Party.San Open Air 2016

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PSOA - 2015Das PATRY.SAN. In mitten schier unendlicher Weitern der ostdeutschen Felderlandschaft erstreckt sich Schlotheims beschaulicher Flugplatz Obermehler, Schauplatz des feinsten Metal-Familienfestes unseres Landes. 9000 Metalheads sollen es in diesem Jahr gewesen sein, die gemütlich und friedlich auch diese Auflage unserer liebsten Party befeierten. Wir waren einmal mehr dabei!

 

Donnerstag, 06.08.15

 

Nach der üblichen Begrüßung durch Vertreter des Festivals und des Ortes eröffneten DEGIAL den Reigen auf der Hauptbühne. Eine der zurzeit spannendsten schwedischen Death Metal Bands, wie man zugeben muss, rabenschwarz, morbide und überaus spielfreudig. Nahe bei alten Morbid Angel mit einem Hauch Watain’scher Schwärze wetzen sich die Herren durch vornehmlich bis dahin unveröffentlichte Songs und wissen dabei auf ganzer Linie zu überzeugen und die Lust auf das hoffentlich bald erscheinende, zweite Album zu schüren. Wild und ungezügelt preschen die Schweden dabei durch ihr Set, als gäbe es kein Morgen. Herrlich, dieser Einstieg in das Festival.

 

Etwas seltsam und ungewohnt lustlos kommen MORBUS CHRON daher. Zumindest zu Beginn, der wie ein langer, missratener Soundcheck wirkt. Im Laufe der Zeit aber finden die Schweden wieder zu sich selbst und bieten den Rest des Sets eine ganz passable Leistung, die jedoch kaum verhehlen kann, dass hier etwas im Busch ist. Letztendlich gaben die Schweden einige Wochen später dann ihre Auflösung bekannt. Man will meinen, man hätte es geahnt. Schade. Dafür waren die Bierstände um diese Zeit schon ordentlich gefühlt und das Sozialisieren in vollem Gange.

 

Nach Morbus Chrons mauem Auftritt sollte es nun Zeit sein für das erste wirkliche Highlight: MIDNIGHT. Ungekünstelt und voll ins Gesicht geht es auch unumwunden los. Ihr Poison-Idea-meets-Venom-Stilmix ist wie geschaffen für kleine wie auch große Bühnen und so liefern Midnight einen kurzen, kräftigen Gewaltakt ab, der an diesem Wochenende seinesgleichen suchen durfte. Hit auf Hit, kräftig vom mitsingenden Publikum gefeiert, so muss das sein! Hoch die Tassen und ab dafür! Und sind wir mal ehrlich, ein noch dankbareres Publikum hätten die Amerikaner sich kaum wünschen können.

 

Anschließend war es schon Zeit für die klassichen Crossover-Thrash-Opas NUCLEAR ASSAULT – mein Höhepunkt des Tages. Spielfreudig und charmant hackten sich die alten Herren durch ihr Set aus ausschließlich Klassikern. Es war die helle Freude! Messerscharfes Riffing, aggressive Vocals, pumpender Bass von Legende Danny Lilker, Hit auf Hit! „Critical Mass“ und natürlich „Hang The Pope“ werden gebührend vom den Fans gefressen und entfachen einen wilden Pit, der die Geriatrische auf der Bühne nur noch weiter anzutreiben scheint. Nach gut 45 Minuten neigt sich das tight heruntergeprügelte Set dem Ende zu und hinterlässt zufriedene Fans und einen blendenden Eindruck, dass NUCLEAR ASSAULT noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

 

In grelles Rot getaucht und mit vielerlei Pyro-Effekten unterlegt, so schicken sich THE RUINS OF BEVERAST an, das Party.San niederzuwalzen. Ihr doomiger Black Metal zu noch etwas zu früher Stunde verfehlt diesen Effekt keineswegs, will aber zumindest bei mir dank höherem Interesse an Party und Spass nicht wirklich zünden. Ansonsten liefert die Band, deren Live-Besetzung aus allerlei illusteren Gesichtern der deutschen Extrem-Metal-Szene besteht, einen wie immer kompetenten Gig ab, an dem es im Prinzip nichts zu meckern gibt – leider war ich einfach nicht in der Stimmung dafür. Und ebenso nicht für Primordial, die hier leider einfach mal unter den Tisch fallen müssen.

