarrist, Sänger und Umhangträger Wintergrimm trug mit seiner eher introvertierten Art auch nicht gerade dazu bei, das Publikum zu fesseln. Ehrlich gesagt konnte mich der Black Metal des Duos nicht wirklich mitreißen, viele der Lieder zogen sich doch arg in die Länge und wollten nicht so recht zünden. Schlecht gemacht war die solide Traditionskost sicherlich nicht. Gegen Ende kamen dann auch mal ein paar schnellere Sachen, die irgendwie mehr hermachten, und so kam doch noch ein bisschen Schwung ins Publikum.

Drengskapur_R: Schade war es dennoch, dass sich wirklich so extrem wenig Publikum vor der Bühne einfand. Denn im Grunde genommen war der Black Metal von DRENGSKAPUR zwar nicht Welt bewegend, aber dennoch gut gemachter Skandinavien Black Metal. Aber es fehlte einfach das gewisse Etwas, was einen vor die Bühne zog. Ich denke, hier wäre einfach ein wenig mehr Publikumsnähe angebracht gewesen, oder man hätte die Bühnendekoration etwas okkulter gestalten können. So hinterließ DRENGSKAPUR zwar keinen nachhaltigen, aber auch keinen schlechten Eindruck.

 

K: CROSS VAULT hatten mich schon beim Vorab-Reinhören nicht besonders begeistert, aber da ich für Doom Metal eigentlich auch etwas übrig habe, wollte ich der Band live trotzdem mal eine Chance geben. Leider gingen die Songs der Detmolder aber auch auf dem Konzert gar nicht ins Ohr. Der schwermütige Sound sorgte bei mir eher für eingeschlafene Füße als für Euphorie. Schade.

R: Dem kann ich mich nur anschließen. Ist Doom eigentlich sonst nicht so meine Baustelle, bin ich aber immer offen, mir Bands aus dieser Stilrichtung anzuschauen. Also hieß es, die Band wenigstens mal anzuchecken, aber der Sound von CROSS VAULT wollte und wollte einfach nicht so richtig zünden. Wobei ich dazusagen möchte, dass mir neben dem Sound auch die Umsetzung auf der Bühne nicht so richtig behagte, und so kleckerte deren Doom halt nur so vor sich hin, was darauf hinauslief, dass wir beide erst mal frische Luft schnappten, um endlich mit unserem Kumpel Jeff auf ein Bier anzustoßen und uns über die fragwürdigen Machenschaften der Textilindustrie zu unterhalten. Nebenher kam dann noch ein Kumpel von ihm angelatscht, mit dem wir uns dann noch über Black Serpent unterhielten und fachsimpelten, auf welcher Geschwindigkeit sich die Platte nun besser anhört.

Törr_

Mmh, jetzt roch es irgendwie nach Pilsner Urquell, und es wäre durchaus von großem Vorteil gewesen, ein wenig Tschechisch zu können, denn jetzt standen TÖRR auf der Matte. TÖRR brauchten für ihren Soundcheck zwar etwas länger, was aber keineswegs störte, denn allein schon dieses einfach mal in Tschechisch drauflos labern, was wahrscheinlich ohnehin keiner verstand, war schon mal richtig lässig. TÖRR sind ja schon seit enorm vielen Jahren unterwegs, um genauer zu sein schon seit den 70ern! Für so ein langes Durchhaltevermögen gebührt ihnen schon einmal eine Menge Respekt. Man spürte schon während des Soundchecks, dass die vier Mannen richtig Bock hatten, live zu spielen. Ohne sich großartig vorzustellen, hämmerte man gleich mal so richtig derbe drauflos, und es erinnerte nicht nur aufgrund der tschechischen Liedtexte an ihre Landeskollegen Master’s Hammer. Das war genau der Sound, der beim RDD richtig gut ankam, denn die Bude war mittlerweile proppenvoll, und da tschechischer Black Metal seit jeher einen ganz eigenen Sound hat, glänzten die Prager mit einem guten Querschnitt ihres bisherigen Schaffens, und ich war mehr als begeistert.

