Agoraphobic Nosebleed – Arc

 , , , ,

Agoraphobic Nosebleed - ArcNun ist es ja nach Down und Kiss und den Melvins nichts mehr Besonderes, eine Reihe von EPs und/oder Alben zu releasen, die gänzlich dem Schaffen oder den Präferenzen je eines Bandmitglieds entspringen. Meist bewegen sich diese Releases dann schon im engeren Dunstkreis des Stils der Band. Umso überraschender ist nun „Arc„, die neue MLP der US-Powerviolence/Grindcore-Kulttruppe AGORAPHOBIC NOSEBLEED.

Ok, die harschen, noisigen, digital angetriebenen Prügelattacken wurden schon zum letzten Longplayer zugunsten eines wesentlich abwechslungsreicheren Sounds irgendwo zwischen Crossover-Thrash und Powerviolence ad acta gelegt, doch wer hätte von ANb eine reinrassige Sludgecore/Doom-Scheibe erwartet? Nun, wenn man weiß, dass Sängerin Kat Katz einst bei den leider verblichenen, großartigen Sludge/Doomern SALOME schrie, ist dieser Stileinschlag auf dieser EP nicht weiter verwunderlich. Ebenso nicht, wenn man Scott Hulls bei Pig Destroyer ausgelebte Vorliebe für extrem noisigen, droneigen Slugde („Natasha“ und „Mass & Volume„) bedenkt. Ist ANb nun dieses Experiment gelungen?

Ja! Die drei Songs bieten herrlich angemessen fett produzierten Boogie-Sludge der upgefuckten Marke Eyehategod und Iron Monkey. Soll heißen, treibender, bluesiger Groove und Black-Sabbath-Tribute-Riffs treffen auf abgebremsten Hardcore und fies verzerrten Doom Metal. Das ist dreckig, das ist gemein und hässlich, aber auch rotz-rockend und mitreißend und vor allem catchy und heavy as fuck. Über allem thronen Kats gemarterte, leidend-aggressive Vocals, die dem Songmaterial die nötige Dunkelheit und Schärfe verleihen. Bedenkt man den Hintergrund der vollständig von Kat verfassten Lyrics, vermag es ob der Dissonanz zwischen der zeitweise fast schon beschwingten Musik und Kats Verzweiflungsschreien einem schon mal die Innereien zusammenzuziehen. Diese Mischung ist wahrlich hinterfotzig fies.

Somit kann man „Arc“ absolut als Erfolg werten. Und man darf gespannt sein, aus welcher musikalischen Ecke ANb als nächstes feuern werden. Und ob dies dann ebenso gut gelingen wird. Für den Moment aber sei „Arc“ zu allererst einmal allen ANb– und i.A. Fans des Schaffens von Scott Hull ans Herz gelegt. Ich bezweifle, dass hier irgendjemand allzu enttäuscht sein wird – Wandelbarkeit auf noch so extremen musikalischen Leveln dürfte man ja gewohnt sein. Aber auch Sludge- und sogar Anhänger extremer Doom-Metal-Sounds dürften an dieser EP ihre helle Freude haben, bietet sie doch alles, was die Genre-Urväter so unwiderstehlich werden lies…


Infos:
Relapse – 2016
MCD – 3 Lieder

https://www.facebook.com/AgoraphobicNosebleed/
https://agoraphobicnosebleed.bandcamp.com/album/arc

https://www.facebook.com/RelapseRecords/
http://www.relapse.com/