 

Headliner des Donnerstag sollten BEHEMOTH sein, die, wie es scheint, gerade mit „The Satanist“ einen zweiten Frühling eingeläutet haben. Nach über einer halben Stunde Soundcheck habe ich nicht mal als ausgesprochener Fan dieses Album, das für mich eine Rückkehr zu alter „Satanica“-Größe nach einigen Reißbrett-Alben bedeutet, schon keine Lust mehr. Die folgende Show ist allerdings, wie von der Band seit 10 Jahren gewohnt, eine durchkalkulierte Geschichte, von meinem Gefühl her fast seelenlos. Man will meinen, jedes Kopfschütteln sein eingeübt, jede Ansprache schon 1000 Male gehalten. Routine pur, und dabei vollkommen charmebefreit. Dieser Eindruck wird durch die wahrhaftig gigantische Inszenierung nur noch unterstrichen, die die Musik fast zum Beiwerk degradiert. Vielleicht liegt es auch an mir, dass ich dabei eine etwas puristischere Ausrichtung bevorzuge, aber das Spiel kann noch so perfekt sein, die Songauswahl noch so passabel, da springt kein Funke über. Sehr schade, denn auch live hätte ich mir diesen zweiten Frühling gewünscht und eine Rückbesinnung auf alte, etwas bescheidenere Tugenden. Allerdings muss ich zugeben, beim Großteil des Publikums kamen die Polen wohl – vielleicht auch gerade deswegen – überaus gut an. Daher will ich zumindest aus der Hinsicht des Bombastes von einem weitestgehend angemessenen Headliner-Auftritt sprechen.

 

Freitag, 07.08.15

 

Hauptbühne

 

Den traditionellen Anstich mit „Grind“ in der Form der Holländer CLITEATER schenke ich mir. Nummero zwei auf der Bühne, namentlich die schwedischen Death-Metal-Underground-Hervorstecher VANHELGD allerdings nicht. Räudig, zum Teil doomig, aber mit genügend Invicible-Orange- und Faustreck-Momenten, schwarzmelodisch mit ein paar Zehen in der No-Fashion-Ecke, so müssen die Herren gegen die Hitze anspielen und schaffen es kaum. Wenig verwunderlich, ist ihre Musik doch wie geschaffen für dunkle Clubs und nächtliche Auftritte. Und das Publikum scheint gleicher Meinung zu sein und lauscht lieber aus dem Schatten heraus, vom Bierstand her und lässt den Platz vor der Bühne mitsamt der Band selbst in der Hitze darben. Schade. Diese Band hätte es anders verdient gehabt.

 

Einige Leute mehr ziehen dann die Assi-Thrash-Metal-Punker von GEHENNA. Ihre Musik ist dann aber auch wesentlich sonnenschein- und bierkompatibler und regt eher dazu an, erhobenen Bechers im Pit zu wüten. Mir persönlich geben die Schweden wenig, dennoch können sie auf eine eingeschworene Fanbande zählen, die sich da vor der Bühne versammelt und verausgabt hat. „666, Dunks And Rock’n Roll“? Jawoll, ein passendes Motto für den passablen Auftritt vor frenetischen Fans. Die hatten sicher ihren Spass…

 

Was früher ein Traum gewesen wäre, regt heuer eher zum Gähnen an: zweimal „ASPHYX“ an einem Nachmittag. Zunächst einmal SOULBURN MK.2, bestehend aus der ehemaligen Asphyx-Kerncrew Bagchus und Daniels, die dabei ungefähr nach Asphyx mit einem anderen Sänger klingen. Man muss betonen, dass es sich hierbei nicht  um eine direkte Fortsetzung der ersten Inkarnation von Soulburn handelt, aus der eine weitere Inkarnation von Asphyx damals hervorging, denn auch der Stil ist latent schwarzmetallischer (Think: Bathory). Ändert allerdings nichts daran, dass man das Gefühl haben muss, einer  Asphyx-Coverband beizuwohnen. Das ist ganz nett und dank dem Fehlen von Van Drunens Ansagen weniger nervig, dafür fehlen eben auch die ganzen Gassenhauer. Und sonst. Solide, will ich meinen. Es ist nichts gewesen, was mich und viele andere aus dem Schatten lockte, aber im Großen und Ganzen durchaus hörbar an einem heißen, bierseligen Nachmittag.

