Agathocles / Disorder – Split 10″ LP


Agathocles / Disorder - Split AGATHOCLES können wohl einfach nicht anders, die Belgier ziehen einfach ihr Ding durch, ganz egal, ob es einem passt oder nicht. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht wieder eine neue EP auf dem Markt erscheint, über Sinn und Zweck lässt sich natürlich streiten.

Aber zur Scheibe selbst. AGATHOCLES brezeln wieder herrlich kauzig ihren rödelnden Uftata-Mincecore ungeschminkt in die Runde und servieren 4 raue Songs, die zwischen 2013 und 2014 aufgenommen wurden. Klar ist, dass auch diese Aufnahmen recht roh daher kommen, so wie man es seit Jahren von den Jungs kennt.
Im Grunde genommen ist alles beim alten geblieben, es werden keine Experimente gemacht, und so stampft man sich in typischer AGx Manier berserkermäßig wie die Axt im Wald durchs Set. Gerade die zwei Songs „Prison Made of Crowds“ und „Anarchist Spectrum Disorder“ knallen ordentlich derbe rein, und Jan, die alte Brüllsau, lässt seiner Wut über die Gesellschaft freien Lauf.
Kurz: roh, minimalistisch und auf dem Punkt gebrachter 80er Jahre Grindsound. AGATHOCLES eben!

Auf der Flipseite geht es dann mit DISORDER, einer alten Punkband aus England weiter, die eventuell ebenfalls dem einen oder anderen bekannt sein dürfte, hüpfen diese Kollegen schon seit Anfang(!) der 80er Jahre in der Szene herum. Ihr einfaches Coverartwork mutet gar fürchterlich, ja fast schon dilettantisch an, passt aber irgendwie zu ihrer Musik, sprich, stumpf und recht simpel geht es mit lediglich drei Songs ans Eingemachte.
Obwohl die Engländer nicht weniger aggressiv zur Tat schreiten als ihre Split-Kollegen, wollen die Songs nicht so schnell zünden, einzig der letzte Song „Victim of Police“ zieht einem die Alltagsstriemen sehr schnell und unsanft aus dem Gesicht.
Ich würde ihre Mucke irgendwo zwischen wildem, ungezügeltem Punk, giftigem Crust, Noise und einem Tritt HC einstufen. Wenn man sich die drei Stücke so anhört, will man ums Verrecken nicht glauben, dass deren Mucke im Jahr 2013 eingebolzt wurde: purer, hässlicher, schneller Underground, ungeschönt und voll auf die Fresse.
Leider habe ich so meine Probleme mit dem Gesang, aber das ist halt Geschmacksache. Das coole daran ist, man gewöhnt sich nach ein paar Durchläufen daran. Kein Witz!

Wer auf kompromisslosen Englandpunk ohne Firlefanz der alten und räudigen Schule abgeht, dem könnten die drei Schlitzer gut reinlaufen. Was den Sound angeht, der ist leider etwas schwach und dünn auf der Brust, aber hey, es gibt schlimmeres. Oldschoolsound hin oder her, aber meiner Meinung nach wurde hier am falschen Ende gespart bzw. ein wenig zu sehr in Richtung Punk gedacht. Denn mit ein wenig mehr Power bzw. Druck wäre hier weitaus mehr drinne gewesen.

Fakt ist, dass es hier zweimal dreckig scheppernden Oldschoolsound auf die Mütze gibt, der sich gewaschen hat. Eben eine Split für wahre Krachfetischisten. Einen Innovationspreis gewinnen beide Bands freilich nicht, aber das ist sicherlich auch nicht ihr Anliegen. Bin vorsichtig gespannt, was als nächstes aus dem Hause von Power It Up kommt.

PS: Ehrlich gesagt fände ich es sinnvoller, bzw. weitaus interessanter, wenn man sich hin und wieder auch mal eine eher unbekannte Band aus dem Underground herauspickt, anstatt stets auf alte bekannte Szenegrößen zu setzen (was sicherlich nicht grundsätzlich verkehrt ist, aber auf Dauer langweilig wird), denn gerade im Underground gibt es einen Arsch voll an neuen/jungen Bands, die so einigen alt eingesessenen Bands die Stirn bieten können und mächtig Potential haben. Denn gerade das macht ebenfalls den Underground aus. Nur mal so am Rande erwähnt.

Anmerkung Chris: Die Split gibt es übrigens auch auf CD. Schlicht aufgemacht, vierseitiges Booklet mit Texten. Total Punk halt.

Infos:
Power It Up – 2015
10″ LP / CD – 7 Lieder / 15:19 Min.

http://www.agathocles.com/

http://www.power-it-up.de/
https://www.facebook.com/pages/Power-it-up/423461250157