DEATHRITE – Über Labeldeals, Albumproduktion und verkorkste Tourneen


Deathrite - Special

DEATHRITE aus Dresden sind eine Band, die schon länger auf dem Schirm habe. Anfangs doch eher in der DIY Underground Szene verankert, haben die Jungs 2013 mit ihrem Debut Album „Into Extinction“ auch größere Bekanntheit im extremen Metal Underground erlangt. Mit haufenweise Konzerten und mehreren Tourneen setzen sie dann noch einen drauf und dürften
mittlerweile auch schon in einigen Ecken Deutschlands auf größeren Bühnen gesehen worden sein (u.A. mit Napalm Death, Toxic Holocaust, …).
Nachdem sie 2015 zu Prosthetic Records wechselten und eine große Europatour spielten, kam jetzt gerade das neue Eisen „Revelation Of Chaos“ in die Regale. Momentan begleiten die Jungs ihre Labelkollegen Ramming Speed bei ihren Deutschland Dates.
Im Rahmen diese Kurzen Tour hatte ich die Möglichkeit mich beim Gig in Koblenz mit ihnen zu einem Interview zu treffen. Das Konzert fand im schnuckligen Sk2 in der verregneten Altstadt von Koblenz statt. Mangels eines ruhigen Backstageraums verzog ich mich mit Sänger Toni und ein Paar Bier in einer überdachten Passage.

Auf dem Boden sitzen und quatschten wir über Labeldeals, Albumproduktion und verkorkste Tourneen. Später gesellte sich noch Gitarrist Andi mit weiteren Bieren dazu.


Deathrite - Logo

Mit Prosthetic habt ihr ja einen recht guten Fang gemacht, was das Label angeht. Soundtechnisch seid ihr da ja mit
z.B. Mutilation Rites und Ramming Speed in bester Gesellschaft. Wie kommt es dazu, dass ihr jetzt dort veröffentlicht, wo ihr doch vorher zwei Lps über das deutsche Label Per Koro veröffentlicht habt?

Toni: Bei der ersten Platte war es schon so, dass wir nach verschiedenen Labels Ausschau gehalten haben, damals waren wir auch schon mal mit Prosthetic in Kontakt. Da es aber unser erstes Album war und wir nicht wussten, was wir da aus der Hand geben, haben wir uns dann doch mit Per Koro für ein kleineres Label entschieden.
Dieses Mal dachten wir uns, dass wir einfach mal etwas neues ausprobieren, um somit auch einfach mehr Leute zu erreichen. Wir haben dann Duncan geschrieben, der für den Europa Vertrieb zuständig ist. Er hat sich direkt gefreut und gesagt, dass er total Bock darauf hat und es direkt mit den Ami’s abgeklärt. Es hat sich eigentlich kaum etwas geändert, außer dass wir mehr Footage in größeren Magazinen haben.

Euer Album trägt den Titel „Revelation Of Chaos“, was soviel heißt, wie „die Enthüllung des Chaos“. Wie kamt ihr zu diesem Titel? Hat er eine tiefere Bedeutung?

Toni: Eigentlich dreht sich das komplette Album thematisch um Kriegsszenarien, postapokalyptisch oder auch vergangenheitsbezogen. Wir haben lange überlegt, was als Titel in frage kommen würde und haben dann festgestellt, dass „Revelation of Chaos“ eigentlich zu jedem Track als Titel passen würde und uns dann dafür entschieden.

Deathrite - 01Haben die Texte wirklich Realitätsbezug?

Toni: Teilweise Ja teilweise Nein. Es dreht sich jetzt nicht um irgendwelche geschichtlichen Daten oder Schlachten.

Ihr habt das Album wieder in Jan Oberg’s (Earthship) Hidden Planet Studio aufgenommen. Das ist jetzt die
dritte LP, die ihr in dieser Zusammenarbeit veröffentlicht.
Wart ihr immer zufrieden und seid deshalb wieder zu ihm gegangen?

Toni: Wir haben auch mal überlegt irgendwo anders aufzunehmen, es war aber sehr anstrengend ein gutes Studio zu finden, was nicht super weit weg ist und somit mehr Zeitaufwand verursacht.
Wir waren auch immer zufrieden mit Jan und hatten dieses Mal auch viel mehr Zeit als bei den vorherigen Platten und konnten deshalb auch beim kompletten Mix und Master vorort bleiben.
Eben weil wir auch schon so oft mit ihm gearbeitet haben, weiß er einfach was wir wollen und wie es klingen soll.