K: Auf TÖRR hatte auch ich mich gefreut, aber dass die Typen dermaßen die Bude rocken würden, hätte ich nicht erwartet. Das Quartett fegte mit einer unglaublichen Spielfreude über die Bühne, und die Songs gingen mit ihrer Mischung aus Ruppigkeit und Eingängigkeit sofort ins Ohr und ins Blut, so dass auch im Publikum ordentlich was abging. Ja, Black Metal darf auch mal Spaß machen, vor allem, wenn er mit so viel Herzblut dargeboten wird. Die Mucke hatte zudem eine ordentliche Heavy Metal Schlagseite und punktete mit guter, abwechslungsreicher und mitreißender Gitarrenarbeit. Ein richtig geiler Auftritt!

R:Piledriver_ Als nächstes stand der Headlinder (THE EXALTED) PILEDRIVER an. Die Kanadier gibt es nun auch schon ewig lange (egal ob nun mit oder ohne Zusatz im Bandnamen), und obwohl ich mich nun mit der Band wirklich musikalisch nicht auskenne bzw. was anfangen kann, war es doch irgendwie eine gewisse Art von perverser Neugier auf das, was uns nun bevor stand, mal hineinzusehen. Nachdem ich mich erst mal mit Essen und ein paar Getränken gestärkt hatte, war ich jetzt mehr oder weniger bereit, mir diesen fettleibigen kanadischen Thrash der alten Garde zu geben. Da ich aber nicht vollkommen pervers bin, habe ich mir das aus reichlich Entfernung angeschaut, und das einzige, was mir in Erinnerung geblieben ist, ist, dass sich Mr. Gordon in ein extrem enges SM-Korsett hinein gezwängt hatte und mit reichlich Spikes behaftet war, so dass ein Großteil der Black Metal Horden vor Neid erblasst wäre. PILEDRIVER kamen auf jeden Fall beim Publikum gut an, die Hütte war brechend voll, und man feierte Schwabbelmaster Gordon regelrecht ab. Der einzige Song, den ich von den Kanadiern kannte, war „Witch Hunt“, der mir sogar ausnahmsweise ganz gut gefiel. Wer denkt, dass das weibliche Publikum generell auf muskulöse Körper abfährt, der irrt, denn da habe ich etwas anderes wahrgenommen, denn einige Frauen gingen hier richtig steil, und Gordon badete sich so richtig in der Bewunderung seines aufgepimpten Marshmallow-Körpers. So nach dem Motto: Hey, ich bin zwar verdammt fett, aber scheiß drauf.

K: Der Typ wirkte aber auch wie ein Autounfall: Eklig, aber irgendwie MUSS man einfach hinschauen. Ich kam echt aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus, in welcher lächerlichen und peinlichen Aufmachung sich dieser Speckwürfel auf die Bühne traute. Na ja, so kann man wohl auch zum Kult avancieren. Wobei man fairerweise sagen muss: Im Gegensatz zu den Kaspern von Mentors, die 2015 in punkto ungerechtfertigter Kult den Vogel absolut abgeschossen hatten, haben THE EXALTED PILEDRIVER wenigstens musikalisch Hand und Fuß. Man mag über die extravagante Performance sagen, was man will, rein musikalisch kann man den Kanadiern nicht ans Bein pinkeln. Trotzdem war dieser Auftritt für mich nur mit viel Alkohol und noch mehr Lästern zu ertragen.

R: Fazit: Die Kanadier sorgten über eine Stunde lang für einen vollen WOTUFA-Saal, was schon mal für die Band spricht. Und da, wo ein gewisser Kultstatus in der Luft liegt, ist eine gewisse Sensationsgeilheit nicht weit, so dass sich viele noch mit Gordon fotografieren ließen. Nun war es für die letzte Band MORAST an der Zeit, die Bühne zu betreten und mit ihrem doomigen Death Metal loszulegen.