 

DESERTED FEAR, die in meiner Welt unter Plastik laufen, lieferten einen überaus engagierten und sicher die Fans voll befriedigenden Auftritt ab. Eine der Bands der Stunde, was man zugeben muss, auch wenn man keinen Gefallen daran findet. Und so war bei mir nach einigen Songs Schicht im Schacht. Dem fielen auch POSTMORTEM, die klassischen Thrasher aus Ostdeutschland zum Opfer. Pünktlich zu MELECHESH gibt es wieder vor die Bühne, in die Hitze. Erst einmal Respekt für die Verkleidung  auf der Bühne bei diesen Temperaturen. Andererseits lieferte diese Hitze auch das perfekte Ambiente für den Auftritt der Orientalen. Messerscharf und wieselflink, technisch auf höchstem Niveau und jede Melodie ein Volltreffer. Variationsreicher Black/Thrash mit Ohrwurmgarantie, der sogar bei 30 Grad im Schatten sitzt und eine Band, die fesselt, was auch dem  charismatischen Auftreten des Frontmans zu verdanken ist.

 

Vom Orient ging es dann Schnurstraks in wesentlich kühlere Breitengrade. Zu AGALLOCHs wunderbaren Winterepen. Ob das im spätnachmittaglichen Sonnenschein funktionieren kann? Es kann, denn Agallochs Kunst fesselt einfach und reißt mit. Die Amerikaner bieten einen knappen Querschnitt ihres mittlerweile reichhaltigen Schaffens und vermögen dabei der Hitze und dem Staub zum Trotz einen Gänsehautmoment nach dem anderen zu vollbringen. Wundervoll! So wundervoll sogar, dass die Zeit wie im Fluge vorbeizieht und die Show viel zu schnell endet. Für mich bleibt jedoch dieser Auftritt wohl DAS Highlight des gesamten Festivals.

 

APSHYX, die Zweite. Diesemal die „richtigen“ Asphyx. Oder was von Asphyx noch übrig ist, wenn man gehässig sein will. Natürlich ist der Auftritt tadellos und vor allem fannah, was nicht jeder zu schätzen weiß. Und blende ich Van Drunens Ansagen aus, muss ich zugeben, dass Asphyx genau das machen, was sie eben beherrschen: niederwalzen. Ich bin jetzt kein Fan der neueren Werke, aber die klassischen Songs können immer noch alles. ALLES! Up the DEATHAMMER!

 

Auf BLOODBATH waren wir dann besonders gespannt. Mit Neuzugang Nick Holmes von Paradise Lost am Gesang und einer schwachen Scheibe im Rücken sollte das All-Star-Projekt mit Katatonia-Muckern bereits  ein zweites Mal das Party.San erobern. Leider war dem nicht so. Bis auf zwei „Klassiker“ gab es ausschließlich Materie vom „Grand Morbid Funeral“-Langweiler, bemüht vorgetragen von einem den tiefen Vocals einfach nicht gewachsenen Holmes. Aber auch als Front man, wie auch bei Paradise Lost zu beobachten, macht Holmes nicht viel her und verblasst einfach gegen die Erinnerung an den übercharismatischen und witzigen Akerfeld, der auch stimmlich Holmse zu überragen wusste. Ich würde ja jetzt gerne schrieben, das ich das schade finde, aber es war nicht anders zu erwarten.

 

ENSIFERUM schenkte ich mir dank ausgeprägter Antipathie. Ich weiß, die Band hat ihre Fans und ist musikalisch alles andere als inkompetent, aber was soll ich mich etwas hingeben, was ich ganz und gar nicht abkann? Eben… ob man allerdings heutzutage CANNIBAL CORPSE nach ihren unzähligen Touren und Auftritten wirklich noch als Headliner auf einem Festival braucht, diese Frage muss man sich schon stellen. Ich verkneife mir allerding hier eine Antwort und feiere diesen rundum gelungenen Auftritt ab. Alte Hits, neue Hitchens, brutal gute Musiker, supertight in einen brutalen Sound gepackt. Das macht Spass! Jawohl. Und das trotz einem eher routinierten Auftretens. Cannibal Corpse wirkten nämlich dem zum Trotz zu keiner Sekunde so kalkuliert wie Behemoth einen Tag zu vor. Hier konnte der Funke überspringen, von der Maschine auf der Bühne zu den Fans im Pit. Und es wäre auch das erste Mal gewesen, wenn der Hammer sein Ziel verfehlt hätte. Bockstarker Auftritt eines eigentlich verdienten, aber überraschungsarmen Headliners. Ziemlich Klasse!

