Galvanizer – Horrid Tales Of Death


Galvanizer - Horrid Tales Of DeathNicht nur alte Recken versuchen seit einigen Jahren, Finnland nach dem Auswimpen von Xysma und Disgrace und Convulse, von Sentenced und Amorphis, wieder auf die gute, alte Death-Metal-Map zurückzubringen. Auch so manche junge Kapelle zeigt Stil und Mut und so durften wir Zeugen von so frischen und unverbrauchten Großtaten wie „Where Death And Decay Reign“ und „Abysmal Thresholds“ werden. Stilistisch ist heuer wieder die ganze Bandbreite gegeben, von typisch finnischem Doom & Gloom bis zu derbem Gebolze, mal mehr, mal weniger erfolgreich, jedoch fehlte mir dabei immer eine musikalische Ecke gänzlich – oder ich habe einfach kaum eine vor allem jüngere Band mitbekommen, die diesen vermissten Stil fährt. Vor einigen Jahren gab es da das großartige Demo Gravolence“ der Briten Vortilich (Meine damalige Lebensgefährtin hat das Ding gehasst, hihi.), das die Richtung so entzückend vorgab: den finnischen und schwedischen alte-Carcass-auf-Death-Metal-Stil. Xysma, Disgrace, Lubricant, Traumatic, General Surgery, Agonized, Necrony, Carnage zu Demozeiten, Pakeni, Pestigore, Dead (jaja, sind Deutsche, aber der Stil!!!), etc. Meint: Abartiges, rohes Geprügel und Kotzvocals treffen auf vielleicht sogar rockigen Groove in kurzen, knackigen Songs. Schnörkellos, direkt, dreckig und gemein und vor allem: catchy. Kein Vergleich zu der ganzen pitchgeshifteten Goregrind-Gülle, die ab Ende der 90er den Markt überschwemmte.

Und nun kommen die Jungspunde GALVANIZER daher. Ok, das Debütdemo „Ground Above war vor allem kurz und knackig, dafür nicht besonders gelungen und trotzdem irgendwo noch cool. Der Nachfolger „Horrid Tales Of Death“ aber ist es. Die Songs sind minimal länger und besser strukturiert; der Grind wurde etwas reduziert zugunsten einer leicht schwedischeren Ausrichtung – man merkt eine deutliche Weiterentwicklung der Band. Natürlich steckt man so nicht mehr 100% in der oben beschriebenen Nische, aber das Feeling stimmt. Man höre sich nur Putrefaction Blues an. Kurz, brutal, gory und doch catchy und groovy. „Wounds“ steht dem in nichts nach. Auch die beiden längeren Songs, zu je um die vier Minuten, können mit ihre Todesstahllastigkeit überzeugen, gibt es doch immer wieder schön derbe Ausbrüche gen assige Eiter-und-Rotz-Ejakulationen, aber auch einen Hauch von finnischer Gruftatmosphäre und Autopsy’schem Dreck. Herrlich. Und dazu klingt das Ding tatsächlich noch so unverbraucht und frisch. „Horrid Tales…“ macht einfach Spass.

Leider muss man auch zugeben, dass GALVANIZER wohl in dem EP- und Demo-Format eben wegen der zwangsläufigen Kürze so gut funktionieren und ich es für fraglich halte, ob der Stil auf 30 oder 40 Minuten ebenso cool präsentiert werden kann. Man denke zum Beispiel an Xysma (man könnte auch Carnages Demos oder Disgrace nennen…), deren derbste Zeiten gelungen auf dem Tape und den 7″s ausgelebt wurden und zum Debütalbum dann – zum Glück! – das Songwriting modifiziert wurde. Auch hier, glaube ich, wäre ein ganzes Album im ursprünglichen Stil fatal gewesen. Sowas hat nur bei Carcass geklappt und ein „Reek Of Putrefaction Pt. 2″ hätte kein Mensch gebraucht. Aber zurück zu GALVANIZERs Geschichten: „Horrid Tales Of Death“ ist ein authentisches, wunderbar stimmiges Stück Proberaumkunst – nicht mehr. Aber genau diese Authentizität, dieses Feeling, welches das Tape (oder die 7″ via Equinox Discos) vermittelt, macht es eben genau zu diesem saucoolen Hörerlebnis. Und darauf kommt es an.

Infos:
Extremely Rotten/Equinox Discos
Demo-Tape – 4 Lieder / 12:13 Min.

https://www.facebook.com/GalvanizerBand
https://galvanizer.bandcamp.com/releases

http://extremelyrotten.blogspot.de/