 

Morast_K: Nach PILEDRIVER konnte es für uns ja eigentlich fast nur besser werden, und so zog ich mal erwartungsvoll los Richtung Bühne. Der ganze Alkohol im Blut musste ja auch noch irgendwie abgebaut und durchgeschüttelt werden, und so wollte ich die Gelegenheit nutzen, um noch mal ein bisschen abzugehen.
R: Während sich die Gattin Richtung Bühne aufmachte, tingelt ich noch eine Weile in der Gegend und bei Chris und Tobi herum. Da mir persönlich der Sound von MORAST nicht morastig genug war, bog ich dann recht schnell Richtung Bar ab, um mir erst mal einen Cocktail zu genehmigen und mit Ussis Gin Tonic Gesöff anzustoßen.

K: Inzwischen war auch wieder genügend Bewegungsfreiraum vor der Bühne, denn der Saal hatte sich etwas geleert. MORAST hatte ich mir zwar ein bisschen anders vorgestellt, da ihr deathiger Doom irgendwie moderner rüberkam als erwartet, dennoch lief mir die Mucke zum Abschluss noch mal ziemlich gut rein. Es muss ja nicht immer old school sein … und die dreckig doomige Abreibung war zum Schluss auf jeden Fall noch mal ein cooler Arschtritt, um nicht vor der Bühne einzupennen. Danach waren bei uns aber ratzfatz die Lichter aus, und wir schauten, dass wir schnell zurück ins Hotel und in die Waagerechte kamen.

 

SONNTAG

K: Dank der Umstellung auf Sommerzeit hieß es am Sonntag, sich unangenehm früh aus den muffigen Federn zu quälen, um im Hotel noch das Frühstücksbüffet abzugreifen. So richtig wollte sich der Appetit auf feste Nahrung zwar noch nicht einstellen, aber schließlich wohnen wir schon lange genug im Schwabenland, um gelernt zu haben: Was bezahlt ist, wird auch gegessen… egal, was der Magen dazu sagt. Die Frühstücksatmosphäre war auf jeden Fall sehr entspannt, denn sämtliche Hotelgäste waren RDD-Besucher, so dass hier eigentlich nur mehr oder weniger verstrahlte Metaller saßen.

R: So wurden schon am frühesten Morgen bei Eiern und Osterbrot herrlich bescheuerte Witze gerissen und tonnenweise Blödsinn gelabert, so dass man wieder auf ein stumpfes Level kam. Während wir, Jeff, Ussi, Stef uns bekugelten vor Lachen, fand das „der feine Herr“ vom Hotel nicht wirklich lustig, und es kotzte ihn sichtlich an, diesem versoffenen Lumpenpack namens Metaller den Kaffee hinterherzutragen, hehe.

K: Nach dem Frühstück war noch reichlich Zeit bis zum Konzertbeginn um 14 Uhr, und diese Zeit konnten wir auch gut brauchen, um uns noch ein bisschen zu regenerieren. Nach einer Ruhepause auf dem Zimmer schlurften wir um die Mittagszeit durch Neustadt, um uns etwas zwischen die Kiemen zu hauen und für den zweiten Festivaltag gewappnet zu sein. Den liebgewonnenen Bratwurstgrill auf dem Festivalgelände gab’s dieses Jahr leider nicht, so dass wir in der Stadt auf die Suche nach einer Bratwurst-Ersatzdroge gingen. Die Restaurants, an denen wir vorbeikamen, waren entweder mit Familien beim Ostermahl oder mit Metallern überfüllt, so dass wir letzten Endes notgedrungen in der Imbissbude landeten und unseren Magen auch noch mit einem erbärmlichen Formfleischdöner malträtierten. Bäh, das hätte man sich sparen können… Nach dieser kulinarischen Beleidigung wurde es endlich wieder Zeit für eine geballte Ladung Metal.