Hatte die Zusammenarbeit mit Prosthetic auch Auswirkungen darauf? Man hört ja oft, dass Bands die mit größeren Labels arbeiten mehr Zeit im Studio verbringen können oder anderweitigen Support bekommen. War das bei euch so oder habt ihr euch erst auf Labelsuche gemacht, als das Album schon in der Tasche war?

Toni: Wir haben alles vorher aufgenommen, mixen und mastern lassen und haben es dann erst an Prosthetic geschickt. Das Label hatte überhaupt keinen Einfluss darauf.

Dieses Mal habt ihr Jan Oberg auch den Mix und das Mastering überlassen. Vorher hat das immer ein gewisser Robin Völkert übernommen. In meinen Ohren klingt der Sound von „Revelation Of Chaos“ wesentlich fetter, weniger krachig und einfach eine Ecke professioneller.
Wie schätzt ihr das ein? Wolltet ihr es dieses Mal definitiv von Jan Oberg machen lassen oder war Robin Völkert einfach nicht zur Hand?

Toni: Wir waren immer der Meinung, dass es nicht gut ist wenn derjenige, der im Studio schon mixt, dann das alles auch noch mastert. Wir hatten dann Robin gewählt, weil wir eben dieses eher punkigen Sound haben wollten und er darin wirklich fit ist. Dieses mal haben wir es dann mit Jan gemacht, weil wir eben dabei sein konnten und uns den ganzen üblichen E-Mail verkehr sparen konnten.

Beim ersten hören von „Revelation Of Chaos“ fiel mir direkt auf, dass ihr wesentlich tiefer gestimmt spielt, als auf dem Vorgänger „Into Extinction“. Wie kamt ihr dazu, vom einen zum anderen Album so stark herunter zu stimmen?

Toni: Andi war irgendwann mal der Meinung, dass wir noch tiefer Stimmen sollten, weil es dann noch brutaler wäre und auch einige Töne wohl auch besser klingen würden. Aber du bist auch glaube ich der Erste, dem das jetzt so ohne weiteres aufgefallen ist.

Deathrite - 02Das neue Album kommt mir auch wesentlich schwerer und düsterer vor. Ich glaube das hängt damit zusammen, dass ihr auch die Geschwindigkeit gedrosselt habt. Auf „Into Extinction“ war noch wesentlich mehr Blast-Gemetzel zu hören als jetzt und das ist nur einer der Faktoren die mir auffallen.
Kam diese Änderung ganz natürlich?

Toni: Als wir angefangen haben wollten wir einfach nur harte Musik machen und für uns hat sich hart eben anfangs durch Geschwindigkeit definiert. Als wir dann „The Golden Age“, den letzten Song auf „Into Extinction“, geschrieben haben, ist uns aufgefallen, dass wir nicht schnell spielen müssen um heftig zu klingen. In unseren Augen hat diese Entwicklung das Songwriting auch sehr aufgelockert, vorallem ist Beff unser Drummer auch großer Sludge Fan und ich denke, dass er auch Einfluss darauf hatte.

In diesem Kontext fällt natürlich auf, dass das Album wesentlich mehr in die Death Metal Kärbe schlägt, als eure vorherigen Releases. Wie steht dir dazu?

Toni: Es war noch nie so, dass wir von irgendwelchen truen Metalheads angepisst wurden, weil wir auch strikte Death Metal Riffs spielen. Im Gegenteil war es eigentlich immer so, dass Leute auf uns zukamen und meinten unsere Musik wäre einfach ein wenig „frischer“ als typische Death Metal Bands.

Wenn ich eure Musik höre, denke ich mir immer, dass es nicht so verfahren ist wie bei anderen aktuelle Metal Bands. Geht die Sache einfach anders an?

Toni: Wir kommen eigentlich alle eher aus der Punk / DIY Szene und unser Talent ist auch einfach ein bisschen beschränkt. Wir können eben keine super technischen Riffs spielen. Es soll einfach nur nach vorne gehen, das war’s!

In den letzten Jahren haben sich mit Mammoth Grinder, Trap Them, Skinfather, usw. sehr viele Bands gegründet, die moderne Hard- und Grind Core Einflüsse mit traditionellem Old School Death Metal vermixen. Allem voran hat sich im Hardcore-Bereich die traditionelle schwedische HM2 Death Metal Zerre unglaublich etabliert. Was haltet ihr von dieser Entwicklung?

Toni: Da ist definitiv seit Längerem ein Trend da, aber mir ist das egal solange die Leute das mit Leidenschaft spielen und nicht einfach kopieren sondern ihr eigenes Ding machen. Wir machen es ja auch nicht anders. Wir haben mit dem HM2-Sound angefangen und würden nie damit aufhören, weil es einfach sägt, obwohl es live manchmal doch schwer zu handeln ist.

