Planks – Left Us As Ghosts


Planks - Left Us As GhotstsPLANKS sind nicht mehr. Traurig, aber war. Kurz, aber intensiv war ihre Lebensdauer. Und ob alsbald eine ähnlich massive, furiose und angepisste Band mit einer vergleichbar breiten Palette an Einflüssen und Ideen diese Lücke schließen kann, ist noch ungewiss. Denn trotz einer gewissen Verordnung im Hardcore, haben PLANKS immer über den Tellerrand geschaut, metallische Elemente eingebaut, tonnenschweren Doom instrumentalisiert, garstige Ausbrüche in den Grindcore unternommen, im Post-Punk und Wave geträumt und verzweifelt im Neo-Crust gewütet. Immer emotional, immer angepisst, immer hochintensiv und immer eine Walze.
Ein Abschiedsgeschenk gibt es noch. Der Schwanengesang wurde in der Testpressung abgenommen. Ein neuer Track folgt also demnächst, genau wie die Vorbestellung des letzten Werkes. In der Zwischenzeit kann man zur Trauerbewältigung noch mal die Entwicklung der Band Revue passieren lassen. Passend dazu bekam ich (vor leider mittlerweile etwas längerer Zeit) die Compilation „Left Us As Ghosts„, die sich mit dem fast kompletten Schaffen der Band bis zur Veröffentlichung dieser Zusammenstellung 2012 beschäftigt.

Aus diesem Zeitraum fehlen lediglich die „Darkest Of Grays„-LP und die „Solicit To Fall„-EP, die beide kurze Zeit später in einer anderen Compilation zusammengefasst wurden. Und natürlich fehlen die Werke nach Erscheinen von „Left Us As Ghosts„, die beiden Splits mit Lentic Waters und (Kreis) und das vorletzte Album in der nun abgeschlossenen Diskografie: „Funeral Mouth„.

Die komplette Frühphase ist also auf 60 Minuten Spielzeit für 19 Songs erhältlich. Angenehmerweise beginnt man aber nicht mit den ersten Gehversuchen, die meist stilistisch und klanglich nicht mit späteren Aufnahmen mithalten können und somit den Einstieg in eine solche Diskografie immer schwierig machen. Auch wenn PLANKS hier eine löbliche Ausnahme darstellen, die Songs vom Demo klingen nur geringfügig dumpfer und sind so gut, dass sie berechtigterweise auf späteren Releases erneut Verwendung fanden. Entsprechend ist das erste Demo, dass 2007 auf CDr rauskam, eher als historisches Dokument für den Komplettismus hier enthalten.

Logischerweise startet „Left Us As Ghosts“ also mit dem ersten, selbstbetitelten Album von 2008; auch wenn die Bezeichnung LP für gerade mal 22 Minuten schon etwas frech ist. Aber die Intensität rechtfertigt die kurze Spieldauer. Klar im Hardcore zuhause, finden sich bereits hier Anspielungen auf Post-Punk und Wave, die später auf „Funeral Mouth“ deutlicher ausgebaut werden. Dazu immer wieder tonnenschwerer Doom, mal zermalmend, mal groovy. Und dazwischen forsche Explosionen in Neo-Crust. Alleinig „Forgiveness To Tyrants“ mit Gastsängerin Caro Schaffner ist eine Granate vor dem Herren.
Auch ansonsten findet sich kein schlechter Song auf „Planks„, selbst das instrumentale „Mollusk King“ ist unglaublich kraftvoll und zeigt die verspielte Seite der Band.

Chronologisch geht es weiter mit den drei Liedern von der gemeinsamen Split mit Tombs aus dem Jahre 2008. Nahtlos knüpft man sowohl musikalisch mit der treibenden Mischung aus Doom und Hardcore an, spielt aber in „Of Tides And Bearing“ mit melancholischer und kalter Atmosphäre, wie psychedelischen Ideen in „Sirens„.