 

Necromutilator_R: Als erstes standen auf der Tagesordnung die Italiener NECROMUTILATOR. Und die munterten mal gleich unseren Gemütszustand deutlich auf, denn dieser rasante, rohe Black Metal mit jeder Menge Death Metal Einflüsse trat einem mal so richtig in den Arsch. Und so gab es eine gute halbe Stunde richtig derbe eins auf den Wirsing gehämmert, dass es nur so knallte. Schande, dass bei dieser Band wirklich so enorm wenig los war. Hey, Mann, wo war das Publikum, das sich dem Underground verpflichtet fühlt? All diejenigen, die NECROMUTILATOR nicht sahen, verpassten wirklich eine richtig geile Band. Pech gehabt.

K: Die Halle war zwar noch ziemlich leer, aber wenigstens hatten sich direkt vor der Bühne ein paar vereinzelte Bekloppte gefunden, die die Italiener wie die Hölle abfeierten und abgingen wie die Gestörten. Ich denke, das war doch zumindest eine ganz gute Entschädigung für das spärliche Publikum. In der ersten Reihe (die eigentlich nur aus drei Typen bestand) gab es auf jeden Fall eine Menge Action, und es machte richtig Spaß, diesen Maniacs beim Fäuste Schwingen und Headbangen zuzuschauen. Der räudige Sound von NECROMUTILATOR sagte uns auch sehr zu und war genau das richtige, um mal richtig zu sich zu kommen.

R: Wenig Zuschauer bedeutet nicht gleich, dass man ein schlechtes Liveset geboten bekommt. Und so holten wir uns bei der Gelegenheit nach dem Auftritt von NECROMUTILATOR noch ihre LP. Während der Umbaupause zur nächsten Band quatschten wir ein wenig mit Chris und Tobi von Cudgel und erkundigten uns, was uns als nächstes musikalisch erwartet. Nachdem Chris schon so skurrile Andeutungen machte, waren wir gespannt, was nun kommen mag.

K: Ich hatte bei CHRWORSCH, die nun auf dem Plan standen, schon mal online reingehört und war ziemlich skeptisch. Klang die Chose doch irgendwie nach möchtegern-bestialischem, südamerikanisch angehauchtem Stumpfbeutel-Rumpel-Black-Metal: Hauptsache einen auf böse gemacht, musikalische Fähigkeiten zweitrangig. Live wurden die Befürchtungen dann sogar noch fast übertroffen, denn CHRWORSCH waren, na ja, ziemlich peinlich. Offensichtlich hatte man sich beim Bühnenoutfit mehr Mühe gegeben als bei der Musik. Von SM-Accessoires über Gasmaske, Pickelhaube bis hin zu einem überdimensionalen umgedrehten Kreuz war hier alles mit dabei, was das Herz eines Klischeeliebhabers begehrt. Dazu noch der quietschgrüne Bass, der wohl ein ironisches Augenzwinkern ins Spiel bringen sollte, aua. Ja, ist denn schon wieder Fasching?! Musikalisch war die Sache, wie zu erwarten, schlicht belanglos.

Chrworsch_R: Keine Frage, der Schlagzeuger trommelte wirklich extrem schnelle Highspeed-Salven runter, die richtig was her machten. Blöd nur, dass genau jener einfach in der falschen Band zockt. Dieser Murks aus Grunz, Schrammel, Blast und total dämlichem Gebumse ging mir ziemlich auf den Sack. Denn irgendwie war es von allem etwas nur nichts Gescheites. Nachdem wir uns zwei, drei Songs mehr oder weniger gelangweilt angeschaut haben, und ich in einer regelrechten Gäääähn-Wiederholungsschleife festhing, muss man einfach festhalten, dass CHRWORSCH mal so überhaupt nicht zum restlichen Billing des Raging Death passten. Das eigentlich Schlimme an der ganzen Sache war, dass sich reichlich viele Leute vor die Bühne gesellten. Ich denke/hoffe, das war rein dem bekloppten Bühnenoutfit geschuldet, denn musikalisch war es, mal abgesehen vom Schlagzeuger, einfach nur Jauche. Fand ich letztes Jahr Mentors schon sehr grenzwertig, waren es nun CHRWORSCH, die ich richtig, richtig beschissen fand. Während der „Glanzleistung“ dieser Gurkentruppe suchten wir das Weite, um diesen akustischen Mumpitz erst mal aus den Ohren zu bekommen.