 

Samstag, 08.08.15

 

Hauptbühne

 

Same procedere as every morning: die erste Grindband wird geskippt. Die zweite allerdings auf keinen Fall. Die US-Goregrind-Legende HEMDALE gibt sich die Ehre. Old School Grindcore, flott und dreckig, irgendwann vor 1990 entwicklungstechnisch eingestellt und genau so, wie es Papa mag. Crusty Grooves, straighte Blasts, minimale Metal-Einflüsse und obendrauf ein herrlich ungekünsteltes, fast schon augenzwinkerndes Auftreten der Band. Leider scheint am dritten Festivaltage die Scheu vor der Hitze noch größer geworden zu sein und so sind die Reihen eher licht vor der Bühne. Schade eigentlich. Dennoch bieten Hemdale einen überaus unterhaltsamen, sympathischen Auftritt und verweisen damit locker so ziemlich alle anwesenden Grind-Bands auf die letzten Platze. Bleibt nur noch die Frage: Jungs, wie schaut es aus mit neuem Material?

 

Nicht weniger unterhaltsam sind EVIL INVADERS mit ihrem ureigenen Crossover aus klassischem, schnellen Heavy Metal und Thrash Metal. Das ist die Musik, die man biertrinkend im Schatten hören (und hier: sehen) will. Gesagt und genau so getan. Trotz der Hitze füllen sich dieses Mal die Reihen und die Band gibt sich höchst motiviert, was auch ordentlich von den Fans belohnt wird und für das eine oder andere breite Grinsen sorgte. Natürlich kann man in diesem Stil keine Meisterleistungen erwarten, dennoch möchte ich – als Nicht-Genre-Fanatiker – Evil Invaders doch eine schmissige und schwer unterhaltsame dreiviertel Stunde attestieren!

 

In den Arsch beißen könnte ich mir, ZEMIAL verpasst zu haben. Sind sie doch meine im Moment  liebsten griechischen Black/Thrash/Wasauchimmer-Helden. Dass ich dagegen WINTERFYLLETH mit Ignoranz gestraft habe, stört mich weniger. Immerhin war ich zu KRISIUN wieder pünktlich vor der Bühne. Und die Brasilianer taten, was sie immer tun: zerstören. Maschinengewehrfeuer-Drums, schädelspaltende Riffs, neuerdings mitreißendes Midtempo und räudige Vocals. Die Brüder schaffen es, das eine um das andere Mal trotz minimaler Abwechslung nicht nur Knalleralben zu veröffentlichen, sondern auch live eben genau dieser Knaller zu sein. Dabei halten sich Krisiun niemals mit Geschwafel auf und feuerten eine Salve um die nächste ins rasende Publikum. Ein Sieg auf ganzer Linie! Man wünschte sich, manch andere Brasilianer würde noch so liefern!

 

Das Niveau (war klar), aber auch die Stimmung konnten die Thrash-Punker TOXIC HOLOCAUST dann leider nicht ganz mithalten. Aber da ich Fan bin und sie mal wieder dennoch richtig gut unterhaltsam waren, hatte ich dann auch meine Freude. Dieser hatte aber augenscheinlich vor allem die Leute im grandiosen Pit, bei dem auch der Evil Invaders Sänger ordentlich mitmischte (Respekt!). Joel Grind und seine Jungs knüppelten und rotzten sich durch Songs überwiegend neueren Datums, ohne aber nicht den einen oder anderen Hit der alten Tage missen zu lassen. Das war dann, trotz wesentlich besserem Spiel, dann auch (für mich) Gänsehaut pur und lies mich schwer jubeln. Geile Show.

 

Nachdem ich Zemial schmerzlich verpasst hatte, schickten sich nun mit ROTTING CHRIST die zweite griechische „Black“ Metal Band an, das Party.San dem Gehörnten zu opfern. Oder so ähnlich. Charismatisch wie eh und je war der Auftritt der Klassikerband. Von episch bis ruppig und fast schon romantisch – und doch wollte der Funke nicht überspringen wie bei den Old School Shows vor einigen Jahren. Das mag mit Sicherheit am – von den Fans gefeierten – schwer süßholzraspelnden neuen Kram gelegen haben, aber hier mag ich nun nicht als Kritiker in die Presche springen. Denn der Auftritt an sich war perfekt und lieferte den Fans genau das, was sie wollten. Und geliefert wurde von einer supersympathischen und eben charismatischen Band. Hier war jedes Klatschen schwer, aber wohl verdient! Ebenso wie der Status, den die Band heuer inne hat. Schande über mein ignorantes Haupt!