Aus der Single-Serie des damaligen Labels Narshardaa folgen weitere drei Tracks von 2009. Melancholsch, druckvoll und bei „Beneath“ auch leider etwas zerstückelt. Das sei aber an dieser Stelle durchaus verziehen, handelt es sich doch um eine ältere Nummer noch aus Demo-Zeiten. Interessanter ist hingegen „The Sea Shall Not Have Them„, das verdammt düster ist und mit wunderschönen Harmonie-Teppichen eine deutliche Weiterentwicklung PLANKS‚ zeigt. Abschließend gibt es noch ein Cover von den mir unbekannten Afghan Whigs. Die Umsetzung ist sehr cool, hat einen angenehm hasserfüllten Vibe trotz deutlicher Unterschiede zum restlichen Material zu der Zeit. Vielmehr kann man es als einen Ausblick auf die folgenden Stadien der Band sehen, auf manche Momente von „Solicit To Fall“ oder „Funeral Mouth„.

Das reguläre Programm der Retrospektive endet mit dem einen Song, der auf der Split mit Narsaak im Jahr 2011 erschienen ist: „Here’s The Prophet Of Stasis„. Nochmal eine schnelle Uptempo-Nummer zwischen D-Beat und Neo-Crust, leicht verspielt, ziemlich düster und mordsmäßig angepisst.

Das Demo bietet zum Schluss mehr informativen Charakter. Hier kann man hören, wie die ursprünglichen Fassungen von „Beneath“ (neue Version auf der Narshardaa Singles Club), „Fist Of The Ocean“ und „The Curse Of All Things Drowned“ (beide auf der ersten Full-Length neu aufgenommen) oder „A Sunken City“ (Opener der Split mit Tombs) ursprünglich geklungen haben. Wie gesagt, etwas dumpfer, die Snare etwas prägnanter, teilweise garniert mit Samples eines kleinen Mädchens. Mir gefällt „Beneath“ sogar in der ursprünglichen Version etwas besser. Doch das ist sicherlich wieder eine Frage des persönlichen Geschmacks.

In dieser, wie auch folgenden Schaffensphasen, hatten PLANKS keinen Ausfall, sondern immer gute Songs. Das liegt sowohl an dem markanten Gesang von Ralph, den kraftvollen Drums und nicht zuletzt am intelligenten Songwriting, das gute Ideen geschickt präsentiert, aber gleichzeitig alles so kompakt zusammenfasst, dass für Längen oder unnötige Wiederholungen gar kein Platz bleibt. Immer schön auf den Punkt.

Diese Compilation gibt es nicht als reguläre CD oder ordinärem Digipak. Der Tonträger selber befindet sich in einem schlichten Cardsleeve mit dem typischen Wahrzeichen der Band zu diesem Zeitpunkt: Dem Anker.
Drumherum ist wiederum ein Booklet im Querformat, etwas kleiner als Din A5. Das düstere Artwork ist echt der Hammer. Gerade, weil das Motiv so kontrastarm ist, sind die dunklen Tentakeln im tristen Grau noch bedrohlicher. Im Innenteil des sechsseitigen Beihefts stehen die Texte, ein paar Infos, woher die Lieder stammen, die gängigen Meta-Infos und Danksagungen. Alles zusammen gibt es in einem ziplock Tütchen Unkonventionell und die Hölle für das normale CD-Regal. Aber irgendwie mag ich so ausgefallene Ideen. Und laut Matt von Ecocentric Records macht diese Aufmachung auch weniger Probleme beim Versand, wo normale Jewelcases auch gerne mal kaputt gehen.

Da man nach den ursprünglichen Releases schon gut suchen muss, ist diese Zusammenstellung eine schnelle, einfache und kostengünstige Option, um die erste Hälfte von PLANKS Schaffen zu erwerben. Zumindest physisch. Denn weiterhin gibt es alle Songs (auch von den neueren Alben und Splits, sogar von der Vorgänger-Band Gun Mob) zum Anhören und kostenfreien Download auf dem Bandcamp-Profil von PLANKS.

Bis das letzte Album endlich erscheint, bleibt eigentlich nur noch zu sagen: So long and thanks for the fish. Mir werdet ihr fehlen!

Infos:
Ecocentric Records – 2012
CD – 19 Lieder / 60:18 Min.

http://planks.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/Planks/135871916462217

https://www.facebook.com/Ecocentric.Records
http://www.ecocentricrecords.com/