K: Da es draußen an der frischen Luft irgendwie eklig windig geworden war und auch die Halle über Nacht wohl etwas zu gut gelüftet wurde, nutzte ich die Kaspertheater-CHRWORSCH-Zeit, um nochmal ins Hotel zu gehen und etwas Wärmeres anzuziehen. Bei Rayk hatte sich in der Zwischenzeit eine so miese Laune und Null-Bock-Attitüde eingestellt, dass ich ihm zurück auf dem Festival erst mal etwas Cuba Libre einflößen musste, um die Stimmung wenigstens etwas zu heben. Musikalisch wurde es ja immerhin wieder besser, aber das war nach den Berliner Spackos auch keine große Kunst. Auf dem Programm standen BULLDOZING BASTARD, die mit ihrem Speed Metal mal wieder eine ordentliche Menge Leute zogen.
R: Nachdem der Cuba Libre und die weiblichen Waffen der Gattin hervorragend anschlugen, gesellte ich mich nun zu den NRW-Bastarden, denn ihr Album „Bulldozing The Vatican“ fand ich ziemlich stark, so dass ich mich von diesem Panzerschwadron gerne musikalisch überrollen lassen wollte. BULLDOZING BASTARD zockten rotzigen, heftigen Underground Speed/Thrash, der mir auch live sehr gut gefiel. Und auch die neuen Songs fand ich ziemlich Killer, so dass es auf jeden Fall eine Bereicherung für meinen Gemütszustand war.

Bulldozing Bastard_K: Musikalisch finde ich BULLDOZING BASTARD jetzt zwar nicht sonderlich originell, aber Spaß macht der ruppige Sound auf jeden Fall. Live bringen die Typen zudem eine ganze Menge Spielfreude mit, und auch im Publikum ging ganz ordentlich die Post ab, so dass man sich gerne mitreißen ließ.

R: Kurz bevor das Set zu Ende war, kam dann noch Niklas, der damals beim „Bulldozing The Vatican“ Album mit von der Partie war, auf die Bühne und sorgte für einen verdammt guten und aggressiven, pitbullmäßigen Gastauftritt, der mir richtig gut gefiel, vor allem von der Gesangslage her. Coole Band, die nicht nur auf Platte zu beeindrucken weiß. Wer auf schnellen Thrash steht, muss BULLDOZING BASTARD unbedingt anchecken.

K: Beim letzten Song „Go Fuck Yourself“ stürmte noch mal eine ganze Horde Leute die Bühne, so dass es da oben ziemlich chaotisch zuging und die Band teilweise fast Mühe hatte, den Song noch ordentlich umzusetzen, da überall jemand im Weg stand. Auf jeden Fall ein würdiger und energiegeladener Abschluss für diesen Gig.

R: Danach wurde es Zeit, um mal runter zur Bar zu torkeln um den Tank neu zu befüllen. Die nächste Band stand für uns beide schon im Vorfeld auf den Programm, denn KHTHONIIK CERVIIKS sind für uns beide keine Unbekannten, denn ihr Demo „Heptaedrone“ (kam übrigens auch auf Platte raus) hat uns beide dermaßen beeindruckt, dass wir beide mehr als gespannt waren, wie die drei Dortmunder ihre ganz eigene Art von chaotischem, teils recht technisch anspruchsvollem Death/Black live darbieten. Obwohl die Herren eine wirklich gute Performance an den Tag/auf die Bühne legten, wollte der Funke nicht so recht überspringen. Wenn KHTHONIIK CERVIIKS ihr Tempo mal bremsten, konnte man einige ihrer versteckten und interessanten Details entdecken. Ich denke, das ist halt eher Mucke für die Anlage als für die Bühne, eben weil das Material nicht besonders zugänglich ist.

