Midnight Callings – Pilgrims of the Black Hole

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Midnight Callings - Pilgrims of the Black HoleWer auf schroffen, harschen und kompromisslosen Underground steht, spezieller gesagt auf Black Metal, der wird mit dem zweiten Album von MIDNIGHT CALLINGS sicher auf seine Kosten kommen. Da man in Sachen Kontakt nichts über die Band erfährt bzw. weder weiß, wo sie herkommen, noch wer hier die Finger im Spiel hat, muss man die Musik für sich sprechen lassen (vielleicht steckt ja einer vom Label selbst dahinter, nix genaues weiß man eben nicht).

Obwohl ich relativ selten mit Black Metal in Berührung komme, muss ich gestehen, dass ich an MIDNIGHT CALLINGS auf Grund der bedrohlichen Stimmung, die sich hier permanent entfaltet, durchaus Gefallen finde. Auf „Pilgrims of the Black Hole“ gibt es vier überlange Songs, die alle die 9-Minuten-Grenze locker überschreiten, und dennoch schafft man es, den Hörer eine dreiviertel Stunde lang sehr kurzweilig zu unterhalten.

MIDNIGHT CALLINGS beschränken sich aufs Wesentliche, nämlich die Musik und die damit verbundene dunkle Aura, die wie eine Art Trance auf den Hörer wirkt, was schon mal für sich spricht. Allerdings sollte man aber schon ein gewisses Faible für rohen, polternden Underground-Sound mitbringen, denn genau das atmet „Pilgrims of the Black Hole“ zu Hauf, die Chose ist sehr roh, ungestüm eingezimmert worden. Ein Tipp meinerseits, man sollte vorher wenn möglich eine ähnliche Underground-Mucke gehört haben, denn sonst könnte es dem Gesamteindruck etwas im Wege stehen.

Trotz der primitiven Hau-drauf-Herangehensweise unterscheiden sich MIDNIGHT CALLINGS dennoch gehörig von diesen ganzen lausigen Hinterhof-Rumpel-Krächz-Black-Metal-Bands, was sich sonst so herum treibt, denn gerade die coolen und wirklich interessanten Riffs machen einiges wieder wett. Underground hin oder her: was mich ehrlich gesagt etwas stört, ist das etwas zu eindimensionale Schlagzeug und der etwas zu dumpfe Sound, wobei gerade zweites eher Ansichtssache ist.

Wer die Schnauze voll hat von all diesem überproduzierten Black Metal Rotz und diese getriggerte Scheiße satt hat, der ist hier genau richtig, denn genau das gibt es bei MIDNIGHT CALLINGS nicht! „Pilgrims…“ ist wahrlich eine dunkle Reise durch den obskuren Black Metal. Während mir bei den meisten Black Metal Bands der Gesang auf die Eier geht oder mich schlichtweg kalt lässt, hat man hier einen wahrhaft grimmig fauchenden Sänger in seinen Reihen, der dem Ganzen das gewisse, düstere Etwas verleiht.
Auch wenn ich so einige Anläufe brauchte, bis ich mich in dieses dunkle, morbide Werk einhörte, so bin ich doch im Nachhinein überrascht, was man mit Minimalismus alles kreieren kann. Am besten entfaltet sich diese Mucke über Kopfhörer, denn gerade da entdeckt man interessante Details und wird in einen wahren Rausch versetzt.

Sehr abgefahrenes Teil, was eine nahezu beängstigende Atmosphäre auffährt, die ihresgleichen sucht. Definitiv nichts für Schöngeister und Trendaffen. Hier ist der Black Metal noch roh, zerstörerisch, kalt und absolut massenuntauglich. Ich denke, wenn die Band in Zukunft beim Schlagzeug noch etwas mehr Zeit investiert und trainiert, dann wird das dritte Album sicher ein richtiger Rundumschlag. Ein Geheimtipp in Sachen garstigem Black Metal ist es aber allemal.

Infos:
Into Dungeons Rec. / 4.1.2016
CD – 4 Songs/ 44:33

http://www.into-dungeons.de/

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