Obscura – Akróasis


Obscura - AkroasisOBSCURA muss man neidlos anerkennen: Sie haben sich konstant weiterentwickelt und zur Speerspitze des deutschen, wenn nicht sogar internationalen Death Metals hochgearbeitet. Sicherlich in einer speziellen Niesche zwischen technischen, progressivem und melodischen Death Metal, aber auch über diese Genregrenzen hinaus findet die Band Beachtung. Und dank konsequenter Evolution im Sound, kann „Akroasis“ mittlerweile über die gängigen Death– und Cynic-Vergleiche lächeln.

Klar, ohne diese beiden Vorreiter des Sounds, würde OBSCURA definitiv anders klingen. Und an manchen Stellen gibt es immer noch leichte Reminiszenzen an die Urväter des technischen und progressiven Death Metals. Ebenso gibt es noch kleine Kopfnicker in Richtung Morbid Angel. Doch insgesamt sind es weniger Zitate oder plakative Momente.  Dafür sind OBSCURA schon zu sehr in ihren eigenen Stil gewachsen. Es bleiben lediglich die Wurzeln, die spätestens auf diesem Album ganz eigene Früchte tragen.

In dieser Mischung aus bandeigenen Trademarks, gut verarbeiteten Bezügen zur musikalischen  Geschichte und einiger neuen Ideen, ist „Akroasis“ definitiv das beste Album von OBSCURA bisher. Der Schritt von „Cosmogenesis“ zu „Omnivium“ war zwar schon groß, hat in der Retrospektive aber noch etwas Spielraum gehabt. Der eigene Stil zwischen anspruchsvollem Death Metal in Hochgeschwindigkeit, Melodie, verspielten Prog-Elementen und dieser spacigen Transzendenz findet seine Perfektion erst heute. Ohne Frage, der Vorgänger war ein sehr gutes Album und hat mächtige Hits. Doch ist „Akroasis“ abermals eine mächtige Steigerung. Es finden sich einfach keine langatmigen Momente mehr auf der Scheibe, keine andeutungsweise schlechteren Songs, sondern fast jede Sekunde der gut 54 Minuten nimmt den Hörer einfach in seinem Bann.

Egal ob nun etwas „ruppiger“ und dunkler, wie in „The Monist„, das noch den offensichtlichsten Bezug zu Morbid Angel hat, oder extrem episch wie im abschließenden „Weltseele„. Ob nun mit überraschenden neuen Ideen wie „Ode To The Sun“ oder mit den fast prototypischen Hits wie „Sermon Of The Seven Suns„, unterschiedliche Ausprägungen machen den Albenverlauf genau so spannend, wie die einzelnen Lieder in sich immer wieder interessante Wendungen nehmen.

Trotz einiger typischer Songaufbauten ist das Songwriting immer noch spannend genug. Gerade beim Opener „Sermon Of The Seven Suns„, wenn man fast schon einen typischen OBSCURA Song vermutet, sind es gerade kleine Details wie die geschickten Harmonie-Teppiche oder Wiederverwendungen der musikalischen Themen, die den Feinschliff am bandeigenen Stil ausmachen. Die erweiterte Verwendung von Vocoder-Gesang, teilweise als zusätzliche Ebene zum „normalen“ Gesang bietet eine ähnlich konsequente Fortsetzung zu den bekannten Stilmitteln. Natürlich spielt auch wieder der Bass eine sehr wichtige Rolle im Melodie-Bild, was abermals ganz großes Kino ist! Linus ist ein würdiger Nachfolger für Jeroen Paul Thesseling.

So richtig spannend wird es aber erst bei „Ode To The Sun„, wenn ein Frauenchor in der Mitte des Songs eine extrem besondere Note verleiht. Oder der fast schon theatralische Aufbau von „Weltseele„, das mit Streichern und Wahnsinn eine unglaubliche Epik erbaut. Doch trotz vieler Ideen und wahnwitziger Wendungen, ist der Track immer griffig und hat seine Wiedererkennungsmerkmale. Ein Kunststück, das nicht viele Bands schaffen. Gerade im technischen Bereich verliert sich viel Saitengewichse zu oft zu schnell in belanglose Selbstdarstellung. Auf „Akroasis“ sind die Lieder zwar immer extrem verspielt, anspruchsvoll und abwechslungsreich, aber immer mit dem nötigen Maß an Eingängigkeit. Chapeau!

Gerade die hohe technische Finesse bringt OBSCURA nun genau so nahe an jüngere Spawn Of Possession, wie die vielen progressiven Momente und die leicht entrückte stellare Atmosphäre ihre Parallelen zu Fallujah nahelegen. Gleichzeitig bleibt der Sound aber auch den Wurzeln in Death und Cynic treu. Und erschafft so eine eigene Identität, die auf „Akroasis“ so stark ist wie nie.  Einfach ein geniales Meisterwerk.

Wer sich dem Kommerzwahnsinn hingeben will: „CD and LP versions each come with (separate) exclusive bonus tracks!!“. „Melos“ von der „Deluxe Vinyl Edition“ kann man auf Bandcamp anhören. Ob man das nun braucht, sei jedem selber überlassen…

Infos:
Relapse Records – 05.02.2016
CD/LP – 8 Lieder / 54:05 Min.

https://obscura.bandcamp.com/
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