K: Dementsprechend sah es auch im Publikum aus: Es hatten sich zwar schon einige Leute eingefunden, um sich den Auftritt anzuschauen, aber die meisten hielten ein paar Schritte respektvollen Abstand zur Bühne. Und an Abgehen war bei dieser verschrobenen Mucke ohnehin nicht zu denken. So richtig wollte die chaotisch-düstere Stimmung der Songs live auch nicht rüberkommen. Zumindest ich fand KHTHONIIK CERVIIKS hier nicht so faszinierend wie auf Platte. Zudem konzentrierte sich die Band voll aufs Spielen und stand ansonsten eher apathisch in der Gegend rum. Gitarrist Khraal sah irgendwie auch ziemlich verstrahlt und zerstört aus, was durch das seltsame Make-up nicht gerade besser wurde.

 

Als nächstes standen dann SCHAFOTT auf dem Plan, die uns Jeff besonders empfohlen hatte. Mir sagte die Band bis dato nichts – kein Wunder, haben die Dresdner doch bis dato gerade mal ein Demo aus dem Jahr 2014 am Start. Der old schoolige Thrash Metal, der hier dargeboten wurde, war auf jeden Fall mal verdammt schnell und aggressiv. Klang gar nicht schlecht, aber so richtig sprang der Funke bei mir nicht über. Obwohl die Songs eher geradlinig waren, wollten sie nicht ins Ohr gehen. Die Energie, mit der die vier über die Bühne fegten, hinterließ dennoch einen positiven Eindruck.
R: Jetzt kam für uns das eigentliche persönliche Highlight des Tages. Denn ANTLERS aus Leipzig waren die nächsten. Vorweg sei gesagt, wer ANTLERS noch nicht kennt, die Leipziger spielen rauen Black Metal und zwar in Höchstgeschwindigkeit mit einer sehr dunklen Aura, die ihresgleichen sucht.

AntlersK: Nachdem die Bühnendekoration bisher für RDD-Verhältnisse sehr spartanisch ausgefallen war, gab es nun auch mal wieder was fürs Auge: Am Bühnenrand wurden Geweihe, Schädelknochen und Kerzen verteilt, um schon mal die passende Stimmung zu verbreiten. Der Soundcheck zog sich noch eine Weile hin, und ich hatte schon die Befürchtung, dass sich das halbe Publikum nach draußen oder in den verräucherten Cocktailkeller verziehen würde, aber zum Glück harrten doch noch genügend Leute vor der Bühne aus. Und das Warten sollte sich lohnen! Der zugleich atmosphärische und brachiale Black Metal von ANTLERS kam auch live richtig geil rüber. Man merkte, dass hier ein eingespieltes Team auf der Bühne steht, denn das Zusammenspiel funktionierte perfekt – egal, ob in den donnernden Hochgeschwindigkeitspassagen oder in den eher gebremsten Momenten. Dazu zwei rabiate Frontbrüller, die sich mit ihren Gesangsbeiträgen duellierten – was will man mehr? Vor allem aber begeisterten ANTLERS mit richtig guten Songs, die auch live ins Ohr gehen. Während bei vielen Black Metal Bands irgendwie alles gleich klingt, haben hier auch die einzelnen Lieder Wiedererkennungswert, was live natürlich gleich noch mal mehr Laune machte.