Deathrite - 03Euer vorheriges Album „Into Extinction“ habt ihr später nochmal über Halo Of Flies rereleased und in den USA
rausgehauen. Da Prosthetic ja ein internationales Label ist, wird das dieses Mal wohl von vorneherein geplant sein. Wie schätzt ihr kommt eure Musik international an? Habt ihr da von Halo Of Flies Feedback bekommen, wie sich das Album in den Staaten verkauft?

Andi: Per Koro und Halo Of Flies hatten die zweite Pressung 50 / 50 aufgeteilt, also 250 für jeden. Mittlerweile dürfte eigentlich alles vergriffen sein. Im Preorder ging in den USA erst relativ wenig, aber irgendwann lief es dann wohl. Halo Of Flies hat wohl ähnlich wie Per Koro einfach seine Stammkundschaft an kleineren Distros, die er dann beliefert und nach und nach verkauft sich dann der Kram.

Da ja der Kontakt in die USA jetzt besteht, habt ihr bestimmt Pläne auch mal da drüben zu Touren. Gibt’s da
schon Konkreteres?

Andi: Konkreteres gibt es eigentlich nocht nicht.

Toni: Es ist definitiv geplant. Prosthetic USA wollte eigentlich, dass wir diesen Herbst noch rüber kommen und für 4 Wochen auf einer größeren Tour mitfahren, aber das war für uns dieses Jahr nicht drin. Nächstes Jahr aber auf jeden Fall!

Eigentlich wolltet ihr ja letztes Jahr mit SKINFATHER durch Europa touren, doch die mussten kurzfristig canceln. Ihr seid die Tour dann komplett alleine gefahren. Wie war die Resonanz der Veranstalter und Booker? Gab es da Probleme?

Andi: Ich glaube es wurden nur zwei Shows gecancelt, aber das waren beides Dates bei denen wir extreme Strecken hätten zurück legen müssen. Ich glaube einmal vom Süden Englands bis nach Schottland. Dazu hatten wir noch einen verkorksten Tourstart.

Toni: Genau, beim ersten Gig in Münster kam niemand. In Belgien haben wir einen halben Song gespielt, dann kam die Polizei und wir mussten abbrechen. Der Laden war direkt am Marktplatz und es gab 5 Vorbands. Der Veranstalter hat dann viel zu spät mit dem Konzert begonnen und wir konnten erst um 12 Uhr auf die Bühne. Aber um 12 Uhr ist in Belgien wohl dann auch Schicht.

Aber sonst war eigentlich alles super. Wir waren zum ersten Mal in England unterwegs und wir hatten alles vorher sehr gruselige Sachen über England gehört, dass es für Band weder zu Essen noch zu Trinken oder einen Schlafplatz gibt und so weiter. Aber uns ist nicht dergleichen passiert.

Dadurch das Skinfather gecancelt hatten, gab es noch den Bonus, dass wir einen Bus mit 9 Sitzen für uns allein hatten. Das machte die Sache noch entspannter.

Die Tour wurde von Stateless Society organisiert richtig? Wie war deren Reaktion?

Deathrite - 04Andi: Tim unser Kumpel von Stateless Society hat uns angeschrieben und gefragt was wir jetzt machen wollen, ob wir alleine fahren wollen oder nicht. Wir haben entschieden alleine zu fahren und dann ist alles super gelaufen.

Wie waren die Gigs im Ausland für euch? Gibt es irgendwelche gravierenden Unterschiede zu den Shows in Deutschland?

Toni: Ja auf jeden Fall. In England bekommt man kein Frühstück. (Lacht) Und wenn im Rider steht, dass du einen Kasten Bier bekommst, bekommst du nur einen Sixpack.
Aber das sind halt Sachen auf die man sich einstellen kann.

Andi: Wir brauchen ja eigentlich auch nichts weiter. Die Leute waren alle super cool und das ist das Wichtigste.

Wer euch in den letzten Monaten mal live gesehen hat, dem müsste aufgefallen sein, dass euer langjähriger Basser Martin nicht dabei war, sondern dass zwei verschieden Leute Bass gespielt haben.
Trotzdem hat Martin den Bass für das neue Album eingespielt. Habt ihr momentan Probleme diese Position zu besetzen oder was ist da los?

Andi: Martin ist gerade für 10 Monate in Süd-Amerika unterwegs und kommt Ende August wieder. Eigentlich wird er dann die Position wieder übernehmen, er muss aber auch erst mal die ganzen Songs wieder reinkriegen.

