Opprobium (Incubus) – Serpent Temptation

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Opprobrium - Serpent TemptationEndlich! Endlich hat sich mal ein Label der originalen 1988er Version des INCUBUS (Louisiana) Klassikers „Serpent Temptation“ angenommen. Dies zwar unter dem aus rechtlichen Gründen heutigen (doofen) Namen der Band, OPPROBRIUM, dafür sonst mit dem Originalartwork. Die von Nuclear Blast sowie Metal Mind Productions in den 90ern und 2000ern veröffentlichten Versionen enthielten jeweils die 1996er Redux-Version mit anderen Vocals (und selbstzensierten Lyrics) und neu eingespieltem Bass. Dafür mit schönerem Artwork. Nun ist es mühselig, sich darüber zu zoffen, welche Version die bessere ist. Ähnlich wie bei Insanitys stilistisch ähnlichem Debüt „Death After Death„, das eine ebenso ähnlich Geschichte hat, mag ich beide Versionen.

Im Gegensatz zur Redux-Version erschallt „Serpent Temptation“ im Original wesentlich thrashiger und rotziger, weniger todesbleilastig, dafür auch umso roher. Die rauen Vocals stechen hier besonders hervor, dürften sie anno 1988 wohl zum Extremsten in der Szene gehört haben. Ansonsten regiert, weniger basslastig zwar, wieselflinker, ungeschönt direkter Todesthrash der ultra derben Sorte, voller südamerikanischem Charme und Intensität, immer mit einem Bein im modrigen Grab des frühen Death Metals. Bemerkenswert ist, bei beiden Versionen, aber vor allem gemäß der Erscheinungszeit beim Original, die überaus rigorose Vorgehensweise der Herren. Hier wird stellenweise die Axt derartig rabiat geschwungen, dass man durchaus den Härtegrad von Knüppelbarden wie Repulsion erreicht, ganz zu schweigen davon, dass man die meisten zeitgenössischen Todes- und Thrash-Kapellen – auch Morbid Saint – schlicht hinter sich lässt. Die spätere stilistische Nähe zu Sepultura lässt sich hier nur erahnen. Trotz aller akustischen Gewalt verfallen INCUBUS nie dem Chaos. Die Songs sind wohl strukturiert, bieten neben furiosen Geschwindigkeitsattacken auch bang-kompatibles Material – allerdings muss man zugeben: hier ist nach einer Runde der Nacken im Eimer. Ebenso ist die Exekution überaus kompetent und gekonnt. Mit „Serpent Temptation“ haben INCUBUS es wahrlich vollbracht, die Grenzen des extremen Thrashs auszuweiten. In diesen Breitengraden finden sich wenige Bands, allenfalls frühe Merciless, frühe Sepultura, Hellwitch, Morbid Saint, eben Insanity oder frühe Agressor (F), die hier mithalten können.

So ist es toll, dass Relapse Records nun auch jüngeren oder weniger gut betuchten Fans wieder Zugang zu diesem Klassiker ermöglichen. Schön wäre es gewesen, wenn man dem Vinyl noch die Demotracks auf die eine oder andere Art physisch beigelegt hätte. Auch wäre ein Einleger oder ein Gatefold-Cover mit dem Originalschriftzug ein netter Bonus gewesen, sofern rechtliche Probleme dies nicht verhindert hätte. Dennoch muss man es Relapse einfach zugutehalten, nach den Debüts von Num Skull und Morbid Saint (von denen eine Komplett-Discography in Kürze via Century Media erscheinen wird!) hier wieder einmal einen wahren und raren Klassiker neu aufgelegt zu haben! Danke dafür!

https://soundcloud.com/relapserecords/04-opprobrium-incubus

Infos:
Relapse – Re-Release 2016
CD / LP

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http://www.relapse.com/