 

GHOST BRIGADEs folgende Show kann man kurz in Worte fassen, in eines nämlich: wunderbar. Ein Ruhepol auf diesem Festival, und dennoch so intensiv wie kaum eine zweite Band. Die Finnen präsentierten ihren Doom/Post-Metal in einer wunderbar unaufgesetzten, fast schon schüchternen Art, die zu keiner Sekunde störte, ja die gebotenen sechs Songs umso intensiver erscheinen ließ. Das war ein Auftritt zum Händchenhalten – leider war meine Freundin nicht aufzufinden. Dennoch zeigten GHOST BRIGADE eindrucksvoll, dass auch softere Bands durchaus ihren Platz auf dem Party.San haben können und die Leute vor die Bühne locken können. Gerne immer mal wieder etwas davon in zukünftigen Jahren!

 

Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass kein Mensch KATAKLYSM braucht, habe ich mir diese Unband geschenkt. Im Vorbeigehen sah ich allerdings, dass es vor der Bühne rammelvoll war – womit ich einfach mal davon ausgehe: die Fans haben bekommen, was sie wollten. Zweck erfüllt, ab zur nächsten Band! MAYHEM. Nun ja. Für viele waren Mayhem wohl DIE Enttäuschung des Festivals. Trotz Klassiker wie „Deathcrush“ und „Freezing Moon“ und einem erheblichen Showanteil wirkte die Band gesichtslos und routiniert in seiner negativen Bedeutung. Weder Stimmung wollte aufkommen, noch konnte die Show um Attila irgendwie überzeugen. Als dann noch technische Probleme die Band zu einem unrühmlichen Abgang  bewegten, war der Sympathieofen aus. Man hörte anschließend viel, von Fanverarsche –Rufen bis Vorwürfen mangelnder Professionalität. Was auch immer zutreffen mag, einen positiven Eindruck hinterließen die norwegischen Klassiker nicht.

 

Endlich ist es dunkel. Und MY DYING  BRIDE schreiten somit angemessen zur Tat. Und kaum eine Band lieferte einen dramatischeren Auftritt ab. Natürlich steht Sänger Aaron im Mittelpunkt des Geschehens, leidet und schmachtet und wütet und degradiert die anderen Musiker zu Schaustellern am Rande. Dieser liefern allerdings musikalisch ein nahezu perfektes, atmosphärisches Brett und den Rahmen, ohne den Aarons Leid nicht funktionieren könnte. So fesseln MY DYING BRIDE in alle ihren Facetten, vom Klassiker zu Neuem, von todesbleiern bis gotisch-pathosüberfrachtet (nicht negativ gemeint) und überragen so ziemlich jede Band des Tages mit diesem Auftritt bei weitem und man will wirklich meinen, diese eine Stunde war viel zu kurz.

 

Nun war es schon Zeit für den Headliner und die finale Band des diesjährigen Festes: SAMAEL mit einer „Ceremony Of Opposites“-Klassiker-Show. Braucht kein Mensch? Braucht kein Mensch. Ein Positives vorweg: nur 15 Minuten Verzögerung  vor Beginn. Das war es schon. Störend zunächst die konsequente Weiternutzung eines elektronischen Drumsets, womit das Feeling schon im Arsch war. Da kann Xytras noch so bemüht sein, in Verbindung mit dem über weite Strecken mauen Sound nervt das kühle Geklapper schon nach wenigen Minuten. Aber nicht nur deswegen mag der Funke nicht überspringen. Man merkt, das Publikum fremdelt mit den kühlen, elektronischen Sounds. Die Band, der man ansonsten ein gewisses Charisma nicht absprechen kann, vermag nicht zur Masse vor der Bühne vorzudringen. Selbst der Applaus wirkt verhalten, eher wie eine Nettigkeitsgeste, und unterstreicht noch diesen Eindruck. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Schweizer trotz Klassikerset nicht als Headliner zu buchen, denn das Party.San hätte definitiv einen würdigeren Abschluss verdient.

 

Ja, das war das Jahr 2015 in Schlotheim. Und auch mein 13. PSOA war wieder einmal vom Feinsten. Das Festival an sich ist mittlerweile so eingespielt, dass es nichts zu motzen gibt. Dazu gehört die Crew nachwievor zu den freundlichsten und hilfsbereitesten, die ich je auf einem Festival erleben durfte. In Anbetracht der bereits angekündigten Bands für nächstes Jahr (u.a. Carcass, At The Gates, Paradise Lost, Wolfbrigade, etc.) kann ich abschließend nur im Namen des beteiligten Teams sagen: Danke schön und bis zum nächsten Mal. Wir freuen uns!

 

Geschrieben von Lobi, Micha, Sandra, Madeline, Patrick, Markus und Christian.