Obwohl er die Songs eingespielt hat?

Andi: Naja, er ist ja auch irgendwo ein verpeilter Typ und wir müssen dann bestimmt wieder ein bisschen üben.

Toni: In der Zwischenzeit haben Kay, von Berzerk, und Gerald ein Paar Shows gespielt.
Gerald ist ein langjähriger Kumpel von uns, mit dem wir auch früher schon Musik gemacht haben und so fiel uns die Wahl recht leicht.

Wie geht es euch jetzt so kurz nach dem Release eurer neuen Platte? Hat alles so funktioniert wie ihr es euch vorgestellt habt?

Toni: Die LP ist leider noch nicht da, bisher haben wir nur CDs, weil die Presswerke eben total von größeren Mayorlabels blockiert werden. Vinyl ist eben wieder voll im Trend und die kleineren Bands werden von irgendwelchen Lady Gaga Releases blockiert.

Andi: Eine 1000er Auflage ist da halt nichts dagegen. Die Platte wurde am Montag gepresst, nachdem Prosthetic dem Presswerk Stress gemacht hat. Nächsten Mittwoch sollten sie wohlankommen. Das war jetzt natürlich alles sehr schlecht, weil wir eben auf dem Fluff Fest zum Beispiel nur eine CD verkauft haben. Es bietet sich halt eigentlich an auf Tour auch Vinyl dabei zu haben.

Aber das heißt, bis zu eurem Gig beim Party.San ist die Platte dann da?

Toni: Ja, aber da ist wahrscheinlich eher die CD gefragt.(Lacht)

Deathrite - Promo


Im Anschluss an das Interview findet ihr hier meine, doch eher kurze, persönliche Meinung zu „Revelation Of Chaos„…

Deathrite – Revelation Of Chaos

Deathrite - Revelation Of ChaosMit „Revelation of Chaos“ liefern DEATHRITE aus Dresden nun ihren zweiten Longplayer. Per Koro den Rücken gekehrt, arbeitet man jetzt mit Prosthetic zusammen. Die 10 neuen Tracks gibt’s auf CD, schwarzen und limitiertem weißen Vinyl. Geschmückt wird das ganze von einem sehr ansehnlichen Mark Riddick Cover.

Los geht es mit schmuckem Intro und einem eher traditionellen Schweden Tod Brecher namens „Melting Skies„. Nach der Hälfte des Songs wird aber schon klar, dass man hier nicht meinem typischen Neo-Nineties Album rechnen sollte.
Spätestens nach dem zweiten Track wird klar, dass die Jungs sich aus einigen weiteren Bereichen bedient haben. „Circle of Destruction“ trümmert eher in bekannter Grindmanier dahin und wird von dem erfrischen lässigen „Determinate To Rot“ abgelöst, der nach seinen eher schnellen Vorgängern durch lockeres Midtempo auftrumpft und in einem geilen D-Beat Part mündet.

Generell erkennt man schnell, dass DEATHRITE auf „Revelation Of Chaos“ einen großen Schritt gemacht haben und sich von typischem Grind / Hardcore Songwriting weitest gehend gelöst haben.
Die auf dem Vorgänger so beliebten Blastbeats weichen größten Teils eher langsameren Midtempo Parts, die im brachialen Soundgewand unglaublich zerstörerisch daher kommen.
Sänger Toni klingt wesentlich tiefer, wütender und experimentierfreudiger als zuvor, vor Allem im Refrain von „Mayhem Remains“ glänzt er durch einen sehr geile Grunzeinlage. Als Hit des Albums entpuppt sich der recht simple „Toxic Hammer„, welcher sich aber durch seine Eingängigkeit wie eine Zecke ins Gehör setzt.

Am Sound des Albums erkennt man, dass die Jungs dieses Mal wesentlich mehr Zeit investiert haben, obwohl in selben Studio wie bei „Into Extinction“ aufgenommen wurde. Trotz nur einer Gitarre klingt der Sound unglaublich fett und auch mit HM2 Zerre sehr differenziert.

Mittlerweile kann der Musikstil auch getrost als Death Metal betitelt werden, obwohl das Songwriting im Vergleich wesentlich simpler als bei anderen Old School Acts erscheint. DEATHRITE stehen der Konkurrenz in nichts nach und sammeln bei mir durch ihre punkige Mischung eher mehr Punkte.

Revelation Of Chaos“ ist ein unglaublicher Brechen und stellt für die Nachwelt einen riesigen Wegweiser, der zeigt wo die Krachmusik wirklich herkommt. Respekt.



Live pictures: Robin
Band picture: dermodernemann.com

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