 

 

Antlers 2 (Konflikt durch Groß- und Kleinschreibung)R: ANTLERS waren wirklich eine Macht und fuhren einen Sound auf, der einen regelrecht umblies, und das ist beileibe keine Übertreibung. ANTLERS kommen ja wie gesagt aus Leipzig, und da Leipzig eine sehr florierende Metalszene hat, bleibt es natürlich nicht aus, dass es einige personelle Überschneidungen gab, und so treffen sich bei ANTLERS auch Leute von Vidargängr und II, welches Bands sind, die für ein hohes Maß an Qualität, aber auch Radikalität stehen, und genauso ist es auch bei ANTLERS. ANTLERS haben wir über Promowege kennen gelernt und alleine schon die wirklich sehr interessante Covergestaltung der CD war schon mal ein Hingucker. Und genauso war es dann auch mit der Musik. Spätestens als ich dann Fellvergerber M. durch den Saal rauschen sah, wusste ich, dass dieser Kerl nur bei ANTLERS dabei sein kann. ANTLERS konnten mich, und nicht nur mich vom ersten Song bis zum allerletzten Titel absolut begeistern und für wahre Begeisterung sorgen. Los ging es mit „Hundreds“, der sich perfekt als Opener eignet, denn gerade der Spannung aufbauende, langsame Anfang zwischen Schlagzeug und Gitarre ist einfach göttlich. Hinzu kommt noch diese beschwörende Gesangslage von Ntx, die nicht hätte besser passen können. Allein diesen Song mal live dargeboten zu bekommen, war für mich persönlich schon ein Highlight für sich. Alles war perfekt aufeinander eingestimmt. Gerade was Hauptsänger Ntx hier gesanglich bot, war wirklich richtig geiler, abgehender kalter Black Metal, das alles im tiefen Underground verwurzelt. Ich bin immer noch schwer beeindruckt von ihrer Livedarbietung. Und wenn man sich mal ein wenig umgeschaut hat im Publikum, sah man immer wieder Leute, die vor lauter Begeisterung immer wieder fachsimpelten, wie man so ein rasendes Set so eindrucksvoll live darbieten kann. Hut ab und großen Respekt an euch Jungs!

K: Nach diesem furiosen Auftritt hieß es erst mal Atem holen und Bier nachfüllen. Wir stiefelten noch ein bisschen durch die Halle, quatschten und warteten gespannt auf die nächste Band. Im Anschluss standen nämlich noch die Schweden KILL auf dem Programm, deren räudiges „Inverted Funeral“ Album bei uns zuhause immer mal wieder in der Anlage landet. Wir waren also gespannt auf die Live-Umsetzung. Als die Schweden die Bühne enterten, war klar, dass es hier kein Erbarmen geben würde. Einen Schönheitspreis für ausgetüfteltes Songwriting werden KILL zwar nicht gewinnen, aber der asoziale, saudreckige Black/Death Metal Sound haut auf jeden Fall effektiv und schnörkellos in die Fresse. Nachdem ich mir das Spektakel erst von etwas weiter hinten angeschaut hatte, wanderte ich ziemlich bald nach vorn Richtung Bühne, wo ich in der ersten Reihe von Jeff mit der Frage begrüßt wurde: „Katja, bist du primitiv genug für diese Musik?“ – Na, scheinbar schon! Es machte auf jeden Fall richtig Laune, sich vom stumpfen Geholze eine ordentliche Abreibung verpassen zu lassen, und so nutzte ich die letzte Gelegenheit des Abends, noch mal die Sau rauszulassen.

