Mindflair – Scourge of Mankind


Mindflair - Scourge Of Mankind

„Wenn auf anfängliche Skepsis die totale Überraschung folgt“

Die Kaiserslautern Grindcore Maschine MINDFLAIR habe ich schon ewig nicht mehr auf dem Schirm. Das letzte Mal, als ich von MINDFLAIR was mit bekam und auch kaufte, war die Split mit Suppository und die mit Belching Beet, lang, lang ist es her, und es hat sich in der Tat so einiges getan, aber hallo.

Ich muss ehrlich zugeben, viel erwartet habe ich nicht, denn die oben genannten Splits haben nicht unbedingt den besten Eindruck hinterlassen. Aber das ist Schnee von vorgestern.

Der Gesang von Moshfred ist schon ein wenig anstrengend, aber im Vergleich zu ihren früheren Schandtaten kommt das neue Material (in jeder Hinsicht!) fast schon einem Quantensprung gleich, und auch der Grunz- und Schreibarde Fred hat noch mal ein paar Schaufeln mehr Dreck gefressen.

Auf „Scourge of Mankind“ wütet man sich in 13 kurzen, zackigen Grind-Eruptionen durch die Kante, dass einem die Kinnlade runterklappt. Ich bin mehr als verblüfft, was die Jungs alleine qualitativ hier treiben. Hey, damit hätte ich nicht gerechnet.
Hier steckt nicht nur enorm viel Energie und Power und Adrenalin drin, sondern man spürt auch, dass hier jede Menge Emotionen im Spiel sind.

Mit „Unkrautbekämpfung“ ist auch ein Song komplett in Deutsch dabei, der echt was hermacht, aber auch die anderen Texte haben jede Menge Aussagekraft und bedienen somit keine abgefrästen Floskeln, sprich, man merkt, dass MINDFLAIR nicht hinterm Berg geboren sind und ihre Klappe da aufmachen, wo es angebracht ist. Genauso sollte Grindcore sein! Wer denkt, in kurzen Grindcoresongs passiert nix außer purer Raserei, der bekommt hier eine dermaßen krasse Lektion erteilt, die er so schnell nicht vergisst.

Neben extrem schnellen (sagte ich schnell? Ich meine natürlich Highspeed-schnell), nach vorne treibenden Blast Beats von Fellvergerber Arthur, gibt es noch geile, tiefer getunte, moshfähige Gitarrenläufe, die auch auf Dauer im Ohr hängen bleiben, da hier einiges an Abwechslung mit eingebracht wurde, cooler Scheiß.

Der Sound ist mörderisch und druckvoll produziert, ohne dabei überproduziert zu wirken. Ich müsste wirklich bescheuert sein, wenn ich MINDFLAIR’s Album in Grund und Boden reden würde, nur weil mir ihr alter Shit nicht zusagte.
In weniger als 26 Minuten ist die heftige Chose zu Ende und hinterlässt beim Schreiber einen mehr als nachhaltigen Eindruck, der sogar so weit geht, dass ich die Jungs mit diesem Material unbedingt live sehen muss.

Wer auf rasenden Grindcore/Power Violence steht, in seiner Sammlung Burt entdeckt, mit den genialen Antigama was anzufangen weiß und Soilent Green hin und wieder hört, na hey, der braucht definitiv diese Scheibe.
Wer das rohe Stück Gehacktes eher auf Platte bevorzugt, für den gibt es „Scourge of Mankind“ einmal in klassisch Schwarz oder auch in limitierter Version in Blutrot mit Marmoreffekt.
Als wenn das nicht alles schon genug wäre, ist MINDFLAIR’s Wuchtbrumme mit einem wirklich sehr beeindruckend geilen Cover ausgestattet. Ohne zu übertrieben, die Grindcore-Szene ist um eine weitere Hammer-Scheibe reicher, und MINDFLAIR zählen ab heute zu meinen Favoriten.

Anspieltipps: „Flow„, „Ideal for Stupidity“ und „Theatre of the Absurd„. Wer wissen möchte, wie es sich anfühlt, wenn man von einem Highspeed-Panzer überrollt wird, der bestellt sich jetzt umgehend dieses Album, denn diese Platte ist essentiell für jeden, der auf guten Underground Wert legt und im Grindcore der alten Schule zu Hause ist. Alter, ist das ein fettes und höllisch rabiates geiles Grindbrett, was Arschtritte in Masse verteilt. Halleluja meine Herren!

„Danke“ an Wooaaargh und auch „Dziekuje“ an EveryDay Hate.


Infos:
EveryDayHate (CD) / Wooaaargh (LP) – 2015
CD/LP – 13 Lieder /25:14 Min.

https://mindflair.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/mindflair

https://www.facebook.com/everydayhate
http://www.everydayhate.com/

https://www.facebook.com/WOOAAARGH
http://www.wooaaargh.com/