Myrkur – M


Myrkur - MUnter uns: Anfangs habe ich den Hype um MYRKUR irgendwie nicht verstanden. Die selbstbetitelte EP wurde mir nahegelegt und ich fand es irgendwie zu dilettantisch. Klar, Hommage an die alte Black Metal Schule, und so weiter. Aber mich persönlich hat es nicht überzeugt. So bin ich auch eher verhalten an das Debüt-Album „M“ rangegeangen. Und obwohl die Grundideen gleich geblieben sind, und das Album im Gesamtbild nicht unbedingt dem typischen Banner „Black Metal“ gerecht wird, finde ich es überraschend gut.

Ich kann verstehen, dass sich viele Hardliner damit schwer tun, „M“ als „Black Metal“-Album zu sehen. Von 11 Liedern wird gerade mal in fünf Tracks so richtig schön geballert. Ähnliche Bilanz kann man ziehen, wenn man nach fiesen Schreien fragt. Und prinzipiell könnte „Dybt I Skoven“ auch als Post-Punk mit Doublebass durchgehen. Doch kann man den Black Metal auf diese plakativen Stilmittel reduzieren? Eine durchaus strittige Frage. Dass MYRKUR eigentlich ein Solo-Projekt einer Frau ist, könnte in der maskulin dominierten Miesepeter-Szene dabei durchaus für weiteres Gemöpper sorgen.

Doch wo soll man MYRKUR und ihr „M“ stattdessen einordnen? Die Attitüde wird durchaus dem nordischen Wald-Und-Wiesen Black Metal gerecht. Vielleicht mit starken Anleihen aus dem Folk, was aber durchaus keine Seltenheit in der frühen skandinavischen Szene war.

In sich ist „M“ sehr kollagenhaft. Rein vokale und ruhige, gar balladeske Songs, Klaviergeklimper und Elfengesang dominieren in fragmentarischer Häufung die gute halbe Stunde. Eher pointiert kommt der Black Metal durch. Mal mehr mit wirklich fiesem Geschrei, furiosem Geballer und garstig kalten Sägegitarren. Mal eher frostig erhaben oder einfach nur klirrend kalt. In der homogenen Mischung resultieren daraus abartig gute Hits. „Haeven„, „Onde Børn„, „Mordet“ oder „Skadi“ lassen einem im ersten Moment Mark und Bein erfrieren, um den Hörer erst wenige Sekunden später mit lieblich-verträumten Gesang zu bezirzen.

Deswegen verstehe ich „M“ nicht unbedingt als typisches Black Metal Album. Auch wenn sich einige Bezüge zu dieser Stilistik auf der Scheibe finden. Vielmehr ist es eine akustische Reise, zwischen Kälte und Schönheit, die in der Einheit stimmig und verträumt wirkt und überzeugt. Einzelne Songs funktionieren sicherlich auch ohne diesen Kontext. Gerade „Haeven“ ist ein echter Brecher. Doch die Stärke liegt auf dem Gesamtbild,das eben nicht nur plump daher rast, sondern auch schon mal Rast an den schönen Lichtungen des tonalen Waldes macht, verträumt über die kalte Landschaft schaut und für einen Moment alle Garstigkeit vergessen lässt.

Infos:
Relapse Records – 2015
CD/LP – 11 Lieder / 36:58 Min.

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