R: Mit den Schweden KILL blieb das Level weiterhin hoch, auch wenn man dazusagen muss, dass KILL einen weitaus stumpferen Sound auffuhren. Sie kreieren eine interessante Mixtur aus Stumpfheit und prügelnden Chaos, aber immer mit einem gewissen roten Faden in den Songs, so das sich gut danach abgehen lässt. Die knappe Stunde, in der die Schweden ihren Dödsmetal in die Menge rotzten, ging ruckzuck herum, und wer der Meinung war, dass sich Schwedens Old School Death Metal ohnehin immer gleich anhört, der wurde eines dreckigeren belehrt. Ein besonderer Dank geht allerdings an den bärtigen Schweden, der die Merchandise-Sachen für KILL verkaufte, der mir, nur aufgrund dessen, weil ich ein altes Pungent Stench Shirt trug, den Preis für die „Burning Blood“ LP einfach mal freundlicherweise halbierte. Coole Sache. Dafür gab’s dann auch einen Drink spendiert.
Jetzt war die Zeit für den Headliner, nämlich IRON ANGEL. Obwohl es schon bei den Schweden recht gut besucht vor der Bühne aussah, konnten die Hamburger noch mal um einige Leute mehr aufstocken. Man merkt immer wieder, dass das RDD Festival vor allem ein Heavy/Speed/Thrash Publikum hat. Und so wurden auch diese Hamburger ordentlich abgefeiert. Ich muss zugeben, dass ich nach ca. drei, vier Songs genug hatte. War halt einfach so gar nicht meine Baustelle.

K: Hm, ich muss sagen, für mich war der Abend nach KILL rein bandtechnisch sowieso gelaufen, so richtig interessierte mich das Geschehen auf der Bühne nicht mehr. Trotzdem wollten wir uns nicht direkt nach dem KILL -Auftritt ausklinken, so dass wir noch einen Absacker tranken, ein bisschen quatschten und eine lange Abschiedsrunde durch den Saal drehten. Endlich lief mir dann auch doch noch Ntx über den Weg, mit dem ich noch eine Runde quatschen wollte. Allerdings war es dann doch etwas zu anstrengend, gegen die IRON ANGEL Beschallung anzuschreien, so dass es ein eher kurzes Gespräch wurde. Kurz und gut, IRON ANGEL lieferten für uns eine ganz gediegene Hintergrundmucke, um mal ein bisschen runterzukommen und den Abend ausklingen zu lassen. Als letzte Band standen dann an diesem Abend zwar noch SPITTIN BONES an, aber die interessierten uns mit ihrem Punk-Coverset auch nicht so brennend. So beschlossen wir irgendwann, während IRON ANGEL auf der Bühne standen, die Fliege zu machen, schließlich stand uns am nächsten Tag noch eine lange Heimfahrt bevor.

 

Fazit:

R: Auch 2016 war es wieder die richtige Entscheidung, sich fürs Raging Death Fest zu entscheiden. Was sicherlich jedem aufgefallen sein dürfte, der nicht zum ersten Mal auf dem RDD war, ist, dass es rein besuchermäßig dieses Mal etwas magerer ausfiel, was wirklich schade war. Lag es nun daran, dass zeitgleich übers lange Wochenende einige andere bekannte Bands in der Umgebung spielten?

K: Ein paar Leute nölten auch über die fehlenden „Zugpferde“ auf dem Festival. Aber da kann ich nur sagen, bei so coolen kleineren Bands scheiße ich doch auf große Headliner. Wer einmal auf dem RDD war, weiß, dass er hier nicht enttäuscht wird. Ich finde es gerade spannend, dass die Veranstalter nicht auf Nummer sicher gehen und Bands buchen, die sowieso überall abgefeiert werden. Während einem auf vielen Festivals nur Altbewährtes vorgesetzt wird, kann man hier noch spannende Entdeckungen machen. Und das ist doch das Interessante am Underground!

R: Dafür trifft man auf dem Raging Death genau jenes Publikum an, das auch hinter der Musik steht, und nicht diese Affen, die nur Metal hören, weil es ja so cool ist. Ich hoffe, dass es auch nächstes Jahr in eine neue Runde geht und wieder mehr Leute den Weg nach Neustadt finden, anstatt mit Familie und Co. Ostern zu feiern.

 

Katja & Rayk